Flugverkehr in Keflavík: Tarifeinigung erzielt, Streiks abgewendet

Die angekündigten Streiks am Flughafen in Keflavík sind in letzter Minute mit einem Tarifabkommen zwischen dem Arbeitgeberverband und den Gewerkschaften der Flughafenmitarbeiter und Sameyki abgewendet worden. Ende Mai soll über den Tarifvertrag abgestimmt werden

Die Verhandlungen liefen bereits seit letztem September, am 8. April war der staatliche Schlichter dann eingeschaltet worden. Ástráður Haraldsson drückte seine Zufriedenheit über die Einigung aus. Über die Verhandlungsergebnisse bei den Gehältern seien die Tarifparteien nicht sonderlich erfreut gewesen, aber er hoffe, jedermann sei jetzt „vernünftig unzufrieden“. Als nächste Hürde ist die Abstimmung der Gewerkschaftsmitglieder zu nehmen.

In einem Interview mit Vísir sagte der Sameyki-Vorsitzende Þórarinn Eyfjörð, man habe das gewünschte Gleichgewicht der Interessen erreicht. Die Gewerkschaften seien mit dem Ergebnis zufrieden gewesen, obwohl „man nie zufrieden ist, wenn man Tarifverträge unterzeichnet“. Der Tag gestern sei ein „harter Arbeitstag“ gewesen, mit vielen positiven Entwicklungen, selbst wenn man seine Ziele doch niemals ganz erreiche.

Þórarinn legt seinen Gewerkschaftsmitgliedern den Tarifvertrag dennoch mit Zuversicht vor. Man wolle sogleich eine Informationskampagne starten, damit die Leute bis zum Abstimmungstag am 20. Mai alle Fakten beisammen haben. Er schaut optimistisch auf die Abstimmung, auch wenn es, wie er sagt, für nichts eine Garantie gebe.

Flugverkehr zwischen Keflavík und den Färöerinseln aufgenommen

Nach 20 Jahren Pause bedient Icelandair seit heute wieder eine Linienflugverbindung zwischen Keflavík und den Färöerinseln, berichtet Vísir. Die Flugverbindung findet in Zusammenarbeit mit der Atlantic Airways statt, die bislang zwei bis drei mal pro Woche den Reykjavíker Inlandsflughafen angeflogen hatte.

Wichtige Verbindung zwischen den Inseln
Die ersten Flüge hatten im Jahr 1963 mit kleinen Fokker-Maschinen stattgefunden, später übernahmen die Färinger den Flugverkehr, gründeten Flugfélag Foröyja und dann Atlantic Airways, die seit 2004 Island anflog. Heute landete zur Feierstunde eine Dash8 Q400 aus Island, mit der isländischen Aussenministerin an Bord.
„Das ist natürlich ein grosses, tolles Zusatzangebot, sowohl für die Färöerinseln und seine Bewohner, als auch für uns. Wir haben hier gehört, dass grosses Interesse besteht, vor allem aus den USA, die Färöerinseln in die Reise einzufügen. Das kommt also beiden Ländern zugute,“ sagt Aussenministerin Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir.
„Ich finde, das ist ein sehr wichtiger Schritt für die Verbindung zwischen den Färöerinseln und Island. Island hat uns immer schon mit der Welt verbunden. Erst in Europa, die Isländer waren ja die ersten, die zwischen den Färöerinseln und Glasgow, Kopenhagen und Europa geflogen sind,“ freut sich der Aussenminister der Färöerinseln, Høgni Hoydal. Seine Regierung sei über die neue Flugverbindung sehr erfreut.

