Feuerwehr schickt Brandverursachern Rechnung für Löscheinsatz

Die Feuerwehr des südisländischen Bezirks Árnessýsla hat von der Befugnis Gebrauch gemacht, einem Brandverursacher die Kosten für den Löscheinsatz in Rechnung zu stellen, berichtet Vísir. „Der reine Arbeitslohn für so einen Löscheinsatz kann bis zu eine Million ISK betragen,“ gab der Leiter der Feuerwehreinheit an.

Auf Regen warten
In der vergangenen Woche hatte nur wenig gefehlt, dass ein ganzes Sommerhausgebiet ausserhalb von Borgarnes einem Feuer zum Opfer gefallen wäre, als ein Sommerhausbesitzer mit einer Motorsäge Bäume fällte und sich ein Feuer im trockenen Gras entwickelte. Der Feuerwehr gelang es gerade noch, den Brand zu löschen, bevor die Hausbesitzer davon eingeschlossen wurden.
Und das war nicht der einzige derartige Einsatz, sagt Löschmeister Pétur Pétursson. Leute auf dem Land hätten trotz der Trockenheit Gartenabfälle oder Holz verbrannt und dadurch Flächenbrände verursacht.
„Persönlich finde ich das vollkommen unverständlich, dass die Leute nicht mal warten können, bis es regnet,“ sagte Pétur in einem Radiointerview.
Bei dem Brand in Munaðarnes habe es sich um ein Unglück gehandelt, wo die Leute vor lauter Schaffensfreude alles vergessen. Die Verantwortung trage schlicht immer der, der das Feuer verursacht. Offenbar könne man nicht auf den gesunden Menschenverstand zählen und müsse sich überlegen, wie man die Leute abschrecke.

Teure Löscheinsätze
Das Gesetz erlaubt der Feuerwehr, die Einsatzkosten vom Brandverursache zahlen zu lassen, und Péturs Mannschaft hat davon schon Gebrauch gemacht. Da kommt schnell eine Million Kronen zusammen. Nur noch wenige Löschmannschaften beschäftigen Feuerwehrleute in Vollzeit, die meisten sind in Teilzeit dabei. Teilzeitkräfte werden für mindestens vier Stunden bezahlt, selbst wenn der Einsatz kürzer ist.
Die Brandgefahren werden jedoch nicht weniger. Pétur sagt, es sei eigentlich nur Glück, dass bislang noch kein Sommerhausgebiet vollständig abgebrannt ist, weil Gestrüpp und trockenes Gras leichte Beute für Feuer sind. Im Ausland komme das oft vor, und dort koste es auch Menschenleben. „Tödliche Realität,“ sagt er.
Er rät Häuslebesitzern daher, das Erdreich zu befeuchten, bevor man Arbeiten beginnt, bei denen Funken überspringen können. Auch nach Abschluss der Arbeiten sei es gut, noch einmal mit dem Gartenschlauch loszuziehen. Man könne nicht jeden Brand verhindern, aber gegen verantwortungsloses Verhalten könne man durchaus etwas unternehmen.

Ein Toter nach Brand in Gewerbegebäude

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Beim Brand in einem Gewerbegebäude in Reykjavík ist gestern ein Bewohner ums Leben gekommen. Der aus Polen stammende 61-Jährige hatte sich in seinem Zimmer befunden, als das Feuer im Erdgeschoss des zweistöckigen Gebäudes ausbrach. Zwei weitere Bewohner wurden verletzt, die Brandursache ist bislang nicht bekannt.
Die Polizei ermittelt und prüft zur Zeit Bildmaterial von ausserhalb und aus dem Inneren des Hauses, allerdings wurden die Kameras durch das Feuer beschädigt. Man arbeite jedoch an der Datenrettung.

Von Wohnhaus in Gewerbegebäude umgewandelt
In dem als Büro- und Gewerbegebäude registriertem Haus in Funahöfði 7 wohnten vor allem polnische Arbeiter, aber auch Russen und Venezolaner.
Ein Sprecher der Hauseigentümer hatte RÚV gegenüber angegeben, die Behörden hätten erst kürzlich entschieden, den Teil des Gebäudes, wo die drei Personen lebten, von Wohngebäude in Gewerbegebäude umzuwandeln. Die Eigentümer verlangten, dass diese Entscheidung revidiert werde. Nach Angaben des Sprechers habe die Feuerwehr das Gebäude erst am 13. Oktober auf Brandschutz untersucht und nur das Fehlen einer Feuerleiter bemängelt. Dafür hatte es eine Frist gegeben. Die fehlende Feuerleiter wäre bei dem Brand gestern jedoch nicht zum Einsatz gekommen, da das Feuer im Erdgeschoss ausgebrochen war.

