Strassenbau in den Westfjorden: aus Asphaltbrösel wird wieder Schotterpiste

Der Vestfjarðavegur Nr. 60, die Strasse die durch die Dalir und die Region Reykhólarsveit führt, ist in einem so schlechten Zustand, dass die isländische Strassenverwaltung entschieden hat, den Asphalt streckenweise abzutragen und eine Schotterpiste zu glätten. Der Gebietsleiter der Behörde sagte RÚV, im Frühling bestehe für zahlreiche weitere Strassen die Gefahr, dass sie unbefahrbar würden.

Asphalt zerbröselt mit dem Tauwetter
Die alten Strassen können den steigenden Schwerlastverkehr von und in die Westfjorde nicht bewältigen. Pálmi Þór Sævarsson meint, für eine solche Massnahme müsse die Strasse schon wirklich schlecht aussehen. „Das ist natürlich eine absolute Notlösung. Der Zustand hat sich so verschlechtert, dass dort tiefe Löcher entstanden und der Asphalt zerbröselt ist. Dann lösen sich grosse Brocken, die für den Verkehr sehr gefährlich sind.“ Diese Strassenschäden seien in kurzer Zeit entstanden. „Es hatte dort lange Frost geherrscht, und dann gab es ein paar Mal plötzliches Tauwetter. Da hat sich das völlig zerlegt.“
Eine Asphaltdecke kann nicht vor dem Sommer verlegt werden. Derzeit schaut sich die Behörde den Strassenzustand von der Brattabrekka zur Brücke über den Þorskafjörður an. „Das bereitet uns grosse Sorgen, wie es dort weitergeht. Das sind ja nicht die einzigen Abschnitte, die so schlecht aussehen.“ Bis zum Sommer vergehe noch einige Zeit, in der es abwechselnd gefriere und taue, das stelle für viele Strassen in den Westfjorden ein Problem dar.

16 LKW-Transporte mit Lachs pro Tag
Das Strassennetz in Islands äusserstem Nordwesten ist durch die verstreuten Einzelhöfe riesig, aber für den Individualverkehr früherer Zeiten konzipiert, ganz anders als sich die heutige Verkehrssituation darstellt. „Das sind alte Strassen, die da in grossem Stil Schwerlastverkehr bewältigen müssen. Wir schaffen das gar nicht, die so instandzuhalten, wie wir müssten,“ sagt Pálmi. Die Kosten für die Auffüllung der Schlaglöcher hätten sich in den letzten Jahren verfünffacht, zusammen mit der erhöhten Arbeitsbelastung.

Auch das Geld vom Staat reiche bei weitem nicht aus, wenn durch die Schwerlasstschäden gleich soviele Strassenabschnitte auf einmal zerstört würden. „Als ich hier vor acht Jahren bei der Strassenverwaltung angefangen habe,“ erzählt Pálmi, „da fuhren hier nur ganz wenige Autos. Jetzt sind das rund 16 LKW pro Tag, wenn zum Beispiel die Lachse geschlachtet werden.“

Kaputter Asphalt auf Snæfellsnes
Als klar wurde, wie der Strassenzustand aussieht, setzte die Behörde eine Maximalbelastung von 10 Tonnen fest. Damit können die Transporteure nun weniger Ladung aufnehmen. In den Dalir wurde die Achslast auf sieben Tonnen verringert, damit kam der Weg für kaum noch einen Transport in Frage. Die Transporteure wichen auf andere Strassen aus, wie durchs Djúpið, oder den Innstrandavegur, oder sie nahmen die Fähre Baldur über den Breiðafjörður nach Stykkishólmur.
Für den Schwerlastverkehr wurden dazu die Fährenabfahrten erhöht. Aber rund um Stykkishólmur sieht es auf den Strassen auch nicht besser aus, sagt Pálmi. „Die ersten Kilometer aus Stykkishólmur heraus sind kaputt. Auf Snæfellsnes in Richtung Borgarnes ist die Strasse in schlechtem Zustand und müsste ausgebessert werden.“

Lachsfabriken brauchen Islands Strassen
Die Lebensmittelhersteller in den Westfjorden, allen voran die grossen Lachszuchtfabriken, benötigen das Strassennetz, um ihre Waren zum Verbraucher bringen zu können. Aber natürlich müssen auch Lebensmittel wie Milchprodukte, Obst und Gemüse, sowie Waren des täglichen Bedarfs von Reykjavík aus in die Westfjorde transportiert werden, weil das isländische Warenversorgungsnetz im Hauptstadtbereich zentralisiert ist. So reisen etwa Milchprodukte der Molkerei Arna aus Bolungarvík nach Reykjavík und von dort aus zurück in die Supermärkte von Ísafjörður und Bolungarvík.
Linda Gunnlaugsdóttir vom Fischzuchtunternehmen Arnarlax in den Westfjorden kritisiert, der Strassenzustand verursache Zusatzkosten, zusätzliche Reparaturen und Unfallgefahren.
Pálmi findet es schlimm, die nötige Dienstleistung nicht für die erbringen zu können, die die Strassen benutzen müssten. „Es ist wirklich traurig, dass wir bei diesem Aufbau, der im ganzen Land stattfindet, sowohl in den Westfjorden als auch in Snæfellsnes, nicht mithalten können.“

Lachszucht: Gesetzentwurf legitimiert 20% Verlust bei Zuchtfisch

aquaculture farm iceland

Der Gesetzentwurf von Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir zur Fischzucht, der seit gestern im Beratungsportal der Regierung vorliegt und von Bürgern und Interessensparteien kommentiert werden kann, kalkuliert „Verluste“ von 20% des Fischbesatzes ein. Das bedeutet, dass jeder fünfte Fisch in isländischen Meereszuchtnetzen verenden kann. Laut Entwurf zählen zu „Verluste“ nicht nur von selbst verendete Fische, sondern auch solche, die wegen Krankheiten oder Parasitenbefall gekeult werden. Bei solchen Keulungsaktionen waren in der jüngeren Vergangenheit bis zu einer Million Fische getötet worden.

