Island: beste Luftqualität in ganz Europa

Island ist eins von sieben Ländern weltweit, das die Massgaben der Weltgesundheitsorganisation zur Luftqualität erfüllt. Bei den anderen Ländern handelt es sich um Australien, Estland, Finnland, Grenada, Mauritius und Neuseeland. Island ist in Europa das Land mit der besten Luftqualität.
In einer neuen IQAir-Studie waren im vergangenen Jahr Wetterdaten aus 134 Ländern verglichen worden. Allem voran wurde die Feinstaubbelastung gemessen. Die Partikel sind kleiner als 2,5 Mikrometer und schaffen es in den Blutkreislauf. Sie gehören damit zu den tödlichsten Luftverschmutzern. Nach WHO-Empfehlung sollten Menschen nicht mehr als 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft in einem Jahr einatmen.

Die meiste Luftverschmutzung wurde in Metropolen Mittel- und Südasiens gemessen. In Nordamerika war Kanada das Land mit der grössten Luftverschmutzung. Die 13 Städte, in denen der meiste Feinstaub gemessen wurde, befanden sich alle in Kanada.

Windstille sorgt für Luftverschmutzung durch Feuerwerk

New Year's Eve Fireworks in Reykjavík, 2017.

Islands Hauptstadt Reykjavík ist bekannt für sein ausgiebiges Silvesterfeuerwerk, und auch wenn die Tierschutzverbände landesweit zu mehr Rücksicht aufrufen, lassen sich viele Menschen die alljährliche Knallerei nicht nehmen. Allerdings hat die Sache einen Haken: bei Windstille, Trockenheit und Kälte sammeln sich die Schadstoffe über der Stadt an und haben in vergangenen Jahren zu teilweise katastrophal schlechter Luftqualität am Neujahrstag geführt. So möglicherweise auch in diesem Jahr, denn für den Silvesterabend darf mit schönstem Winterwetter gerechnet werden.

Empfindliche Personen sollten drinnen bleiben
In den vergangenen Jahren sind jedes Jahr um die 600 Tonnen Feuerwerkskörper importiert worden. Diese Berge an Raketen hinterlassen auch riesige Schadstoffmengen. Þorsteinn Jóhannsson, ein Experte für Luftqualität bei der isländischen Umweltbehörde, empfiehlt, vor allem kleine Kinder im Haus zu lassen, wenn die Luftverschmutzung am schlimmsten ist, und alle Fenster geschlossen zu halten.
„Vor allem um Mitternacht kann es zu einer erheblichen Freisetzung von Feinstaub und Ruß kommen, und es ist tatsächlich das Wetter, das bestimmt, ob sich diese Feinstäube anzusammeln können oder nicht.“

Feinstaub bei unter 2 m/s
Eine Windgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde (ca 7,5 km/h) stelle eine Art Schallmauer dar, alles was darunter liege, sorge dafür, dass sich die Schadstoffe sehr schnell ansammeln. Momentan liege die Prognose bei drei bis vier m/s, was ausreiche um den Feinstaub zu verteilen.
Zusätzlich zum Silvesterfeuerwerk finden ausserdem an 12 Stellen der Hauptstadt Neujahrsfeuer statt, die man um Mitternacht besuchen kann.

Bäume statt Böller
In Island werden Feuerwerkskörper nur von Sportvereinen, zum grössten Teil aber von den Freiwilligen der Rettungsorganisation Landsbjörg kurz vor Silvester verkauft. Sie alle finanzieren ihren Betrieb weitgehend über diesen Verkauf. Für das Abschiessen der Feuerwerkskörper gibt es strenge Regeln und zeitliche Einschränlungen.
Seit einigen Jahren steht das Silvesterfeuerwerk allerdings auch auf der Insel in der Kritik, nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch weil die Luftverschmutzung um Silvester herum wettebedingt oft massiv zunimmt. Landsbjörg bietet im Rahmen der Aktion „skjótum rótum“ (Wurzeln schiessen) an, statt Raketen symbolisch einen Baum zu kaufen, der später in einer speziellen Gemarkung nahe der Stadt Þorlákshöfn gepflanzt wird.

