Seyðisfjörður: Evakuierung der Norræna geübt

Seyðisfjörður Norræna ferry

Anfang der Woche hat im ostisländischen Fährhafen Seyðisfjörður eine der grössten Rettungsübungen im Ostland stattgefunden, als die Evakuierung der Fähre Norræna durchgeführt wurde, berichtet Austurfrett. Rund 100 Personen und 90 Besatzungsmitglieder der Fähre nahmen an der Übung teil. Die Passagiere wurden von Schülern der örtlichen Schule gespielt, bei der Rollenverteilung gab es auch verletzte Passagiere, die gerettet werden mussten.

Grösste Übung seit Jahren
Die Übung hatte ein umfangreiches Aussmass, immerhin nahmen auch die Küstenwache, die Reederei Smyril Line, das isländische Rote Kreuz, die örtliche Rettungseinheit, die Gesundheitsbehörden Ostisland, die Feuerwehr der Kommune Múlaþing und die Polizeidirektion Ostisland daran teil.
Sie begann um 13 Uhr mit der Mitteilung, dass es einen Hackerangriff auf das Computersystem der Fähre gegeben habe, dazu lag eine Drohung vor, die Fähre zu versenken, wenn kein Lösegeld gezahlt werde. Eine halbe Stunde später, als die Forderungen „erfüllt“ worden waren, brach ein Feuer im Maschinenraum des Schiffes aus.
Gegen 15.30 Uhr hatte der letzte Passagier von Bord gebracht werden können und die Übung war offiziell beendet.

Evakuierung auf offener See
Polizeileiter Kristján Ólafur Guðnason gab an, die Übung sei erfolgreich verlaufen, und es sei gut gewesen, sie mal mit anderen Leuten durchzuführen, denn die Einsatzkräfte hätten in der Vergangenheit eher wenig Gelegenheit dazu gehabt, weil sie mit anderen Projekten im Dienste der Allgemeinheit beschäftigt waren.
Diesmal habe man auch mit neuen Einsatzkräften und unter anderen Umständen geübt. Auch wenn die Norræna gestern am Pier lag, fand die Schiffräumung auf offener See statt, denn dort übte man, die Passagiere von Bord auf Boote auf dem Meer zu bringen. Eigentlich hätte ein Hubschrauber der Küstenwache dazustossen sollen, doch der war kurzfristig anderweitig unterwegs.
Schliesslich musste geübt werden, wie man auf Vorfälle auf der Norræna reagiert. Solche Übungen finden auf den Färöer-Inseln alle zwei Jahre statt, in Island hatte eine vergleichbare Übung im Jahr 2005 stattgefunden.

Grindavík: Vollständige Räumung des Ortes am Montag

grindavík evacuation

Die isländische Landespolizei hat heute morgen in Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion von Suðurnes verfügt, dass der Küstenort Grindavík am Montag erneut vollständig geräumt wird. Die Räumung tritt am Montagabend um 19 Uhr in Kraft, sie gilt für drei Wochen und erlaubt keine Ausnahmen. Alle müssen den Ort verlassen und sämtliche Betriebe haben zu schliessen. Gestattet sind nur Rettungstätigkeiten und Forschungsarbeiten, jeweils mit Sondergenehmigung der Landespolizei. Den Einwohnern wird ausserdem dringend angeraten, sich bis zur Räumung nicht im Ort aufzuhalten.
Begründet wird die Räumung mit der andauernden Gefahr durch Erdspalten, die sich jederzeit und überall ohne Vorwarnung öffnen können.

Víðir Reynisson, der Leiter des isländischen Zivilschutzes, kündigte die Entscheidung heute morgen auf einer Pressekonferenz an. Er drückte auch der Familie des am Mittwoch in einer Erdspalte Verunglückten sein Beileid aus. Der Mann war bei Erdarbeiten in die ca. 40 Meter tiefe Spalte gestürzt und hatte trotz grosser Anstrengungen nicht geborgen werden können.
Justizministerin Guðrún Hafsteinsdóttir versprach, dass die Regierung sich um langfristige Wohnmöglichkeiten für die evakuierten Einwohner kümmern wolle. Der Untergrund der Stadt werde nach der Räumung gründlich geprüft, um eine mögliche Bewohnung so sicher wie nur möglich zu machen.
Man hoffe, dass unter anderem der Schulunterricht im Herbst wieder in Grindavík stattfinden kann.