Trotz höchster Verluste noch mehr erlauben
„Die Verluste sind hier im Land noch nie zuvor so hoch gewesen. Sie lagen bei 19,1% im letzten Jahr, und waren nie höher. Warum will das Ministerium den Unternehmen erlauben, noch mehr verenden zu lassen?“ hinterfragt Jón Kaldal vom isländischen Naturschutzfonds den Gesetzesentwurf.
Wiederholt sei während der Planungsarbeit darauf hingewiesen worden, so Jón, dass sich die Praktiken hierzulande an den besten Bedingungen in anderen Ländern orientieren sollten. Leider muss man sagen, dass die Fischzuchtpraktiken nigendwo wirklich gut sind.

“Aber eine Messlatte von 20% im Entwurf ist genauso schlecht oder sogar  schlechter als dort, wo es in den Nachbarländern am schlimmsten ist. Im Jahr 2022 lagen die Verluste in Norwegen bei 16,1%, mit 58 Millionen toten Lachsen.” Der norwegische Fischereiminister habe im März bekräftigt, dass das so nicht weitergehen könne. Doch die Litanei höre man seit vielen Jahren, so Jón. Im Jahr 2018 gab es in Norwegen 53 Millionen (15%) tote Zuchtlachse. Der vormalige Fischereiminister habe damals angegeben, das dringendste Projekt der norwegischen Lachszucht liege darin, gegen den Lachstod vorzugehen, der Zustand sei unhaltbar. Passiert sei allerdings nichts.

Nicht im Interese des Tierwohls
“Das ist gelinde gesagt eigenartig, dass die isländische Ministerin vorschlagen will, Aquazuchtkonzernen den Segen der Regierung dafür zu erteilen, dass ein 33% höherer Anteil an Zuchtlachsen in hiesigen Meeresgehegen verenden darf, als der norwegische Minister als ‘untragbar’ bezeichnet hatte, und ‘das gehe so nicht weiter’.” In Norwegen liegt Vísir zufolge der einkalkulierte Verlust bei durchschnittlich 15%, in einigen Regionen bei 10%, im Nordwesten allerdings auch bei 27%. Island hingegen will 20% Verlust legitimieren.
Jón meint, die Tatsache dass die hohen Verlustzahlen mit Segen der Regierung erlaubt werden sollen, sei ein klares Beispiel dafür, wie die Regierung ihre Gesetzgebung nach Konzerninteressen gestalte, aber nicht im Interesse des Tierwohls. Das sei untragbar.

Eyjafjörður und Öxnafjörður in Teilen fischzuchtfrei
Der Gesetzentwurf sieht neben einer stärkeren Aufsichtsführung der Veterinärbehörde MAST auch strengere Bestimmungen für die Maximalbelastungen in Zuchtgebieten und Besatzstärke in Meeresgehegen sowie zur Haltung von geschlechtsreifen Fischen vor, immerhin stellen letztere eine besondere Gefahr dar, wenn sie in die freie Natur entkommen. Das Meeresforschungsinstitut soll die Erlaubnis erhalten, unter bestimmten Voraussetzungen Freilassungsversuche u.ä. mit Zuchtlachsen durchzuführen.
Auch sollen Infektionsschutzgrenzen zwischen Zuchtgebieten gezogen werden, mit dazugehörigen Bestimmungen zu Transport von Fisch und Ausrüstung, ähnlich wie in der Schafzucht, um die Übertragung von Erregern und Parasiten zwischen Zuchtgebieten einzudämmen.
Für den Zuchtfisch gilt dem Entwurf nach das Gesetz zum Tierwohl 55/2013.

Ausserdem will die Ministerin Eyjafjörður und Öxnafjörður in Teilen für die kommerzielle Fischzucht sperren, um den Wildlachsbestand zu schützen. Allerdings geht es dabei wie im Faxaflói, Breiðafjörður, Húnaflói, Skagafjörður, Skjálfandi und im Nordosten des Landes jeweils nur um einzelne Gebiete und nicht um den gesamten Fjord.
Mbl.is schreibt, dass 40% aller eingesandten Einwände im Vorfeld des Entwurfs ein endgültiges Verbot der kommerziellen Fischzucht gefordert hatten.

Fischzucht: Verbraucherschützer wollen kranken Zuchtlachs kennzeichnen

Der isländische Verbraucherschutzverband (Neytendasamtökin) zeigt Interesse daran, Zuchtfische aus Meeresgehegen speziell zu kennzeichnen. Ähnliches verlautete auch aus Norwegen. In den vergangenen Monaten hatte die Flucht von Zuchtlachsen in die freie Natur Kritik an der Umweltverträglichkeit der Branche laut werden lassen. Eine Kennzeichnung des Zuchtfisches würde seinen Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Schlachtung festhalten.