Zimmervermietung war den Behörden bekannt
RÚV berichtet, das Gebäude, in dem etwa 30 Personen gemeldet sind, werde schon lange für die Zimmervermietung genutzt. Das Investigativmagazin Kveikur hatte RÚV zufolge dem Haus vor Jahren einen Besuch abgestattet und 13 Quadratmeter grosse Zimmer mit gemeinsamer Küche und Sanitäranlage, Mäuse, unvorstellbaren Schmutz und Spuren von Gewalttätigkeiten vorgefunden. Schon damals kostete die Zimmermiete 70.000 Kronen. Im Jahr 2016 habe sich RÚV zufolge ein Mieter in seiner Not an die polnische Botschaft in Reykjavík gewendet, nachdem die Stadtwerke wegen Zahlungsrückstand des Eigentümers den Strom abgedreht hatten. Bei einer Hausbegehung habe man verängstigte frierende Menschen vorgefunden, die so hungrig waren, dass man ihnen erst mal habe Essen geben müssen.

7000 lebten 2021 in Gewerbegebäuden
Dies ist innerhalb von zwei Monaten der zweite Brand in einem als Wohnhaus genutzten Gewerbegebäude in Reykjavík. Am 20. August war in Hafnarfjörður Feuer in einem Industriegebäude ausgebrochen, wo mindestens 17 Personen dauerhaft lebten. Zum Glück war niemand verletzt worden. Sechs Personen, die schliefen, als das Feuer ausbrach, konnten vor den Flammen gerettet werden.
“In einem Gewerbe- oder Industriegebäude zu wohnen ist immer noch nicht erlaubt, auch wenn das im Hauptstadtbereich oft praktiziert wird,” hatte der Reykjavíker Feuerwehrchef Birgir Finsson seinerzeit angegeben.

Im Juni 2020 waren bei einem Brand im Bræðraborgarstígur zwei Personen um Leben gekommen. Im Jahr 2021 hatten isländische Behörden im Rahmen einer Untersuchung herausgefunden, dass bis zu 7000 Personen in Island in Gebäuden lebten, die als Gewerbe- oder Industriegebäude registriert waren.

Im Juli diesen Jahres hatte der Minister für Infrastruktur eine Änderung der Brandschutzverordnung vorgelegt, um sicherzustellen, dass mehr Menschen ihren tatsächlichen Wohnsitz korrekt angeben. Die Verordnung soll es den Behörden auch erleichtern, Wohnungen zu betreten, in denen die Brandschutzmaßnahmen möglicherweise unzureichend sind.

 

E-Scooter verursacht Wohnungsbrand Nr. 12 in diesem Jahr

Slökkvilið höfuðborgarsvæðisins bs / Facebook. Fire in Hafnarfjörður, August 20, 2023

In Hafnarfjörður ist in der vergangenen Nacht eine Wohnung vollständig ausgebrannt, vermutlich hatte der Akku eines ladenden E-Scooters den Brand ausgelöst, berichtet Vísir. Die Bereichsleiterin für Prävention bei der Feuerwehr beobachtet immer mehr Brände, die durch ladende E-Scooter verursacht werden.

Brandmeister Jón Viðar Matthíasson war bei den Löscharbeiten zugegen und sagt, die Feuersbrunst sei sehr stark gewesen. Der Putz sei von den Wänden geplatzt und ein Löschgerät habe den Brand nicht überstanden, und dazu bedürfe es schon einiges. Drei in der Wohnung befindliche Personen konnten über den Balkon im ersten Stock gerettet werden.

Aldís Rún Lárusdóttir, die Bereichsleiterin für Präventionsmassnahmen bei der Feuerwehr meint, die Löschkräfte hätten das Gefühl, dass solche Brände immer häufiger vorkämen.
“Wir haben jetzt angefangen, Zahlen zu sammeln und unsere Daten zu analysieren,” sagt Aldís. “Ersten Daten zufolge war das der 12. Grossbrand in diesem Jahr, der auf einen E-Scooter zurückzuführen ist.” Damit hätten die Zahlen sich verdoppelt, denn im letzten Jahr habe man nur fünf solcher Brände gelöscht.