Nachdem die gesamte Region monatelang von Erdbeben erschüttert worden war, hatte am 18. Dezember nördlich von Grindavík ein Vulkanausbruch stattgefunden, der nach drei Tagen wieder versiegte. An Weihnachten hatten die zuvor evakuierten Einwohner von Grindavík wieder in ihre Häuser zurückkehren dürfen, Unternehmen hatten ihren Betrieb wieder aufgenommen.

Da der Ort von tiefen Erdspalten durchzogen ist, war allerdings stets davor gewarnt worden, sich in Grindavík aufzuhalten, denn die Erde auf der Halbinsel ist weiterhin aktiv, das Land bei Svartsengi hebt sich seit dem Vulkanausbruch wieder, und der isländische Wetterdienst warnt, dass es jederzeit zu einer erneuten Eruption kommen könne, möglicherweise sogar in Grindavík selbst

Magma könnte Grindavík erneut und mehrfach bedrohen

grindavík evacuation

In den kommenden Tagen oder Monaten könnte Magma von neuem in den unterirdischen Tunnel unter dem Küstenort Grindavík unterwegs sein. Die Stadt bleibt daher auch weiterhin evakuiert. Experten sagen, es sei unklar, wann die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren können. Ein Vulkanausbruch scheint zumindest in naher Zukunft immer unwahrscheinlicher, aber eine neue Phase seismischer Aktivität könnte bevorstehen.

Ende Oktober hatte sich die Erde auf der Halbinsel Reykjanes angehoben, die Hebung im Zusammenspiel mit einer Serie zum Teil schwerer Erdbeben hatte Hinweise darauf verdichtet, dass sich Magma unter der Erdoberfläche sammelt. Ein unterirdischer Magmagang bildete sich vom Berg Keilir aus in Richtung Grindavík, die dort entlangströmende Magma füllte einen Graben unterhalb des Ortes, weswegen die Behörden am 10. November den Ort evakuieren liessen, weil die Gefahr einer Eruption bestand.

Der Magmafluss in den Tunnel ist sehr wahrscheinlich zu einem Halt gekommen, wie es in einer Mitteilung der Wetterehörde heisst. Die Chancen für einen Vulkanausbruch entlang des unterirdischen Tunnels sind gesunken. Dennoch sammelt sich Magma nördlich von Grindavík, und zwar unterhalb des Erdwärmekraftwerks Svartsengi und der Blauen Lagune.
Die anhaltende Aktivität in Svartsengi, die im Oktober einsetzte, ist noch nicht vorüber, und es könnte auch ein neues Kapitel beginnen haben, mit einer erneuten Magmaausbreitung, und einer langsam ansteigenden Wahrscheinlichkeit einer Eruption, heisst es in der Mitteilung.
„Der Tunnel unterhalb von Grindavík ist durch Magmaansammlung unterhalb von Svartsengi gespeist worden. Es ist wahrscheinlich, dass sich diese Ereignisfolge wiederholt. Eine neue Magmaausbreitung würde sich durch Erdbeben und Bodenverformungen ankündigen, die von Geräten erkannt würden, „einige Stunden bevor die Magmaausbreitung wahrscheinlich eine Bedrohung für Svartsengi oder Grindavík darstellt“.

Nach Ansicht des Wetteramtes wiederholt sich dieses Muster der Magmaansammlung unter Svartsengi und das Eindringen in den unterirdischen Tunnel, möglicherweise sogar mehrfach. Ob dies jedoch „in den nächsten Tagen oder möglicherweise erst nach mehreren Monaten“ der Fall sein wird, lässt sich nicht abschätzen. Ebensowenig lässt sich sagen, wann die Bewohner endgültig in ihren Ort zurückkehren können.