Norwegen könnte Vorbild sein
In Norwegen könnte der Verbraucher schon bald eine Art medizinische Geschichte auf der Verpackung von Zuchtlachs finden. Inger Lise Blyverket, die Leiterin des norwegischen Verbraucherschutzverbands, sagte kürzlich der staatlichen Sendeanstalt NRK, sie glaube, “viele Verbraucher würden ein Kennzeichnungssystem für Lachs begrüssen.”
Obwohl Lachs als Premium Produkt vermarktet wird, findet sich auf der Verpackung kein Hinweis darauf, dass der Fisch krank gewesen sein könnte, sagt Inger. Dabei leiden Fische an so manchen Erkrankungen, wie Parasitenbefall oder Herzkrankheiten, und werden trotzdem für den menschlichen Verzehr geschlachtet.
Inger kündigte an, dass der Verbraucherschutzverband diese Praktik beenden wolle. Es sei an der Zeit, dass die Fischzuchtindustrie in Norwegen den Gesundheitszustand des Lachses zum Zeitpunkt der Schlachtung auf der Verpackung angebe.
“Norwegische Lachsproduzenten und andere Lebensmittelhersteller müssen sich klarmachen, dass der Verbraucher mehr über die Herstellungsbedingungen und über Tierwohl wissen möchte,” sagte Inger NRK gegenüber.

Unnötig und undurchführbar, finden Gegner
Ähnlich wie in Island gibt es auch in Norwegen eine öffentliche Debatte über die industrielle Fischzucht. Und auch dort ereignete sich erst kürzlich ein Massensterben bei Norwegens grösstem Fischkonzern.
Die Idee findet natürlich nicht nur Anhänger. Jon Arne Grøttum, der Aquakulturdirektor bei der Norwegian Seafood Federation etwa sagte in einem Interview mit NRK, er halte eine solche Kennzeichnung für unnötig, weil die Fischkrankheiten sich nicht auf den Menschen übertragen.

“Alles um uns herum ist voller Bakterien und Viren, die sind überall, aber das hat nicht unbedingt Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit,” sagte Jon. “Ich sehe nicht, dass das irgendeinen Zweck hat. Zweitens ist die Durchführung sehr schwierig: man würde jeden Fisch einzeln untersuchen müssen, selbst wenn man den Grund kennt. Drittens ist es ein bisschen seltsam, diese Art der Kennzeichnung für Lachs einzuführen, aber nicht für andere Fleischsorten.”

Erkrankte Fische gelangen in den Verkauf
In Island findet man die Idee hingegen gar nicht so abwegig. Breki Karlsson, der Vorsitzende des isländischen Verbraucherschutzverbandes, befürwortet eine Kennzeichnung. Verbraucher hätten ein Recht, mehr über die Herkunft ihrer Lebensmittel zu erfahren, erst recht nach den Vorkommnissen der letzten Wochen und Monate bezüglich Lachsflucht und Lachslaus.
Die MAST-Tierärztin Berglind Harpa Bergsdóttir, die auf Gesundheit und Tierwohl von Zuchtfischen spezialisiert ist, sagte RÚV gegenüber, in Island würden viele erkrankte Fische für den menschlichen Verzehr geschlachtet. Sie erwähnte die Infektiöse Fischanämie (ISA) aus dem Jahr 2021, die der Öffentlichkeit mitgeteilt worden war. Damals hatte es gehiessen dass der infizierte Fisch durchaus verzehrt werden könne. Berglind betont dass solche Virusinfektionen sich nicht auf den Menschen übertragen.

 

Lachszucht: eine Million tote Lachse durch Lachslausbefall

fish farming iceland

Die Kayakfahrerin und Naturschützerin Veiga Grétarsdóttir hat erneut Videos von von der Lachslaus befallenen und schwer verletzten Zuchtlachsen im Meeresgehegen des Fischereikonzerns Arctic Fish im Tálknafjörður veröffentlicht, berichtet Heimildin. Der Leiter der Abteilung für Fischzucht bei MAST, Karl Stein­ar Ósk­ars­son, gab an, vergleichbare Zustände habe es in der isländischen Fischzucht noch nie zuvor gegeben.

Alle Fische in den Gehegen befallen
Sämtliche Zuchtlachse in den Gehegen sind verletzt und verstümmelt, weil ihnen die Lachslaus offene Wunden zugefügt hat, durch die Bakterien unter die Haut gelangten und die Fische von innen anfressen, bis diese verenden.
Etwa eine Million Fische ist durch die Lachslaus bislang verendet oder getötet worden, sagt Karl Steinar. Das Unternehmen habe den Befall gemeldet und dass man dagegen vorgehe. Karl zufolge ist dies der erste Fall in der Geschichte der isländischen Lachszucht, wo ein derartiges Lachslausproblem auftauche.

Bislang ist nicht bekannt, wie der Parasit in die Meeresgehege gelangt ist. Beim Unternehmen Arnarlax ist die Keulung der befallenen Lachse bereits beendet, bei Arctic Fish versucht man, mit der Keulung vor dem Wochenende fertig zu werden.
Genauere Zahlen dazu, wieviele Lachse aufgrund des Parasitenbefalls verendet seien, liegen Karl zufolge erst Mitte November vor. Ende September hätten sich etwa eine Million Fische in den von der Lachslaus befallenen Gehegen befunden.

Die Entwicklung sei im Oktober besonders schnell vorangeschritten. “In diese Wunden, die die Lachslaus in den Fisch beisst, dringen Bakterien ein, die sehr schnell wirken. Der Fisch wird kraftlos und verendet. Das passierte in einem Zeitraum von zwei Wochen im Oktober,” erklärt Karl Steinar. “Der Fisch war frei von Wunden, und zwei Wochen später dann das. Das ist nicht nur die Laus, die den Fisch von innen auffrisst, sondern die Kombination aus Lachslaus und Bakterien.”
Wegen der raschen Entwicklung habe MAST dem Unternehmen die Erlaubnis erteilt, ein Spezialschiff aus Norwegen kommen zu lassen, welches die toten Lachse dort aus den isländischen Gehegen pumpte, wo der Befall am stärksten war.

