Schweres Erdbeben im Vulkan Bárðarbunga

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Heute morgen um 6.37 Uhr hat ein Erdbeben der Stärke M5,4 den Vulkan Bárðarbunga im zentralen Hochland erschüttert. Dieses Beben war das stärkste seit dem Vulkanausbruch in der Holuhraun im Jahr 2025. Es wurde im Ostteil der Caldera aufgezeichnet. Einige schwächere Beben folgten, das stärkste unter ihnen hatte immerhin noch eine Stärke von M3.

Die Erdbebenabeilung des isländischen Wetterdienstes erhielt zahlreiche Meldungen darüber, dass die Erschütterung in bewohnten Regionen des Nordlandes zu verspüren gewesen sei. Bislang ist jedoch keine weitere Aktivität im Vulkan zu verzeichnen, und die Alarmstufe ist nicht erhöht worden.
„Das kommt oft vor, dass es schwere Beben in der Bárðarbunga gibt, aber das war nun eins der grösseren Kategorie,“ kommentierte die Expertin für Naturkatastrophenschutz beim Wetterdienst, Jóhanna Malen Skúladóttir, RÚV gegenüber. Das letzte grössere Beben habe sich am 18. März dort ereignet und eine Stärke von M4,4 gehabt.

Im August 2014 hatte sich von der Bárðarbunga aus ein Intrusionsgang nach Norden gebildet, und Lava war in einem bereits bekannten, alten Lavafeld in der Holuhraun an die Oberfläche getreten. Der Ausbruch hatte bis Februar 2015 angedauert. In dem halben Jahr waren Rekordmengen an giftigem Schwefeldioxid in die Atmosphäre freigesetzt worden.
Bárðarbunga selbst ist ein subglazialer Stratovulkan am Nordrand des Vatnajökull, der neben Öræfajökull als der mächtigste in Island gilt. Für den Fall einer Eruption im Krater selbst waren 2014 Evakuierungspläne für die besiedelten Flusstäler von Jökulsá á Fjöllum und Þjórsá veröffentlicht worden, weil bei einem explosiven Ausbruch mit Schmelzwasserflutwellen gerechnet werden muss.

Reykjanes: Bebenschwarm und Warten auf den Ausbruch

Thorbjorn, Þorbjörn, efitr Pálmi Erlendsson Veðurstofan

Gegen 16 Uhr hat auf der Halbinsel Reykjanes ein Erdbebenschwarm zwischen den Bergen Stóra-Skógfell und Sýlingarfell eingesetzt, berichtet RÚV. Bei den letzten Lavaausbrüchen waren Ereignisse wie dieses die Vorboten der Ausbrüche gewesen.

Nach Angaben der wachthabenden Vulkanologen hat der Magmaeinschuss bereits eingesetzt. Das hätten Druckveränderungen an den Bohrlöchern des Kraftwerks in Svartsengi gezeigt. Nun müsse man abwarten, ob die Magma es an die Erdoberfläche schaffe, und vor allem, wo sie hervorbreche. Als Ausbruchsort wird die schon bekannte Kraterreihe Sundhnjúkargígaröð vermutet, wobei es aktuell Hinweise darauf gibt, dass sich die seismische Aktivitat nach Süden verschiebt.

Der Küstenort Grindavík ist geräumt worden. Polizeistellenleiter Úlfur Lúðvíksson sagte in einem Radiointerview, nur wenige Personen hätten sich in dem von Erdbeben zerstörten Ort aufgehalten.
Auch im Touristenbad Blaue Lagune haben die Sirenen geheult, alle Bade- und Hotelgäste sind evakuiert worden. Nach Angaben der Unternehmensleitung dauerte die Räumung 40 Minuten und verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Zwischen 600 und 800 Personen (Gäste und Personal) hatten sich in der Lagune befunden.
Wir halten unsere Leser auf dem Laufenden.

Erdbeben auf Reykjanes: weitere Vulkane erwacht?

bláfjöll ski area iceland

Am gerade vergangenen Wochenende hatte ein Erdbebenschwarm die Bergkette Brennisteinsfjöll südöstlich von Reykjavík und nordwestlich des Skigebietes Bláfjöll erschüttert. Die stärksten Beben wurden mit über M3 aufgezeichnet. Die Brennisteinsfjöll sind eines der fünf aktiven Hauptvulkansysteme auf der Halbinsel Reykjanes, berichtet RÚV.

