Reykjanes: Polizei warnt vor Kraterwanderungen, Lage ungewiss

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Die Polizeidirektion in Suðurnes bittet inständig darum, nicht zum Ausbruchsgebiet an den Sundhnúksgígar zu wandern. Jederzeit können sich dort neue lavafördernde Spalten öffnen, oder mehr Lava aus dem aktiven Krater strömen.
Seit letztem November hat sich jedesmal dann ein Ausbruch ereignet, wenn die Magmamenge in der Kammer unter Svartsengi acht bis 13 Millionen Kubikmeter erreicht hatte. Gemessen daran ist die derzeitige Magmamenge mit 10 Millionen Kubikmetern an der Grenze zu einem neuen Ausbruch angelangt.

Lage ist ungewiss
Benedikt Ófeigsson, der Fachleiter für Verwerfungsmessungen beim isländischen Wetterdienst, sagte gestern in den Abendnachrichten, die Lage sei ausgesprochen ungewiss.
„Wir haben das bislang noch nicht erlebt, dass es einen Ausbruch und eine Landhebung zur gleichen Zeit gibt. Daher herrscht nun grosse Ungewissheit darüber, was als nächstes passiert. Am meisten bereitet uns wohl Sorge dass aus dem bestehenden Ausbruch ein weiterer so entsteht wie es begonnen hat,“ erklärte Benedikt. „Dass sich also mit geringer Vorwarnzeit eine zwei bis drei Kilometer lange Spalte öffnet, die erheblich Gefahr mit sich bringt.“ Vor solch einem Geschehen könne man nicht rechtzeitig warnen.
Auch der Professor für Geophysik, Páll Einarsson, äusserte sich besorgt. “Wenn der Druck in der magmagespeisten Kammer zunimmt, würde man erwarten, dass die Eruption nach und nach zunimmt, aber das ist nicht der Fall.“ Weder bei den Vulkangeschehen auf der Halbinsel Reykjanes noch an der Krafla in den Achtzigerjahren habe man dergleichen beobachtet. Auch Páll warnt davor, dass hier ohne Vorwarnung eine gefährliche Situation entstehen kann. „Dann besteht die Möglichkeit einer neuen Spalteneruption, und der Beginn von Spalteneruptionen ist am gefährlichsten, wenn in kurzer Zeit eine große Menge Magma entsteht, die sich über ein großes Gebiet ausbreitet und mit hoher Geschwindigkeit fliessen kann.”

Keine Rettung vor Lavastrom
Schon in der vergangenen Woche war davor gewarnt worden, sich auf den Weg zum Krater zu machen, weil ein möglicher Lavastrom so schnell unterwegs sein kann, dass es keine Rettung gibt. Auch die Wand des aktiven Kraters kann unter verstärktem Lavastrom jederzeit brechen und Lavafluten unter hohem Tempo in alle Richtungen entlassen. Hinzu kommt die Gefahr durch plötzlich ansteigende Gasentwicklung. Bislang hat die Gasverschmutzung durch den Vulkanausbruch nicht abgenommen, und empfindliche Personen sind angehalten, sich unter loftgaedi.is zur Luftqualität auf dem Laufenden zu halten.

Reykjanes: Ausbruch verlangsamt, Strasse weiterhin in Gefahr

Der Lavaausbruch, der am Samstagabend südwestlich des Stóra-Skógfell auf der Halbinsel Reykjanes losgegangen war, ist auf rund fünf Prozent seiner ursprünglichen Kraft zurückgegangen, berichtet RÚV. Zwei Lavaströme hatten sich in verschiedene Richtungen bewegt, der eine hatte den Grindavíkurvegur überrollt und war vor dem Schutzwall nördlich von Grindavík erstarrt, der zweite fliesst derzeit langsam an der Ostkante entlang. Befürchtungen, letzterer könne den Suðurstrandavegur überrollen und danach das Meer erreichen, haben sich bislang nicht bestätigt, die Gefahr besteht jedoch weiterhin.