Drohnenaufnahmen zeigen toten Fisch
Veiga Grétarsdóttir hatte die Lachse mit einer Drohne aus 100 Metern Höhe gefilmt. Von der Umweltaktivistin liegen auch ältere Videos von zerrissenen Netzen und verschmutztem, leblosem Meeresboden unter den Zuchtgehegen vor.
Sie habe das ausländische Pumpschiff gesehen, das zuvor schon in Island gewesen sei, um toten Lachs an Bord zu pumpen. Was da vor sich gehe, habe sie aber erst beim Filmen bemerkt, auch dass da “alle” Fische, wie sie sagt, entweder befallen oder schon tot waren. Ein grosser Schock, sagt Veiga, soetwas habe sie noch nie gesehen. Die Fische hätten sich in drei Krankheitsstadien befunden – von der Laus befallen und verstümmelt, geschwächt oder gelähmt, oder tot an der Oberfläche. Kein Fisch sei unversehrt gewesen. Die schon länger toten Fische seien auf den Boden des Netzes gesunken.

Toter Fisch geht in Haustierfutter
Karl Steiner stellt klar, dass es verboten ist, toten oder gekeulten Fisch für die menschliche Ernährung zu nutzen. Der tote Fisch werde anderweitig verarbeitet, stirbt er von selbst, werden Nerze damit gefüttert, gekeulter Fisch gehe in die Herstellung von Haustierfutter.
Bei MAST arbeite man Karl zufolge nun daran, sicherzustellen dass sich solche Zustände in der isländischen Lachszucht nicht wiederholen. Unter anderem müssten die Fischzuchtunternehmen eine bessere Ausrüstung anschaffen, um reagieren zu können, wenn die Lachslaus im Bestand auftauche.
Im September waren die Lachse mit einer Sondergenehmigung in Medikamenten gebadet worden, doch hatte dies nur gegen ausgewachsene Läuse geholfen, nicht jedoch die Larven getötet.

Regeländerung in Arbeit
Die Fachtierärztin für Fischkrankheiten bei MAST, Berglind Helga Bergsdóttir, sagte RÚV gegenüber, die langen Genehmigungswege bei der Behörde hätten eine schnellere Reaktion auf das Problem verhindert. Auch das zuständige Ministerium arbeite bereits an einer geetzlichen Änderung. Vorgeschlagen wurde eine Erweiterung der Lizenzgebiete, sodass nur noch ein Unternehmen in einem Gebiet tätig ist.
Ausserdem prüfe man, ob die Fischdichte im Fjord einen Einfluss auf den Parasitenbefall habe, und ob der Fjord regelmäßig von allen Zuchtlachsen geleert werden sollte, damit das Gebiet sich zwischendurch erholen kann.

Geschäftsmodell mit 20% einkalkuliertem Verlust
Vísir berichtet, der Million toter Zuchtlachse stünden 80.000 Wildlachse in isländischen Flüssen gegenüber. “Diese Bilder zeigen uns schwarz auf weiss, wie diese Unternehmen arbeiten. Es ist wichtig, dass die Leute sich klarmachen dass die Fischzucht in offenen Meeresgehegen auf einem Geschäftsmodell basiert, wo man grosses Leiden und tote Tiere miteinkalkuliert.” erklärt Jón Kaldal, ein Sprecher des isländischen Naturschutzfonds. Das Geschäftsmodell gehe von einem jährlichen Verlust von 20% aus. Diese Tiere würden keines friedlichen Todes sterben.
Würde es hier um Säugetiere gehen, so Jón, wäre der Betrieb längst ausgesetzt worden. Er nennt das Vorgehen Vísir zufolge “verbrecherisch”, und seiner Ansicht nach “gehörten die Verantwortlichen ins Gefängnis”.

 

 

Lachszucht: MAST erhält neue Mitarbeiter und zwei Boote für Kontrollgänge

A salmon farm in Arnarfjörður, Westfjords.

Die isländische Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST wird bald über eigene Boote verfügen und damit in der Lage sein, unangemeldete Inspektionsfahrten zu offenen Fischzuchtgehegen unternehmen zu können, berichtet RÚV. Auch die Zahl der Inspektoren soll erhöht werden.

Bislang waren nur 5,6 Planstellen für die Inspektion der Fischzuchtbetriebe in den Ostfjorden und Westfjorden vorhanden gewesen, und ein Teil dieser Mitarbeiter war mit der Erteilung von Genehmigungen beschäftigt gewesen. Die beschränkte Aufsichtsführung in der industriellen Fischzucht ist schon lange Gegenstand von Kritik, ebenso die Wartezeit auf Lizenzen. In einer Studie des Rechnungshofes war auf zahlreiche Verstöße in der Verwaltung hingewiesen worden, die den Tierschutz, den Umweltschutz und auch die Nutzung von Ressourcen betrafen.