Erdbeben in diesem Gebiet sind keine Seltenheit und bedeutend nicht zwingend, dass dort ein Vulkan erwacht, sagte der Geophysiker Halldór Geirsson vom Geowissenschaftlichen Institut der Universität Islands. Die Aktivität auf der Halbinsel könne sich jedoch zwischen Vulkanen bewegen, das habe die Geschichte gezeigt.

„Im geohistorischen Sinne neigen diese Systeme dazu, alle zu ähnlichen Zeiten vulkanische Aktivität an den Tag zu legen“, erklärte Halldór. „Wir hatten in den letzten Jahren am Fagradalsfjall und in Svartsengi Vulkanausbrüche, daher besteht eine gewisse Chance, dass die anderen Systeme zum Leben erwachen.“
Sollte es zu einem Ausbruch kommen, käme ein solcher höchstwahrscheinlich als Lavaausbruch, wie schon bei den Ausbrüchen der letzten Jahre auf der Halbinsel. Auf einer geohistorischen Karte ist zu sehen, dass aus den vulkanischen Systemen der Brennisteinsfjöll und Krýsuvík einst Lava in Richtung der Hauptstadt geflossen ist.

Eruptionen in dieser Gegend könnten auftreten, müssten sich aber nicht zwingend in der aktuellen Periode vulkanischer Aktivität ereignen, so Halldór. Er hält es aber für wichtig, beizeiten darüber nachzudenken, wie man auf solche Ereignisse reagieren kann.

Grindavík: Gefahrenstufe gesenkt, Blaue Lagune öffnet

Grindavík

Der unterirdische Magmatunnel, der sich am 14. Januar gebildet hatte, wird nicht mehr von Magma gespeist. Der Vulkanausbruch ist damit beendet, berichtet Heimildin. Bei Svartsengi hebt sich zwar das Land auch weiterhin, doch die Gefahrenstufe für die Region ist offiziell gesenkt worden.

Gefahrenstufe trotz Landhebung gesenkt
Heute hat die isländische Wetterbehörde ihre neue Risikoanalyse für Grindavík veröffentlicht. Ihrzufolge ist die Gefahrenstufe in allen betroffenen Gebieten auf der Halbinsel Reykjanes gesenkt worden. Im Magmatunnel konnte kein Magmazufluss mehr festgestellt werden, allerdings hebt sich das Land bei Svartsengi auch weiterhin. Der Mitteilung der Wetterbehörde zufolge könne noch nicht bestätigt werden, dass die Geschwindigkeit der Landhebung bei Svartsengi höher ausfalle als vor dem Ausbruch vom 14. Januar.
Auch weiterhin besteht grosse Gefahr durch einstürzenden Untergrund im Ortsbereich von Grindavík. GPS-Messungen haben aber kaum noch Veränderungen gezeigt. Die Wetterbehörde hält es für wichtig, die neuen Spalten zu kartieren und Veränderungen bereits bekannter Spalten zu prüfen. Die neue Risikoanalyse war heute um 15 Uhr in Kraft getreten und gilt bis kommenden Donnerstag, den 25. Januar.

Grünes Licht für Blaue Lagune
Die Blaue Lagune und das Northern Light Inn dürfen ihren Betrieb wieder aufnehmen, allerdings mit der Risikoanalyse im Hinterkopf. Das Betriebsgelände wird nun rund um die Uhr überwacht, und auch der Evakuierungsplan erfährt eine neue Prüfung.

In Grindavík selbst haben Handwerker und Rettungsleute in den vergangenen Tagen hart daran gearbeitet, die Heisswasser- und Stromversorgung des Orts wieder ans Netz zu bekommen. Vor allem die Stromversorgung hat den Beteiligten ziemliche Kopfschmerzen bereitet, so der Leiter der Polizeidirektion Suðurnes, Úlfur Lúðvíksson.  Man will das ganze Wochenende hindurch arbeiten. Ein Transport wertvoller Gegenstände aus der Stadt kann jedoch erst stattfinden, wenn die Gefahrenstufe auf “erheblich” abgesenkt worden ist.

Grindavík ist “nicht bewohnbar”
Der Geophysiker Professor Magnús Tumi Guðmundsson hat RÚV gegenüber und auch beim Bürgertreffen gesagt, er halte Grindavík für einen Ort, den man nicht bewohnen sollte, wenn es andere Wohnmöglichkeiten gibt. Er wies auf die Auffüllung der Erdpalten hin, die in der Tiefe nur Brücken bildeten und bei jeder Erdbewegung wegbrechen könnten. Hier sollten Familien mit Kindern seiner Einschätzung nach auch ohne die ständige Gefahr eines Ausbruchs nicht leben.

