Düstere Zeiten auf der Halbinsel Reykjanes

Reykjanesbær

In dieser Woche haben insgesamt 4200 Personen innerhalb von nur zwei Tagen ihren Arbeitsplatz verloren. Insgesamt 36 Unternehmen hatten am Mittwoch Massenentlassungen angekündigt. Am schlimmsten traf es die Halbinsel Reykjanes in Südwestisland, wo Tourismus einer der Hauptarbeitgeber ist. Schätzungen zufolge könnte die Arbeitslosenrate Ende Mai dort um die 30 Prozent liegen, berichtet RÚV.

Mehr als die Hälfte der Entlassenen, oder 2140 Personen, hatten zuvor bei der Fluggesellschaft Icelandair gearbeitet. Die restlichen 20170 waren bei anderen Unternehmen beschäftigt gewesen.
“Im Bezug auf die Zahl der Entlassungen ist das der schlimmste Monat, an den ich mich erinnere,” sagte Unnur Sverrisdóttir, die Chefin des Arbeitsamtes. “Etwa 99 Prozent dieser Leute kommen aus der Tourismusindustrie.”
Die meisten Entlassungen waren in der Hauptstadtregion und auf der Halbinsel Reykjanes vorgenommen worden.

“Die Aussichten sind wirklich schlecht,” sagte auch Guðbjörg Kristmundsdóttir, die Vorsitzende der Gewerkschaft der Arbeiter und Seeleute in Keflavík (VSFK). “Ich schätze, in den vergangenen zwei Tagen haben 400 Mitglieder meiner Gewerkschaft ihren Arbeitsplatz verloren. Das ist ein grosser Anteil in einer Gewerkschaft mit 5000 Mitgliedern. Dies sind düstere Zeiten.”

Bislang habe ihre Gewerkschaft wenig Information erhalten, wie es bei den Autovermietungen und Hotels in der Region aussieht. Dort erwartet sie zusätzliche Entlassungen in der nächsten Zeit.
Die Kündigungswelle ist nicht die erste auf der Halbinsel. Ende März hatte die Blaue Lagune 164 Mitarbeiter entlassen, nachdem das Unternehmen nur wenige Tage zuvor wegen der Coronakrise hatte geschlossen werden müssen. Reykjanes war im letzten Jahr schon hart durch den Bankrott der Fluglinie WOW air getroffen worden.

Die Einheimischen hätten nicht völlig die Hoffnung verloren, sagt Guðbjörg, aber die Unsicherheit sei sehr gross,
“Jetzt ist es sehr unwahrscheinlich, dass Leute, die ihren Job verloren haben, einen anderen finden,” erklärt sie. “Es gibt keine Jobs.”
Die Arbeitslosenquote in Reykjanes liegt derzeit bei 24 Prozent, Guðbjörg befürchtet, dass sie Ende Mai auf über 30 Prozent gestiegen sein könnte.

Isländische Post entlässt 30 Mitarbeiter

Die isländische Post hat 30 Mitarbeitern in der Hauptstadt, In Reykjanes, Akranes und Selfoss gekündigt. Die Mitarbeiter waren alle im Sektor Sortieren und Austragen beschäftigt, berichtet RÚV.

Ausserdem sollen einer Mitteilung des Unternehmens zufolge in dem genannten Gebiet ab dem ersten Mai keine Wurfsendungen ausgetragen werden. Die Einsparungen durch diese beiden Massnahmen belaufen sich auf 200 Mio. ISK pro Jahr.

Die Massnahmen betreffen 40 Mitarbeiter, jedoch heisst es in der Mitteilung, dass man zehn Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens versetzen könne. Etwa 30 Leute erhalten heute ihre Kündigung. Das Unternehmen will psychologische Unterstützung und Hilfe bei der Jobsuche bieten, heisst es in der Mitteilung,

Wurfsendungen sind in vielen Haushalten heute oft die einzige Post, daher sieht das Unternehmen keine Betriebsgrundlage für die Verteilung. Auch wollten viele Leute aus Umweltschutzgründen gar keine Wurfsendungen mehr erhalten, oder weil das Internet gedruckte Sendungen abgelöst hat. Damit lande eine grosse Menge Papier aus der Postverteilung wieder bei der Post, verkompliziere den Betrieb und schaffe Kosten und Unannehmlichkeiten, schreibt die Post in ihrer Mitteilung.

