Windstille sorgt für Luftverschmutzung durch Feuerwerk

New Year's Eve Fireworks in Reykjavík, 2017.

Islands Hauptstadt Reykjavík ist bekannt für sein ausgiebiges Silvesterfeuerwerk, und auch wenn die Tierschutzverbände landesweit zu mehr Rücksicht aufrufen, lassen sich viele Menschen die alljährliche Knallerei nicht nehmen. Allerdings hat die Sache einen Haken: bei Windstille, Trockenheit und Kälte sammeln sich die Schadstoffe über der Stadt an und haben in vergangenen Jahren zu teilweise katastrophal schlechter Luftqualität am Neujahrstag geführt. So möglicherweise auch in diesem Jahr, denn für den Silvesterabend darf mit schönstem Winterwetter gerechnet werden.

Empfindliche Personen sollten drinnen bleiben
In den vergangenen Jahren sind jedes Jahr um die 600 Tonnen Feuerwerkskörper importiert worden. Diese Berge an Raketen hinterlassen auch riesige Schadstoffmengen. Þorsteinn Jóhannsson, ein Experte für Luftqualität bei der isländischen Umweltbehörde, empfiehlt, vor allem kleine Kinder im Haus zu lassen, wenn die Luftverschmutzung am schlimmsten ist, und alle Fenster geschlossen zu halten.
„Vor allem um Mitternacht kann es zu einer erheblichen Freisetzung von Feinstaub und Ruß kommen, und es ist tatsächlich das Wetter, das bestimmt, ob sich diese Feinstäube anzusammeln können oder nicht.“

Feinstaub bei unter 2 m/s
Eine Windgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde (ca 7,5 km/h) stelle eine Art Schallmauer dar, alles was darunter liege, sorge dafür, dass sich die Schadstoffe sehr schnell ansammeln. Momentan liege die Prognose bei drei bis vier m/s, was ausreiche um den Feinstaub zu verteilen.
Zusätzlich zum Silvesterfeuerwerk finden ausserdem an 12 Stellen der Hauptstadt Neujahrsfeuer statt, die man um Mitternacht besuchen kann.

Bäume statt Böller
In Island werden Feuerwerkskörper nur von Sportvereinen, zum grössten Teil aber von den Freiwilligen der Rettungsorganisation Landsbjörg kurz vor Silvester verkauft. Sie alle finanzieren ihren Betrieb weitgehend über diesen Verkauf. Für das Abschiessen der Feuerwerkskörper gibt es strenge Regeln und zeitliche Einschränlungen.
Seit einigen Jahren steht das Silvesterfeuerwerk allerdings auch auf der Insel in der Kritik, nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch weil die Luftverschmutzung um Silvester herum wettebedingt oft massiv zunimmt. Landsbjörg bietet im Rahmen der Aktion „skjótum rótum“ (Wurzeln schiessen) an, statt Raketen symbolisch einen Baum zu kaufen, der später in einer speziellen Gemarkung nahe der Stadt Þorlákshöfn gepflanzt wird.

Junge Menschen würden laut Umfrage Verkauf von Silvesterknallern verbieten

New Year's Eve Fireworks in Reykjavík, 2017.

Sechzig Prozent der Isländer zwischen 18 und 24 Jahren würden den Verkauf von Feuerwerkskörpern an Privatnutzer verbieten, berichtet Vísir.
Für die neue Studie von Prósent wurden den Befragten drei Fragen vorgelegt: (a) ob sie selber Feuerwerkskörper kaufen, (b) ob man die Menge an Feuerwerkskörper pro Person beschränken sollte, und (c) ob man den Verkauf von Feuerwerkskörpern an Privatnutzer verbieten sollte.

Erstaunliche 64 Prozent gaben an, keine Feuerwerkskörper zu kaufen, 36 bezeichneten sich als Käufer derselben. Dabei waren Personen vom Land, sowie Männer eher unter den Käufern als Stadtbewohner und Frauen. Unter den Feuerwerksfreunden befinden sich mehrheitlich Personen aus der Altersgruppe 35 bis 44 Jahre, weit aus weniger kaufen Jüngere und Personen älter als 55 Jahre.
Mehr als die Hälfte der Befragten, oder 52 Prozent, findet, die Menge an Feuerwerkskörpern pro Person müsse beschränkt werden, 34 Prozent finden dies nicht notwendig. In der Altergruppe von 18 bis 24 Jahren sprachen sich die meisten dafür aus, die Menge zu beschränken, und hier waren auch Frauen (60%) eher als Männer der Ansicht, es brauche eine Beschränkung, und Stadtbewohner eher als Landbewohner.