Keflavík bedient vor allem den US-Markt
Und zum ersten Mal wird nun von Keflavík aus geflogen. Icelandair-Pressesprecher Guðni Sigurðsson erklärt den Grund.
„Wir wollen uns dem Flugplan in Keflavík anbinden. Und da besonders Nordamerika und Grönland. Das ist genau so aufgestellt, dass die Flugzeiten zusammenpassen, und wir sehen schon jetzt eine grosse Nachfrage aus Nordamerika,“ sagt Guðni. Damit bediene man die Färinger, Grönländer, Isländer und die Amerikaner, Flugzeuge seien besser ausgelastet, Flüge rentabler.
Alle 76 Plätze der heutigen ersten Maschine waren ausgebucht, rund die Hälfte der Passagiere kam aus den USA und Kanada.
Guðni betont, man befinde sich nicht im Wettbewerb mit Atlantic Airways, sondern in Zusammenarbeit, wie schon zuvor, man erhöhe jetzt aber die Flugverbindungen, um die Nachfrage aus den USA besser bedienen zu können. Geplant sind tägliche Flüge nach Island.

Rekordsommer am Flughafen Keflavík erwartet

Für diesen Sommer erwartet Islands Reisebranche 8,5 Millionen Gäste am internationalen Flughafen in Keflavík. Dazu zählen natürlich auch reiselustige Isländer, die über die Sommerferien das Land verlassen.

Die Passagierprognose des Flughafenbetreibers Isavia rechnet mit 2,4 Millionen ausländischen Besuchern, die Island bereisen. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, dürfte der Sommer 2024 der drittgrösste in der Geschichte des Flughafens sein und der grösste Touristensommer überhaupt, berichtet mbl.is.
Ganze 28 Fluggesellschaften fliegen Keflavík in diesem Sommer an, pro Tag sind durchschnittlich 178 Starts gebucht.

82 Destinationen im Ausland
In einer Mitteilung der Isavia heisst es dass man von Keflavík aus 82 Destinationen anfliegen kann, rekordverdächtige 28 Fluggesellschaften bieten Direktflüge an. Davon bieten 25 Fluggesellschaften Linienflüge, und drei haben eine begrenzte Anzahl an Verbindungen im Angebot. Und so manches Unternehmen hat speziell für diesen Sommer Destinationen ins Programm genommen.
„Wir freuen uns darauf, noch mehr Gäste in diesem Sommer begrüssen zu können. Die Passagierprognose sieht für die Sommermonate, April bis Oktober, einen Anstieg der Fahrgastzahlen um je 391.000, das sind 7,2% mehr als im Vorjahr,“ schreibt Greta Már Garðarsson, der Vorsitzende für Fluggesellschaften und Destinationsentwicklung bei der Isavia in der Mitteilung.

Icelanda­ir bedient über die Hälfte aller Flüge
Starts und Landungen werden sich in diesem Sommer auf 37.000 belaufen, das sind 5% mehr als im Vorjahr und 36% mehr als im Jahr 2019. Dabei entfallen 58% aller Flugbewegungen auf die isländische Luftlinie Icelandair, Play betreibt 18,8% aller Starts und Landungen, auf andere Fluggesellschaften entfallen zusammen 23,3%.
Das Gesamtplatzangebot beträgt 6,7 Millionen, das sind 4% mehr als im Vorjahr und 26% mehr als im Jahr 2019.
Die isländische Fluggesellschaft Icelandair wird in diesem Sommer voraussichtlich alle Rekorde schlagen und ihre Flüge um 8% im Vergleich zum Vorjahr und um 20% im Vergleich zu 2019 steigern. Auch die Fluglinie Play hat ihr Angebot ausgeweitet und kann 5% mehr Flüge als im Vorjahr anbieten.

 

Niceair cancelt sämtliche Flüge

Airplane from Niceair

Die Fluggesellschaft Niceair hat gestern sämtliche Flüge von und nach Akureyri gecancelt und den Betrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt, berichtet RÚV. Nach Angaben von Geschäftsführer Þorvaldur Lúðvík Sigurjónsson hat der ausländische Geschäftspartner Hifly seine Verbindlichkeiten gegenüber dem Flugzeugeigentümer nicht beglichen. Þorvaldur Lúðvík sagt, obwohl Niceair alle Verbindlichkeiten gezahlt habe, seien das Geld nicht beim Flugzeugeigentümer angekommen. Nun habe man die Flugzeuge verloren und könne den Verpflichtungen gegenüber Passagieren nicht nachkommen.

