Fusion zweier Fischereiriesen weckt Besorgnis

Fish unloaded Skagaströnd

Der Fischereimulti Síldarvinnslan in Neskaupstaðir hat vor zwei Tagen per gemeinschaftlichem Vertrag das gesamte Aktienvermögen des Fischereiunternehmens Vísir in Grindavík aufgekauft, berichtet Vísir. Der Kaufwert des Aktienpaketes beträgt 20 Milliarden ISK, plus 11 Mrd. für verzinsliche Schulden der Vísir. Bezahlt wird die Summe mit Bargeld (30%) und mit Aktien der Síldarvinnslan (70%). Die Fusion muss von der Wettbewerbsbehörde noch genehmigt werden.
Nach Bekanntwerden des Geschäfts war der Aktienwert von Síldarvinnslan, die sich zum grössten Teil im Besitz von Fischereimultis Samherji und der Investmentgroup Kjálkanes befindet, um 65 Prozent im Vergleich zum Wert vom Mai 2021 gestiegen.
Nur wenige Wochen zuvor hatte die Síldarvinnslan 34 Prozent des norwegischen Lachszuchtunternehmens Arctic Fish Holding AS erworben und für den Anteil 15 Milliarden ISK teilweise mit Bargeld und teilweise mit Krediten bezahlt.

Quotenhochzeit zweier Fischereiriesen
Gunnþór Ingvason, der Direktor der Síldarvinnslan, gab an, das Geschäft stärke beide Unternehmen für die Zukunft. Síldavinnslan werde sein Hauptquartier für die Verarbeitung von Nutzfisch in die Räumlichkeiten von Vísir nach Grindavík verlegen, weil dort modernste Technik, Wissen und Mannschaft vorhanden seien. Für die Vísir fahren sechs Schiffe, ausserdem betreibt das Unternehmen eine Salzfischfabrik und eine Nutzfischschmelze in Grindavík. Im Fischereijahr 2022/23 beträgt die Fangquote 15.000 Tonnen Kabeljauäquivalent.
Diese Tonnen kann die Síldarvinnslan nun ihrer Quote von 36.000 Tonnen Kabeljauäquivalent hinzufügen. Beide Fischereiunternehmen gehören zu den Quotenriesen in Island.
Sollten Aktionärsversammlung und Wettbewerbsbehörde der Fusion zustimmen, würde die Síldarvinnslan mit ihrer Fangquote über der Referenzgrenze liegen.

Fusion verlangt nach anderem Tarif für die Resource
In der Politik ist der Deal mit wenig Begeisterung aufgenommen worden, auch sei die Fusion überraschend gekommen. Der ehemalige Fischereiminister und jetztige Infrastrukturminister Sigurður Ingi Jóhannsson kommentierte die Neuigkeit, dass das Klopfen sehr weniger sehr grosser Unternehmen an das Quotendach offensichtlich nach einem ganz anderen Tarif für die Nutzung der Resource verlange.

Ein Wirtschaftswissenschaftler wunderte sich über die Fusion zweier so unterschiedlicher Branchenriesen. “Mir scheint, dass es hier in erster Linie um eine gewisse Risikostreuung geht“, kommentierte Professor Sveinn Agnarsson von der Universität Íslands. “Ein großes Unternehmen für Hochseefischerei fusioniert mit einem anderen großen Unternehmen, das Grundfischfang und -verarbeitung betreibt.” Die Erreichung der Quotenobergrenze sei in Island kein Einzelfall mehr.

Besitzverdichtung besorgniserregend
Auch Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hatte ihre Sorge über eine Besitzverdichtung im isländischen Fischereisektor zum Ausdruck gebracht. Sie befürchtet, dass der Rationalisierung mehr Gewicht beigemessen wird als der sozialen Verantwortung als Arbeitgeber. Island habe da ja eine gewisse Vorgeschichte, wo man erleben musste, wie Rationalisierung die Marschroute vorgab, auf Kosten von sozialer Verantwortung und Stabilität der Gesellschaft.
Noch sei die Transaktion nicht durchgewunken, sowohl Wettbewerbsbehörde als auch das Amt für Fischerei prüften den Kauf und hier vor allem die Fangquotenfrage. “Meiner Ansicht nach muss man dieses ganze Regelwerk auf den Prüfstand stellen, sowohl was die Quotenobergrenze angeht als auch die Verbindungen zwischen Eigentümern.” sagte die Premierministerin.

Anfang Juni hatte die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel ein Beratungsgremium eingesetzt, welches die Besitzverdichtung in der Fischereibranche prüfen soll. In dem Gremium sitzen Parlamentarier, Interessensvertreter und Experten ohne parteipolitischen Bezug.

 

Arbeitsgruppe nimmt Fischerei und Quotenwirtschaft unter die Lupe

Svandís Svavarsdóttir

Die Ministerin für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hat vier Arbeitsgruppen eingesetzt, um die Herausforderungen und Möglichkeiten im isländischen Fischereisektor auszuloten. Dabei soll es auch um die makroökonomischen Auswirkungen des bestehenden Managementsystems der Branche gehen. Die vier Gruppen sollen neue Vorschriften vorlegen und möglicherweise das gesamte System überarbeiten, heisst es in einer Mitteilung des Ministeriums.
“Im Hinblick auf die Fischereiindustrie gibt es in der Bevölkerung ein tiefes Gefühl von Ungerechtigkeit,” hatte Svandís in einer Kolumne im Morgunblaðið geschrieben. “Ich denke, dieses Gefühl entspringt vor allem aus zwei Umständen: die Konsolidierung der Fischquote, und dem Eindruck, dass die Profite der von allen genutzten Ressource nicht fair aufgeteilt werden. Ziel dieser Arbeit ist es daher, eine effiziente und nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen im Einklang mit Umwelt und Gesellschaft zu schaffen.”

Neue Rechtsvorschriften für ein ganzes System
Die vier Arbeitsgruppen haben Zeit bis Ende 2023, ihre Vorschläge auszuarbeiten. Am Ende soll dann eine neue und umfassende Rechtsvorschrift zum Fischereimanagement oder sogar zu den marinen Ressourcen generell vorgestellt werden. Weitere Ziele sind Projekte auf dem Gebiet der Energiewende, Innovation und Marineforschung, aber auch Transparenz und der Kartierung von Besitzverteilung im Fischereisektor.

Die Fischindustrie hatte in den vergangenen Jahren riesige Umsätze erwirtschaftet, was zu einer Debatte über die möglicherweise zu niedrigen Quotengebühren oder Steuern führte, die eine gleichmässigere Gewinnverteilung verhindern.
In Island halten vier Unternehmen 60 Prozent der gesamten Fischereiquote: Samherji, Brim, KS und Ísfélagið.