Immobilien durch Staat aufkaufen
Islands Kultus- und Wirtschaftsministerin Lilja Alfreðsdóttir hatte am Mittag angegeben, es sei ein riesiges, aber stemmbares Projekt für den Staat, die Immobilien der Grindavíker aufzukaufen, immerhin habe die Stadt zuvor ordentlich Geld ins isländische Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet. Die isländische Volkswirtschaft könne das stemmen, es sei genügend Geld vorhanden. Doch bevor man entscheidende Schritte unternehme, müsse ausreichend langfristiger Wohnraum für die evakuierten Grindavíker gesichert sein.

 

Blaue Lagune hat wieder geöffnet

Blue Lagoon, bláa lónið

Heute morgen ist die Blaue Lagune wieder für den Betrieb geöffnet worden, nachdem gestern die Gefahrenstufe für die Region gesenkt worden war, berichtet RÚV. Die bei Touristen beliebte Badelagune hatte am 9. November aufgrund starker Erdbeben schliessen müssen und danach nur einmal kurz öffnen können, bevor dann am benachbarten Sundhjnúkur der Vulkan ausbrach. Die Landhebung, die als Vorbotin einer möglichen Eruption gilt, und seit Wochen am Kraftwerk Svartsengi registriert wird, hat das gleiche Ausmass wie in den vergangenen Tagen.

Gefahrenstufe gesenkt
Die Geschäftsführerin der Blauen Lagune, Helga Árnadóttir, sagt, die ersten Gäste seien schon um 11 Uhr heute morgen im Wasser gewesen. Man sei froh, endlich wieder für Gäste öffnen zu können und habe nun einen Evakuierungsplan für das Lagunengelände, und man sei für alles vorbereitet. Die Lagune stehe in engem Kontakt zur Polizei in der Region.
Gestern war die Gefahrenstufe für das Gebiet gesenkt worden. Man geht von einer verringerten Gefahr aus, dass sich in Svartsengi grosse Spalten bilden. Solche Spalten haben sich in letzter Zeit nicht geöffnet. Die Wissenschaftler glauben, dass die Kraterreihe Sundhnúksgígaröð zwischen dem Stóri-Skógfell und dem Hagafell am ehesten für einen möglichen weiteren Vulkanausbruch in Frage kommt.

Kurze Vorwarnzeit
Der isländische Wetterdienst weist darauf hin, dass sich der letzte Ausbruch mit sehr kurzer Vorwarnzeit ereignet habe. Die Region wird engmaschig überwacht und die Behörde steht in stetigem Kontakt mit dem Zivilschutz.
In diesen ersten Tagen sei die Lagune noch nicht voll gebucht, so Helga. Der Januar sei ohnehin ein eher ruhiger Monat, zusätzlich zu der wochenlangen Schliessung der Lagune. Für den Betrieb sei es sehr wichtig, jetzt Gäste empfangen und Buchungen neuer Besucher entgegenzunehmen.

Grindavík: Regierung will Wohnungsnot angehen

Es könnten Monate vergehen, bis alle Bewohner des von Erdbeben stark beschädigten Ortes Grindavík nach Hause zurückkehren können. Heute Mittag war bei einer Pressekonferenz der Regierung ein Aktionsplan für Wohnraumbeschaffung vorgestellt worden. Demnach sollen die Bewohner finanzielle Unterstützung erhalten um die Miete in ihren derzeitigen Unterkünften zahlen zu können. Die Unterstützungssumme orientiert sich an der Zahl der Personen in einem Haushalt.
Das Vermietungsunternehmen Bríet wird bis zu 150 Wohnungen auf dem Markt aufkaufen, um sie Grindavíkern zur Miete anzubieten, das Konkurrenzunternehmen Bjarg kauft 60 Wohnungen speziell für einkommensschwache Haushalte.
Ausserdem untersucht eine Arbeitsgruppe die Möglichkeit, Häuser zu importieren. Premierministerin Katrín Jakobsdóttir sagte, die Unterstützungsmassnahmen kämen in der kommenden Woche im Parlament zur Debatte. Sie erwarte auch dass der Beschluss für eine finanzielle Unterstützung der Bewohner in der kommenden Woche durchs Parlament gehen wird.