Die Charterfluggesellschaft Niceair hatte im vergangenen Sommer den Flugverkehr zwischen Akureyri und Dänemark, Grossbritannien und Spanien aufgenommen. Im Winter hatte man die britische Destination aus dem Flugplan nehmen müssen, sie sollte aber zum Herbst hin wieder angeflogen werden.
Der letzte Niceair-Flug war am Sonntag nach Kopenhagen gegangen. Þorvaldur Lúðvik sagt, man habe nur noch alle Flüge absagen können und prüfe derzeit weitere Schritte. Niceair sei von der Situation kalt erwischt worden, weil von heute auf morgen kein Flug aus dem Land mehr geht und etwa Passagiere in Teneriffa festsässen, die die Fluggesellschaft heimholen müsse.

Die nächsten Schritte seien unklar. Þorvaldur betont, dass Niceair nicht bankrott sei.
“Das ist in jeder Hinsicht eine extrem ungünstige Zeit. Im Flugverkehr beginnt jetzt die Hochsaison. Wir haben gerade unsere Finanzierungsrunde abgeschlossen.” Alles habe darauf hingewiesen, dass das Unternehmen gut dastehe.
Die Mitarbeiter seien informiert. Derzeit suche man händeringend nach Flugzeugen, doch das sei zum jetztigen Zeitpunkt denkbar schwierig. Alle per Kreditkarte gebuchten Flüge würden über die Kreditkartenbetreiber erstattet, alle anderen Forderungen müssten den üblichen Weg gehen.

Condor cancelt Flüge nach Akureyri und Egilsstaðir

condor airline iceland

Die deutsche Fluglinie Condor hat sämtliche geplanten Linienflüge nach Akureyri und Egilsstaðir eingestellt noch bevor der Sommerverkehr losgehen sollte, berichtet Vísir. Im vergangenen Sommer hatte Condor angekündigt, wöchentlich zwischen Frankfurt und den beiden isländischen Destinationen verkehren zu wollen. Nach Angaben des Flughafenbetreibers Isavia sei mehr Zeit nötig gewesen, damit Reiseunternehmen im Voraus hätten buchen können. Für das kommende Jahr ist eine entsprechende Planung jedoch jetzt bereits in Arbeit.

Sigrún Björk Jakobsdóttir vom Flughafenmanagement sagte Vísir gegenüber: “Es gibt viele Faktoren, die zu diesem Ergebnis geführt haben. Das Marketing im Ausland hat nicht früh genug begonnen, um in diesem Jahr starten zu können, und die veränderliche Marktsituation hat auch eine Rolle gespielt. Das Interesse der Fluglinien an internationalen Flügen in den Norden und Osten wächst stetig, wir haben das bei vielen Tourismusmessen und Workshops im Ausland gesehen.”
Akureyri und Egilsstaðir sind kleinere, regional operierende Flughäfen. Akureyri bedient gerade mal eine handvoll internationaler Fluglinien, Egilsstaðir ist ein rein nationaler Flughafen. In der Tourismusindustrie hofft man, diese kleinen Flughäfen einbinden zu können, um den Norden und Osten für den Tourismus besser zu erschliessen.
“Es ist extrem wichtig, auch weiterhin Zugang zum Land über neue Portale zu gewähren, ganz auf Linie mit dem Ziel der Regierung, den Tourismus in allen Landesteilen voranzubringen.” sagt Sigrún. “Das wird auch daher auch weiterhin unser Hauptziel sein, und das Interesse ist ganz klar vorhanden. Die Verfügbarkeit von internationalen Flügen über Akureyri ist niemals grösser gewesen, und Reiseunternehmen, die Ziele dort anbieten, konnten die Anzahl ihrer Touren ausbauen.”

Marktforschungsergebnissen zufolge möchten viele Touristen, die Island einmal besucht haben, danach gerne auch andere, weniger zugängliche Landesteile sehen. Dem deutschen Markt falle eine Schlüsselrolle in der isländischen Tourismusindustrie zu, so Sigrún Björk.

