Freiwillige bringen verbliebene Flüchtlinge in Sicherheit

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Zwei der ursprünglich fünf Freiwilligen in Kairo, die in den vergangenen Wochen Palästinenser mit Aufenthaltsgenehmigung für Island aus dem Kriegsgebiet in Gaza geholt hatten, sind zuversichtlich, dass sie auch die verbliebenen Kinder und Mütter über die Grenze bringen können. Heute war es ihnen gelungen, alle 49 Visainhaber auf die sogenannte Grenzübergangsliste zu setzen, berichtet Vísir.

Visaliste und Erweiterung
Am vergangenen Freitag war eine Gruppe von 72 Palästinensern in Island gelandet. Diese Flüchtlinge waren durch diplomatische Intervention des Auswärtigen Amtes über den Grenzübergang Rafah gelangt. Alle palästinensischen Flüchtlinge mit einem Visa für Island hatten dieses im Rahmen einer Familienzusammenführung erhalten.

Im Februar hatte die Regierung eine Liste der zur Einreise nach Island berechtigten Visainhaber vorgelegt, doch seitdem waren weitere Personen mit einer Aufenthaltsgenehmigung auf der Grundlage von Familienzusammenführung ausgestattet worden. Diese zusätzlichen Personen sind der Grund, warum sich die beiden Isländerinnen immer noch in Kairo aufhalten, obwohl die drei Diplomaten des Auswärtigen Amtes schon in der vergangenen Woche wieder abgereist waren.

„Wir denken so langsam darüber nach, unsere Beteiligung an diesem Projekt zu beenden, angesichts der Tatsache, dass die meisten Visainhaber aus Gaza rausgekommen sind. Die isländische Regierung hat jedoch einen Teil dieser Gruppe hier zurückgelassen, und das ist der Grund, warum wir noch hier sind,“ erklärt María Lilja Þrastardóttir, eine der beiden Freiwilligen. „Aber wir haben es jetzt geschafft, mit denen, die heute auf die Liste gekommen sind, noch 49 Personen, die sich nicht auf der Liste der Regierung befunden hatten, in Gaza ausfindig zu machen.“

Unverständnis über Abreise der Diplomaten
María Lilja zeigt sich optimistisch, dass diese Flüchtlinge es in den nächsten Tagen über die Grenze schaffen. Normalerweise dauere es von dem Tag an, wo eine Person auf die Liste gesetzt wird, acht bis zehn Tage, um eine Genehmigung für den Grenzübertritt zu erhalten. Sie sei doch sehr froh, dass eine grosse Gruppe bereits in Island angekommen sei. Allerdings verstehe sie nicht, warum die Regierung nicht allen geholfen habe.

„Das ist natürlich ausgesprochen verwerflich, dass die isländische Regierung nach Hause gefahren ist, ohne die Sicherheit dieser Leute zu gewährleisten, und dieser Gruppe, und ohne bekanntzugeben, ob sie eine Rückkehr planen, oder auf andere Weise dafür sorgen, dass die Leute in Sicherheit gelangen.“

Freiwillige machen Nägel mit Köpfen
Die fünf Frauen, isländische Schriftstellerinnen und Journalistinnen, hatten sich auf eigene Kosten in Kairo aufgehalten, um den Familienangehörigen von in Island ansässigen Palästinensern über die Grenze zu helfen. Monatelange Proteste vor dem Parlament, und das Drängen auf eine Durchführung der Familienzusammenführung, die bereits im Herbst 2023 angekündigt worden war, hatten kein Ergebnis gebracht. Mit einer grossangelegten Spendensammelaktion hatte man schliesslich genügend Geld zusammenbringen können, um die Amtsgebühren für den Grenzübertritt zu bezahlen. Für den Transport der Visainhaber nach Island war die Internationale Behörde für Flüchtlingstransporte aufgekommen.

Flüchtlinge: Regierung konnte 72 Palästinenser aus Gaza holen

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Gestern Abend sind 72 Palästinenser mit einer Aufenthaltsgenehmigung für Island über die Grenze nach Ägypten gebracht worden, diesmal nach politischer Intervention durch die isländische Regierung, berichtet Heimildin. Die Geretteten können auf der Grundlage einer Familienzusammenführung nach Island einreisen.