Hohe Feinstaubbelastung in Akureyri

Akureyri

Feinstaubbelastung in Akureyri gefährdet die Gesundheit der Einwohner, die Stadtverwaltung widmet dem durchaus bekannten Problem jedoch nicht genügend Aufmerksamkeit, das ist die Ansicht einer Forscherin an der Universität Akureyri.
Sobald der Schnee weggeschmolzen ist und die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt liegen, steigt die Feinstaubbelastung, schon seit Jahren. An den schlimmsten Tagen liegen die Messwerte so hoch, dass Kinder und Personen mit Herz- und Atemwegserkrankungen das Haus nicht verlassen sollten. Selbst gesunden Menschen wird dann von sportlichen Aktivitäten abgeraten.

Höchste Werte im ganzen Land
Untersuchungen in stark belasteten Städten wie Peking oder Mexiko-Stadt hätten gezeigt, dass eine solche Feinstaubbelastung tstächlich die Gesundheit gefährden kann. “Es gibt eine höhere Fallrate an Lungenkrebs in diesen Städten. Es gibt eine höhere Rate an Asthmaerkrankungen bei Kindern und so weiter. Man kann das an Tagen wie heute sehen, dass die Zahl der Klinikeinweisungen steigt,” erklärt die Hochschulprofessorin Yvonne Höller.
Es bestehe kein Zweifel daran, dass die Luftverschmutzung von den Strassen komme, die benagelten Winterreifen hätten grossen Anteil an der Zerstörung des Asphalts und der Luftverschmutzung, berichtet RÚV.
Zahlen der Umweltbehörde zufolge ist Akureyri sogar die Stadt mit der höchsten Feinstaubbelastung im ganzen Land. Im Jahr 2020, so heisst es in einem neuen Report der Behörde, wurden in der Strandgata am Hafen die höchsten Durchschnittswerte für Feinstaub und die meisten Tage mit hoher Belastung gemessen.

Stadtverwaltung ist am Ball
Von der Stadtverwaltung hiess es, man halte das Problem für sehr ernst und habe fünf weitere Messstationen in der Stadt aufgebaut, um ein besseres Gesamtbild zu erhalten. Ausserdem arbeite man daran die Strassen zu reinigen. Die Bürger seien aufgefordert, ihr Auto stehen zu lassen. Die Benutzung der Busse ist in Akureyri im gesamten Stadtbereich kostenlos.
Bislang gibt es keine Pläne, den Verkehr in besonders belasteten Gebieten einzuschränken.
Die Feinstaubbelastung war auf der letzten Stadtratssitzung aber immerhin Tagesordnungpunkt, und man hat sich darauf verständigt, einen Aktionsplan auszuarbeiten. Die Einschränkung des Individualverkehrs steht auf dieser Liste, Entscheidungen wurden bislang jedoch nicht getroffen.

In Reykjavík bestehen ganz ähnliche Probleme, und immer wieder wird auf die Problematik der Nagelreifen hingewiesen. Aber auch in der Hauptstadt hat es diesbezüglich nur diffuse Pläne und Ideen zu Strafgebühren gegeben, aber keine konkreten Massnahmen, um die Luftverschmutzung einzudämmen.

Benagelte Winterreifen sollen in Reykjavík besteuert werden

Islands Umweltbehörde überarbeitet derzeit ihren Plan zur Verbesserung der Luftqualität. Unter anderem sieht der Plan vor, dass  Gemeinden die Möglichkeit erhalten, Autofahrer mit benagelten Winterreifen zur Kasse zu bitten. Damit dies umgesetzt werden kann, muss zuvor das Verkehrsgesetz geändert werden, berichtet Fréttablaðið.

In Reykjavík ist der politische Wille zur Nagelbesteuerung bereits vorhanden,.Nicht nur weil dies den Feinstaub in der Luft mindere, auch würde es der Fahrbahnzerstörung Einhalt gebieten, so der Experte für Luftqualität bei der Umweltbehörde, Þorsteinn Jóhannsson.
In Norwegen, so Þorsteinn, koste es in manchen Gemeinden 20.000 ISK, ein Fahrzeug mit vier benagelten Reifen den Winter über zu fahren.