Technische Aufrüstung für mehr Kontrolle
MAST hatte im Mai eine Erweiterung der Fischabteilung beantragt. Abteilungsleiter Karl Steinar Óskarson gab an, jetzt habe die Regierung reagiert und in einem ersten Schritt 126 Mio ISK zur Verfügung gestellt. Dieses Geld finanziert sechs neue Mitarbeiter und die Entwicklung einer neuartigen elektronischen Überwachung. Ausserdem plant MAST den Erwerb von zwei sechs Meter langen Booten samt Bootsanhänger und Zugfahrzeugen, die diese Inspektionsboote in die Ost- und Westfjorde bringen sollen. “Die können wir dann nutzen, um die Meeresgehege zu überprüfen, wann immer wir das wollen. Wir sind dann nicht mehr von Unternehmen abhängig und das ist sehr wichtig für uns,” erklärt Karl Steinar. Allein in den Westfjorden gebe es über 100 Fischzuchtgehege. “Wir haben seit diesem Jahr Unterwasserdrohnen, damit können wir in diese Gehege gelangen und den Besatz überprüfen. Wir können mitverfolgen, ob etwa an den Netzen Reparaturen vorgenommen wurden, über die wir nicht unterrichtet wurden und so weiter, und wir können auch die Fische selber untersuchen.”

3500 entkommende Lachse bedrohen Flüsse
Im August diesen Jahres waren etwa 3.500 Lachse aus einem Meereszuchtgehege des Unternehmens Arctic Fish im Patreksfjörður in die freie Natur entkommen. Ein beträchtlicher Teil dieser Zuchtlache waren wider Erwarten bereits geschlechtsreif gewesen: Anfang September hatte die Fischereibehörde norwegische Taucher ins Land geholt, um in Flüssen der Westfjorde nach Fluchtlachsen zu jagen. Bei Untersuchung der erbeuteten Fische stellte sich heraus, dass 40 von 42 Zuchtfischen fortpflanzungsreif waren.

Inzwischen sind immer mehr Flüsse im Norden Islands zuchtlachsverseucht, und Sportangler gehen davon aus, dass es nicht mehr möglich ist, diese Lachse aus den Flüssen zu entfernen. Gestern hatten Angler 12 Zuchtlachse in der Miðfjarðará gesehen, auf ihrem Weg zum Ablaichen.
Die in den Húnaflói mündende Miðfjarðará ist einer der besten Lachsflüsse des Landes. Zuvor waren in dem Fluss um die zehn Zuchtlachse gefangen worden. In mindestens sechs weiteren in den Húnaflói mündenden Flüssen war Zuchtlachs aus Gehegen von Arctic Fish im Patreksfjörður in die Netze gegangen.
Die Lizenzhalter von Angelrechten befürchten, dass der Zuchtlachs den Wildlachs genetisch verändern könnte. Inzwischen wird auch gefordert, den Zuchtlachs in den Meeresgehegen grundsätzlich unfruchtbar zu halten.
Der Fischzuchtkonzern Arctic Fish plant nun, in Zusammenarbeit mit der Fischereibehörde erneut zwei Taucherteams aus Norwegen ins Land zu holen, um Zuchtlachse in den Flüssen aufzuspüren und zu entnehmen.

Öffentliche Kritik wächst
Die Lachsfluchten des Sommers haben das öffentliche Bewusstsein für diese Industrie und ihre Umweltprobleme geweckt – nicht nur die Verseuchung von isländischen Fjorden mit Fischmüll, Antibiotika und Pestiziden, sondern auch die Gefahr die der Zuchtfisch mit seinen Genen, Krankheiten und Parasiten für den Wildlachs darstellt, wenn er seinem Gehege entkommt. Vor gut einem Jahr war ein Video der Kayakerin Veiga Grétarsdóttir erschienen, in welchem sie Filmmaterial aus Tauchgängen an den Gehegen zusammengestellt hatte, unter anderem sind dort verstümmelte Fische und vermüllten Meeresboden unter den Netzen zu sehen.

Am vergangenen Samstag hatte auf dem Austurvöllur vor dem Parlament eine Demonstration gegen die kommerzielle Fischzucht stattgefunden.

Protest gegen Fischzucht: 75% in Seyðisfjörður sind dagegen

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Mehr als 100 Menschen haben sich vorgestern im Stadtzentrum von Seyðisfjörður versammelt, um gegen die Lachszuchtpläne im Fjord zu demonstrieren, berichtet Austurfrétt. Auf dem Hotelparkplatz bildeten sie ein “Nein” und eine “75%”, um ihrem Protest mehr Symbolik zu verleihen.
“Die Haltung der Leute aus dem Seyðisfjörður ist klar: wir sagen nein!” sagte Benedikta Guðrún Svavarsdóttir, eine der Sprecherinnen von VÁ – der Verein zum Schutz des Fjordes hatte zu der Demonstration aufgerufen.

Antrag auf 10.000 Tonnen Lachs in Arbeit
Der Fischzuchtkonzern Fiskeldi Austfjarða hatte eine Produktionsgenehmigung für 10.000 Tonnen Zuchtlachs beantragt. So ein Vorgang ist ziemlich kompliziert, denn mehrere Behörden müssen ihre Zustimung geben, was Flächennutzung, Umwelt, Tragkraft des Fjordes in Bezug auf die beantragte Menge, Schifffahrt und andere Faktoren angeht. Alle Gutachten gehen dann zum Ministerium für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel und zur Umweltbehörde, die am Ende eine Genehmigung erteilen.
Die Kommunen können ebenfalls ihre Meinung dazu äussern, allerdings erstreckt sich ihre Planungsbefugnis nicht auf die Meeresgebiete innerhalb von Fjorden. Dort gilt die sogenannte Küstenzonenplanung. Die Kommune Múlaþing hat daher nicht direkt mit der Genehmigung zu tun. Doch kritisieren die Initiatoren des Protestes, dass von Gemeindeseite auch nicht viel unternommen wurde, um die Fischzucht im Fjord zu verhindern.