 

Grindavík: Sirenen, Räumung wegen Schwefelgas, und neuer Versuch morgen

Grindavík earthquakes Reykjanes

Auch heute erhielten die Bewohner von Grindavík zwischen 12 und 16 Uhr Gelegenheit, Wertgegenstände aus ihren Häusern zu holen. Ähnlich wie gestern verlief die Aktion strassenzugweise, war auf fünf Minuten pro Haus begrenzt und galt für alle, die es gestern nicht in den Ort geschafft hatten. Ein Stadtviertel galt als so gefährdet, dass die Bewohner nur in Fahrzeugen der Rettungsteams an ihre Häuser gebracht werden konnten.

Um 15 Uhr heulten dann die Sirenen der Einsatzkräfte und die Polizei organisierte eine sofortige Räumung des Ortes. Neue Messgeräte des isländischen Wetterdienstes auf dem Berg Húsafjall östlich der Stadt hatten erhöhte Schwefeldioxidwerte angezeigt. Nach Angaben des diensthabenden Vulkanologen kann sich ein solches Gas lösen, wenn die Magma dicht unter der Oberfläche liegt. Vom Zivilschutz hiess es, die Räumung habe aus Sicherheitsgründen stattgefunden, und nicht, weil unmittelbare Gefahr drohte. Morgen früh soll die Lage erneut geprüft werden, und alle, die heute nicht in den Ort kamen, sollen zu ihren Häusern gebracht werden. Die Polizei von Suðurnes liess wissen, dass der Ort nach nur 95 Sekunden geräumt war, eine erfreulich kurze Zeit.

Graben verbreitert sich zusehends
Schäden an Gebäuden und im Boden sind immens und werden immer mehr. Kristín Jónsdóttir, die Bereichsleiterin für Erdbebenüberwachung beim Wetterdienst, warnte die Leute vor unsichtbaren Spalten. „Wir sehen immer noch Bewegung und ein Auseinanderdriften in diesem Graben.“ sagte sie und bekräftigte, ein Ausbruch sei auch weiterhin wahrscheinlich. Oberhalb des Magmaintrusionsganges habe sich der Graben gebildet, ein breiter Streifen, in dem selbst sich wieder zahlreiche Spalten geöffnet haben, die sich ebenfalls stetig verbreitern. Das ganze Gebiet sei hochgefährlich.Zivilschutzleiter Víðir Reynisson verglich die Lage mit dem Gang über eine Gletscherzunge, wo sich unter dem Eis überall Spalten verbergen. Der Zivilschutz hatte heute davor gewarnt, sich der Region generell zu nähern. Der Experte für Plattentektonik beim Wetterdienst, Benedikt Gunnar Ófeigsson, bezeichnete die Vorgänge als viel grösser als alles was man in den vergangenen Jahren auf der Halbinsel erlebt habe.

Erdbeben am Magmagang
Seit Mitternacht sind am Magmagang 700 Erdbeben aufgezeichnet worden, das stärkste am Hagafell lag bei M3,1. Die meisten Beben ereignen sich am Magmagang, in einer Tiefe von 3 bis 5 Kilometern. Vom Wetterdienst hiess es, Messungen zeigten eine anhaltende Verformung des Gebietes. Das decke sich mit der Tatsache dass weiterhin Magma in den Intrusionsgang fließe. Auch weiterhin wird er in einer Tiefe von 800 Metern vermutet, der Zufluss beträgt etwa 75 Kubikmeter pro Sekunde.
Eine Menge neuer Spalten ist auch auf dem Berg Þorbjörn entdeckt worden. Dort befindet sich ein wichtiger Telekommunikationssendemast. Das danebenstehende Servicegebäude hat schwere Schäden erlitten, die Geräte sind jedoch unversehrt.

Auffanglager konnten schliessen
Am Abend berichtet mbl.is, dass alle Auffangstationen des Roten Kreuzes geschlossen und abgebaut worden sind. Das bedeutet dass alle Evakuierten irgendwo untergekommen sind. Beim Roten Kreuz hatte es gehiessen, dass dies einer der grössten Einsätze der letzten Jahre gewesen sei. Die Hilfsbereitsschaft im ganzen Land darf als überwältigend bezeichnet werden. Haus- und Wohnungsbesitzer hatten sich beim Roten Kreuz und in Facebookgruppen melden können, wenn sie Wohnraum zur Verfügung stellen wollten. Viele boten ihn kostenlos an, um Familien ein Dach über dem Kopf zu bieten. Auch Haustiere konnten erfolgreich vermittelt werden, wenn es nicht möglich war, sie in die neue Behausung mitzunehmen. Ausserdem hatte das Reykjavíker Katzenhaus zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung gestellt.

