Niceair-Pleite ist Enttäuschung für Einwohner im Nordland, sagt Bürgermeisterin

Airplane from Niceair

Der nordisländische Fluganbieter Niceair ist endgültig pleite. Gestern war vonseiten des Unternehmens um eine Insolvenzabwicklung gebeten worden. Die Bürgermeisterin von Akureyri bezeichnete die Angelegenheit als grosse Enttäuschung für die Einwohner Nordislands. Die Pleite sei nicht dem zu kleinen Markt für Auslandsflüge ab Akureyri anzulasten, sondern anderen Faktoren.

Niceair hatte gestern um ein Insolvenzverfahren ersucht, als Grund für die Insolvenz wurde abnormales Geschäftsgebahren der ausländischen Partner angegeben. Der Fluganbieter war zu Beginn letzten Jahres mit Stützpunkt Akureyri gegründet worden. Von dort aus waren Linienflüge nach Kopenhagen, London, Teneriffa und Alicante im Angebot. Im letzten Monat wurde der Flugverkehr dan von einem Tag auf den anderen eingestellt, um die Finanzen in Ordnung zu bringen. Das hat ganz offensichtlich nicht geklappt.

Vertane Chance für Akureyri
“Wir hegten natürlich grosse Erwartungen darin, Direktflüge von Akureyri nach Europa zu bekommen,” sagte Ásthildur Sturludóttir, die Bürgermeisterin von Akureyri. “Da ist vielleicht vor allem Enttäuschung, dass das so gelaufen ist.” Das Unternehmen hinterlasse eine Lücke, in mehr als einer Hinsicht.
“Sowohl darin, Touristen in unsere Region zu bekommen, und dieses zweite Tor ins Land zu öffnen, als natürlich auch eine Dienstleistung für die Bewohner dieses Landesteiles bereitzustellen, mit Direktflügen von Akureyri nach Europa,” erklärt Ásthildur.
Die Pleite sei kein Anzeichen dafür, dass es keinen Markt für Auslandsflüge im Norden Islands gebe, das Gegenteil sei der Fall.
“Ich denke, dieser Versuch hat klar gezeigt, dass es ganz sicher einen Markt für genau diese Flugverbindung gibt. Aber das war es nicht, was die Pleite verursachte. Das waren andere Voraussetzungen oder Bedingungen.” Ásthildur ist überzeugt, dass dies nicht der letzte Versuch gewesen ist, um Akureyri mit dem Ausland zu verbinden.

Geschenkgutscheine wertlos
Viele Isländer hatten im eisigen und schneereichen Winter die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, in die Sonne zu fliegen, ohne sich erst über verschneite Bergstrassen zum internationalen Flughafen Keflavík im Südwesten durchkämpfen zu müssen. Zahlreiche Unternehmen hatten ihren Mitarbeitern zum Jahreswechsel einen Fluggutschein zukommen lassen – unter anderem das Krankenhaus in Akureyri seinem Pflegepersonal. Das steht nun mit leeren Händen da.
Breki Karlsson vom isländischen Verbraucherschutz sagte in einem Gespräch mit Vísir, diese Geschenkgutscheine seien wertlos. Zuvorige Erfahrungen mit Pleiten von Fluggesellschaften hätten das gezeigt. Dennoch empfiehlt er, Ansprüche beim Insolvenzverwalter geltend zu machen. Der Verbraucherschutz werde entsprechende Hinweise und eine Vorgehensweise auf seiner Webseite veröffentlichen.

 

Transplantationspatient kam nicht zur OP, weil kein Flugzeug bemannt war

landspitali national university hospital iceland

Ein isländischer Transplantationspatient konnte nicht nach Schweden zur OP geflogen werden, weil keine Besatzung für den Krankentransportflug zur Verfügung stand, berichtet Vísir. Die Klinikleitung der Universitätsklinik Landspítali gab an, ein solcher Vorfall dürfe sich nicht wiederholen.

Der Patient hatte vor einer Woche gegen Mitternacht die Mitteilung erhalten, dass eine Spenderleber gefunden sei, und dass er sich schnellstmöglich zur OP in Schweden einzufinden habe. Doch was gut begann, endete alles andere als glücklich, denn gegen Morgen wurde ihm mitgeteilt, dass man für das Krankentransportflugzeug keine Mannschaft habe finden können, weswegen er es nicht zur lebensrettenden Operation schaffte.

Die isländische Krankenversicherung kümmert sich um die Verträge rund um den Krankenflugtransport, die Fluggesellschaft Ernir fliegt solche Auslandseinsätze und Mýflug bedient den Inlandsmarkt für Krankenlufttransporte.
“Wir haben Verträge mit diesen beiden Unternehmen darüber, dass diese Flüge absolute Priorität vor allen anderen Flügen geniessen, aber in diesem Fall war es nicht möglich, eine Mannschaft für das Flugzeug bereitzustellen,” sagte Sigurður Helgi Helgason, der Direktor der isländischen Krankenversicherung.
Mit der Fluggesellschaft Norlandair gibt es zwar ein Abkommen, aber in jener Nacht keinen Flug. Das Flugzeug der Küstenwache hatte sich ausser Landes befunden. Auch im Ausland habe man erfolglos nach einer Flugmöglichkeit gesucht, so Sigurður.

Flug hakte an nicht-vorhandener Besatzung
Von Seiten der Uniklinik hiess es, der Vorfall sei schwerwiegend und man erachte es als dringend, die Bemannung solcher Flüge unter allen Umständen zu sichern. Es gehe um die Interessen der Patienten. Ein solcher Vorfall dürfe sich nicht wiederholen. Bislang seien die Transporte stets möglich gewesen und man habe Probleme wie dieses stets in irgendeiner Form lösen können.

Auf Anfrage von Vísir hiess es bei Ernir, man bedauere den Vorfall, man habe alles versucht, den Patienten rechtzeitig nach Schweden zu transportieren. Es gebe jedoch kein Abkommen darüber, dass ein Flugzeug samt Besatzung Tag und Nacht zur Verfügung stehen muss. Der Vorfall sei ein Einzelfall, die Fluggesellschaft fliege Patienten seit etwa zehn Jahren zwei bis dreimal pro Monat ins Ausland. In der Regel könne man zwei bis drei Stunden nach dem Anruf abfliegen.

“Für eine Flugbereitschaft rund um die Uhr benötigt man mehr als eine Besatzung, und wahrscheinlich mehr als zwei, und damit sind grosser Aufwand und Kosten verbunden, aber natürlich kann man alle Möglichkeiten prüfen,” so Sigurður. “Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, ist nicht besonders hoch, und die Wahrscheinlichkeit, dass das wieder passiert, ist auch nicht hoch.” Man wolle den Fall ganz genau prüfen und nach Wegen suchen, um sicherzustellen dass Patienten geflogen werden können.