Nur noch zwei Schlote fördern Lava
Gestern Abend noch hatten sich Mitarbeiter der Strassenverwaltung auf den Weg zum Nesvegur gemacht, der zu dem Zeitpunkt einzigen Verbindungsstrasse zum evakuierten Küstenort Grindavík, um zu prüfen, ob dort Ausbesserungen vorgenommen werden müssen. Nesvegur war während der schweren Erdbeben im November letzten Jahres in Mitleidenschaft gezogen worden, nun hatte es Hinweise darauf gegeben, dass die Strasse abgesunken sei.

Heute Morgen sind von der einstmals drei Kilometer langen lavafördernden Spalte nur noch zwei bis drei Schlote übriggeblieben, aus denen Lava hervorquillt. Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson sagte RÚV am Morgen, der Ausbruch verlaufe offenbar nach dem gleichen Muster wie die vorherigen. Die Bewohner der Region müssten sich damit abfinden, dass solche Ausbrüche dort vorkämen, die Erdgeschichte Islands habe gezeigt, dass derartige Serien zwischen 10 und 30 Jahren andauern können. Effusive Ausbrüche seien längst nicht so gefährlich wie explosive Ausbrüche aus Hauptvulkanen, da spiele vor allem die Fliessrichtung der Lava eine Rolle, und inwiefern sie Infrastrukturen bedrohten.
Er bestätigte dass die Magma stets aus der gleichen Spalte in der Erdkruste emporsteige, und sich erst weiter oben den einfachsten Weg an die Erdoberfläche suche.

Neue Magmasammlung hat begonnen
Kristín Jónsdóttir, die Fachbereichsleiterin für Vulkane beim isländischen Wetterdienst, sagte Vísir am Morgen, es gebe Hinweise darauf dass sich unter dem Svartsengi-Gebiet erneut Magma ansammle. Sie rechne damit, dass der aktuelle Ausbruch innerhalb der nächsten Tage beendet sei.
Diesmal befinde sich der unterirdische Intrusionsgang an ungeeignetem Ort, er liege südlicher als bei den vorausgegangenen Ausbrüche und fliesse damit vom Gelände gefördert nach Westen in Richtung Kraftwerk und Grindavík und nach Süden in Richtung Strasse und Meer. Beides bedroht Infrastrukturen mehr als zuvor.

Zur Zeit steht die Lava rund 100 Meter vom Suðurstrandavegur entfernt. Fachleute haben an der Kante einen Lavasee identifiziert, wenn die Kante bricht, muss damit gerechnet werden, dass eine Flutwelle aus Lava mit grosser Geschwindigkeit die Strasse erreicht. Das Gelände ist aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrt worden. RÚV berichtet, dass für heute wegen schlechter Sicht kein Überflug des Gebietes geplant ist.

Gasbelastung ist möglich
Die Vulkangruppe Südisland wies gestern Abend darauf hin, dass die Schwefeldioxidverschmutzung durch den Ausbruch die stärkste seit 2021 ist, unter anderem weil die Lavamenge zu Beginn des Ausbruchs rund 1000 Kubikmeter pro Sekunde betragen habe (im Februar waren es nur 600 m3/sek gewesen). Zur Zeit befinde sich die Gaswolke über dem Meer, wo die Schwefelverbindungen mit der feuchten Luft reagieren. Wenn die Wolke dort einige Tage verbleibt und dann an Land geweht wird, kann sich schwefelsäurehaltiger blauer Dunst bilden, wie etwa nach dem Ausbruch am Litla Hrútur im vergangenen Sommer. Vulkantouristen sollten sich der Gefahr bewusst sein und auch der frischen Lava nicht nahekommen.

Notfallstufe falsch interpretiert
In Tourismusgruppen auf Facebook war kritisiert worden, dass die Notfallstufe des Zivilschutzes, die am Samstagabend routinemässig ausgerufen worden war, international falsch interpretiert worden sei. Englischsprachige Medien seien schnell dabei, Island als gefährlichen Ort darzustellen, was sich negativ auf den Tourismus auswirke.
Die Notfallstufe des Zivilschutzes gilt in diesem Fall ausschliesslich für die vom Ausbruch betroffene Region. Sie betrifft Kommunikation und Priorisierung bei den mit Projekten betrauten Einsatzkräften. Einsätze auf dieser Ebene zeichnen sich durch sofortige Maßnahmen zur lebensrettenden Hilfe sowie durch Bemühungen aus, weiteren Schaden zu verhindern. Sie betrifft schwere Unfälle etwa in der Luft- und Schifffahrt, Seuchen, und Naturkatastrophen, bei denen die Gesundheit der Bevölkerung bedroht sein kann.