Grindavík: Alle durften kurz in ihre Häuser, Graben hat riesige Ausmasse

Grindavík earthquakes crevasse

Im evakuierten Grindavík herrschte heute ein hektisches Kommen und Gehen, nachdem die Polizei am Mittag beschlossen hatte, allen Bürgern Grindavíks die Möglichkeit zu geben, notwendige Dinge aus ihren Häusern zu holen. Diese Aktion wurde viertelweise durchgeführt, auf zwei Personen pro Haus und eine bestimmte Zeit beschränkt, damit es alle in der kurzen Zeit bis 16 Uhr zu ihrem Haus schaffen konnten. Die Strassenschäden waren zuvor von den Rettungsleuten markiert worden, sodass eine gewisse Verkehrssicherheit gegeben war. Um 16 Uhr ist der Ort wieder gesperrt worden, berichtete RÚV im Ticker. Danach sollten Vertreter der Tierschutz- und Kleintierverbände bis 18 Uhr Gelegenheit erhalten, den Ort nach übrig gebliebenen Tieren zu durchkämmen. Einige Katzen und Hühner hatten nicht eingefangen werden können. Von der Rettungsorganisation Landsbjörg hiess es am Abend, die Aktion sei sehr gut verlaufen, alle hätten sich diszipliniert verhalten. Insgesamt seien um 1100 Autos in Grindavík gewesen.

Pferde- und Schafrettung in grosser Hast
Gestern hatten nur 20 Bewohner in ihre Häuser im östlichen Ortsteil Þorkötlustaðahverfi gedurft, um in Begleitung von Einsatzkräften das Allerdringendste zu holen. Ausserdem war es Freiwilligen gelungen, sämtliche Pferde aus dem Ort zu bringen, und auch die ca 200 Schafe konnten abtransportiert werden. In Grindavík gibt es viele vor allem ältere Leute, die sich ein paar Schafe im Stall halten, wie etwa der ehemalige Seemann Guðmundur Sigurðsson, der gestern seine eigenen Schafe und die einiger Bekannter nach Keflavík bringen konnte. Er sagt, der grosse Graben verlaufe quer durch seine Weide, und da wo Erdreich eingebrochen ist, schätzt er die Tiefe auf 10 Meter. Heute kam der alte Herr zurück, um sein selbstgeräuchertes Lammfleisch aus den Gefriertruhen zu holen, an die 400 Kilo, wie er sagt, geschlachtet und geräuchert für die Familie. Für Guðmundur ist sein Weihnachtsfleisch neben seinen Schafen das Wertvollste was er besitzt.

Nicht nur Bürger hatten heute Gelegenheit, Gegenstände aus den Häusern zu holen, auch Unternehmen transportierten alles ab, was in der kurzen Zeit möglich war, ausserdem sind die verbliebenen Boote und Kutter aus dem Hafen von Grindavík nach Sandgerði gebracht worden.

Dampfender Graben quer durch den Ort
Die Erdbebenaktivität in der Region ist seit Samstag beinahe unverändert, bzw ist in der Stärke etwas zurückgegangen. Trotzdem haben die Schäden durch die Erdbeben ein grosses Ausmass angenommen.
In diesem Video ist in Teilen der Graben zu sehen, der sich quer durch den Ort zieht, durch Strassen, Gärten und Häuser. Vielerorts kommt heisser Dampf aus der Spalte, ein klarer Hinweis auf die unterirdische Magma. Der Graben hatte sich gestern gebildet, und damit war klar dass der Magmagang unter dem Ort liegt, und dass jederzeit und an jeder beliebigen Stelle Magma an die Erdoberfläche treten kann. Zahlreiche Gebäude sind durch Risse und aufgewölbten Untergrund so schwer beschädigt, dass Reparaturen nicht mehr möglich sind.