Moralisch falsch, gegen Bevölkerungswillen zu agieren
“Wir wollen nicht, dass unser schöner Fjord durch die Fischzucht zerstört wird,” sagte Rednerin Ásrún Mjöll Stefánsdóttir. Bei der Veranstaltung gab es auch Redebeiträge von Umweltverbänden und ein kulturelles Rahmenprogramm.
Gemeinsam bildeten die Demonstranten ein “Nei” und eine “75%” auf dem Parkplatz – 75 Prozent aller Bewohner von Seyðisfjörður hatte sich in einer Umfrage nämlich gegen die Fischzuchtpläne ausgeprochen. Andere Redner erinnerten daran, dass sich im Fjord nicht nur das Seekabel befinde, sondern auch eine recht enge Schifffahrtsrinne, für die Fischzuchtbecken sei gar kein Platz. Ausserdem wolle man diese umweltverschmutzende Industrie nicht im Fjord haben, sondern suche nach anderen innovativen Möglichkeiten, die im Einklang mit Mensch und Natur stünden.

Benedikta sagte RÚV gegenüber, es sei moralisch falsch, ein derart grosses Industrieprojekt in einen Fjord zu packen, dessen Bewohner es gar nicht haben wollten. Es sei auch nicht wünschenswert für ein Unternehmen, in eine Gemeinschaft hineinzukommen, die gegen das Gewerbe sei.
Aus der Bevölkerung waren zuvor viele Einwände gegen das Projekt gekommen, dazu hatte es Treffen und Gespräche mit staatlichen Institutionen gegeben.
Beim Bürgerbeauftragten des isländischen Parlamentes ist sogar eine Klage wegen der staatlichen Arbeitsweise eingegangen, im Zusammenhang mit der Erstellung des neuen Küstenzonenplans, der zu Jahresanfang Gültigkeit erhielt. Benedikta sagt, es sei völlig klar, dass diese Flächenplanung der Küstenzone für die Fischzuchtkonzerne erfolgt sei, und für niemanden sonst. Angeblich sei die Planungsarbeit im Einklang mit allen erfolgt, doch “das ist nicht passiert”, so Benedikta.
Aber noch ist nicht alles verloren, denn die Themen Schiffahrtsrouten und Hochwassergefahr liegen weiter auf dem Tisch, und Benedikta zeigt sich kämpferisch und optimistisch, dass es am Ende doch noch gelingt, das Projekt abzuwenden.

 

Ausgedehnte Hybridisierung zwischen Wildlachs und Zuchtlachs

aquaculture farm iceland

Eine neue Studie des Marineforschungsinstitutes weist darauf hin dass die Hybridisierung zwischen wilden Fischen und Zuchtfischen weitreichender sein könnte als ursprünglich angenommen.
Die Studie mit dem Titel Hybridization between wild Icelandic salmon and farmed salmon of Norwegian origin, untersuchte Wildlachslaich aus 89 Flüssen in Island, wobei der Fokus auf Flüssen lag, die sich in der Nähe von Fischzuchtbetrieben befinden. Insgesamt 6348 Laichproben wurden untersucht.

Immer mehr Zuchtlachse entkommen
Die industrielle Fischzucht hat sich in den letzten Jahren zu einem lukrativen Geschäft in Island entwickelt, nicht zuletzt dank der stetig steigenden Nachfrage nach der beliebten Fischart. Im Jahr 2015 wurden noch um die 8000 Tonnen Zuchtlachs in offenen Meeresgehegen produziert, in 2022 war die Zahl auf 45.000 Tonnen gestiegen.

Hagstofa

Aktuelle Untersuchungen haben ebenfalls gezeigt dass eine erhebliche Zahl an Zuchtfischen aus ihren Gehegen entkommen ist. Die Regelmässigkeit und die Grösse dieser Vorfälle geben Raum für Befüchtungen, Parasiten und Krankheiten könnten sich unter den Wildlachsen ausbreiten, allem voran aber geht es um die Hybridisierung der beiden vollkommen verschiedenen Fischarten.
“Die Hybridisierung von Zuchtlachs mit wilden Beständen kann die lokale genetische Zusammensetzung verändern, zu Veränderungen in den lebenshistorischen Charakteristiken führen und möglicherweise sogar zum Rückgang einer Population.” heisst es in der Studie.

Westfjorde viel stärker hybridisiert
Für die Studie waren zwischen den Jahren 2014 bis 2019 Proben auf genetische Vermischung untersucht worden. Insgesamt 133 Hybriden der ersten Generation, also eine Kreuzung zwischen Wildlachs und Zuchtlachs, waren in 17 Flüssen gefunden worden, oder 2,1% aller Proben in 18% aller Flüsse. Ältere Hybridisierung wurden in 141 Fischen in 26 Flüssen gefunden (2,2% der Proben in 29% der Flüsse)
Hybriden der ersten Generation treten häufiger in den Westfjorden als in den Ostfjorden auf, was daran liegen mag, dass die Fischzucht in den Ostfjorden erst später begonnen hat und weniger ausgedehnt ist.
Die genetische Vermischung wurde generell in einer Entfernung von weniger als 50 Kilometer von den Zuchtanlagen gefunden, aber manche Hybriden wurden auch bis zu 250 Kilometer weit weg gefunden.
“Diese extensive Studie bestätigt die Wichtigkeit weiterer Forschung. Wir müssen den Austausch von hybridisierten Generationen untersuchen, ihr Ausmass und die Gründe für die Streuung älterer Hybriden,” sagte Guðni Guðbergsson vom Marineforschungsinstitut.
Hier gibt es die gesamte Studie.