 

Reykjanes: Lava auf dem Weg ins Meer

Der neue Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes fördert weiterhin erhebliche Mengen an Lava, die sich in hohem Tempo, mit etwa einem Kilometer pro Stunde, nach Süden bewegt. Der Lavastrom hatte sich in zwei Zungen aufgeteilt. Die östliche Zunge ist mittlerweile an den Schutzwällen östlich des Küstenortes Grindavík entlang in Richtung Þórkötlustaðahverfi geflossen, wie auf diesem Foto der Wetterbehörde zu erkennen ist.

Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson sagte nach seiner Rückkehr von einem Überflug, wenn die Lava weiterhin in diesem Tempo unterwegs sei, könne sie es durchaus bis ins Meer schaffen. Auch Suðurstrandavegur, die Verbindungsstrasse zwischen Grindavík und Þorlákshöfn ist damit in Gefahr. Um 23.30 Uhr war der Lavastrom nur noch einen Kilometer von der Strasse entfernt. Magnús Tumi bezeichnete diesen Ausbruch als den stärksten der Serie.

Zivilschutzleiter Víðir Reynisson gab an, die beiden Lavazungen bereiteten ihm gewisse Sorge. Die Spalte selbst sei mit etwa drei Kilometern nicht sehr gross und verlängere sich auch nicht, aber die Lavamenge, die sie fördere, sei gewaltig. Entlang beider Strassen liegen Glasfaserkabel, wenn sie der Lava zum Opfer fallen, könne das Störungen in der Telekommunikation nach sich ziehen.
Die westliche Lavazunge ist auf dem Weg zum Kraftwerk Svartsengi. Dort verfolgt man das Geschehen sehr genau, denn wenn die Hochspannungsmasten ausfallen, müssen Notaggregate zugeschaltet werden. Für die Bewohner der Halbinsel sind keine Stromausfälle zu befürchten, doch Grossverbraucher müssen mit einer verminderten Zuteilung rechnen.

Die Schutzwälle rund um Grindavík und das Kraftwerk Svartsengi waren noch während des letzten Ausbruchs im Februar fertiggestellt worden. Damals waren auch von der Lava zerstörte Heisswasserleitungen überirdisch über die frische Lava neuverlegt worden, damit die Häuser in Grindavík beheizt werden können.
Zur Stunde befinden sich alle Mannschaften mit schweren Baumaschinen vor Ort, um verkehrstechnisch wichtige Lücken wie etwa die Zufahrt zur Blauen Lagune zu füllen. Vom Hubschrauber der Küstenwache gab es eine Stunde nach Mitternacht diese neuen Aufnahmen.

Reykjanes: Neuer Magmaeinschuss in Kürze zu erwarten

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Die Lage auf der Halbinsel Reykjanes hat sich nach dem gestrigen Magmaeinschuss wieder beruhigt. Gegen 16 Uhr hatte sich an der Kraterreihe Sundhnjuksgígaröð ein Erdbebenschwarm ereignet, kurz darauf wiesen Messdaten auf einen unterirdischen Magmaeinschuss hin. Die Magma erreichte jedoch nicht die Erdoberfläche und es kam zu keinem Ausbruch.

Nächster Einschuss in den Startlöchern
Es gilt jedoch als wahrscheinlich dass es in den kommenden Tagen zu einem weiteren Magmaeinschuss kommt, der dann zu einem Ausbruch führen könnte.
“Da der gestrige Einschuss es nicht an die Oberfläche geschafft hat, blieben Druckveränderungen und Verwerfungen geringer als vorher. Die seismische Aktivität war gegen 18 Uhr zurückgegangen, und es scheint, dass der Einschuss da zum Stillstand gekommen ist,“ erklärte der Geophysiker Benedikt Ófeigsson Vísir gegenüber. Der unterirdische Magmatunnel erstreckt sich vom Hagafell in nordöstliche Richtung zum Stóra-Skógfell.

