Sozialminister kritisiert Tempo der Zuwanderung

Der isländische Minister für Soziales und Arbeitsmarkt, Guðmundur Ingi Guðbrandsson, macht sich ernsthafte Sorgen, dass Island in soziale Klassen zerfällt und sich Ungleichheit in Bezug auf Einwanderer gesellschaftlich verfestigt. Er ist der Ansicht, dass in den letzten Jahren zuviele Einwanderer nach Island gekommen sind, berichtet Vísir.

An der Mindestlohngrenze hängenbleiben
In einem Radiointerview des Senders Bylgjan sagte er heute morgen, Daten wiesen darauf hin, dass viele Einwanderer um die Mindestlohngrenze herumlavierten und sich in Gefahr befänden, dort hängen zu bleiben.
„Das bedeutet, dass Einwanderer und ihre Kinder weniger Möglichkeiten bekommen, hier aufzublühen, während sie gleichzeitig das wirtschaftliche Wachstum und die Wertschöpfung in der Gesellschaft aufrecht erhalten.“ sagte der Minister. Daher sei es wichtig, sich auf Immigrationsfragen zu konzentrieren. Im Ministerium sei derzeit eine entsprechende ganzheitliche Strategie in Arbeit. Guðmundur hält es für eine Schande, dass die Isländer in Bezug auf die Zuwanderung keine Gesetzgebung hätten wie sie in den Nachbarländern existiere.

Wachstumsschmerzen durch Zuwanderung
In der Tat sei es so, dass die Zuwanderung zu schnell erfolgt sei. „Das Tempo der Zuwanderung dürfte langsamer vor sich gehen. Ich denke, da sind wir alle einer Meinung,” sagte Guðmundur. “Das zeigen schon allein die Zahlen: Im Jahr 2012 machten Einwanderer acht Prozent der Gesamtbevölkerung aus, jetzt sind es etwas mehr als 20 Prozent. Es sind Daten der OECD, die uns zeigen dass das Wachstum hier mit am schnellsten voranschreitet. Das bedeutet deutlich gesprochen, dass es Wachstumsschmerzen gibt. Wir sehen das in den Schulen und auf dem Wohnungsmarkt.“

Der Minister äusserte sich auch zur langen Wartezeit für Asylanträgen. Das dauere alles viel zu lange.
„Die Leute sind viel zu lange hier. Das ist nicht gut für die Menschen, wenn sie so lange warten müssen. Das kann die Schwarzarbeit fördern. Das kann dazu führen, dass diese Leute auf dem Arbeitsmarkt ausgenutzt werden. Es ist sehr wichtig, daran zu arbeiten, die Bearbeitungszeit der Anträge zu verkürzen, da es sich um eine humanitäre Angelegenheit handelt und wir dadurch gleichzeitig Geld sparen.“

Anteil ausländischer Mitbürger auf 16,4% gestiegen

Zum Ende des dritten Quartals 2022 lebten 385.230 Personen in Island, davon 198.280 Männer und 186.840 Frauen, sowie 120 Personen anderen Geschlechtes. Die Bevölkerungszahl ist aktuellen Zahlen des Statistischen Amtes zufolge in dem Quartal um 3.860 Personen gewachsen.
Im Hauptstadtgebiet wohnen 245.850 Personen, auf dem Land 139.380 Personen.

Im Dritten Quartal wurden 1200 Kinder geboren, 650 Personen verstarben. Im gleichen Zeitraum zogen 3270 Personen mehr nach Island als von der Insel weg. Die Zahl der aus Island weggezogenen Personen mit isländischer Staatsbürgerschaft lag um 150 Personen höher als die der zugezogenen Staatsbürger, die Zahl der zugezogenen ausländischen Mitbürger lag um 3.410 Personen höher als die der Weggezogenen. Mehr Männer als Frauen haben Island verlassen.

Dänemark zieht Isländer an
Dänemark war das Ziel für die meisten weggezogenen isländischen Staatsbürger, oder 420 Personen. Von 950 weggezogenen Staatsbürgern wandten sich 720 nach Dänemark, Norwegen und Schweden. Von den 1270 ausländischen Mitbürgern, die Island verliessen, gingen die meisten, oder 380 Personen, nach Polen.
Die meisten nach Island gezogenen isländischen Staatsbürger kamen aus Dänemark (240), aus Norwegen 8130) und aus Schweden (190), insgesamt 560 von 800 zugezogenen Personen mit isländischer Staatsbürgerschaft.

Polen ist das Herkunftsland der meisten ausländischen Mitbürger in Island, von dort kamen 1.150 Personen auf die Insel. Aus der Ukraine zogen 480 Personen ins Land. Weitere Herkunftsländer sind der Statistik nicht zu entnehmen.

Insgesamt kamen im dritten Quartal 4.680 Einwanderer nach Island, damit ist die Zahl der ausländischen Mitbürger auf 62.990 oder 16,4 Prozent der Gesamtbevölkerung angewachsen.

Einwanderung aus Polen und der Ukraine steigt

Zum 1. Juli 2022 waren beim isländischen Einwohnermeldeamt 59.105 Mitbürger mit ausländischer Staatsangehörigkeit gemeldet, das sind 4.126 Personen oder 7,5 Prozent mehr als am 1. Dezember 2021.
Mit 1.410 Personen ist ein grosser Teil der Neumitbürger ukrainischer Herkunft. Auch aus Venezuela sind viele hinzugekommen, heute leben 696 Personen mit venezolanischer Staatsangehörigkeit in Island.
Den grössten Anteil ausländischer Mitbürger stellen weiterhin die polnische Staatsangehörige, ihre Zahl beträgt 22.020 Personen oder 5,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Innerhalb des letzten halben Jahres waren 568 Personen mit polnischer Staatsangehörigigkeit ins Land dazugekommen. Im gleichen Zeitraum haben 407 rumänische Staatsangehörige ihren Wohnsitz in Island angemeldet, das ist eine Zunahme von 14,8 Prozent.