 

Rekordzahl an Flügen nach Akureyri und Egilsstaðir

Akureyri

Die Flughäfen von Akureyri und Egilsstaðir sind auf der internationalen Reisekarte angekommen. Etwa 200 Auslandsflüge haben Akureyri zum Ziel, bis zu 30 könnten Flüge in Egilsstaðir landen – für beide Flughäfen neue Rekorde, berichtet RÚV.
Sigrún Björk Jakobsdóttir,Isavia-Geschäftsleiterin der Inlandsflughäfen, nennt als Hauptgrund für den Zuwachs das steigende Interesse der Touristen an diesen Landesteilen und den Naturwundern, die dort zu finden sind.

Edelweiss, Condor, Transavia Holland und Niceair sind auf die Fluglinien, die eine Gelegenheit sehen, Akureyri und Egilsstaðir von Europa aus anzufliegen.
Während der Hochsaison könnte es dann zeitweilig eng werden. Sigrún meint, wenn die Maschinen von Edelweiss und Condor gegen Abend landeten, sei der Flugverkehr für den Tag beendet. Zu anderen Zeiten könnte es jedoch durchaus an die Grenze der Belastbarkeit gehen.

Die Vorteile internationaler Flüge würden allerdings nicht auf sich warten lassen, so Sigrún, wie etwa eine verlängerte Verweildauer der Gäste, und eine bessere Ausnutzung von Übernachtungsmöglichkeiten und Infrastrukturen im Norden und Osten des Landes.

Acht Millionen Fluggäste in 2023 im Flughafen Keflavík erwartet

Keflavík Airport

Etwa 7,8 Millionen Fluggäste werden für das kommende Jahr am Internationalen Flughafen in Keflavík erwartet, wenn sich die Prognosen der Flughafengesellschaft Isavia bewahrheiten. Dann könnte es dort zeitweise ziemlich eng werden, berichtet RÚV.
Von den 7,8 Millionen werden geschätzte 2,2 Millione Fluggäste n Island als Destination anfliegen. Nur im Jahr 2018 waren mehr Gäste auf die Insel gekommen. Der Flughafen in Keflavík dient auch als Zwischenlandeplatz für Flüge zwischen den USA und Europa. Geschätzte 27 % der Gesamtpassagierzahl dürften Fluggäste in Zwischenlandung sein.

Im Jahr vor der COVID-Pandemie hatte die Zufriedenheit der Fluggäste mit steigender Enge in den Hallen immer weiter abgenommen. Isavia-Chef Sveinbjörn Indriðason kündigt ein besseres Fahrgastmanagement an, um die Belastung über den Tag zu verteilen. Die Zahlen stellten dennoch eine echte Herausforderung dar, und alle, die den Flughafen nutzten, würden dies im nächsten Jahr zu spüren bekommen. “Das wird eng, wir stehen mitten in Umbauarbeiten, aber wir trauen uns das zu und glauben, dass das klappt.”
Der erste Abschnitt der Bauarbeiten soll Ende kommenden Jahres abgeschlossen sein, wenn eine neue Gepäckausgabe ihre Türen öffnet. Der sogenannte Ostflügel soll im zweiten Halbjahr 2023 schrittweise geöffnet und Ende 2024 vollständig genutzt werden. Dann, so Sveinbjörn, gebe es mehr Platz für die Fahrgäste.

Die grösseren Bauprojekte dauern länger. Der gesamte Flughafen soll bis zum Jahr 2030 in Abschnitten um ein Drittel vergrössert werden.
“In den vergangenen Jahren sind wir immer nur so ein bisschen unserem Schwanz hinterhergelaufen, und bis 2028 oder 2030 wird das auch erst mal so bleiben. Aber dann mache ich mir Hoffnungen, dass wir mit dem Markt wachsen können und ihm nicht hinterherlaufen, wie wir das bisher getan haben, weil das Wachstum unsere Vergrösserungskapazitäten überstiegen hat,” erklärt der ISAVIA-Chef.