“Und da besteht immer noch die Möglichkeit, dass Magma dort an die Erdoberfläche kommt, aber wir sehen dafür jetzt keinen Hinweis. Wahrscheinlich ist das erst mal vorbei, das bedeutet jedoch, dass sich die Spannung in Svartsengi nicht hat lösen können, sodass wir recht bald mit einem weiteren Einschuss zu rechnen haben.” Die Verwerfungsdaten zeigten bei Svartsengi so gut wie keine Veränderungen. Benedikt hält es daher für hochwahrscheinlich, dass sich der Prozess fortsetzt – mit oder ohne Lavaausbruch.
Die Magmakammer liegt unter dem Kraftwerk Svartsengi. Auch wenn die Magma sich bislang immer in Richtung der alten Kraterreihe in Bewegung gesetzt hatte, kann nach Angaben des Vulkanologen Þorvaldur Þórðarson nicht ausgeschlossen werden, dass sich bei Svartsengi und damit an der Blauen Lagune eine neue Spalte bildet, aus der Magma an die Erdoberfläche bricht.

Neue Satellitendaten am Abend
Gegen Abend erwarten die Experten beim Wetterdienst aktuelle Satelitenbilder, die deutlich zeigen, ob die Magma im unterirdischen Tunnel immer noch in Bewegung ist oder nicht, so Benedikt. Je mehr Zeit vergehe, desto unwahrscheinlicher sei es, dass sie noch strömt. Benedikt sagt, das gestrige Ereignis habe die Ungewissheit über die Zukunft nur noch weiter erhöht.

Heute um 15 Uhr wird entschieden, ob der Ort Grindavík für Anwohner wieder geöffnet wird. Grindavík und die Blaue Lagune waren gestern mit Einsetzen der Erdbeben evakuiert worden. Einer neuen Risikobewertung von 13.00 Uhr zufolge besteht für Grindavík und die Kraterreihe Sundhnúksgígaröð immer noch erhebliche Eruptionsgefahr. Die Bewertung gilt bis zum 5. März.

 

Reykjanesausbruch: Schwerstarbeit an neuer Wasserleitung

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Der Lavaausbruch auf der Halbinsel Reykjanes vom gestrigen Morgen ist weitgehend abgeebbt, nur noch aus zwei Schloten strömt Lava an die Erdoberfläche. Währenddessen haben Mitarbeiter des Versorgungsunternehmens HS Orka bei Eiseskälte die ganze Nacht hart daran gearbeitet eine neue Wasserleitung zu verlegen, nachdem die Hauptleitung gestern Mittag dem Lavastrom zum Opfer gefallen war.

Heizöfchen stehen hoch im Kurs
Etwa 85% aller Haushalte und Gebäude in Island werden mit heissem Wasser aus der Erde beheizt. Bei Temperaturen um die -14 Grad kühlten die Häuser in den Gemeinden Reykjanesbær, Sandgerði, Keflavík und Vogar rasch aus. Die Behörden hatten gestern darum gebeten, sparsam mit dem Strom umzugehen, da das Stromnetz nicht für die Beheizung von Gebäuden ausgelegt sei.
An Baumärkten hatten sich lange Schlangen gebildet, Heizöfchen und Gasheizgeräte fanden reissenden Absatz, und RÚV berichtet, dass der Zivilschutz Heizgeräte im Ausland bestellt und an Personen verteilt hat, die nichts zum Heizen fanden. Unter anderem gingen Heizgeräte an ein Altenheim in Suðurnes.
Das Haus der Rettungsorganisation in Suðurnes steht seit gestern allen offen, die sich aufwärmen müssen, zum Glück, so schreibt Vísir, musste das niemand in Anspruch nehmen und Leute kamen nur für einen Kaffee und ein Schwätzchen.