Sie empfiehlt, die E-Scooter immer unter sicheren Bedingungen zu laden. In einem Mehrfamilienhaus sähe sie sowas am liebsten innerhalb eines feuersicheren Raumes, wie etwa dem Fahrradkeller. In Einfamilienhäusern eigne sich die Garage. Auf keinen Fall solle man seinen E-Scooter während des Schlafes laden, und wichtig sei auch ein Rauchmelder im Raum.

Touristen entkommen brennendem Reisebus

Þingvallavatn

Ein Reisebus mit 25 Passagieren an Bord ist gestern in der Nähe des Sees Þingvallavatn in Flammen aufgegangen. Ein Feuerwehrmann sagte RÚV, der Bus sei bereits komplett ausgebrannt gewesen, als die Feuerwehr endlich vor Ort erschien. Augenzeugen zufolge hatte der Bus angehalten, die 25 Passagiere seien ausgestiegen, und kurz darauf habe der Bus in Flammen gestanden. Verletzt wurde niemand.

Eyjólfur Óli Jónsson von der regionalen Feuerwehr sagte RÚV gegenüber, da der Bus so gut wie ausgebrannt war, habe man sich zunächst auf die umliegende Vegetation konzentriert.
“Es war so gut wie unmöglich, das Feuer mit Wasser zu löschen, ohne den Erdboden neben der Strasse zu verschmutzen. Wir haben daher auf einen Tankwagen gewartet, und uns auf das Feuer konzentriert, das auf die Vegetation übergesprungen war. Als der Tankwagen kam, haben wir das Feuer im Bus mit Schaum gelöscht.” Die Passagiere seien bemerkenswert gefasst gewesen, so Eyjólfur. Sie hätten offenbar aussteigen können, bevor das Feuer richtig ausbrach.

Georg Aspelund Þorkelsson war Augenzeuge in einem anderen Fahrzeug. “Die Passagiere sind ausgestiegen und haben ihr Gepäck an sich genommen, das ist alles sehr schnell passiert. Der Fahrer hat den Bus mitten auf der Strasse zum Stehen gebracht, was die richtige Entscheidung war, denke ich, um zu verhindern, dass das Feuer auf die Vegetation neben der Strasse übergreift. Nach nur kurzer Zeit stand der Bus in Flammen.”
Eine Brandursache ist bislang nicht bekannt.

Elektroscooter verursacht Hausbrand in Reykjavík

Ein Haus im Osten Reykjavíks ist gestern vollständig zerstört worden, als Brandursache wurde ein an der Steckdose aufladender Elektroscooter identifiziert, berichtet RÚV. Das zweistöckige Holzhaus brannte bis auf die Grundmauern nieder. Verletzt wurde bei dem Brand niemand.
Die Feuerwehr brauchte sechs Stunden, um die Flammen niederzukämpfen. Alle verfügbaren Mannschaften waren zum Einsatz gerufen worden. Vísir gegenüber berichteten Feuerwehrleute, es habe eine Explosion in dem Haus gegeben. Um den Brand schneller löschen zu können, hatten sie das Dach des Hauses mit einem Kranwagen abgetragen.

Dieser Brand ist nicht der erste in Island, der durch einen stromladenden Elektroscooter ausgelöst worden ist. Polizei und Feuerwehr hatten schon zuvor vor den Gefahren gewarnt, die das Aufladen eines Scooters im Haus mit sich bringt.

 

Einsatzplan zum Brandschutz in der Heiðmörk in Arbeit

heiðmörk fire 4 may 2021

Auf den Tag genau vor einem Jahr brannte in der Heiðmörk vor den Toren Reykjavíks nach grosser Trockenheit ein riesiges Waldstück. In diesem Jahr arbeiten die Behörden intensiv daran, die Wiederholung eines solchen Flächenbrands zu verhindern, berichtet RÚV.

„Was wir bisher gemacht haben, ist die Belastbarkeit der Wanderpfade zu kartieren, und mehr Zugänge zu den Pfaden und Wegen für die Einsatzkräfte zu schaffen. Wir kartieren gerade Fluchtwege und legen besonderes Gewicht auf eine Verbesserung der Mobilfunkverbindung. Das war ein grosses Problem letztes Jahr, dass die Einsatzkräfte untereinander im Brandgebiet keine Handyverbindung hatten,“ erklärt Auður Kjartansdóttir, die Geschäftsführerin der Reykjavíker Forstbehörde. Sie sagt, es sei ein unangenehmes Erwachen gewesen, all diese Faktoren auf dem Tisch zu haben.
“Aber die Feuergefahr ist ja nun nichts Neues, und das hängt mit dem Wetter des jeweiligen Winters zusammen, und wieviel Schnee gelegen hat, dass eine solche Gefahr entstehen kann.”

