DNA-Speicheltest am Seewolf durchgeführt

Wohl kaum jemand kennt die gestreiften Seewölfe im Eyafjörður so gut wie der Taucher Erlendur Bogason, dessen Geschichte um den Seewolf Stefanía vor zwei Jahren die Runde machte.
Erlendur wollte nun wissen, ob es sich bei einem seewolfartigen Fisch vor der Küste von Hjalteyri um den Gestreiften Seewolf handelt, oder um eine Art, die im Osten des Landes grábítur statt steinbítur genannt wird. Da er den Fisch zur näheren Untersuchung nicht töten wollte, bliebt nichts anderes, als per Wattestäbchen den Fischspeichel auf DNA zu untersuchen.
Das Ereignis wurde natürlich gefilmt, und zu sehen ist, wie es Erlendur gelingt, den Fisch dazu zu bringen, sein Maul aufzureissen und sich die Gaumenhöhle abstreichen zu lassen.

Seewölfe sind scheue Fische, die sich lieber aus dem Staub machen, wenn ein Taucher naht. Man findet sie dann unter Steinen oder in Löchern versteckt. Dieser eine jedoch, der Erlendurs Neugier geweckt hatte, war anders. Er zeigte sich stets zum Kampf bereit, und fürchtete den Taucher nicht. Auch sah er ein bisschen anders aus. Die grábítur genannte Art sei etwas kleiner als der gestreifte Seewolf, und aggressiver. Offenbar aber auch neugierig genug, sich das Teststäbchen ins riesige Maul stecken zu lassen.

Matís hat die DNA-Probe untersucht, und siehe da, es handelt sich doch um einen gestreiften Seewolf, möglicherweise aber eine Unterart, oder die Neubildung einer Unterart ist im Gange.
Erlendur wäre nun nicht der Taucher den man kennt, wenn er seine Studien nicht ausgedehnt hätte – er wollte dann nämlich noch wissen, wie fest so ein Seewolf eigentlich zubeisst, immerhin bedeutet der lateinische Gattungsname Anarhichadidae “Zertrümmerer”.
Im Video kann man sehen, wie unglaublich schnell der Biss erfolgt, aber Handschuh und Finger blieben immerhin am Taucher dran.

Seltener Kapellanschwarm vor der Küste von Hjalteyri gefunden

Der Berufstaucher Erlender Bogason in Hjalteyri staunte nicht schlecht, als er nach Muscheln für seine zahmen Seewolf tauchte und sich auf einmal in einem riesigen Kapellanschwarm wiederfand. In Windeseile schwamm er ans Ufer, holte seine Kamera aus der Tauchstation und fand den Schwarm tatsächlich auch wieder.

“Seit bald 20 Jahren versuche ich, Bilder eines Kapellanschwarms zu bekommen,” erzählt Erlendur, der seit drei Jahrzehnten im Wasser unterwegs ist und schon die unglaublichsten Dinge dort gefunden hat. Mit taucherfahrenen Gästen taucht er regelmässig zu den heissen Geysiren vor der Küste von Hjalteyri.
“Das ist unglaublich, in sowas zu landen, so glasklar und schön wie es nur sein kann, und natürlich, in aller Ruhe dort Bilder aufnehmen zu können.” schwärmt der Taucher. Hier gibts das Video zu sehen.

Obwohl der Kapellan ein beliebter Fangfisch für die isländische Fischereiflotte ist und ihm eine grosse Bedeutung in der Futterkette der Atantikfische zukommt, weiss man relativ wenig über den kleinen Fisch, und es gibt kaum Bildmaterial über Schwärme.
“Nur mit diesen Bildern sieht man ja die Dichte im Schwarm,” sagt Erlendur. “Dann gibt es da die Trennung von weiblichen und männlichen Fischen im Schwarm, wo die sich aufhalten.”  Über Dichte und Aufbau eines Kapellanschwarms, und auch über das Laichen des Fisches sei kaum etwas bekannt.

Mehr von Erlendur und seinem Seewolf Stefanía.

 

Dem Ursprung des Lebens im Eyjafjörður auf der Spur

Hjalteyri, herrings factory, Eyjafjörður

Die heissen Quellschlote auf dem Grund des Eyjafjörður im Norden Islands sind das Ziel einer internationalen Wissenschaftlergruppe, die dort erforschen will, wie sich Leben auf dem Mars und möglicherweise an anderen Orten im Sonnensystem entwickelt haben könnte. Am Ende steht die Vorbereitung eines weiteren Erkundungsflugs zum Mars, berichtet Vísir.
Die Reise zum Ursprung irdischen Lebens findet unter Leitung des Tauchers Erlendur Bogason auf Hjalteyri statt, der die heissen Quellschlote vor der Küste von Hjalteyri wie kein Zweiter kennt.