Heisses Wasser kommt nur langsam
Am Morgen gab Zivilschutzleiter Víðir Reynisson an, die Arbeit an der Wiederherstellung der Heisswasserversorgung sei Schwerstarbeit, weil an den Verbindungsstellen der Rohre frische Lava liege, was gefährlich ist und die Arbeiten erschwere. Die erfolge in Etappen: nach dem Anschliessen müsse eine Druckprüfung durchgeführt werden, und der Einlauf von Wasser und Druck ins Leitungssystem könne nur langsam erfolgen, um sicherzustellen dass keine Luft in das System gelange. Die Behörden hoffen, die Halbinsel noch heute wieder mit heissem Wasser versorgen zu können.
Am Morgen fiel am Flughafen dann auch das kalte Wasser aus, nachdem sich gestern Abend ein Leck an der Zuleitung gebildet hatte. Ein Teil der Toilettenanlagen hatte daher geschlossen werden müssen, berichtet Heimildin.

 

Reykjanesausbruch: Wasserleitung zerstört, kein heisses Wasser für die Halbinsel

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Die Lava, die seit dem frühen Morgen aus einer Spalte der Kraterreihe Sundhnjúkagígjarröð strömt, hat am Mittag die Strasse zwischen dem Nordteil der Halbinsel und Grindavík überquert. Um 12.23 Uhr zerstörte der Lavastrom dann eine Heisswasserhauptleitung, wie hier im Video zu sehen ist. In der Folge hat der Zivilschutz die Gefahrenstufe von “Gefahr” auf “Notstand” erhöht. Menschen befinden sich nicht in Gefahr, und auch der Flugverkehr ist vom Vulkanausbruch nicht direkt betroffen, aber da sämtliche Gebäude der Gemeinden Reykjanesbær, Suðurnesjabær, Grindavík und Vogar mit heissem Wasser beheizt werden, und auch der Flughafen heisses Wasser für den Betrieb benötigt, ist das entstandene Problem nicht gerade klein.

Lösung des Heisswasserproblems unterwegs
In riesigen Heisswassertanks befindet sich zwar ein gewisser Vorrat, dennoch sind alle Bewohner der Halbinsel aufgefordert worden, ihre Heizung herunterzudrehen, den Heisswasserverbrauch auf ein Minimum zu beschränken und auf Bad, Dusche und heissen Pott zu verzichten. Auch elektrische Heizgeräte sollen sparsam genutzt werden, um das lokale Stromnetz nicht zu überlasten, welches nicht auf die Beheizung von Gebäuden ausgelegt ist. Des weiteren werden Einwohner gebeten, den Einsatzkräften für ihre Aufgaben freie Bahn zu machen.
Die Behörden hatten ein solches Szenario bereits eingeplant und damit begonnen, eine unterirdische Wasserleitung durch das Eruptionsgebiet zu verlegen. Ein Teil davon liegt schon im Boden, ist aber noch nicht angeschlossen. Das Versorgungsunternehmen hofft, Reykjanesbær schon morgen wieder mit heissem Wasser beliefern zu können.

Lava strandet am Erdwall vor der Lagune
Der Lavastrom hatte sich unterdessen buchstäblich auf den Weg zur Blauen Lagune gemacht, auf beeindruckenden Dronenbildern ist zu sehen, wie er die Kreuzung zur Lagune überquert und dann die Strasse herunterfliesst, denn dort kam er am schnellsten voran. Die Lagune und das Kraftwerk sind jedoch geschützt durch den Erdwall, der im Januar dort aufgeschüttet worden war. In diesem Video von Heimildin sieht man, wie Bagger im Wettlauf mit der Zeit die Lücke im Schutzwall füllen, die für die Zufahrtstrasse Norðurljósavegur zur Lagune gelassen worden war.
Alle Gäste, die sich im Hotel befunden hatten, waren noch in der Nacht evakuiert worden.

