Þjóðhátíð: Zum Volksfest mit 139 Jahre altem Segelboot

Die wohl ungewöhnlichste Reise zum Volksfest Þjóðhátið auf den Westmännerinseln haben 18 Skipper auf einem 139 Jahre alten Segelboot hinter sich gebracht: Kári Jakobssen auf Vogi auf der färöischen Insel Suðurey segelte mit Skippern im Alter zwischen 25 und 86 Jahren durch den Nordatlantik, um auf Heimaey mit Isländern zu singen und zu feiern, berichtet mbl.is.

„Der Jüngste an Bord ist 25 Jahre alt, der älteste ist 86. Die meisten an Bord sind im Pensionsalter,“ erzählt Kári, der selbst 77 Jahre zählt und in Begleitung seines 55 jährigen Sohnes und 25 jährigen Enkels reist.
„Ich bin oft auf die Westmännerinseln gereist, weil ich meine Frau dort kennengelernt habe. Zum ersten Mal bin ich 1962 dorthin gereist, dann 1965 als Fischer und blieb bis zum Oktober. Ein Jahr später kam ich wieder als Fischer und lernte meine Frau kennen und wir lebten fünf Jahre lang dort, bevor wir auf die Färöerinseln umzogen.“

‘Johanna’ segelt zum dritten Mal nach Heimaey
Nicht zum ersten Mal segelt er auf dem Segelboot ‘Jóhanna’ auf die Inseln, schon in den Jahren 2013 und 2019 war er mit diesem alten Schiff zum Volksfest gesegelt. Aber in dieses Mal hatte er mehr Leute an Bord, und manche von ihnen waren noch nie auf die Westmännerinseln gekommen. Als sie hörten, wieviel Spass man dort beim Volksfest haben kann, hätten sie sich für die Mitfahrt angemeldet, erzählt Kári. Denn, so sagt er, die Leute von den Färöerinseln würden so gerne bei den sogenannten ‘brekkusöngur’, dem Gesang in den Grashügeln, zuhören und andere Besucher in den weissen Zelten treffen, und man sei dort immer gerngesehener Gast.

Heissgeliebtes Volksfest
Das Volksfest Þjóðhátíð findet an diesem Wochenende, dem Kaufmannswochenende, in Heimaey auf den Westmännerinseln statt.  Jedes Jahr machen sich tausende „Festlandsisländer“ auf den Weg zum Hafen nach Landeyjar, um mit der Fähre auf die Insel zu fahren und dort in der Naturbühne Herjólfsdalur zu zelten und Live-Musik zu hören. Für viele Isländer ist dieses Volksfest, das gemeinsame Singen am Samstagabend und das nächtliche Feuerwerk ein Höhpunkt ihres Sommers.

Das erste Volksfest war im Jahr 1874 auf Heimaey abgehalten worden, um die 1000-Jahrfeier der Besiedelung zu begehen – und die Tatsache, dass Island seine erste Verfassung vom dänischen König erhalten hatte. Seit 1901 ist das Fest ein alljährliches Ereignis. In den Anfangsjahren spielten sportliche Wettkämpfe noch eine grosse Rolle, wie das Rudern oder die isländische Kampfsportart Glíma. Selbst im Jahr 1973, als der Vulkan auf Heimaey ausbrach und das Herjólfsdalur unter Asche begrub, wurde ein kleines Fest abgehalten, diesmal an anderem Ort und vor allem für die Einsatzkräfte, die die Insel von der Asche reinigten. Manche Riten haben sich bis auf den heutigen Tag gehalten, wie etwa die gemeinschaftliche Verkleidung von Besuchergruppen, und natürlich die jährliche Hymne, die in diesem Jahr von Emmsje Gauti komponiert und gesungen wurde.

Verkehrsbehinderungen möglich
Die Fähre nach Heimaey ist oft Wochen vorher schon ausgebucht, und das Busunternehmen Strætó bietet Extrafahrten von Reykjavík zum Hafen. An den An- und Abreisetagen muss am Festland mit erhöhtem Verkehrsaufkommen und Alkoholkontrollen gerechnet werden.
Für alle, die nicht vor Ort sein können, gibt es einen Livestream.