Wann die Bewohner jedoch nach Hause gehen können, hängt vom Zustand der örtlichen Infrastruktur an. Vor allem Strassen, aber auch Gebäude waren bei den starken Erdbeben nach dem 10. November in Mitleidenschaft gezogen worden. Es könnte daher sein, dass die Bewohner strassenzugweise nach Hause können, weil die Schäden je nach Ortsviertel variieren.
Solange noch nichts anderes beschlossen ist, verbleibt der Küstenort im Zustand der Evakuierung. Die Warnstufe des Zivilschutzes war von Notstand auf Gefahrenstufe abgesenkt worden. Experten sind der Ansicht, dass es immer noch zu einer vulkanischen Eruption kommen kann. Dabei halten sie jetzt den Berg Hagafell nordöstlich von Grindavík als Ausbruchsort für am wahrscheinlichsten.

 

Grindavík: Neue Karte der Gefahrenzonen

grindavík hazard area

Der isländische Wetterdienst hat am gestrigen 20. November seine Karte der Gefahrenzonen rund um Grindavík aktualisiert.
Die neue Karte wurde mithilfe von Satellitendaten in Konsultation mit dem Zivilschutz und Wissenschaftlern erstellt. Die drei markierten Zonen weisen die jeweiligen Gefahrenzonen aus.
Gefahrenzone A ist die grösste Zone und markiert ein Gebiet, in dem eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für seismische Aktivität vorliegt.
Gefahrenzone B umfasst ein Gebiet, in dem die Gefahr eines Vulkanausbruchs besteht, dort gibt es Erdspalten, die sich ohne Vorwarnung öffnen können, ausserdem besteht die Gefahr von giftigen Gasen und Lavafluss.
In Gefahrenzone C bestehen die gleichen Gefahren wie in Zone B, aber mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit. Freiwillige Retter, Polizeibeamten und andere in dem Gebiet Beschäftigte sind angewiesen, Fluchtwege im Kopf zu haben, sowie stets Gasmasken und Gaszähler mit sich zu führen.

In einem Interview mit Vísir hatte der Geophysiker Benedikt G. Ófeigsson als wahrscheinlichstes Szenario einen Ausbruch in der Nähe des Berges Hagafells östlich des Þorbjörn angegeben.
“Das ist der Ort wo wir den Magmazufluss gesehen haben, nachdem sich die Intrusion gebildet hatte. Das ist dicht unter der Oberfläche, und wir verfügen über gute Daten, falls also ein Ausbruch losgeht, dann betrachten wir diesen Ort als den wahrscheinlichten.”
Benedikt verwies auch auf die Schwierigkeit, eine Vorhersage für Grindavík zu treffen. Eine Auswirkung auf Grindavík hängt stark von dem genauen Ort der Spaltenöffnung zusammen. Fliessmodelle der Lava können erst erstellt werden wenn die Magma die Erdoberfläche erreicht hat.

 

Pressezentrum für Erdbebenreporter eröffnet

Grindavík earthquakes crevasse

Islands Tourismusbehörde öffnet heute Mittag ein Pressezentrum für alle ausländischen Journalisten, die ins Land gereist sind um über Erdbeben und eine mögliche Eruption auf der Halbinsel Reykjanes zu berichten. Das Zentrum wird vom isländischen Zivilschutz, Safetravel und der Íslandsstofa betrieben, ausserdem sollen ein Sprecher der Regierung sowie Fachleute einmal am Tag für Fragen zur Verfügung stehen.
Damit reagiere die Tourismusbehörde einer Mitteilung zufolge auf das grosse Interesse ausländischer Medien, schaffe ein Arbeitsumfeld für die Journalisten und sichere einen guten Informationsfluss. Das Pressezentrum befindet sich in der Hringhella 9A in Hafnarfjörður und wird an allen Tagen zwischen 8.00 und 16.00 geöffnet sein.

Kritik an Zugangsbeschränkung
Der eingeschränkte Zugang der Presse zum evakuierten Küstenort Grindavík hatte in den vergangenen Tagen für Kritik gesorgt. Vor allem der deutsche Vulkanfotograf Carsten Peters hatte sich über einen Mangel an Information und die Zutrittsbeschränkungen beschwert.
Ein Fotoreporter der staatlichen Sendeanstalt RÚV hatte vor einigen Tagen versucht, in ein verlassenes Haus in Grindavík einzudringen, um von dort zu berichten. Die Hausbesitzerin hatte ihn in der Überwachungskamera gesehen, sich beschwert und verlangt, Reporter sollten sich den Häusern nicht nähern. RÚV hatte sich für das Verhalten des Fotorreporters entschuldigt, auch der Reporter hatte eine Entschuldigung veröffentlicht.