Privatflugzeuge dürfen auch weiterhin in Reyjkavík landen

Der Vorschlag der Linksgrünen Fraktion im Reykjavíker Stadtrat für eine Begrenzung von Privatflugzeugen und Hubschraubern auf dem Inlandsflughafen ist am vergangenen Donnerstag abgelehnt worden. Die Mehrheit, vor allem aus der Unabhängigkeitspartei, war dagegen, ein Vertreter der Sozialdemokraten stimmte mit den Linksgrünen für den Vorschlag, berichtet RÚV.
Immer mehr Privatflugzeuge von zum Teil beträchtlicher Grösse landen auf dem städtischen Flughafen, in diesem Jahr schätzt man 900 Maschinen, das sind durchschnittlich drei pro Tag.

Fluglärm stört Einwohner
Nach Angaben von Líf Magneudóttur von den Linksgrünen verursachen diese Flugzeuge reichlich Belästigung. Vor allem der Fluglärm in der Innenstadt sei für Einwohner ein Grund zur Klage, und viele seien der Ansicht, dass man umweltfreundlichere Fortbewegungsmittel finden müsse als die Privatflugzeuge der Reichen. So mancher verstehe auch nicht, warum diese Leute nicht wie jeder andere in Keflavík landen.
Laut einer zehn Jahre alten Vereinbarung zwischen dem Land und der Stadt soll ein Ersatzflughafen in Hauptstadtnähe für den Flugunterricht und für Privatflugzeuge gefunden werden. Stefán Pálssson von den Linksgrünen findet, diese Vereinbarung gehöre erneut auf den Verhandlungstisch, damit der städtische Flughafen vom Fluglärm der Privathubschrauber und -flugzeuge befreit wird.
Im Sommer hatte Bürgermeister Dagur B. Eggertsson angegeben, dass man auf Antwort des Verkehrsministeriums in Bezug auf eine Eignung eines Geländes in der Hvassahraun warte, und solange sehe er für dieses Jahr keinen Anlass zum Handeln.

Luxustourismus bringt Privatflugzeuge
Die grossen Privatflugzeuge landen vor allem während der Sommermonate. In diesem Sommer landete etwa eine 19-sitzige Maschine aus den USA, mit zwei Passagieren, zwei Piloten und einer Flugbegleiterin an Bord.
Hákon Öder Einarsson vom Dienstleistungsunternehmen ACE FBO gab im Sommer RÚV gegenüber an, die Zahl der privaten Landungen habe sich seit 2019 mehr als verdoppelt. Die meisten Passagiere seien ausländische Angler und Naturfreunde – die Art von Luxustourismus, auf den die Isländer vermehrt setzten. Es gebe aber auch recht viele Krankentransportflüge und Flüge mit Organspenden von und nach Schweden und Norwegen.
An manchen Tagen, so Hákon, sei der kleine Flughafen aus allen Nähten geplatzt und man sei Gefahr gelaufen, Flugzeuge abzuweisen. Auch auf den anderen Flugplätzen des Landes werde es eng, weil der Flugverkehr stetig anwachse.

Luftverkehr über Island erreicht Vor-Pandemiestand, Fluglotsen gesucht

Der Luftverkehr über dem Nordatlantik kommt langsam wieder an die Verkehrsdichte vor der Corona-Pandemie an. Zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie sucht der Flughafenbetreiber Isavia nun wieder nach Bewerbern für die Ausbildung zum Flugverkehrsleiter, berichtet Vísir.

Ein Teil des Luftverkehrs über dem Nordatlantik läuft über das isländische Hoheitsgebiet. Die meisten Überflüge wurden in den Jahren 2017 bis 2019 verzeichnet, und eigentlich hätte das in 2020 so weitergehen sollen, immerhin brachte der Februar 2020 die höchste Überflugzahl aller Zeiten.