Die Stromleitung vom Kraftwerk Svartsengi war für einige Stunden abgeschaltet worden, um Schäden zu vermeiden. Einwohner waren währenddessen von der Suðurnesleitung mit Strom versorgt. Am späten Nachmittag stellte sich heraus, dass die Masten im Lavastrom stehengeblieben waren und ihre Funktion weiter erfüllen können, worauf man entschied, Svartsengi wieder ans Netz zu nehmen.
Gegen 14.30 stieg dann kurzzeitig grauschwarzer Qualm über der Lava auf, nach Expertenmeinung ein Zeichen dafür, dass die Lava mit Grundwasser in Kontakt gekommen war. Da die Kraft des Ausbruchs zum Abend hin aber stark abgenommen hat, ist nicht damit zu rechnen, dass Asche weit vom Ausbruchsgebiet niedergehen wird.

Intensität des Ausbruchs nimmt ab
Am Abend meldete die Vulkanabteilung beim isländischen Wetterdienst, dass der explosive Teil des Ausbruchs, der gegen 13 Uhr eingesetzt hatte, beendet sei. Lava ströme jetzt nur noch aus zwei oder drei Schloten. Die seismische Aktivität habe sich beruhigt und auch die Verwerfung im Magmatunnel habe abgenommen, was dazu führe, dass Magma nicht mehr mit dem gleichen Druck wie am Morgen unterwegs sei.

 

Reykjanes: Neue Eruption am Sundhnjúkur

Ein Vulkanausbruch hat um drei Minuten vor sechs Uhr heute morgen an den Sundhnjúkargígjar stattgefunden, berichtet RÚV. Dort hatte es am 18. Dezember 2023 eine Eruption gegeben. Erste Videos aus einem Hubschrauber der Küstenwache zeigen, dass die Spalte aus der Lava quillt, derzeit um die drei Kilometer lang ist. Die Expertin für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir, sagte RÚV gegenüber, der Ort des Ausbruchs sei Glück im Unglück, weil er weit von Grindavík entfernt liegt.

Erste Beben hatten sich kurz vor halb sechs gezeigt, dann war von den Bohrlöchern des Erdwärmekraftwerks Svartsengi eine Ausdehnungsmeldung eingetroffen. Kurz darauf brach die Erde auf. Hier gibt es erste Fotos.

Seit November hatten sich vier unterirdische Magmaeinschüsse bei Svartsengi ereignet, drei davon endeten mit einer Eruption. Kristín erklärte im MOrgenradio, dies sei eine höhere Eruptionsrate als an der Krafla in Nordisland, wo es während der zehn Jahre andauernden Ausbruchsserie in den Siebzigerjahren mehr Einschüsse als Eruptionen gegeben hatte.
Mit dem Ausbruch war seit Wochen gerechnet worden, zumal sich ähnlich viel Magma angesammelt hatte wie beim letzten Ausbruch am 14. Januar. Am Montag hatte die Vulkanabteilung des Wetterdienstes ausgerechnet, dass sich um die neun Millionen Magma angesammelt hatten.
Das Kraftwerk Svartsengi und die benachbarte Blaue Lagune waren noch in der Nacht evakuiert worden, nachdem die Bebentätigkeit stetig zugenommen hatte.

 

Ausbruch nahe Grindavík wird immer wahrscheinlicher

Reykjanes eruption Iceland eruption

Die Wahrscheinlichkeit eines nuen Vulkanausbruchs auf der Halbinsel Reykjanes steigt mit jedem Tag. Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson sagt, die Menschen müssten darauf vorbereitet sein, dass so ein Ausbuch beim nächsten Mal dichter an Grindavík passieren werde. Er sprach sich für den Bau von Schutzwällen um den Küstenort aus, berichtet RÚV.

Gleiche Ausgangssituation
Die Magma unter der Region Svartsengi wird in der kommenden Woche die gleiche Menge erreicht haben wie vor dem Ausbruch letzte Woche, damit steigt die Wahrscheinlichkeit eines neuen Ausbruchs rapide an. Der nächste Ausbruch könnte näher an Grindavík stattfinden als beim letzten Mal, so Magnús Tumi. Mit einem Schutzwall könne man den Ort durchaus schützen, und die Kosten für den Wall seien um ein Vielfaches geringer als die Werte im Ort.

