Baltasar Kormákur setzt Wilhelm den Eroberer in Szene

Katla Netflix

Baltasar Kormákurs Produktionsfirma RVK Studios arbeitet zusammen mit CBS Studios an der Serie King and Conqueror, die von Wilhelm dem Eroberer und der berühmten Schlacht von Hastings in 1066 erzählt. Das ehrgeizige Projekt soll im Reykjavíker Naherholungs- und Naturschutzgebiet Heiðmörk und in Studios gedreht werden.
In den Hauptrollen werden James Norton und Nikolaj Coster-Waldau zu sehen sein. Für das Drehbuch zeichnet Michael Robert Johnsson verantwortlich, der auch die TV-Serie Sherlock Holmes geschrieben hat.
“Das ist eins der grössten Projekte, die hier unternommen worden sind, und es ist besonders komplex, weil es im mittelalterlichen Britannien spielt, zum grössten Teil,” sagte Baltasar RÚV in der vergangenen Woche.

Aufwendige Filmarbeiten
Gefilmt wird von Februar bis Juli kommenden Jahres. Die RKV Studios haben eine Filmlizenz für Dreharbeiten in der Heiðmörk beantragt, denn das Gelände steht unter Naturschutz und ist als Naherholungsgebiet bei Wanderern, Radfahrern, Joggern und Reitern gleichermassen beliebt. Die Produktionsfirma will auf dem Parkplatz in Hjallaflatir ein kleines Dorf aufbauen, über dessen Grösse noch entschieden werden muss.
Als Vorbereitungszeit sind zwei bis drei Monate geplant, die Dreharbeiten selber sollen innerhalb von zwei Wochen erfolgen, für den Abbau der Infrastrukturen sind ebenfalls um die zwei Wochen angesetzt. Während dieser Zeit wäre der Parkplatz nicht benutzbar.

50-70 Pferde für die Schlacht
RVK Studios hat auch um eine Drehgenehmigung ersucht, um die berühmte Schlacht von Hastings auf dem Feld in Hjallaflatir drehen zu dürfen. Dazu müssten Verteidigungsmauern errichtet werden, für die Darstellung der Kampfhandlungen würden 180 Personen und 50 bis 70 Pferde benötigt. Für diese Szene veranschlagt man zwei bis vier Wochen Vorbereitung, fünf Tage Dreharbeiten, sowie eine Woche, um alles wieder in den Originalzustand zu versetzen.

Lindsey Martin, die Vizepräsidentin der CBS, bezeichnete die Serie in einem Interview mit Deadline als innovativ und trete mit Weltklassebesetzung an.
“Wir sind unglaublich stolz darauf, was das Produktionsteam schon alles erreicht hat, und wir können es kaum erwarten, das Endprodukt auf der Leinwand zu sehen.”

 

Filmbranche um 80% gewachsen

Netflix/Lilja Jónsdóttir

Die Betriebseinnahmen der isländischen Filmindustrie sind in den vergangenen zehn Jahren um 80 Prozent gestiegen. “Ein riesiger Sprung in einer relativ kurzen Zeit,” urteilt das Kinomagazin Klapptré.
Im Jahr 2012 hatten die Einnahmen noch 12 Mrd ISK (79 Mio EUR) betragen, 2012 waren sie auf 27,8 Mrd ISK (183 Mio EUR) angewachsen. Sie beziehen sich auf die Gesamtzumme, die ein Unternehmen während eines bestimmten Referenzzeitraumes in seinen Büchern festhält und die sich auf den Verkauf von Gütern oder Dienstleistungen an Dritte bezieht, darunter fallen auch Exporterlöse.

“Es gibt Schwankungen zwischen den Jahren, aber über einen Zeitraum von zehn Jahren ist das ein ganz schöner Sprung,” sagte Ásgrímur Sverrisson, der Redakteur des Kinojournals Klapptré RÚV gegenüber.
Die Filmindustrie ist inzwischen die grösste kulturelle Branche auf der Insel. Gleich dahinter kommt der Mediensektor mit einem Umsatz von etwa 18 Mrd ISK (119 Mrd. EUR). Auch die Design- und Architekturbranche ist in den vergangenen Jahren gewachsen.
Ein gutes Beispiel für die Grössenordnung der isländischen Filmindustrie stellt die Anzahl der Produzenten dar, inzwischen sind das nämlich um die 800. “Gerade erst war die Hauptversammlung des Regisseurverbandes, zuvor waren dort nur ein paar Dutzend organisiert, heute sind da um die 200,” sagt Ásgrímur.