Um einen Meter abgesackt
Das Land im Westteil des Ortes ist um einen ganzen Meter abgesackt. Die Erdbebenabteilung des Wetterdienstes veröffentlichte heute Satellitenbilder, auf denen der Magmagang (blau) zu erkennen ist. Die Verformung des Landes geht auf den Magmaeinschuss vom 10. November zurück, der seinen Ursprung in der Nähe des Erdwärmekraftwerks Svartsengi hatte.
Die Vulkan- und Katastrophenschutzgruppe Südisland schreibt, GPS-Daten zufolge seien immer noch Verformungen im Gange, aber ihr Tempo habe sich seit Freitag stark verlangsamt. Auch weiterhin ströme Magma in den Intrusionsgang, die Menge hatte zu Beginn jedoch etwa 50 Mal mehr betragen als heute.
Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson weist darauf hin, dass ein Vulkanausbruch immer noch jederzeit möglich ist. Auch der Vulkanologe Þorvaldur Þórðarsson will dies nicht ausschliessen, eine Rückkehr der Bürger in ihre Stadt hält er auch ohne Ausbruch für ausgeschlossen, denn eine Bebenserie wie die aktuelle könne sich jederzeit wiederholen.

Riesige Stufenbildung
In einem Interview am Abend erklärte der Tektonikexperte und Dozent an der Universität Island, Gregory de Pascale, die Verformungen im Ort erinnerten ihn  an das schwere Erdbeben im neuseeländischen Christchurch im Jahr 2011, wo innerhalb von zwei Minuten ein Teil der Stadt absackte. In Grindavík verlaufe der Prozess über Tage und langsamer, aber auf Drohnenmodellen könne man die Stufe erkennen, und dass sich die Erde im Osten hebe und im Westen absenke. Sie öffne sich also nicht nur senkrecht, sondern auch horizontal. Auch er warnt, eine Eruption könne trotz der momentanen Ruhe jederzeit und ohne Vorwarnung passieren.

 

Reykjanes: Grindavík evakuiert, Magma könnte unter der Stadt lauern

Der Küstenort Grindavík wird zu Stunde evakuiert, nachdem sich am Abend der Verdacht erhärtete, dass der Magmaintrusionsgang unter dem Ort liegen könnte. Die letzten heftigen Erdbeben hatten sich direkt in Grindavík ereignet. Der isländische Zivilschutz hat die Notfallphase ausgerufen. Bewohner haben drei bis vier Stunden Zeit, ihre Sachen zu packen und den Ort zu verlassen. Das Rote Kreuz betreibt seit dem Abend mehrere Auffangstationen. Alle Evakuierten werden gebeten, sich in einer der Auffangstationen zu registrieren, oder wenn sie bei Verwandten unterkommen, sich unter der Nummer 1717 zu registrieren, damit niemand verloren geht.

Hilfsbedürftige erhalten beim Verlassen ihres Hauses Unterstützung, nach der Räumung fährt die Polizei Streife, um Plünderungen zuvorzukommen. Das von der Polizei angeforderte Küstenwachschiff Þór befindet sich auf dem Weg nach Grindavík.
Die Ausfallstrassen sind derzeit alle gesperrt, um unnötigen Verkehr zu unterbinden, jeder der den Ort verlässt, muss sich bei den Sperrposten ausweisen. Bis drei Uhr heute Nacht soll die Evakuierung abgeschlossen sein.
Das Erdwärmekraftwerk Svartsengi, in unmittelbarer Nachbarschaft der Blauen Lagune gelegen und seit Tagen im Fokus, weil es die Strom- und Heisswasserversorgung auf der Halbinsel gewährleistet, war am Abend vollständig evakuiert worden. Der Kraftwerksbetrieb kann per Computer ferngesteuert werden.

Grosse Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung
Wie so oft in Notzeiten, ist die Hilfsbereitschaft der Landsleute gross. In den sozialen Medien wurden sofort Betten und Zimmer für Evakuierte angeboten, die niemanden haben, bei dem sie unterschlüpfen können. Auch Weide- und Stallplätze für Pferde stehen überall im Süden des Landes bereits zur Verfügung.
Das Katzenheim Kattholt in Reykjavík kündigte an, Katzen aus Grindavík aufzunehmen, deren Besitzer evakuieren müssen und die Katze nicht mitnehmen können. DÍS, der isländische Tierschutzbund, forderte in einer Mitteilung, alle Tiere müssten aus der Gefahrenzone gebracht werden, also auch Nutztiere wie Schafe und Pferde.