Mit dem Virus brach jedoch auch der Flugverkehr über Island zusammen. Kondensstreifen am isländischen Himmel wurden zur Seltenheit, kaum sah man mal ein Flugzeug in der Sonne blinken. Vor allem in den ersten Wochen der Pandemie war der vollkommen flugzeugfreie Himmel ein Erlebnis für sich.
“Wo an normalen Tagen bei uns zehn bis zwölf Flugverkehrsleiter arbeiten, waren da vielleicht noch drei im Tower,” erinnert sich Þórdís Sigurðardóttir, eine Betriebsleiterin der Isavia.

Als die Welt stillzustehen schien, flogen vielleicht noch 100 Flugzeuge pro Tag über das isländische Hoheitsgebiet. An verkehrreichen Tagen in 2019 waren dies bis zu 800 Flugzeuge gewesen. Daher waren immer weniger Fluglotsen vor Ort, wobei die Isavia keine Kündigungen ausgesprochen hatte. Jetzt kommt der Betrieb wieder in Gang. Þórdís sagt, nach Wochen mit schwankenden Zahlen sei man inzwischen bei fast 80 Prozent der Flugzahlen von 2019 angekommen.

Grund genug für die Isavia, an Nachwuchs für den verantwortungsvollen Job zu denken, denn Flugverkehrsleiter sind nur bis zum 63. Lebensjahr tätig und ein grosser Jahrgang macht sich derzeit bereit, in Rente zu gehen. Die Lücke muss gefüllt werden, erklärt die Fluglotsin Guðný Tómasdóttir.
Þórdís erwartet, dass der Flugverkehr in den kommenden Monaten weiter steigen wird. Im Jahr 2024 könnte er die Zahlen aus 2019 wieder erreicht haben und danach allgemein weiter steigen.

Grönland stoppt COVID-bedingt Passagierverkehr nach Island

Die grönländischen Behörden haben den Passagierflugverkehr von und nach Grönland für alle Länder ausser für Dänemark gesperrt, berichtet RÚV. Die isländische Fluglinie Air Iceland Connect hatte am vergangenen Freitag noch einen Flug nach Nuuk bedient, doch nun gibt es erst mal von Island aus keine Grönlandflüge mehr, bis der Luftverkehr in das arktische Land wieder gestattet ist.
Frachtflüge und Notflüge könnten möglicherweise auch weiterhin erlaubt sein.
Zuletzt hatten die Fluggesellschaften Air Greenland und Air Iceland Connect den Passagierverkehr nach Grönland bedient. Air Greenland hatte die Verbindung nach Dänemark aufrecht erhalten, Air Iceland Connect war zwischen Island und Grönlands Hauptstadt Nuuk verkehrt.

Hoffen auf Ausnahmegenehmigung für Frachtverkehr
Wie Ásdís Ýr Pétursdóttir, die Pressesprecherin von Icelandair, sagte, seien die Flugangebote von und nach Nuuk sehr unterschiedlich stark genutzt worden. Manche Flüge seien fast leer gewesen, andere relativ gut ausgelastet.

Air Iceland Connect hatte auch eine grosse Anzahl von Frachtflügen zwischen den beiden Ländern übernommen, und Ásdís Ýr gab an, man prüfe derzeit die Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen für den Frachtverkehr. Ansonsten stehe das Unternehmen in den Startlöchern, sobald die Sperrung des Flugverkehrs wieder aufgehoben wird.

“Es geht darum, dass wir uns absichern wollen, so wie es gegen die weltweit wachsende Coronapandemie und die Ansteckungsgefahr von Island aus gemacht wird. Das ist nicht speziell gegen Island gerichtet,” erklärte Nels Ulrik Winther, der grönländische Seuchenschutzbeauftragte im Interview mit Grönlands Radiosender KNR. Seine Behörden wollten dass alle, die in das Land reisen, über einen einzigen Flughafen kommen, damit sichergestellt wird, dass die Angelegenheit auf ein und dieselbe Weise behandelt wird. Dieser Flughafen sei Kastrup in Kopenhagen.
Nach Angaben des grönländischen Radios haben sich seit Ausbruch der Pandemie 17 Personen mit COVID-19 angesteckt. Zur Zeit ist niemand in Grönland positiv.