Cyberangriffe auf isländische Institutionen

Alþingi parliament

Die Webseite des isländischen Parlaments Alþingi ist derzeit nicht zugänglich. Ragnar Árnadóttir, die Büroleiterin des Alþingi, sagte Vísir, sowohl die öffentliche Webseite als auch das Intranet des Parlaments seien betroffen. Inzwischen hat sich die pro-russische Hackergruppierung NoName057 zu Cyberangriffen auf isländische Institutionen bekannt. Schon zuvor war vor solchen Angriffen im Zusamenhang mit dem heute und morgen stattfindenden Europagipfel in Reykjavík gewarnt worden.

Auch die Webseite des Obersten Gerichtshofs liegt derzeit nieder, bislang konnte jedoch nicht bestätigt werden, ob die beiden Fälle zusammenhängen. Am Morgen hatte die Polizei angegeben, dass sich Cyberangriffe gegen isländische Internetseiten richten könnten. Auch die Webseite der isländischen Ministerien und des Berufungsgerichtshofes hatten am Morgen Zugangsprobleme erlebt.
“Ich kann bestätigen, dass es Angriffe auf einige Webseiten gibt,” sagte der stellvertretende Polizeihauptkommissar Rúnólfur Þórhallsson Vísir gegenüber. Die Zahl der Angriffe sei in den letzten Tagen vor dem Europagipfel weiter gestiegen. “Unser Internetsicherheitsteam CERT-IS leitet unsere Abwehr. Sie stehen in gutem Kontakt zu Cybersicherheitsexperten in allen Institutionen und Unternehmen. Es gibt also eine breite Abwehr, die aktiviert wird, wenn soetwas passiert.”

Mangelnde Cybersicherheit stellt Risiko für Infrastrukturen dar

Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir Icelandic minister

Island liegt bei Wissen und Ausbildung rund um die Internetsicherheit nur unter ferner liefen, was das Risiko für Cyberattacken erhöht, berichtet RÚV. Die Ministerin für Universitäten, Innovation und Industrie, Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir kündigte für das kommende Jahr ein neues Hochschulprogramm an, welches sich ganz auf die Cybersicherheit konsentrieren soll. Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 verzeichnet Island sechsmal mehr Angriffe auf die Netzwerke isländischer Institutionen.

“Im Vergleich zu anderen Ländern liegen wir im Bereich Cybersicherheit ziemlich weit hinten und gehören zu Ländern, mit denen wir uns eigentlich nicht vergleichen möchten,” sagte Áslaug Arna. Der Sicherheitsmangel könnte Islands Infrastruktur zum Ziel für Cyberangriffe machen – darunter auch den Energiesektor oder das Gesundheitssystem.
Vor zwei Wochen hatte das Parlament Nachbesserungen zur nationalen Sicherheitsgesetzgebung verabschiedet. Ausser militärischen und Cyberbedrohungen deckt die neue Gesetzgebung auch gesellschaftliche Bedrohungen wie finanzielle Sicherheit, Epidemien, Klimawandel und Naturkatastrophen ab.