Das Gebiet, welches im letzten Frühjahr in Brand geraten war, umfasste 60 Hektar, umgerechnet 60 Fussballfelder. Vor allem der heftige Wind an jenem Tag habe für eine starke Ausbreitung des Feuers und den grossen Schaden gesorgt.
“Wir haben im letzten Jahr gesehen dass an den Birken die Pollenstände bereits gekommen waren. Aber da der gesamte Bewuchs eher jung war, ist viel kaputtgegangen. Insgesamt hatten wir aber noch Glück, dass das Hauptwegenetz beiderseits des Brandgebietes kein Feuer gefangen hat.”
Trotz der Verluste werde die Heiðmörk auch in diesem Sommer wieder ein Naherholungsparadies, so wie die Hauptstädter es kennen und lieben.

Reykjavíker Behörden planen Tür-zu-Tür Aktion, um feuergefährdeten Wohnraum zu finden

sleeping pods foreign workers smíðshöfði case

In Reykjavík wollen die Behörden von Tür zu Tür gehen, um herauszufinden, wieviele Personen in Industrie-oder Gewerbegebäuden leben. Ziel der Initiative ist es, die Brandsicherheit zu überprüfen und sicherzustellen, dass die Bewohner in den Unterkünften sicher sind. Sie sollen keinesfalls auf die Strasse gesetzt werden, versichert der Leiter der Hauptstadtfeuerwehr, Jón Viðar Matthiasson RÚV gegenüber.

Einer zu Beginn des Jahres veröffentlichten Studie zufolge leben zwischen 5000 und 7000 Menschen in Island in Gebäuden, die als Industrie- oder Gewerbegebäude klassifiziert sind. Die grösste Gruppe der Bewohner besteht aus Menschen, die ihren Arbeitsplatz aufgrund der Pandemie verloren haben.

Die Studie war in Auftrag gegeben worden, nachdem im Juli 2020 ein Feuer in einem überfüllten Arbeiterquartier in Reykjavík drei Menschenleben kostete und damit das tödlichste Feuer der neueren Landesgeschichte war. Gewerbegebäude sind oft nicht mit ausreichendem Brandschutz ausgestattet, Bewohner in solchen Gebäuden schweben daher eher in Lebensgefahr, wenn ein Brand ausbricht. Hinzu kommt, dass der Bewohner seinen Wohnsitz in solch einem Gebäude nicht anmelden kann, was dazu führt, dass er weder Mietbeihilfe noch Kindergeld beantragen kann.
Auf der Webseite homesafety.is wird erklärt, wie die Tür-zu-Tür-Aktion in den drei Monaten ablaufen soll. Unter anderem wird darauf gedrängt, dass die Bewohner mit den Behörden kooperieren, um die Sicherheit zu verbessern.

Bei der letzten derartigen Untersuchung hatte die Feuerwehr 300 bis 320 Unterkünfte gefunden, wo Menschen in Gewerbegebäuden lebten. Diesmal soll die Zählung detaillierter ausfallen.
“Wir hoffen, dass die Leute uns willkommen heissen, weil wir keinen Überfall veranstalten, um Leute rauszuwerfen, sondern um die Lage prüfen und eine Grundlage schaffen, auf dem zukünftige Gesetze und Bestimmungen aufbauen können,” erklärt Jón Viðar.

Illegales Wohnen hat viele Hintergründe
Anna Guðmunda Ingvarsdóttir, die stellvertretende Leiterin der Wohnbehörde (HMS) sagt, die Zahl der Leute, die in Gewerbegebäuden leben, reflektiere einen Wohnraumbedarf. Wenn das Resultat der Erhebung vorliege, trügen Staat und Gemeinden die Verantwortung, sich des Problems anzunehmen.

“Die Leute suchen Wohnungen, die günstig sind, und das tun sie aus unterschiedlichen Gründen,” sagt Anna. “Es kann eine Wahl sein, oder sie können sich in einer verzweifelten Lage befinden. Das Wohnen in Gewerbegebäuden kann dein Recht auf Mietbeihilfe und Kindergeld reduzieren, es schenkt nicht die gleiche Sicherheit.”