Im Jahr 2018 hatte die isländische Post einen Verlust von 293 Mio. ISK hinnehmen müssen. Im Jahr davor hatte man noch ein Plus von 216 Mio. ISK verzeichnet. Ende 2018 hatte das Unternehmen einen Notkredit von 1,5 Mrd. ISK vom Staat beantragt, der Kredit war vom Parlament mit der Auflage bewilligt worden, eine wirtschaftliche Umstrukturierung anzugehen und das Parlament vom Gang der Dinge zu unterrichten.

Im vergangenen Jahr hatte die Post bereits 43 Mitarbeitern gekündigt und wollte den Stellenplan um 80 Stellen reduzieren. Damals hatte es gehiessen, dies geschehe, um den selbstständigen Betrieb des Unternehmens aufrechterhalten zu können und zu modernisieren. Auch von zwei Tochterunternehmen hatte die Post sich getrennt.

Die Entlassungen des heutigen Tages sind nach Aussage von Postdirektor Birgir Jónsson Teil der Umstrukturierung.

 

Íslandsbanki entlässt weitere 20 Mitarbeiter

Íslandsbanki hat gestern 20 Angestellte entlassen. Die meisten von ihnen sind in der Hauptgeschäftsstelle in Smáralind beschäftigt, schreibt Vísir. Im September hatte die Bank 20 Mitarbeiter enlassen, im Mai 16 Mitarbeiter.

In einem Interview mit RÚV beklagte Geschäftsführerin Birna Einarsdóttir das Vorgehen. “Das sind immer traurige und harte Tage, wenn wir solche Massnahmen ergreifen müssen.” Íslandsbankis Beschäftigtenzahl ist im Jahr 2019 insgesamt um 90 Personen zurückgegangen, oder 10-12 Prozent.

Wir können nicht garantieren, dass dies die letzte Entlassungsrunde sein wird, aber wir hoffen es.” Birna zufolge verändert sich die Bankenlandschaft schnell, und Íslandsbanki müsse da mithalten. “Einige dieser Veränderungen heute sind organisatorischer Natur. Die Jobbeschreibungen verändern sich.”

Aus dem Finanzbericht des dritten Quartals geht hervor, dass die Rendite niedriger ausgefallen war als erwartet. “Es ist unser Ziel, die Rendite zu verbessern, damit die Eigentümer der Bank zufrieden sind. Daher ist es wichtig, verschiedene Massnahmen zu ergreifen, damit das Ziel erreicht wird.”

Die Kündigungsfristen fallen bei den Mitarbeitern unterschiedlich aus. Birna zufolge liegt sie bei etwa sechs Monaten. In den meisten Fällen beenden die Angestellten ihre Tätigkeit jedoch Ende November.

Íslandsbanki gehört zu 100 Prozent dem isländischen Staat. Sie ist auch nicht die einzige Bank, die in diesem Jahr Mitarbeiter entlassen hat. Im September hatte Arionbanki etwa 100 Kündigungen ausgesprochen. Die Bank wollte ihre Struktur ändern, und die Kündigungen seien Teil der Massnahme.

Vier von fünf Angestellten, die von Arionbanki entlassen wurden, waren in der Hauptgeschäftsstelle in Reykjavík tätig gewesen.

März war entlassungsschwerer Monat

Insgesamt sind dem isländischen Arbeitsamt im März 473 Kündigungen in sechs grösseren Gruppenentlassungen gemeldet worden, berichtet RÚV.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2019 haben 570 Personen in Gruppenentlassungen ihren Arbeitsplatz verloren.

Zwei solcher Entlassungswellen betrafen das Transportgewerbe und das Lagerwesen, hier verloren 328 Leute ihren Job. Unter anderem waren se bei Airport Associates beschäftigt, doch ein grosser Teil dieser Leute sind anderweitig untergekommen. Das heisst, dass die Zahl am Ende dann doch geringer ausfällt.

Die anderen Entlassungswellen stammen aus vier Sparten: 46 verloren ihren Job im Tourismus, 37 in der Produktion, 32 im Baugewerbe und 30 wurden als Spezialisten oder im wissenschaftlich oder technischen Umfeld arbeitslos.

Die meisten Kündigungen (347) wurden von Unternehmen in Suðurnes gemeldet, aus Reykjavík kamen 126 Entlassungsfälle.

Wirksam werden die Kündigungen im Zeitraum Mai bis Juli 2019.

In der Mitteilung des Arbeitsamtes hiess es, dass die Kündigungen bei WOW Air und anderen mit dem insolventen Unternehmen in Verbindung stehenden Firmen bei diesen Massenentlassungen nicht mitgezählt wurden.