Ein Verbot für den Privatgebrauch befürworteten 44 Prozent, 41 Prozent sind gegen ein solches Verbot. Frauen befürworten ein Verbot eher als Männer. In der Gruppe der 18 bis 24-Jährigen sprachen sich sogar 60 Prozent für ein Verbot aus, bei den 55 bis 64-Jährigen wollten nur 38 Prozent den Verkauf von Silvesterknaller an Privatpersonen verbieten.
Die Daten sind zwischen dem 30. Dezember und dem 9. Januar gesammelt worden. Prósent führte die Befragung im Internet aus, von 2300 eingeladenen Personen über 18 Jahren hatten 1118 Personen eine Antwort abgegeben.
In Island dürfen Feuerwerkskörper nur zwischen dem 28. Dezember und 6. Januar verkauft werden, und ausser in der Silvesternacht ist es verboten, sie zwischen 22 Uhr und 10 Uhr abzuschiessen. Verkauft werden Feuerwerkskörper vor allem von den freiwilligen Mitgliedern der regionalen Rettungswachten, die sich unter anderem darüber finanzieren, sowie von Sportvereinen.

Rettungsteams verkauften Feuerwerkskörper für 800 Mio. ISK

New Year's Eve Fireworks in Reykjavík, 2017.

Die durch den Verkauf von Feuerwerkskörpern erzielten Einkünfte der isländischen freiwilligen Rettungsteams beliefen sich in der diesjährigen Saison auf 800 Mio ISK (5,1 Mio EUR) und sind damit im Vergleich zum Vorjahr um 10 bis 15 Prozent gestiegen, berichtet RÚV. Der Leiter der Freiwilligenorganisation, Þór Þorsteinsson, hält es für unverantwortlich von den Behörden, diese Finanzierungsquelle zu kappen, ohne eine Alternative zu bieten.

In den vergangenen Jahren waren die Feuerwerke zunehmend in die Kritik geraten, weil sie Krach und Luftverschmutzung verursachen.
In Island darf zwischen dem 28. Dezember und dem 6. Januar Feuerwerksmaterial verkauft werden, am 6. Januar, Þrettánda, wird der der traditionelle Abzug der Weihnachtsmänner und das Ende der Weihnachtszeit mit einem Feuerwerk und Feuern in den Gemeinden gefeiert.

Vertreter von ICE-SAR zeigten sich zufrieden mit den Verkäufen. “Insgesamt ist das gut gelaufen. Zwei oder drei Jahre lang haben wir einen Rückgang verzeichnet, aber nun scheint es einen Zuwachs von 10 bis 15 Prozent gegeben zu haben. Sodass der Nettoerlös der Rettungsteams aus den Verkäufen von Feuerwerkskörpern in diesem Jahr um die 800 Millionen liegen könnte,” gab Þór an.

Auch in diesem Jahr war die Luft nach der Silvesternacht in Reykjavík dank völliger Windstille ziemlich dick gewesen. “Ja, wir sind uns bewusst, dass Feuerwerke Verschmutzung verursachen, wie viele andere Dinge auch,” sagte er. “Aber wir hatten mit viel mehr Verschmutzung gerechnet als es tatsächlich gab, und eine mögliche Erklärung dafür ist das Fehlen der Neujahrsfeuer. Die verschmutzen auch.”

Feuerwerk soll auf drei Tage beschränkt werden
Die traditionellen Neujahrsfeuer hatten dieses Mal nicht stattfinden können, weil sie nicht konform mit den derzeit gültigen Personenzahlbeschränkungen hätten veranstaltet werden können.
Die Behörden planen, den gesamten Verkauf der Feuerwerkskörper zu reorganisieren, um die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit durch die der Böllerei folgende Luftverschmutzung zu mindern. Eine mit dem Projekt betraute Arbeitsgruppe schlägt demnach vor, die Verkaufsperiode für Feuerwerkskörper auf noch weniger Tage einzuschränken und das Abfeuern von erworbenem Material auf drei Tage zu begrenzen: Silvesternacht, Neujahrstag und 6. Januar/Þrettánda, und auch da nur zu bestimmten Tagezeiten.

Die Reform war wegen der Pandemie verschoben worden, doch gestern bestätigte das Justizministerium, dass die Regeländerung rechtzeitig zum nächsten Feuerwerk in Kraft treten werde.

“Wir sprechen uns nicht grundsätzlich für Feuerwerksverkäufe aus, aber wir brauchen diese Einkünfte, und wir sind ein ziemlich grosser Bestandteil der Rettungseinsatzkräfte des Landes. Wir finden es unverantwortlich, Einschränkungen für den Verkauf von Feuerwerkskörpern vorzuschlagen, unserem Weg, unsere Einsätze zu finanzieren, es sei denn, es gibt eine Alternative.” sagte Þór.