In vielen Fällen wird nicht registrierter und ungeeigneter Wohnraum vom Arbeitgeber für Migrantenarbeiter bereitgestellt. Die Arbeiter sitzen bei Verlust des Arbeitsplatzes schnell auf der Strasse. Im Juni 2021 war ein wegweisendes Urteil gefällt worden, bei dem ein Arbeitgeber zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war, weil er das Leben seiner ausländischen Arbeiter in Gefahr gebracht hatte. Jón Viðar sagt, das Urteil sollte dabei helfen, Veränderungen herbeizuführen, wenn die Tür-zu-Tür Aktion in diesem Winter beendet ist.

Jón zufolge hatten bisher Bestimmungen das Betreten solcher Gebäude zu Prüfzwecken verhindert. Bürgermeister Dagur B. Eggertsson sagt, die Stadt Reykjavík dränge auf mehr Genehmigungen, um Unterkünfte für die neue Studie untersuchen zu dürfen.

Reykjavíker Bauamt verlangt Abriss der Brandruine

Bræðaborgarstígur fire

Der Besitzer des Hauses in Reykjavík, welches Ende Juni abgebrannt war, soll die Ruine innerhalb von 30 Tagen abreissen, berichtet RÚV. Bei dem verheerenden Brand waren drei Personen in den Flammen ums Leben gekommen. Die Anwohnervereinigung Vesturbær hatte ihre Sorge darüber ausgedrückt, dass Sturm und Winterwetter das schwer beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten. Der Anwalt des Hausbesitzers sagt, das Haus könne wegen einer ungelösten Versicherungsfrage nicht abgerissen werden.

Die Feuersbrunst Ende Juni hatte drei Menschenleben gekostet und gilt als tödlichster Brand in der Geschichte der Stadt. Ein älterer Mann wurde in dem Zusammenhang festgenommen, er muss sich wegen Totschlags und Brandstiftung vor Gericht verantworten.
In dem Gebäude am Bræðraborgarstígur hatte eine grosse Zahl ausländischer Arbeiter in beengten Verhältnissen gelebt. Der katastrophale Zustand des Hauses und die Vermietungsumstände waren von isländischen Medien seit dem Jahr 2015 untersucht und angeprangert worden.

Skúli Sveinsson, der Anwalt des Eigentümers, gab Reportern gegenüber an, es sei nicht möglich, das Haus abzureissen, weil der Streit zwischen Eigentümer und seiner Versicherung darüber, ob ein Abriss nötig sei, oder ob eine Sanierung ausreiche, nicht beigelegt sei.

Bauamtsleiter Nikulás Úlfar Másson bezeichnete diesen Streit als irrelevant für die Behörden. “Unsere Pflicht ist es, sicherzustellen, dass Gebäude keine Gefahr für ihre Umwelt darstellen, oder Schaden oder gar Gesundheitsprobleme für Passanten und Nachbarn verursachen,” sagte Nikulás. “Wir haben den Ort kontrolliert, mit dem Netz, welches Haus und Zaun bedeckt, und all das war bislang exemplarisch, aber jetzt können wir natürlich Wetter aller Art erwarten, welches das Haus einfach zerstört. Wir wissen ja nicht mal wirklich, in welchem Zustand das Haus sich befindet.”
“Jetzt ist es für uns an der Zeit, dem Besitzer einen Brief zu schicken und ihn aufzufordern, das Haus innerhalb von 30 Tagen abzureissen, oder mit einer Erklärung aufzuwarten, was er mit den Ruinen anfangen will,” kündigte Nikulás an.

Sowohl Hauseigentümer als auch der Festgenommene müssen mit rechtlichen Schritten durch die Familien der Todesopfer rechnen. Alle drei Toten waren polnische Staatsbürger.

Solidaritätsbekundung für ausländische Brandopfer

fire Vesturgata Bræðraborgarstígur

Etwa 400 Leute hatten sich gestern vor dem isländischen Parlament versammelt, um ihre Solidarität mit den Opfern des verheerenden Brandes am Freitag zu bekunden, bei dem drei Personen starben und zwei sich immer noch in kritischem Zustand befinden. Die Gruppe begab sich nach der Kundgebung zu dem verbrannten Gebäude, wo viele Blumen im Gedanken an die Opfer niederlegten. Die Teilnehmer der Veranstaltung forderten strengere Regeln für die Unterbringung von eingewanderten Arbeitskräften.