Auch der Staat hat die Branche finanziell grosszügig unterstützt, hinzukommen natürlich der Fleiss von Mitarbeitern und Produktionsfirmen. Aber auch die Streamingplattformen tragen zum Erfolg bei.
“Die haben ihren Teil dazu beigetragen, und da denke ich vor allem an die Serie ‘Katla’, die zwar isländisches Material war, aber von Netflix produziert worden ist.”
Fraglich ist allerdings, ob der langersehnte “Kinosommer” im isländischen Film endlich vor der Tür steht, denn, so Ásgrímur: “Tatsache ist, dass es Frühling, Sommer, Herbst gewesen ist – und Winter, wieder und wieder.”

 

Filmstrategie der Regierung soll der Branche den Weg ebnen

Golli. Filming of the 2019 Áramótaskaup, an annual comedy revue program screened on New Year's Eve in Iceland

Die isländische Kultusministerin hat eine erste umfassende Richtlinie der Regierung für die Filmindustrie des Landes veröffentlicht. Die Initiative “Filmstrategie bis 2030 – Eine Kunstform am Kreuzweg” ist Teil einer Strategie, die darauf abzielt, Islands Wirtschaft im Hinblick auf kreative Produktion breiter auszugestalten. Island ist eins der wenigen Länder, wo die Filmproduktion auch während der COVID-19 Pandemie weiterläuft.
“Die isländische Filmindustrie hat sich rasch entwickelt und ist von höchster Qualität,” schreibt Kultusministerin Lilja Alfreðsdóttir in einer Pressemitteilung ihres Ministeriums. “Als Kunstform ist das Filmemachen für die Öffentlichkeit erreichbar und besonders wichtig bei der Bemühung, die Sprache zu stärken und zu erhalten, die Gegenwart zu reflektieren und Geschichte und kulturelles Erbe verständlich zu machen.”

Das Filmemachen ist ein zukunftsorientierter internationaler Wirtschaftszweig, heisst es in der Pressemitteilung, aber auch eine nachhaltiger. “Es schafft Werte für die Staatskasse, schafft fast 4000 direkte und indirekte Arbeitsplätze, es zieht ausländische Investitionen an und weckt international immer mehr Respekt.”

Island ist eines der wenigen Länder, wo die Filmproduktion auch während der Pandemie fortgeführt werden konnte, einmal weil es den Behörden gelungen ist, das Virus weitgehend im Zaum zu halten, aber auch, weil es ein dezidiertes Seuchenschutzprotokoll gibt, um die Drehorte sicher zu halten. In Nordisland etwa hat das Filmorchester SinfoniaNord Filmmusik live aufgenommen, und dabei online mit Kunden auf der ganzen Welt zusammengearbeitet.

Isländischer Streamingdienst soll Filme ins Haus bringen
Die Filmstrategie hat vier Ziele. Sie soll eine reichhaltige Filmkultur schaffen, welche sowohl die Identität der Nation wie die isländische Sprache stärkt, sie soll eine breitere und ehrgeizigere Ausbildung im Filmbereich anbieten, die Wettbewerbsposition der Branche stärken und Island dabei unterstützen, eine bekannte internationale Marke in der Filmindustrie zu werden.
Zehn lokale und internationale Aktionen sollen dabei helfen, diese Ziele zu erreichen, natürlich gehört staatliche Finanzierung dazu, aber auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Filmemachern und der Regierung, sowie die Schaffung einer Ausbildung in der Filmproduktion auf Universitätsniveau. (die isländische Spielfilmschule bietet derzeit Diplomprogramme an)
Dazu sollen Massnahmen kommen, die die Arbeitsbedingungen verbessern, wie etwa Stipendien für Drehbücher, aber auch die Vermarktung der Insel als Drehort für ausländische Produktionen.

Der isländische Film soll auch für die einheimische Öffentlichkeit erreichbarer gemacht werden.  Während bislang so mancher im Inland produzierte Film nur im Programmkino Bíó Paradís gezeigt wurde und die Bevölkerung auf dem Lande darauf warten musste, dass er vielleicht irgendwann einmal im Fernsehen gesendet wird, soll nun isländischer Streamingdienst dafür sorgen, dass lokale Produktionen von allen angesehen werden können.

Lilja Ósk Snorradóttir, die Vorsitzende des Verbandes der isländischen Filmproduzenten (SÍK), sagte dem Fréttablaðið: “Wir feiern diesen Meilenstein. Das ist die erste umfassende Strategie der Regierung im Bereich des Films, und es wird sowohl die isländische Kultur und Sprache stärken, wie auch die Wirtschaft voranbringen.”