Fünf Frauen holten Flüchtlinge über die Grenze
Die israelische Regierung hatte am Wochenende einer von der isländischen Regierung vorgelegten Namensliste zugestimmt, auf denen Personen verzeichnet waren, die das Recht haben, in Island zu leben, heisst es in einer Mitteilung des Aussenministeriums.
Islands Regierung hatte sich zuvor erhebliche Kritik dafür gefallen lassen müssen, wie lange es gedauert hatte, die Visainhaber aus dem Gazastreifen zu holen. Dort war ihre Lage wegen der kriegerischen Handlungen der israelischen Armee mit jedem Tag gefährlicher geworden.
Isländische Freiwillige hatten sich Anfang Februar auf den Weg nach Kairo gemacht, um auf eigene Faust Leute über die Grenze zu holen. Die fünf Frauen schafften es, 12 Personen von der Visa-Liste nach Kairo zu bringen. Den Flug der geretteten Kinder und Mütter nach Island zahlte das internationale Büro für Flüchtlingstransporte. In Kairo fällige Amtsgebühren konnten durch den Erlös einer Spendenaktion in Island beglichen werden.

Keine Verpflichtung der Regierung
Mitte Februar waren dann drei Vertreter des Aussenministeriums nach Kairo gereist, ohne jedoch zunächst etwa bewirkt zu haben. In einer Mitteilung des Aussenministeriums heißt es, Aussenminister Bjarni Benediktsson habe am 27. Februar ein Gespräch mit seinem israelischen Amtskollegen Israel Katz über die Ausreise der Personen auf der Liste geführt.
Die ganze Angelegenheit sei vom Bearbeitungstempo und von der Haltung der israelischen Regierung abhängig gewesen. Die isländische Delegation habe nur nach den rechtlichen und diplomatischen Verfahren arbeiten können, die die israelischen und ägyptischen Regierungen für die Umsetzung solcher Fälle eingerichtet hätten, heisst in der Erklärung.
Weiter heißt es ausdrücklich, dass die Regierung nicht verpflichtet sei, die Freizügigkeit von Inhabern einer Aufenthaltserlaubnis zu erleichtern, in diesem Fall sei dies jedoch geschehen. Der Aussenminister setzte sodann die Angelegenheit in den Kontext zur Einwanderungssituation in Island. „Die Gesamtvision der Regierung in Einwanderungsfragen war kürzlich präsentiert worden, die Änderungen sind nicht zuletzt wichtig, um sicherzustellen, dass diese beispiellose Maßnahme keinen übermäßigen Druck auf das isländische System ausübt.“

Freiwillige wollen 13 Verbliebene auch noch holen
Dreizehn Personen von der Visa-Liste waren nicht mitgekommen. Die fünf Frauen, die seit Wochen auf freiwilliger Basis Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet holen, haben angekündigt, auch diese 13 noch über die Grenze zu bringen. Die Gelder aus der Spendenaktion würde die noch entstehenden Kosten decken.
Nab erwartet, dass die Flüchtlinge in den kommenden Tagen Island erreichen. Die isländische Regierung, so schreibt Vísir, habe der ägyptischen Regierung versprochen, dass die isländischen Visainhaber Ägypten innerhalb von 72 Stunden verlassen würden.
In einer Ankündigung des Arbeits- und Sozialministeriums heisst es, das Arbeitsamt bereite sich gemeinsam mit den Kommunen auf den Empfang der Flüchtlinge vor.

Grosseinsatz von Landsbjörg in Zahlen

Das Unwetter vom vergangenen Wochenende hat alle Einsatzkräfte in Island hart gefordert. Die freiwilligen Rettungsleute von Landsbjörg haben mehr als 4000 Personen aus dem Schnee geholfen. 633 Freiwillige waren neuen Zahlen zufolge zu 83 Rettungseinsätzen ausgerückt.
Auf dem Grindavíkurvegur wurde 1200 Personen im Unwetter geholfen, in Reykjanesbær waren es 1500 Personen, hinzu kamen 2000 festsitzende Fluggäste im Flughafen Leifstöð in Keflavík.

Eine weitere Aufgabe bestand darin, Mitarbeiter des Gesundheitswesens zum Dienst und nach Hause zu bringen, Patienten ins Krankenhaus zu transportieren und Auffangstationen zu eröffnen. Für lebensnotwendige Medikamententransporte zeichneten die Freiwilligen verantwortlich, etwa zum Flughafen, und auch eine Organspende aus dem Ausland wurde von Landsbjörg-Helfern vom Flughafen zur Universitätsklinik gebracht.
Schliesslich gab es zahllose Aktionen, wo Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen, aber auch Unternehmen die Hilfe der Freiwilligen benötigen, um vorwärtszukommen. Schneefahrzeuge von Landsbjörg wurden benutzt, um festsitzende Schneepflüge zu befreien, und schweres Gerät half, Busse aus dem Schnee zu holen.