Auch weiterhin ist man der Ansicht dass sich der nächste Ausbruch möglicherweise zwischen den Bergen Stóra-Skógfell und Hagafell ereignen wird. Bei der letzten Eruption war die Lava zum Glück nach Nordosten geflossen und hatte keine Bauwerke gefährdet. Die Wasserscheide der Region liegt beim Sundhnúkur, Lava war also auf der „günstigeren“ Seite geflossen. Ein Ausbruch südlich des Sundhnúkur erhöht allerdings das Risiko, dass sich Lava in Richtung Grindavík aufmacht. Der Sundhnúkur liegt um die hundert Meter über dem Meeresspiegel und damit viel höher als die Ortschaft Grindavík.
Auch der Gemeinderat von Grindavík hatte sich heute an die Regierung gewandt, mit der Bitte, sich für einen Schutzwall stark zu machen.

Magma lag schon länger in der Erdkruste
Derweil hat das Geowissenschaftliche Institut die Lava vom 18. Dezember auf ihre Zusammensetzung untersucht und das Ergebnis in einem Facebookbeitrag ausgeführt. Die aus dem Sundhnjúksgígur autretende Magma besteht demnach aus tholeiitischem Basalt, den man häufig bei Spaltenausbrüchen findet. Sie ist blättrig und glasig und weist Plagioklas- und Olivingänge sowie Kristalle auf.

Diese Magma ist daher wahrscheinlich weiter entwickelt als das Material, das bei den Ausbrüchen im Fagradalsfjall ausgetreten war, hat jedoch den gleichen Ursprung. Sie unterscheidet sich von der Magma, das vor langer Zeit im Svartsengi-System (dazu zählen die Lavafelder Eldvörp, Illahraun, Sundhnúksgigar) aufgetaucht war. Die jetzt untersuchte Magma hat also wahrscheinlich einige Zeit in der Erdkruste verbracht, bevor sie an die Oberfläche getreten war.

 

 

Eruption: kaum begonnen, schon (wahrscheinlich) zuende

Iceland eruption

Der Vulkanausbruch, der in der Montagnacht auf der Halbinsel Reykjanes mit viel Wucht losgegangen war, ist aller Wahrscheinlichkeit nach vorüber. Bei einem Überflug am Morgen konnten die Wissenschaftler keinerlei Aktivität mehr erkennen. Zwischen erstarrter Lava ist zwar noch Glut im Untergrund zu sehen, gefördert wird allerdings nichts mehr. Experten halten es dennoch für verfrüht, die Eruptiom offiziell für beendet zu erklären.

Magma sammelt sich erneut
Der Geophysiker Halldór Geirsson glaubt, dass sich nun erneut über Wochen und Monate Magma unter dem Erdwärmekraftwerk Svartsengi ansammelt und dann von dort entweicht.  Sein Fachkollege Magnús Tumi Guðmundsson teilt diese Ansicht.
Nach einem kontinuierlichen Druckaufbau sei die Decke der Magmakammer geborsten, so der Wissenschaftler, und die Magma floss nach oben, allerdings nicht stetig genug, weswegen der Ausbruch zu einem Ende gekommen sei. Doch sammle sich nun erneut Magma in der bereits vorhandenen Kammer, mit der Aussicht auf einen neuen Ausbruch. Bis dahin könnten allerdings Wochen bis Monate vergehen. Die Ereigniskette könne auch ins Stocken geraten.

Nach Magnús’ Ansicht müsse man über eine Neubewertung der Gefahr für Grindavík nachdenken, es sei aber klar, dass jetzt nicht die Zeit sei, Einwohner in der Stadt übernachten zu lassen. Die Bewohnerund auch Journalisten hatten sich heute bis zum Anbruch der Dunkelheit in Grindavík aufhalten dürfen, Fremde dürfenden Ort auch weiterhin nicht betreten.

