Reykjanesausbruch: Neuer Krater am Fagradalsfjall

Im Ausbruchsgebiet in den Geldingadalir hat sich ein neuer Krater geformt. Der Professor für Vulkanologie, Þorvaldur Þórðarsson sagte RÚV gestern, es sehe ganz danach aus als ob der neue Krater unabhängig vom alten Krater fördere. Die seit fünf Monaten aktive Eruption produziert Þorvaldur zufolge ein weites Spektrum an Lavaformen, unter anderem eine, die er “Zahnpasta-Lava” nennt.

Magmakammer in 15 Kilometern Tiefe
“Jetzt sieht es so aus als, ob es da einen neuen Krater ausserhalb des Kraters gibt, der seit fünf Monaten ausbricht, und den wir Krater 5 nennen. Ob dieser mit dem die Eruption versorgenden Schlot vollständig verbunden ist, oder ob es sich um eine Protrusion von dem Lavasee im Krater handelt, kann man zum jetztigen Zeitpunkt nicht sagen. Aber es scheint sich um einen unabhängigen Krater zu handeln, der sich unabhängig verhält, oder in gewisser Form unabhängig von dem grossen Krater nebenan,” erklärte Þorvaldur.

Über die Magmakammer, die den Ausbruch mit Material versorgt, wisse man nur wenig, sagt Þorvaldur. “Wir wissen, dass es eine Magmakammer gibt. Wie breit und lang sie ist, das ist schwer zu sagen. Aber wir wissen etwas anderes, nämlich, dass sie bis in eine Tiefe von 15 Kilometern, möglicherweise sogar 17 Kilometern reicht.”

Grund für periodische Aktivität unbekannt
Die Lava, die sich aus den Schloten an die Erdoberfläche wälzt, erreicht Vorortmessungen zufolge eine Temperatur von bis zu 1240 Grad. Þorvaldur legt dar, dass sie alle möglichen bislang bekannte Formen von Basaltlava annimmt, darunter weiche pāhoehoe Lava wie auch rissige ʻaʻā Lava (beide Begriffe stammen aus der hawaianischen Sprache), sowie eine Lavaart, die er “Zahnpasta-Lava” nennt. “Zwei Hauptfaktoren sind dafür verantwortlich, welche Art von Lava entsteht, wenn sie trocknet: die Viskosizität, und die Landschaftsform, über die sie sich ausbreitet.”

Seit Ende Juni hatte sich die vulkanische Aktivität im Ausbruchsgebiet verändert, aktive Perioden hatten sich mit inaktiven abgewechselt, die Stunden und bis zu Tagen andauerten. Ein Grund für den Wechsel in der Aktivität ist bislang nicht bekannt, doch weiss man, dass es einen Zusammenhang mit der Entstehung von riesigen Gasblasen gibt.
“Wir erhalten frische Magma von unten. Sie entlässt Gas in die Blasen und die Blasen wachsen an. Wir sprechen von Gasblasen, die einen Durchmesser von 10 bis 20 Metern haben, wenn sie emporsteigen. Und da sind nicht nur ein oder zwei Blasen. Da ist ein ganzer Strom. Das ist es, was auch was den Magmastrom in diesen Zyklen am Laufen hält. […] Die grosse Frage ist: warum passiert das?”

Experten hatten mehrfach angegeben, dass es keine Prognose dafür gebe, wie lange der Ausbruch andauern werde. Er könnte jeden Moment enden, oder für Monate oder auch Jahre weitergehen.

 

Gasblasen im Gletschersee am Öræfajökull

Im Gletschersee Kvíarlón südöstlich des Öræfajökulls sprudeln Gasblasen im Wasser, das Geräusch, das sie verursachen wenn sie an die Wasseroberfläche steigen und dort zerplatzen, erinnert an Limonade, berichtet RÚV.

Experten der Vulkanabteilung beim isländischen Wetterdienst sehen in dem Gas keine Gefährdung für Touristen.

Die Behörde hatte am letzten Freitag Nachricht von den Gasblasen erhalten. Ein Team mit Messinstrumenten machte sich auf den Weg, um zu kontrollieren, ob das Gas vulkanischen Ursprungs sein könnte.

Das Messgerät saugt die Umgebungsluft ein und kann Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff, Schwefeldioxid und Wasserstoff bestimmen.

Trotz mehrfacher Versuche, Gas unter der Wasseroberfläche einzufangen, gelang es nicht, eine Menge zu erhaschen, die man hätte untersuchen können.

In einer Mitteilung der Behörde hiess es, am wahrscheinlichsten handle es sich um Kohlensäure in kleiner Menge. Solche Ausströmungen an Vulkanen seien normal und wiesen nicht auf eine erhöhte vulkanische Aktivität hin.

In diesem Jahr war die Bebentätigkeit des Öræfajökull zurückgegangen. Der Vulkan war vor zwei Jahren aus einem 300 Jahre langen Schlaf erwacht und hatte zum Teil heftige Bebenserien geliefert. Im Eis des Gletschervulkans hatte sich auch ein Schmelzkrater gebildet.

Öræfajökull ist zweimal seit der Besiedelung des Landes ausgebrochen. Das erste Mal gab es im Jahr 1362 eine plinianische Eruption, die die einst fruchtbare Region rings um den Vulkan komplett veränderte. Im Jahr 1727 brach der Vulkan ein weiteres Mal aus, diesmal verursachten vor allem Gletscherläufe grosse Schäden.

Für das gesamte Gebiet gibt es einen Evakuierungsplan des isländischen Zivilschutzes, wer rund um den Vulkan wandern geht, sollte unbedingt seine Route bei safetravel.is hinterlassen und erreichbar sein.