Rettungsteams holen Tourist aus Schneesturm vom Mælisfellssandur

Gestern Abend und die ganze Nacht haben an die 200 Freiwillige der isländischen Rettungsorganisation Landsbjörg aus dem gesamten Südteil des Landes nach einem ausländischen Touristen gesucht, der gegen 17 Uhr von der Fjallabakroute in der Region Mælifellssandur aus einen Notruf abgesetzt hatte. Der Tourist war nach Auskunft von Pressesprecher Davíð Már Bjarnarson alleine unterwegs und offenbar unterkühlt. Aus der Region wurde Tiefschnee, Schneematsch und schlechtes Wetter gemeldet. Gestern hatte für einen Grossteil des Hochlandes die orangefarbene Unwetterwarnstufe gegolten.
Aus Reykjavík und Selfoss mussten erst Kettenfahrzeuge herbeitransportiert werden, bevor man sich auf die Suche nach dem Touristen machen konnte. Gegen Mitternacht konnte der Tourist etwa 4,5 Kilometer vom ursprünglichen Ort des Notrufs gefunden werden.

In einer Mitteilung von Landsbjörg hiess es am Morgen, im Hochland habe es viel Schnee gegeben, daher seien die Rettungsbedingungen sehr schwierig gewesen. Im Einsatz hätten sich die Teams aus dem Südland, dem Südwestland und dem Westen befunden, dazu Kettenfahrzeuge, Gebirgsfahrzeuge, Schneeschlitten und Suchhunde. Da die Ortsangabe aus dem Notruf offenbar nicht korrekt gewesen war, musste die Suchmannschaft ergänzt werden und kurz bevor der Tourist gegen Mitternacht gefunden wurde, war sie auf 200 Mann angewachsen.

Der Wanderer war bei Auffindung unverletzt, aber nass und unterkühlt. Er wurde per Motorschlitten dem Hubschrauber der Küstenwache übergeben und nach Reykjavík geflogen. Die Ausrüstung des Wanderers muss nach Davíð Márs Angaben vermutlich per Hubschrauber aus dem Hochland geholt werden.
Um fünf Uhr heute Morgen war der letzte freiwillige Retter wieder bei sich zuhause angekommen.

Freiwilligenliste für die Landwirtschaft startbereit

Fast einhundert Personen haben sich in eine Reserveliste für die Landwirtschaft in Island eingetragen, um in landwirtschaftlichen Betrieben im ganzen Land zu helfen, berichtet Vísir. Die Initiative, die der isländische Bauerverband (BÍ) gestartet hatte, schickt Aushilfsarbeitskräfte auf Höfe, wo der Landwirt an COVID-19 erkrankt ist und sich nicht um den Betrieb kümmern kann.

Bislang haben sich sechs Landwirte im Vestur-Húnavatnssýsla im Nordwesten des Landes mit dem neuen Coronavirus infiziert.

“Fast 100 Leute sind auf unserer Liste, “ sagte Guðbjörg Jónsdóttir, die Projektmanagerin beim Bauernverband. “Ich bin wirklich gerührt, wie das Land über seine Bauern denkt und bereit ist zu helfen. Da sind Leute, die Erfahrung und Können haben und eine Ausbildung in der Landwirtschaft haben, und dann gibt es die, die ihren Job im Tourismussektor verloren haben, und dann Ratgeber – alles wirklich gute Leute aus dem ganzen Land.”

Bislang hatten die infizierten Landwirte im Nordwesten ihre Betriebe mit Hilfe von Familienmitgliedern oder Arbeitskräften au der Nachbarschaft aufrechterhalten können. Noch ist nicht bekannt, welche anderen Höfe von der Seuche betroffen sind, aber mit der Freiwilligenliste hofft der Bauernverband, weitere Störungen im Landwirtschaftssektor zu umschiffen, da der Virus sich weiter ausbreitet.
“Der Virus ist offenbar auf dem Weg,” sagt Guðbjörg, “und die Lammzeit beginnt in etwa einem Monat. Das ist die grösste Besorgis, wie wir damit umgehen sollen.”

Landsbjörg erhält Spendengelder – ASÍ sieht Retter missbraucht

Die Stadtverwaltng von Akureyri beschloss auf ihrer Versammlung vorgestern, das Rettungsteam Súlur, welches in der Stadt auf freiwiliger Basis Hilfe in der Not leistet, mit vier Millionen Kronen zu unterstützen. Die Summe soll ihnen für den uneigennützigen Dienst im Interesse der Einwohner des Nordlandes in den vergangenen 20 Jahren zukommen, berichtet RÚV.

