Neue Parkgebühr an der Jökulsárlón könnte 40 Mio. ISK bringen

jökulsárlón parking fee

Die Parkaufsicht des Vatnajökull Nationalpark hat für diesen Sommer an der Gletscherlagune Jökulsárlón eine Parkgebühr angekündigt. Entsprechende Bezahleinrichtungen sollen demnächst aufgestellt werden, ab Juni werden dann pro Fahrzeug 1000 Kronen (6,70 EUR) für den Besuch der Lagune fällig.
Die Einnahmen durch die Eintrittsgelder schätzt man auf 40 Mio Kronen (266.000 EUR).

Im April werden Kameras aufgestellt und zwei Monate lang getestet, bevor sie dann ab Juni in Betrieb gehen. Wer auch den Nationalpark in Skaftafell besucht, erhält einen Rabatt von 50% auf seine Parkgebühr. Der Rabatt gilt nicht für Campinggebühren.
Die Parkgebühr an der Gletscherlagune war schon länger im Gespräch gewesen. Erste Vorschläge hatte es im Jahr 2017 gegeben, als der isländische Staat das Land rund um die beliebte Lagune erwarb. RÚV zufolge besucht jährlich fast eine Million Touristen den See unterhalb des Gletschers Breiðamerkurjökull, eine derart hohe Besucherzahl treibt die Instandhaltungskosten für das Gebiet mit all seinen Parkplätzen und Gebäuden in die Höhe.

Auch wenn dem isländischen Gesetz zufolge sämtliches unbestellte Land für die Öffentlichkeit zugänglich ist, äussern doch immer mehr ausländische Besucher ihre Besorgnis darüber, ob die Tourismusindustrie eigentlich nachhaltig sein kann. Das Jedermannsrecht deckt keine Serviceleistungen wie Parkplätze oder Toilettenanlagen ab.

Eishöhlenbesuch beliebter denn je

Tourists in the Sapphire Ice Cave.

Besichtigungsfahrten in Eishöhlen sind bei Touristen ausgesprochen beliebt. Die Gletscher des Landes schmelzen hingegen so schnell, dass man jedes Jahr neue Eishöhlen finden muss. Gleichzeitig stellt es eine Herausforderung dar, nicht zuviele Leute auf einmal in so eine Höhle zu bringen, berichtet RÚV.
Vier der schweren Fahrzeuge seien an diesem Morgen losgefahren, sagt Geländetaxifahrer Reynir Arnarson, und nach Mittag drei weitere. Weil das Wetter so gut sei, kämen auch Leute, die nicht vorher gebucht hätten.
Auf dem Breiðamerkurjökull angekommen, stattet Bergführer Axel Cordes seine Gäste mit den notwendigen Schuhspikes und Helmen aus, bevor es eine Rutschbahn hinunter in die Höhle mit Namen Schwarzer Diamant geht.

Die Eishöhlen kann man nur im Winter, von November bis maximal April besichtigen. Sie entstehen wenn Regen und Tauwasser vom Gletscher fliessen. Im Sommer wenn die Gletscher zurückgehen, verschwinden die Höhlen und neue werden entdeckt.

“Die Gletscher schmelzen unglaublich schnell. Manche glauben, dass es in 150 Jahren keine Gletscher mehr in Island geben wird,” meint Axel.
Vor der COVID-Pandemie, im Winter 2018/19 hatten etwa 80.000 Turisten eine Fahrt in eine der Eishöhlen des Breiðamerkurjökulls gebucht. Eine gute Einnahmequelle, die sorgsam behandelt werden will, damit nicht zuviele Leute auf einmal das empfindliche Gebiet betreten. Heute sehen die Zahlen ganz anders aus.
“Wir können hier 300, 350, 400 Leute auf einmal mitnehmen, wenn es ausgebucht ist. Hier sind ja so einige Unternehmen unterwegs. Deshalb versuchen wir das so zu gestalten, dass jedes Unternehmen mit seiner eigenen Abfahrtszeit ist, sodass alle hier Ruhe und Natur geniessen können,” erklärt Bergführer Axel.

Skeiðarárjökull war Gletscher mit dem meisten Eisverlust in 2021

iceland glaciers

In einem Newsletter des Projektes ‘Schmelzende Gletscher‘ ist der Skeiðarárjökull als der am schnellsten abschmelzende Gletscher des Jahres 2021 beschrieben worden. Er hat in den 12 Monaten 400 Meter seiner östlichen Gletscherzunge verloren.
Islands Gletscher sind seit 25 Jahren auf dem Rückzug, ein klarer Hinweis auf Auswirkungen des Klimawandels in Island, heisst es in einem Überblick für das Jahr 2021 zum Zustand der Gletscher, den die Wetterbehörde veröffentlicht hat. Die einzige Ausnahme war das Jahr 2015, als die Gletscher sich im Gleichgewicht befanden und manche sogar ein wenig an Masse gewannen.
Seit 1995 haben Islands Gletscher Schätzungen zufolge acht Prozent ihres Gesamtvolumens eingebüsst.

Der Breiðamerkurjökull, welcher die beliebte Gletscherlagune Jökulsárlón mit Eisbergen füttert, hat ebenfalls an Masse verloren und ist um letzten Jahr um 150 Meter zurückgegangen. Die Lagune vergrössert sich dadurch von Jahr zu Jahr.
Schmelzende Gletscher ist ein Gemeinschaftsprojekt von Wetterbehörde, Nationalpark Vatnajökull, dem Umweltministerium, der Glaziologengruppe vom Geowissenschaftlichen Institut der Universität und dem südisländischen Naturkundemuseum.

Flutwelle am Breiðamerkurjökull durch kalbenden Gletscher

Ein ungewöhnliches Video gelang dem Bergführer Stephen Mantler vom Tourismusunternehmen Háfjall, als am Breiðamerkurjökull der Gletscher kalbte und eine riesige Flutwelle zum Strand hin verursachte.
Die Touristen, die sich am Lagunenrand befanden, nahmen die Füsse in die Hand, als sie sahen, dass das Eis vom Gletscher abbrach, und rannten auf den Hügel.
Linksgrüne Politiker des regionalen Wahlbezirks verlangen, dass auf einen solchen Vorfall mit Sperrungen reagiert werden muss, doch der ortskundige Mantler sagt, solche Riesenflutwellen kämen nicht oft vor.
Im Gespräch mit RÚV gab er an, dass die Touristen alle gut aufgeklärt gewesen seien und wussten, was sie zu tun hatten.

“Nein, sie hatten keine Angst, sie waren eher sehr gespannt.” Alle seien sofort vom Strand weggelaufen, und das Ganze sei ein grosses Abenteuer für sie gewesen.

Von dem Video, welches man hier und hier auf Facebook findet, sind nicht alle so begeistert.

Der linksgrüne Parlamentarier Ari Trausti Guðmundsson vom südlichen Wahlbezirk bezeichnete den kalbenden Eisberg als “sehr ernsten Vorfall. Niemals darf man mit dem Boot in der Nähe von Gletschern fahren, die kalben.” schreibt er auf der Facebookseite der Linksgrünen. Der Vorfall wecke Fragen nach Sperrungen und Sperrzonen, nach Aufsicht und mehr. Man müsse nun reagieren, denn da haben nur wenig gefehlt.
Þorvarður Árnason, der Vorsitzende des Vulkanforschungsinstitutes der Universität Island mit Sitz in Höfn im Hornafjörður sieht als Grund für den Vorfall die Frühjahrsschmelze im Gletscher.
Im Nachrichtenlink findet man ein weiteres Video vom Háfjall, welches aus Drohnensicht aufgenommen wurde.