Das Feuer war am Freitagabend in einem Haus am Bræðraborgarstígur in der Altstadt Reykjavíks ausgebrochen. Das Haus stand auf einer Liste illegaler Unterkünfte, die die Feuerwehr schon im Jahr 2017 veröffentlicht hatte.
Das investigative TV-Magazin Kveikur hatte sich damals mit dem Thema illegale Unterbringung befasst. In den vergangenen Jahren hatten auch Anwohner ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass das Haus schlechten Brandschutz hat und insgesamt in einem schlechten Zustand war.

Ausländische Arbeitskräfte oft ausgebeutet
Das Feuer hatte eine Debatte über die schlechten Arbeitsbedingungen für ausländische Arbeitskräfte in Gang gesetzt. “Der Arbeitsmarkt wird missbraucht und es gibt viele illegale Aktivitäten auf diesem Markt, vor allem gegenüber Immigramten, weil viele von uns oft genug kein isländisch sprechen und manche nicht mal englisch,” sagte Kaja Balejko, Fotografin und eine der Organisatoren der Veranstaltung, RÚV gegenüber.
“Die polnische Gemeinschaft hier hat Glück, weil es viele von uns gibt, aber es gibt eine Menge anderer Nationalitäten, die nicht so zahlreich vertreten sind und niemanden haben, den sie um Hilfe bitten können.”
Kaja sagt, Unterstützung für Immigranten müsse gar nicht teuer oder kompliziert sein. Es würde schon ausreichen, jedem Ausländer, der eine Personenkennziffer (kennitala) beantragt, ein pdf-Dokument in die Hand zu drücken, wo Hilfsorganisationen und nützliche Adressen in der jeweiligen Muttersprache aufgeführt sind.
“Nicht nur die regierungsnahen Organisationen, und nicht nur Gewerkschaften, sondern auch Wohltätigkeitsorganisatonen, die Leuten in Momenten wie diesen helfen können, wo diese nicht wissen, wo sie Hilfe bekommen können.”

Kritik an Prioritäten der Justiz
Als Hausbesitzer eingetragen ist das Bauunternehmen HD Verk, doch dort war niemand für einen Kommentar zu erreichen gewesen. Das Gebäude war zuvor von den Zeitarbeitsfirmen Seigla und Menn í vinnu angemietet worden.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft Efling, Viðar Þorsteinnson, sagte, seine Gewerkschaft müsse immer öfter Arbeitskräften zu Hilfe kommen, die in Bezug auf Wohnraum von ihrem Arbeitgeber abhängig seien.
Solche Arbeiter würden in Situationen hineingezogen “die ich mich traue zu sagen, eher dem Menschenhandel ähneln als einer normalen Beschäftigungsbeziehung.” sagte Viðar.
Sowohl die Zeitung Stundin als auch das TV-Format Kveikur hätten den Zustand des Hauses und die Bedingungen für ausländische Arbeitskräfte thematisiert, der Mangel an Reaktion könne daher nicht auf Ignoranz zurückgeführt werden.

Die Falschen werden kontrolliert
Viðar kritisierte die Prioritäten von Polizei und Justiz in Bezug auf ausländische Arbeitskräfte. “Wir hatten hier eine jahrelang eine tickende Zeitbombe in Bezug auf die Ausstattung der Leute […] Stattdessen wird dieses neue Verhaftungsfahrzeug losgeschickt, der neuste Beitrag von Polizei und Justizministerium, um kriminelle Aktivitäten auf dem Arbeitsmarkt aufzudecken, und Arbeitskräfte zu verhaften, während die verantwortlichen Arbeitgeber, die die Täter auf dem isländischen Arbeitsmarkt sind, weiter frei herumlaufen.”
Das erwähnte Fahrzeug war Mitte Mai vom Justizministerium vorgestellt worden. Es soll dazu dienen, illegale Arbeitskräfte und Leute, deren Visa abgelaufen ist, aufzuspüren, sowie bei Deportationen genutzt werden. Das Fahrzeug kann als mobile Grenzstation zum Einsatz kommen und etwa bei der Kontrolle von Kreuzfahrtschiffen dienlich sein.

Viel öfter ist es jedoch in der Arbeitsplatzkontrolle im Einsatz.
Wie die Polizei freizügig zugab, wird das Fahrzeug auch dazu genutzt, “Autos mit Albanern und Rumänen anzuhalten. Dann überprüfen wir, um zu sehen, ob die Leute sind was sie sagen.” Seit Mitte Mai sind durch das Fahrzeug 100 Personen überprüft worden, etwa 60 von ihnen sind an ihrem Arbeitsplatz polizeilich kontrolliert worden.