Auch der Gemeinderat des Skagafjörður bekundete den Willen zu einer grosszügigen Spende an die Organisation, auf der gestrigen Versammlung wurde dreieinhalb Millionen Kronen für die Björgunarsveitir festgelegt.

Die freiwilligen Rettungsmannschaften vor allem im Nordland, aber auch in anderen Regionen des Landes hatten in der vergangenen Woche unermüdlich Dienst getan, als der Adventsturm grosse Schäden, Verkehrsbehinderungen und den Totalausfall von Strom und Telekommunikationsnetz verursachte. Mehr als 200 Freiwillige aus dem ganzen Land waren zudem an der Suche des in die Núpá gestürzten jungen Mannes beteiligt.

Es ist ganz offensichtlich, dass die freiwilligen Retter eine sehr grosse Rolle gespielt haben, und ohne sie können wir nicht sein. Als alle möglichen Systeme, die nicht ausfallen dürfen, dennoch ausfielen, standen die Retter wie ein Fels und erwiesen sich als Schlüsselpersonen in der Vielzahl der Rettungsmassnahmen, ob klein oder gross. Dank ihrer Beteiligung war es möglich, ein Minimum an sozialen Dienstleistungen auf den Gebieten auszuüben, die sowohl in staatlicher als auch in Gemeindehand lagen, als die Rettungsteams den Transport von Beschäftigten des Gesundheitssystems zwischen den Orten übernahmen.” heisst es in einer Notiz des Gemeinderates.

Man sei den Rettungsteams unendlich dankbar für ihren Beitrag zum Wohle von Gemeinden und Bewohnern. Ähnlich lautet die Niederschrift im Skagafjörður.

Es ist unschätzbar für die Gemeinde, Freiwilligenteams wie die Björgunarsveitir zu haben, die zu jeder Zeit und unter allen Umständen zu Hilfe bereit sind und selbst ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.” heisst es dort.

Auch aus Deutschland wurde nach der Unwetterkatastrophe Geld an Landsbjörg gspendet, vor allem aus der Gemeinschaft der Islandpferdebesitzer, die die Nachrichten um die verschütteten Pferde und ihre Befreiung besorgt verfolgt hatten.

ASÍ vermutet Missbrauch der Freiwilligen

Der stellvertretende Geschäftsführer des isländischen Arbeitnehmerverbandes ASÍ, Halldór Grönvold, sieht die Beteiligung der freiwilligen Rettungsmannschaften an den Noteinsätzen der letzten Tage in einem ganz anderen Licht.

Wie RÚV schon in der vergangenen Woche berichtete, will der Verband prüfen lassen, ob öffentliche Institutionen die Teams von Landsbjörg vermehrt Arbeiten für sich auf freiwilliger Basis erledigen lassen, und zwar Arbeiten, die die Institutionen eigentlich im Interesse der Allgemeinheit selber durchführen müssten. Geprüft werden soll auch, ob Behörden zuviele Leute entlassen hätten und ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden können. Es gebe Beispiele, so heisst es bei RÚV, wo Arbeitnehmer tagsüber einer Beschäftigung nachgehen, und diese nach Dienstende auf freiwilliger Basis im Rahmen ihrer Mitgliedschaft bei einem Freiwilligenteam fortsetzen – dann jedoch ohne Lohn.

Halldór Grönvold sagt, schon oft habe dies Aufmerksamkeit erregt, und nun aktuell beim Unwetter im Norden, wo freiwillige Retter Dienstleistungen verrichtet hätten, die eigentlich Basisdienste in der Gemeinschaft seien. Man müsse sich fragen, ob die öffentliche Hand ihren Betrieb aus Sparmassnahmen so weit eingeschränkt habe, und sich einfach immer öfter auf den Einsatz der Freiwilligen verlasse.

Die Freiwilligen seien nicht dazu da, soziale Dienste oder Sicherheitsdienste für die Allgemeinheit zu verrichten.

Halldór erwähnte besonders die Strassenverwaltung, die mit den Björgunarsveitir um Wachdienste an winterlichen Strassensperren und im Hochland verhandle. Auch beim Krankentransport finde man freiwillige Retter ohne Lohn im Einsatz.

Halldór fordert eine genaue Prüfung dieser Situation, um herauszufinden, ob es sich beim Einsatz der Freiwilligen um einen grossangelegten Missbrauch der Leute handle.