Reykjanesausbruch: Gasbelastung steigt, vierte Spaltenöffnung seit letzter Nacht

Aerial view of lava flowing from the Geldingadalur crater and the audience gathered to admire it

Experten in der Giftzentrale der Universitätsklinik empfehlen Menschen mit Astma und Herz- und Atemwegsbeschwerden sowie schwangeren Frauen, nicht zum Vulkanausbruch zu gehen. Besondere Sorge bereitet den Fachleuten die hohe Menge an Fluorwasserstoffsäure, die Reizung in den Augen, auf der Haut und im Hals verursacht. Die Gasverschmutzung durch den Ausbruch kann sogar tödlich sein, und inzwischen hat eine ganze Reihe von Besuchern medizinische Hilfe suchen müssen.

Vulkan als Sprühflasche für Giftgase
Die Giftzentrale ist rund um die Uhr geöffnet (Telefon (00354) 543 2222 und 5431000, sowie über die Notfallhotline112). Bislang sind dort zehn Anrufe von Leuten eingegangen, die von der Ausbruchsstelle zurückkamen und über Reizungen in den Augen klagten. Auch Ärzte haben um fachliche Unterstützung gebeten.
Der Zivilschutz hat nun einen Flyer zu den Gefahren aus dem vulkanischen Gasen herausgegeben. Danach sind aktive Vulkane wie Sprühflaschen, die alle möglichen Gase in der Athmosphäre verteilen. Am stärksten ist die Gasverschmutzung in Nähe des Ausbruchs, die Gase können sich mit dem Wind in einem weiten Umkreis verteilen. Die Gasverschmutzung kann Mensch und Tier schaden, aber auch der Vegetation und Gebäuden.

Hier sind die Hauptgifte, die der Vulkan freisetzt:
Schwefeldioxid, SO2. Riecht wie Feuerwerksraketen. Vergiftungserscheinungen: Husten, Kopfschmerzen, Reizung in Augen, Nase und Hals.
Schwefelwasserstoff, H2S. Riecht wie vergammelte Eier, typischer Geruch in Geothermalgebieten. Nicht alle nehmen diesen Geruch wahr, und damit kann er besonders gefährlich sein. Vergiftungserscheinungen: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Reizung in den Atemwegen, Delirium. Eine hohe Menge des Gases kann zu Ohnmacht und plötzlichem Tod führen.
Kohlendioxid, CO2, geruchslos und damit besonders gefährlich. Gasmasken schützen nicht vor Kohlendioxid. Vergiftungserscheinungen: Kopfschmerzen, Schweissausbruch, Herzklopfen und Atemwegsbeschwerden. Schwere Vergiftung kann ohne Vorwarnung zum Tod führen.

Saurer Regen
Alle Gase sind farblos und schwerer als die Atemluft, daher befinden sie sich in Bodennähe. Ausserdem ist der Geruchssinn der Menschen unterschiedlich ausgeprägt, und man kann sich an Gerüche gewöhnen.
Kinder, schwangere Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Herz und Kreislauferkrankungen sollten nicht länger als 15 Minuten an Orten verweilen, wo die Gasbelastung über dem Grenzwert liegt.
Regen und Schneefall in Ausbruchsnähe ist durch die Schwefelsäure oft sauer. Diese Niederschläge können Haut, Augen und Nasenschleimhaut reizen. Sie fördern auch den Rost und können Autos und Gebäude schädigen, sowie negative Auswirkungen auf Lebewesen im Wasser haben.

Schon im März war eine beträchtliche Menge an Flúorwasserstoffsäure in der Umgebung des Ausbuchs gemessen worden. Vor allem Pfützenwasser enthielt hohe Mengen. Vom Mitführen von Hunden zum Vulkanausbruch war daher dringend abgeraten worden.

Der Zugang zum Vulkanausbruch kann von den Behörden jederzeit untersagt und das Gelände geräumt werden, wenn die Gasbelastung über die Grenzwerte steigt.

Vierte Öffnung in der Spalte
In der Nacht hat sich in den Geldingadalir eine weitere Spalte auf der gedachten Linie des Magmaganges geöffnet.Auf der Halbinsel Reykjanes muss heute mit einer vermehrten Gasbelastung gerechnet werden, das Gas hat sich RÚV zufolge in der Nacht an der Ausbruchsstelle angesammelt. In den Morgenstunden zieht die Gaswolke nordwärts nach Reykjanesbær und Vógar, um die Mittagszeit dreht sich der Wind. Dann muss mit einer Gasbelastung zunächst in der Hauptstadt und in Þorlákshöfn gerechnet werden.
Eine Karte der Gasbelastung findet man hier.