Gäste zahlen Tagesgebühr
Kritik war unter anderem laut geworden, dass es sich bei dieser Gebühr um eine zusätzliche Besteuerung der Landbevölkerung handle. Auf dem Land sind benagelte Reifen in vielen Regionen wetterbedingt unumgänglich. Þorsteinn weist den Vorwurf zurück. „Das wäre eine Steuer für alle, die im Hauptstadtgebiet wohnen. Gäste würden dann eine Tagesgebühr zahlen, so wie beim Parkautomaten.“
Þorsteinn findet, dass die eingetriebenen Gebühren dann auch der Strasseninstandhaltung zugute kommen sollten. Der Entwurf zu der neuen Besteuerung müsse daher wohlüberlegt ausgefertigt werden, bevor er zur Anwendung komme.

Benagelte Winterreifen zerstören die Strassendecke um 20 bis 40 mal mehr als unbenagelte Reifen. Auch die Feinstaubentwicklung spielt eine Rolle, sie steigt regelmässig an, sobald die Autofahrer auf benagelte Bereifung wechseln. Gesetzlich erlaubt sind die benagelten Winterreifen erst ab dem 1. November. In diesem Jahr hatte die Polizei nach einem frühen Wintereinbruch zugesagt, keine Strafen für vorzeitige Nagelnutzer zu verhängen.

 

 

Erosionsstaub trübte Sicht über Südisland

In Reykjavík wurde heute Vormittag bis in den Nachmittag hinein eine hohe Feinstaubbelastung gemessen. Ähnliches gab es im Südwesten des Landes, doch dort stammte der Feinstaub nicht aus dem Vulkanausbruch, sondern von den Strandregionen im Süden, berichtet RÚV.
Wind aus südöstlicher Richtung wirbelte den sandigen Küstenstaub auf und trug ihn weit ins Land hinein. Stundenlang hing der Staub wie ein gelbbrauner Nebel in der Luft und verschluckte den Horizont.

In der Hauptstadtregion gibt es ein dichtes Netz von Messstationen, die die Luftqualität kontrollieren. Der höchste Wert wurde heute mit 200 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter in Kópavogur gemessen, er liegt über dem Grenzwert.
Die Südlandwolke diskutierte Feinstaubexperte Þorsteinn Jóhannsson am Nachmittag in einem Radiointerview auf Rás2.
“Das ist Erosionsstaub von den Stränden des Südlandes,” erklärte er. “Der kommt oft von der Sandfläche bei Landeyjar mit dieser Windrichtung, und das ist die unschädlichste Verschmutzungsart, mit der wir rechnen können angesichts der hohen Zahlen. Das ist groberer Staub als etwa der durch den Verkehr verursachte Feinstaub. Es gibt keine Russpartikel oder andere durch den Verkehr verursachte Partikel in diesem Staub.”
Die Partikel seien auch grösser als die aus dem Strassenverkehr. Die Schwefeldioxidbelastung war heute im Hauptstadtgebiet nicht sehr hoch gewesen, allerdings hatte es in Reykjanesbær eine Schwefedioxidwolke aus südöstlicher Richtung gegeben, wenn auch nicht mit besonders hohen Schadstoffwerten.

“Die Luftverschmutzung durch den Vulkanausbruch ist viel schwerwiegender. Da haben wir reizende Stoffe, Schwefelpartikel. Der Erosionsstaub vom Strand ist da noch das kleinste Übel. Empfindliche Personen können jedoch Symptome an sich verspüren, vor allem, wenn sie joggen gehen.”

Neues Gesetz erlaubt Fahrverbote bei Feinstaubbelastung

Reykjavík

Islands Gemeinden können in Zukunft den Autoverkehr einschränken oder ganz verbieten, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren. Dies soll ein im Januar in Kraft tretendes Gesetz ermöglichen, berichtet RÚV. Die Verschmutzung durch Feinstaub trifft städtische Regionen besonders an windstillen kalten Wintertagen.