Magma wandert offenbar nach Süden
An den Sundahnjúkargígar hat es am Abend ein starkes Auseinandergleiten von Erdschichten gegeben. Dies könnte Experten zufolge darauf hindeuten, dass die Magma dicht unter der Erdoberfläche angekommen ist. Das Südende der Kraterreihe befindet sich etwa einen Kilometer vom nördlichsten Punkt Grindavíks und 1500 Meter vom Erdwärmekraftwerk entfernt.
Nach Angaben der Erdbebenabteilung beim Wetterdienst hat sich die Erdbebenaktivität am Abend stark verändert: nachdem am Nachmittag Beben der Stärke M5,2 an den Sundhjnúkargígar aufgezeichnet worden waren, sind die Beben nach Süden in Richtung Grindavík gewandert. Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Magmaintrusion ebenfalls unter die Stadt geschoben hat. Die Magmamenge wird als erheblich bezeichnet, und als weitaus grösser als im grössten Magmagang beim Ausbruch am Fagradalsfjall.

Flughafen hat vorgesorgt
Am Flughafen Keflavík stehen drei Dieselaggregate bereit, falls die Stromversorgung durch eine Eruption ausfällt. Für heute Nacht werden zwei Flugzeuge erwartet, zur Zeit geht der Flughafenbetrieb unverändert weiter. Im Fall eines Ausbruchs wird ein Kreis von 220 Kilometern um die Ausbruchsstelle gezogen, innerhalb dieses Kreises ist jeder Luftverkehr untersagt, bis der isländische Wetterdienst eine Vorhersage zum Aschefall veröffentlicht. Das passiert in der Regel innerhalb von einer Stunde, danach entscheiden die Fluggesellschaften über ihr weiteres Vorgehen, berichtet Vísir.

 

 

Erde bebt bei Grindavík

Grindavík - Þorbjörn

Die Erde hat sich gestern auf der Halbinsel Reykjanes wieder bewegt, gestern morgen gegen 10 Uhr wurde etwa 4,6 Kilometer nordwestlich von Grindavík ein Erdbeben der Stärke 3,2 gemessen. Ein schwächeres Beben war eine gute halbe Stunde zuvor aufgezeichnet worden.
Das stärkere Beben ist nach Aussage eines Anwohners zwar kurz, aber deutlich spürbar gewesen.

Die Bebentätigkeit auf der Halbinsel wird einem Magmaeinschuss in der Erdkruste zugeschrieben, seit Januar sind dort um die 8000 Erdbeben aufgezeichnet worden. Das Land hat sich in der Folge um mehrere Zentimeter angehoben.
Wie Kristín Jónsdóttir, die Exertin für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, RÚV gegenüber sagte, sei die Wahrscheinlichkeit eines Bebens über der Stärke 6 in der Region gestiegen. Sie empfiehlt das eigene Zuhause auf Sicherheit zu überprüfen, wie schlecht befestigte Hängeregale oder Schränke die umkippen können.

Im Lichte der COVID-19 Epidemie ist auch der für den Fall eines Vulkanausbruchs gültige Evakuierungsplan der Gemeinde Grindavík abgeändert worden. Anstatt alle Personen, die Hilfe bei der Evakuierung benötigen, an einem Ort zu versammeln, sollen nun Gruppen gebildet und gesondert evakuiert werden, damit Personen in Quarantäne oder Isolierung nicht mit gesunden Personen zusammenkommen.
Auch in der Bárðarbunga hat es letzte Nacht gegen halb drei gerumpelt, ein Beben der Stärke 3,2 wurde am Südrand der Caldera aufgezeichnet. Einige Nachbeben folgten, es gibt jedoch keinen Hinweis auf vulkanische Aktivität. Die Bárðarbunga liefert seit dem Vulkanausbruch in der Holuhraun im Jahr 2014 regelmässig Erdbeben, die Tätigkeit hat jedoch etwas abgenommen.

Auf der Übersichtskarte des isländischen Wetterdienstes kann man die Erdbebentätigkeit in Island mitverfolgen.