Mit weiteren Ausbrüchen ist zu rechnen
Der Ausbruch hatte erst vor drei Tgen nahe des Sýlingafell begonnen, der Küstenort Grindavík liegt nur drei Kilometer entfernt. Recht schnell war klar, dass es sich um einen weitaus kräftigeren Ausbruch handelte als die vergangenen drei, die sich in den letzten drei Jahren in der Region ereignete hatten. Schon in den ersten Stunden produzierte der Ausbruch mehr Lava als in dem drei Wochen andauernden Ausbruch am Litli Hrútur im Sommer.
Experten hatten zuvor schon angedeutet, dass es sich um einen typischen flachen Kammerausbruch und ein eher kurzes Ereignis handeln könnte. Allerdings glauben sie, dass die Region in den kommenden Jahren mit weiteren derartigen Eruptionen zu rechnen habe.

 

Kein Touristenausbruch, keine Erschliessung geplant

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Die Polizeidirektion von Suðurnes hat das Betreten der Ortschaft Grindavík bis zum 28. Dezember untersagt. Der Ort gilt als gefährlicher Aufenthaltsort. Einsatzkräfte hätten einfach keine Zeit, sich um Wanderer zu kümmern, die sich in Gefahr begeben, hiess es bei der Polizei. Die Vollsperrung des Ortes basiert auf einem neuen Gefahrengutachten des isländischen Wetterdienstes, den dieser gestern veröffentlicht hatte. Polizeichef Úlfar Lúðvikson ist entschlossen, dieser Einschätzung zu folgen.

Svartsengi und Grindavík gefährliche Aufenthaltsorte
Auch rund um das Erdwärmekraftwerk Svartsengi sei es gefährlich, und nur wenige befinden sich noch dort, um den Schutzwall um das Kraftwerk fertigzustellen. Im Kraftwerk selbst läuft der Betrieb ferngesteuert. Úlfar sagt, es sei in den vergangenen Wochen schwierig gewesen, die Schichten für den Dienst im Erdbebengebiet zu bemannen, und er hofft dass das in den kommenden Tagen etwas besser läuft, vor allem angesichts der Tatsache, dass Grindavík nun vollständig gesperrt sei.

Wanderer am Litli Hrútur gerettet
Doch sind es nicht mehr die Erdspalten im Asphalt, die Neugierige anlocken, sondern die Eruption mitten in der Einöde der Halbinsel. In den ersten Stunden nach dem Ausbruch in der Montagsnacht hatte die Autoschlange auf der Reykjanesbraut bis fast in de Hauptstadt gereicht, und auch danach hatten viele Schaulustige versucht, einfach irgendwo anzuhalten, um das Spektakel zu sehen oder ihre Drohne loszuschicken. Bislang, so Úlfar sei es immer gelungen, die Leute zum Umdrehen und Weiterfahren zu bewegen, gestern Abend aber hatte es einen Einsatz gegeben, der auch schlecht hätte ausgehen können. Ein ausgekühlter und erschöpfter Wanderer war per Zufall am Litli Hrútur gefunden worden und hatte aus der Luft gerettet werden müssen.
„Da musste der Hubschrauber losfliegen und Rettungsleute mussten ausrücken, aber das ist gut gegangen. Der Mann hätte die Nacht im Freien verbringen müssen, wenn man ihn nicht gerettet hätte.“

Keine touristische Erschliessung geplant
Ein derart grosses Gelände sei kaum zu sichern, und immer versuchten einige, trotzdem an den Sperrungen vorbeizugelangen. Úlfar findet deutliche Worte: „Allerdings ist das heute ein sehr unzugänglicher Ort, und eigentlich vollkommen bescheuert, von der Reykjanesbraut aus ins Eruptionsgebiet laufen zu wollen. Das sind locker 20 Kilometer hin und zurück.“
Für eine touristische Erschliessung oder Wanderwegebau gebe es derzeit keine Kapazitäten, man beobachte zwar, wie die Lage sich entwickle, doch sei die Eruption ohnehin kein „Touristenausbruch“. Aber grundsätzlich hätten die Einsatzkräfte auch einfach keine Zeit, sich um Touristen zu kümmern, man sei an die Grenzen des Machbaren gestossen und konzentriere sich jetzt darauf, den Bewohnern von Grindavík bei der Wahrung ihrer Interessen zur Seite zu stehen.