 

Lachszucht im Mjóifjörður: Ausschreibung auf Eis und Warten auf ein neues Gesetz

Auch der stille Mjóifjörður im Osten Islands ist vor den grossen Lachszuchtkonzernen nicht mehr sicher: zwar wird vorerst nichts aus einer Ausschreibung für neue Lizenzen, bevor der Gesetzgeber nicht ein Gesamtziel für die Branche formuliert und auf die Kritik des isländischen Rechnungshofes reagiert hat. Bereits vorliegenden Anträge auf Zuchtgebiete, die von der Ausschreibung nicht betroffen sind, werden allerdings dennoch bearbeitet, berichtet RÚV.

Die Ausschreibungen für Lachszuchtgenehmigungen im Mjóifjörður liegen solange auf Eis, wie die Überprüfung des Rahmenwerk für die meeresgestützte Fischzucht dauert. Die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hat für die Parlamentssaison 2024 einen Gesetzentwurf in Aussicht gestellt, der die industrielle Fischzucht in Island in eine klare Bahn bringen soll.

Lachszucht auf Ausschreibung?
Der Mjóifjörður in den Ostfjorden, der “enge Fjord”, könnte der erste Fjord des Landes werden, wo die meeresgestützte Fischzucht auf gesetzlicher Basis ausgeschrieben wird. Das funktioniert jedoch nicht rückwirkend, daher gehen die Standorte etwa in Seyðisfjörður und Stöðvarfjörður an die Parteien, die sie zuerst beantragt hatten.
Mit 75% hat sich in Seyðisfjörður ein grosser Teil der Bevölkerung gegen diese Industrie ausgesprochen, wie die Abgeordnete der Linksgrünen, Jódís Skúladóttir, gestern in einer Rede vor dem Parlament darlegte.
Sie sei gekommen um von dem “Horror” zu sprechen, der in ihrem Wahlkreis daheim gerade geschehe, und es sei beispiellos, dass weder Regierung noch Kommune oder sonst wer auf 75% der Einwohner hören könne, die dagegen seien. Es könne nicht sein, dass die industrielle Fischzucht auf Verlangen ausländischer Investoren einfach durchgedrückt werde.

Belastungsempfehlung für Mjóifjörður steht aus
Für den Mjóifjörður hatte das Marineforschungsinstitut auf Bitten des damaligen Ministers Kristján Þór Júlíusson ein Belastungsgutachten angefertigt.
Ein solches Gutachten über die Belastungsfähigkeit eines Standortes ist der erste Schritt in der Vorbereitung einer Region für die meergestützte Fischzucht: es wird beurteilt, wie der Fjord mit wieviel Lebendmasse in den Gehegen fertig wird. Eine in Tonnen angegeben Belastungsempfehlung liegt für den Mjóifjörður jedoch noch nicht vor, obwohl sowohl Fischkonzerne als auch Einheimische darauf drängen.

Ministerium arbeitet auf Hochtouren an Rahmengesetz
In einer Antwort des Ministeriums an RÚV heisst es, man arbeite daran, auf den Bericht des Finanzhofes zu reagieren, der unlängst auf erhebliche Mängel bei Verwaltung und Aufsicht über die Lachszucht hingewiesen hatte. Ausserdem liegt ein Bericht der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zu Lage und Zukunft der industriellen Fischzucht in Island vor. Eine ministerielle Arbeitsgruppe, die sich mit Seuchenschutz in meeresgestützten Gehegen befasst hat, hat ihre Ergebnisse bereits abgeliefert, im Frühjahr soll eine weitere Arbeitsgruppe ihren Bericht zum Entkommen von Zuchtfisch aus den Meeresgehegen einreichen. Aus all diesen Ergebnissen soll dann innerhalb des Ministeriums ein neues Ziel erarbeitet werden, welches im Frühjahr 2024 dem Parlament als Gesetzentwurf vorgelegt wird.
Während also Politik und Ziele in der Fischzucht auf dem Prüfstand stehen, habe man entschieden, die Ausgabe neuer Lizenzen zu drosseln. Die Ausschreibung für den Mjóifjörður sitzt damit in der Warteschleife. Bereits vorliegende Anträge werden jedoch trotz der Formulierung neuer Ziele bearbeitet.

 

Fischzucht: Büroleiter verzögerte Veröffentlichung des neuen Lachszuchtgesetzes

Bíldudalur Arnarfjörður

Im Bericht des isländischen Rechnungshofs zur Fischzucht, der am Montag veröffentlicht worden war und ein düsteres Bild der Industrie in Bezug auf Eignerschaft und Wildwuchs zeichnete, geht es auch um einen Vorfall, der sich im Sommer 2019 ereignete.

Damals hatte ein Büroleiter im Ministerium für Arbeit und Innovation veranlasst, dass das neue Gesetz zur Lachszucht erst vier Wochen nach Ratifizierung in den Regierungsnachrichten veröffentlicht wurde.  Damit war das Gesetz nicht gleich nach der Ratifizierung gültig, und Lachszuchtkonzerne hatten Zeit, ihre Daten nach den alten Bestimmungen bei der Planungsbehörde einzureichen. Im Bericht des Rechnungshofes heisst es, dass es ein Mitarbeiter aus dem Ministerium gewesen sei, der darum gebeten habe, das Gesetz nicht gleich zu veröffentichen.