Gleiche chemische Verbindungen wie auf dem Mars
Forschungsleiter Roy Price von der Stony Brook-Universität in New York erklärt, besonders spannend sei die Tatsache, dass man in den Quellschloten und auf dem Mars die gleichen chemischen Verbindungen gefunden habe.
“Die sind den vier Milliarden Jahren alten, ausgefällten Mineralien auf dem Mars sehr ähnlich. Vor vier Milliarden Jahren war der Mars von Wasser bedeckt, da gab es dort Meere, wie auf der Erde.” erklärt Roy.
Um Bohrkerne aus den unter Naturschutz stehenden Schloten zu ziehen, hatten die Forscher Genehmigungen von der Umweltbehörde, der Energiebehörde und der Naturschutzbehörde eingeholt. Die Löcher werden nach den Bohrungen wieder verschlossen.
“Wir möchten den Mars in seinen Anfangsjahren besser verstehen, und ob sich Leben dort entwickelt hat. War der Mars in seiner Anfangszeit ein Ort wo Leben existieren, überleben und möglicherweise sogar gedeihen konnte?” Die gleiche Frage stelle sich auch für andere Gestirne des Sonnensystems.

Den Anfang der Welt im Fischcontainer nachgebaut
In den alten Fischzuchtbecken der Heringsfabrik auf Hjalteyri gelang es den Forschern, die Schlote aus Erdwärmewasser nachzubauen, denn dieses Wasser hat die gleiche Mineralzusammensetzung wie das heisse Wasser, welches den Schloten auf dem Meeresgrund entweicht und sie gebildet hat.
„Je mehr unser Wissen über diesen primitiven Stoffwechsel, den wir Steinleben nennen, wächst – Leben auf Steinen und die chemischen Reaktionen von Wasser und deren Zusammensetzung – desto mehr wissen wir über den Beginn des Lebens auf der Erde, das mögliche Leben auf anderen Planeten und wie sich das Leben generell entwickelt hat,“ erklärt Roy Price.

Die Ergebnisse aus dem Eyjafjörður könnten seiner Ansicht nach der NASA helfen, auf dem Mars weiter nach Hinweisen auf Leben zu suchen.
„Wenn wir wissen, wo diese Umgebung ist, können wir Entdecker, Satelliten und Vermessungsgeräte der Zukunft zu diesen Orten schicken, um sie besser zu erforschen,“ blickt der Wisenschaftler in die Zukunft. “Mit der Erforschung dieses Fjords in Nordisland können wir mehr Informationen darüber sammeln, wie sich das alles verhält und sie für zukünftige Erkundungsreisen auf den Mars nutzen.”

Stefanía, der Seewolf aus dem Eyjafjörður

Die meisten Taucher in Island kennen wohl die Geschichte von Erlendur Bogason und seiner Freundin Stefanía, der Seewolfdame aus dem Eyjafjörður. Jetzt gibt es bei Sjávarlíf ein Video (in isländischer Sprache, aber mit hinreissenden Aufnahmen von den beiden.)

Erlendur und Stefanía lernten sich im Jahr 2009 kennen, als der Berufstaucher am Arnastrýtur vor der Küste von Hjalteyri im Eyjafjörður nach Islandmuscheln tauchte. Stefanía war dem Besucher wohl gesonnen und nahm gerne eine Muschel an. Damit war der Freundschaftsbund besiegelt, fortan tauchte Erlendur nach Islandmuscheln und brachte Stefanía von seiner Beute, und er brach sogar die Muscheln für sie auf, damit sie den Inhalt gleich fressen konnte. Erst viel später ging ihm auf, dass nicht er den Fisch, sondern der Fisch ihn trainiert hatte.

Um das Jahr 2016 stellte sich heraus, dass Stefanía gar kein Seewolfweibchen war, sondern ein Männchen. Seewolfdamen machen sich nämlich nach dem Ablaichen im September aus dem Staub und überlassen das Bewachen der Eier den Männchen. In seiner Funktion als Wächter nimmt das Männchen dann fast sechs Monate lang keine Nahrung zu sich und war natürlich froh um die Gaben des Tauchers. Doch Stefanía umbenennen kam für Erlendur und Stefanías Fangemeinde nicht in Frage.
Erlendur erklärt, nach ein paar Jahren habe er dann gemerkt. dass Stefanía sich verändere, sie sei aggressiver geworden und eher bereit, mal zuzubeissen. Im Video sieht man allerdings auch, wie sie ihren Taucherfreund gegen Artgenossen verteidigt.

Seewolfdamen suchen sich gerne das Männchen mit der schönsten Höhle, erzählt Erlendur, und im Kampf und die Weibchen geht es bei den Fischen mit den hässlichen Zähnen ordentlich zur Sache. So ein Kampf kann einen ganzen Tag dauern und beide Kontrahenden blutig und vernarbt zurücklassen. Ist der Gegner einmal beseitigt, räumt das Männchen seine Höhle auf und wartet auf die Dame seines Herzens.

Stefanía ist inzwischen in den Tiefen des Ozeans verschwunden, doch sein Höhlenkumpan Alex wohnt noch am Arnastrýtur, und auch er nimmt gerne Muscheln aus der Hand des Tauchers an. Und vielleicht, so hofft Erlendur, kehrt Stefanía ja eines Tages in den Eyjafjörður zurück. Ganz sicher wird sie ihn auf sich aufmerksam machen.