Betreten nur in Begleitung
In den vergangenen Tagen hatten die Einsatzkräfte, freiwillige Retter und Polizei, ihre Zeit damit verbracht, Einwohner durch den zerstörten Ort zu ihren Häusern zu begleiten, damit sie Wertgegenstände und Notwendiges holen konnten. Es war nicht gestattet, Möbel zu transportieren, und die Besuche im Haus waren zeitlich auf wenige Minuten begrenzt, um soviele Menschen wie möglich in den Ort bringen zu können.
Der unterirdische Magmagang liegt quer durch die Ortschaft und hat weite Teile unterhöhlt, in diesen Bereichen besteht akute Einsturzgefahr in Gebäuden und auf der Strasse. Immer noch befindet sich die Magma dicht unter der Oberfläche, Experten zufolge ist nicht vorhersehbar, wo, wann und ob sie durch die Erdoberfläche hervorbrechen wird. Man geht aber davon aus, dass sie beim Hervorquellen dünnflüssig ist und in hohem Tempo unterwegs sein dürfte.

Grindavík: Sirenen, Räumung wegen Schwefelgas, und neuer Versuch morgen

Grindavík earthquakes Reykjanes

Auch heute erhielten die Bewohner von Grindavík zwischen 12 und 16 Uhr Gelegenheit, Wertgegenstände aus ihren Häusern zu holen. Ähnlich wie gestern verlief die Aktion strassenzugweise, war auf fünf Minuten pro Haus begrenzt und galt für alle, die es gestern nicht in den Ort geschafft hatten. Ein Stadtviertel galt als so gefährdet, dass die Bewohner nur in Fahrzeugen der Rettungsteams an ihre Häuser gebracht werden konnten.

Um 15 Uhr heulten dann die Sirenen der Einsatzkräfte und die Polizei organisierte eine sofortige Räumung des Ortes. Neue Messgeräte des isländischen Wetterdienstes auf dem Berg Húsafjall östlich der Stadt hatten erhöhte Schwefeldioxidwerte angezeigt. Nach Angaben des diensthabenden Vulkanologen kann sich ein solches Gas lösen, wenn die Magma dicht unter der Oberfläche liegt. Vom Zivilschutz hiess es, die Räumung habe aus Sicherheitsgründen stattgefunden, und nicht, weil unmittelbare Gefahr drohte. Morgen früh soll die Lage erneut geprüft werden, und alle, die heute nicht in den Ort kamen, sollen zu ihren Häusern gebracht werden. Die Polizei von Suðurnes liess wissen, dass der Ort nach nur 95 Sekunden geräumt war, eine erfreulich kurze Zeit.

Graben verbreitert sich zusehends
Schäden an Gebäuden und im Boden sind immens und werden immer mehr. Kristín Jónsdóttir, die Bereichsleiterin für Erdbebenüberwachung beim Wetterdienst, warnte die Leute vor unsichtbaren Spalten. „Wir sehen immer noch Bewegung und ein Auseinanderdriften in diesem Graben.“ sagte sie und bekräftigte, ein Ausbruch sei auch weiterhin wahrscheinlich. Oberhalb des Magmaintrusionsganges habe sich der Graben gebildet, ein breiter Streifen, in dem selbst sich wieder zahlreiche Spalten geöffnet haben, die sich ebenfalls stetig verbreitern. Das ganze Gebiet sei hochgefährlich.Zivilschutzleiter Víðir Reynisson verglich die Lage mit dem Gang über eine Gletscherzunge, wo sich unter dem Eis überall Spalten verbergen. Der Zivilschutz hatte heute davor gewarnt, sich der Region generell zu nähern. Der Experte für Plattentektonik beim Wetterdienst, Benedikt Gunnar Ófeigsson, bezeichnete die Vorgänge als viel grösser als alles was man in den vergangenen Jahren auf der Halbinsel erlebt habe.