Ermittlungen eingestellt, Büroleiter wegrationalisiert
Das Ministerium habe sich damals an die Polizeidirektion der Hauptstadt gewendet, die herausfinden sollte, ob die Vorgehensweise des Büroleiters ein Gesetzesbruch war. Der Büroleiter war zunächst vom Dienst suspendiert und dann im Rahmen von Veränderungsmassnahmen innerhalb des Ministeriums entlassen worden. Er hatte dort seit 2013 gearbeitet.
Die Polizei hatte die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, dort begannen Ermittlungen im Juni 2021. Im vergangenen September teilte der Staatsanwalt dem Ministerium mit, die Untersuchung habe nicht ergeben, dass der damalige Mitarbeiter seine Position für sich oder andere missbraucht habe. Eine Ermittlung würde wahrscheinlich keine Schuld aufzeigen oder Licht in die Angelegenheit bringen, die wurde daher eingestellt, berichtet RÚV.

Vertrauen der Öffentlichkeit untergraben
Der Leiter des Rechnungshofes hält diesen Vorfall für sehr ernst. Die genannte Verzögerung habe das Vertrauen der Öffentlichkeit und anderer Interessensvertreter darin untergraben, dass Unternehmen Gleichberechtigung und Transparenz respektierten.
“Offenbar haben die Unternehmen, die zwischen der Genehmigung und dem Inkrafttreten des Gesetzes vorläufige Bewertungsberichte vorgelegt haben, von der Verschiebung der Veröffentlichung profitiert und einen unangemessenen Spielraum erhalten, um die vorläufigen Bestimmungen des Gesetzes einzuhalten“, heißt es in dem Bericht des Rechnungshofes.

Der isländische Rechnungshof hatte im vergangenen Jahr auch angekündigt, die Tierschutzabteilung der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) zu prüfen. Die Behörde war im Zusammenhang mit wiederholten Tierquälereien, den nicht nachgegangen war, in die öffentliche Kritik geraten.

 

Vernichtender Report des Rechungshofes zur Fischzuchtindustrie

aquaculture farm iceland

Die Verwaltung und Überwachung der meergestützten Fischzucht in offenen Gehegen ist schwach und rudimentär, steht in einem gerade veröffentlichten Bericht des isländischen Rechnungshofes (INAO) zu lesen. Von der Ministerin für Lebensmittel, Fischerei und Landwirtschaft verlautete, die Bestimmungen für die Fischzucht seien ein unklares Flickwerk. Die Regierung werde aber auf die Ergebnisse der Studie reagieren, berichtet RÚV.

Schnelles Wachstum ohne Kontrolle
Die Studie war von der Ministerin in Auftrag gegeben worden und dem Verfassungs- und Kontrollausschuss gestern vorgelegt worden. Sie zeichnet ein düsteres Bild der Aufsichtsführung über die Fischzuchtindustrie, die im vergangenen Jahrzehnt schnell gewachsen ist. Unter anderem moniert sie, dass Bestimmungsänderungen, die dazu gedacht waren, Wachstum und Entwicklung des Sektors voranzubringen, nicht von einem entsprechenden Ausbau des Verwaltungs- und Aufsichtssystems begleitet wurden.

So konnte sich Anhäufung von Betriebseigentum, eine richtungslose Entwicklung und der Betrieb von offenen Meeresgehegen in Gebieten ohne große Diskussionen oder direkte Maßnahmen seitens der Regierung etablieren. Zuchtgebiete wurden langfristig kostenlos zugeteilt, und es gibt Beispiele für Fischzuchtzonen, die sich mit Schifffahrtsrouten und Schutzgebieten für Telekommunikations- und Stromkabel überschneiden und Leuchttürme behindern.

Der INOA-Bericht fordert, die Überwachung des Sektors auszubauen. Das Institut für Marineforschung hatte darauf hingewiesen, dass es nicht über die Kapazitäten verfügt, die Fischzuchtgebiete zu definieren. In dem Bericht heisst es weiter, dass die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde (MAST) keine notwendige Ausweitung der Überwachung in Erwägung ziehe, obwohl es in der Vergangenheit zahlreiche Fälle von ernsten und wiederholten Verstössen gegen bestehende Regelungen gegeben hatte.

Dominierende Industrie
Die Fischzucht in offenen Meeresgehegen hat sich in den Jahren zwischen 2014 und 2021 verzehnfacht, die Jahresproduktion wuchs im gleichen Zeitraum von 4000 Tonnen auf fast 45.000 Tonnen. Bei mehr als 99 Prozent der Menge handelte es sich um Zuchtlachs.
Der Exportwert belief sich im Jahr 2021 auf mehr als 36 Mrd ISK (237 Mio EUR), etwa 76 Prozent davon entfiel auf Zuchtlachs.
Die Aquazuchtindustrie hat zwar eine Rolle bei der Entwicklung der West- und Ostfjorde gespielt, doch befinden sich fast alle grossen Konzerne in Island in norwegischer Hand.

Regelwerk nicht in dieser Legislaturperiode
Es sei klar, dass das Regelwerk zur Fischzucht ein Flickwerk sei,  es ist unklar und ineffektiv, kommentierte die Ministerin für Lebensmittel, Fischerei und Landwirtschaft, Svandís Svavarsdóttir. “Wir jagen einer Industrie hinterher, die sehr schnell gewachsen ist.”
Svandís hält Änderungen am Regelwerk in der laufenden Legislaturperiode für eher unwahrscheinlich, da solche Änderungen einer beträchtlichen Vorbereitung bedürften. Doch gebe es eine Menge Vorschläge im Bericht des Rechnungshofes, die die Regierung sofort umsetze.