In diesem Jahr hat die Feinstaubbelastung in Reykjavík bereits 14 Mal die kritische Marke überstiegen, dreimal waren die Werte für Stickstoff (ein Gas aus dem Auspuff) über dem gesundheitsunbedenklichen Limit gemessen worden. Nun also sollen Gemeinden in die Lage versetzt werden, Fahreinschränkungen und Fahrverbote auszusprechen, wenn die Verschmutzungswerte hoch sind oder wenn die Gefahr besteht, dass eine Belastung die kritische Marke übersteigt.

Dazu wurde ein ganzer Massnahmenkatalog erstellt. Unter anderem soll es möglich sein, in bestimmten Strassenzügen Tempolimits zu verhängen oder Durchfahrtverbote für grössere Fahrzeuge auszusprechen. In bestimmten Gebieten können auch private Fahrzeuge verboten werden. Solch ein Verbot würde dann nicht alle Fahrzeuge treffen, sondern nach Nummernschildern gehen, wie etwa alle ungeraden oder geraden Ziffern.

Die Vorsitzende des Reykjavíker Ausschusses für Umwelt und Gesundheit, Líf Magneudóttir äusserste sich erfreut über das Gesetz.

Das ist eine sehr willkommende Genehmigung, denn Gemeinden haben schon seit langem mehr Massnahmen gefordert als nur Leuten mit Atemwegserkrankungen oder Kindern das Rausgehen einzuschränken,” sagte sie in einem Interview. “Jetzt können wir endlich aktiv etwas tun, wenn das Gesetz in Kraft tritt.”

Líf sagt, sie habe eine Arbeitsgruppe gegründet, die die Durchführung des Gesetzes vorbereitet. “Das ist ein riesiges Projekt, wie ich das sehe. Das ist eine Angelegenheit der öffentlichen Gesundheit, das ist eine Gesundheitsangelegenheit und natürlich auch eine Umweltangelegenheit.”

Die Behörden in Akureyri sind weniger begeistert davon, Fahrverbote auszusprechen. Quellen von RÚV zufolge hatte selbst die kleine Stadt mit ihren 19.000 Einwohnern bereits erhöhte Feinstaubbelastungen durch den Autoverkehr erlebt.

Auch wenn ein kürzlich durchgeführter Versuch, Salzwasser auf den Strassen zu versprühen, erfolgreich verlief, so klagten die Einwohner danach über verschmutzte Autos.

Hoher Feinstaubgehalt, Busfahrten per App sind heute gratis

Reykjavík.

In den kommenden Tagen muss mit einem erhöhten Feinstaubgehalt in der Luft gerechnet werden, berichtet RÚV. Die Stadt Reykjavík bittet darum, das Auto nach Möglichkeit stehen zu lassen. An solchen “grauen Tagen” bietet das städtische Linienbusunternehmen Strætó in der App einen kostenlosen Tagespass für die öffentlichen Verkehrsmittel an.

Vor allem auf den Hauptverkehrsstrassen soll der Feinstaubgehalt ansteigen. Relative Windstille und Trockenheit wirbeln den Staub auf, Winterreifen mit Nägeln sind auch als Mitverursacher bekannt. Ab dem 15. April ist ohnehin wieder Sommerreifenpflicht in Island.

Heute und morgen sollen zusätzlich staubbindende Massnahmen auf der Ringstrasse und den innerstädtischen Strassen durchgeführt werden. Autofahrer sollten Rücksicht auf die Dienstfahrzeuge nehmen.

Die aktuellen Feinstaubwerte kann man auf der Seite loftgæði.is mitverfolgen.

Der Wetterexperte Einar Sveinbjörnsson schrieb gestern auf seiner Facebookseite, er glaube nicht, dass der Feinstaub allein auf den Verkehr zurückzuführen sei. Vielmehr sehe er den Ursprung des Staubs in der Eldhraun im Bezirk Skaftafell, wo im vergangenen Jahr ein Gletscherlauf grosse Mengen an Schlamm angespült hat, der nun ausgetrocknet ist. In dem Gebiet liege kein Schnee mehr, der den Gletscherstaub binde, dazu habe in Kirkjubæjarklaustur am Samstag ein frischer Wind um die 9 m/s geweht. Seiner Ansicht nach trage der Wind diesen Feinstaub nach Osten und bis in die Hauptstadt.