Erdbeben am Magmagang
Seit Mitternacht sind am Magmagang 700 Erdbeben aufgezeichnet worden, das stärkste am Hagafell lag bei M3,1. Die meisten Beben ereignen sich am Magmagang, in einer Tiefe von 3 bis 5 Kilometern. Vom Wetterdienst hiess es, Messungen zeigten eine anhaltende Verformung des Gebietes. Das decke sich mit der Tatsache dass weiterhin Magma in den Intrusionsgang fließe. Auch weiterhin wird er in einer Tiefe von 800 Metern vermutet, der Zufluss beträgt etwa 75 Kubikmeter pro Sekunde.
Eine Menge neuer Spalten ist auch auf dem Berg Þorbjörn entdeckt worden. Dort befindet sich ein wichtiger Telekommunikationssendemast. Das danebenstehende Servicegebäude hat schwere Schäden erlitten, die Geräte sind jedoch unversehrt.

Auffanglager konnten schliessen
Am Abend berichtet mbl.is, dass alle Auffangstationen des Roten Kreuzes geschlossen und abgebaut worden sind. Das bedeutet dass alle Evakuierten irgendwo untergekommen sind. Beim Roten Kreuz hatte es gehiessen, dass dies einer der grössten Einsätze der letzten Jahre gewesen sei. Die Hilfsbereitsschaft im ganzen Land darf als überwältigend bezeichnet werden. Haus- und Wohnungsbesitzer hatten sich beim Roten Kreuz und in Facebookgruppen melden können, wenn sie Wohnraum zur Verfügung stellen wollten. Viele boten ihn kostenlos an, um Familien ein Dach über dem Kopf zu bieten. Auch Haustiere konnten erfolgreich vermittelt werden, wenn es nicht möglich war, sie in die neue Behausung mitzunehmen. Ausserdem hatte das Reykjavíker Katzenhaus zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung gestellt.

Reykjanes: Heftige Erdbeben verschieben sich zum Sundhjnúkagígur

Seit heute Morgen hat sich die Erdbebentätigkeit auf der Halbinsel Reykjanes zum Sundhnjúkagígur verschoben, der nordwestlich von Grindavík liegt. Die Beben konnte auf den nahegelegenen Gehöften und bis in den Borgarfjörður verspürt werden, berichtet RÚV. 
Auf der Karte kann man die Ausdehnung der Beben über ganz Südwestisland erkennen. Nach Angaben der Erdbebenabteilung beim isländischen Wetterdienst geht die Magmaansammlung am Berg Þorbjörn unverändert weiter, in der gleichen Tiefe und im gleichen Tempo wie zuvor. Hinzu kamen jetzt die heutigen Bebenschwärme. Die Beben werden als Spannungsauflösung in der Riftzone erklärt, die Rift zwischen Amerikanischer und Eurasischer Kontinentalplatte verläuft ja quer durch die Halbinsel.

Bei solchen Bebenschwärmen muss mit Erdbeben von bis zu M5,5 gerechnet werden. Heute Morgen um 7 Uhr waren 800 Beben aufgezeichnet worden, inzwischen dürften es weitaus mehr sein. Seit 15 Uhr intensiviert sich die Bebentätigkeit. Um 17.30 ereignete sich ein Beben der Stärke M5,2.
Wegen der anhaltenden Erdbeben hat die Polizei in Abstimmung mit dem isländischen Zivilschutz die Warnstufe für das Gebiet angehoben, dort gilt nun die Gefahrenstufe.
Für den Flugverkehr gilt die orangefarbene Warnstufe (code orange).
Die Erdbeben können noch stärker werden und in einem Vulkanausbruch enden. Bislang gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass Magma auf dem Weg an die Erdoberfläche ist. Die Lage wird engmaschig überwacht.

Gestern hatte die Blaue Lagune, die sich über dem Gebiet befindet, wo die Magma sich unterirdisch sammelt, ihre Türen für Besucher geschlossen. Daraufhin hat die isländische Strassenverwaltung den sogenannten Norðurljósavegur von Grindavík durch die Lavafelder zur Lagune für den Verkehr gesperrt.
Heute Abend wurde dann wegen Strassenschäden auch der Grindavíkurvegur, die Verbindungsstrasse zwischen Grindavík und der Reykjanesbraut, für den Verkehr gesperrt. Dort hatte sich eine breite Spalte im Asphalt gebildet. Die Strasse ist einer der drei Fluchtwege im Evakuierungsplan für die Bewohner des Küstenortes.
Vor zwei Tagen hatte das Reiseunternehmen Reykjavík Excursions seine Transfers zur Lagune ausgesetzt, um Mitarbeiter und Kunden nicht in Gefahr zu bringen.