 

Feuerwerk soll gesetzlich eingeschränkt werden

New Year's Eve Fireworks in Reykjavík, 2017.

Ein interministerieller Untersuchungsausschuss hat sich mit der Umweltverschmutzung durch Feuerwerke um die Jahreswende befasst und Empfehlungen abgegeben, wie man die Böllerei einschränken könnte, berichtet RÚV. In einer gemeinsamen Erklärung wurde darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, praktische Massnahmen zu ergreifen, um die öffentliche Gesundheit zu verbessern, und dennoch die Finanzierung der isländischen Rettungsorganisation ICE-SAR zu gewährleisten, die ihren enormen Finanzbedarf zur Hälfte durch den Verkauf von Feuerwerkskörpern deckt.

Den Vorschlägen zufolge würde es für die Silvesterböllerei Zeitfenster geben, und zwar von 16.00 Uhr bis 2.00 in der Silvesternacht, von 16.00 Uhr bis 22.00 Uhr am Neujahrstag und von 16.00 bis 22.00 Uhr am 6. Januar (Þrettándinn, der letzte Weihnachtstag in Island, wird vor allem mit Kindern gross gefeiert).
Zur Zeit erlaubt das Gesetz noch den Verkauf von Feuerwerkskörpern zwischen dem 28. Dezember und dem 6. Januar, gezündet werden darf in diesem Zeitraum an allen Tagen zwischen 9.00 Uhr morgens und Mitternacht. Nur in der Silvesternacht gibt es keine zeitliche Beschränkung.

Nach der vorgeschlagenen Neuregelung wäre es erlaubt, die Feiern am 6. Januar um ein paar Tage zu verschieben (jedoch nicht länger als zum folgenden Sonntag), falls schlechtes Wetter ein Feuerwerk verhindert. Gemeinden könnten die Feierlichkeiten des Þrettándinn auch vorverlegen.
Sieben Vorschläge zur Einschränkung der Feuerwerke stehen zur Debatte:
– Erteilung von Lizenzen und die Überwachung von Feuerwerken
– Noch mehr Einschränkungen im Zeitrahmen
– Weniger Tage, an denen Feuerwerkskörper verkauft werden dürfen
– Mehr Überwachung und Übersicht bei der Zündung von Feuerwerkskörpern
– Strafen bei Zuwiderhandlungen und Missbrauch
– Gründung einer Arbeitsgruppe, die neue Finanzierungsmodelle für die Rettungswacht ICE-SAR entwickelt

Die im Ausschuss sitzenden Vertreter von Gesundheitsministerium und Umweltministerium schlugen auch vor, die Verwendung von grossen Feuerwerken und sogenannten “Torten” bis zum Jahr 2030 ganz auszuschleichen. Ausserdem sollten die Leute Feuerwerk nur an eigens dafür freigegebenen Orten zünden dürfen.

Der Vertreter des Justizministeriums schlug detailliertere Massnahmen gegen die durch Feuerwerk verursachte Luftverschmutzung vor, wie zusätzliche Messstationen, eine Analyse darüber, wo die Verschmutzung herrührt, und ein Verbot von importierten Flaschenraketen.

Keine Raketen mehr vom Rettungsteam Jökull

Reykjavík Fireworks New Year's Eve

Das Rettungsteam Jökull im Jökuldalur in Ostisland will ab diesem Jahr keine Feuerwerkskörper mehr zu Silvester verkaufen. Ohnehin war im Verhältnis zum Aufwand nicht viel Geld aus dem Verkauf zusammengekommen, schreibt RÚV.

Sigmar Daði Viðarsson, der Leiter der örtlichen Truppe, sagte RÚV gegenüber, das Team sei in der Lage, die benötigten Gelder auf andere Weise zusammenzubekommen.

“Wir haben das Jahr über Spendenaktionen ins Leben gerufen, die statt des Feuerwerksverkaufs laufen können, und wir wollen das noch weiter ausbauen. Wir haben unser Equipment arbeiten lassen, wir haben Festivals mitbetreut, und wir wollen uns lieber auf die Leute hier um uns herum konzentrieren und Veranstaltungen für die abhalten. Das ist so wenig Geld für uns, dass wir Spendengelder auf anderen Wegen zusammenbringen können, die sicherer und umweltfreundlicher sind, sodass wir diese Chance ergreifen können.

Natürlich ist der Feuerwerksverkauf entscheidend für viele andere Rettungsteams und deren grösste Finanzierungsquelle. Wir hoffen daher, dass unsere Kameraden in Egilsstaðir davon profitieren und dass die, die weiterhin Feuerwerkskörper kaufen wollen, das auch weiterhin in Egilsstaðir tun, wie bisher.” sagte Sigmar Daði.