Tierschutz: Tauziehen um vernachlässigte Lämmer im Borgarfjörður

Die Auseinandersetzung zwischen Tierschützern und einem der Vernachlässigung beschuldigten Schafzüchter im Borgarfjörður ist gestern in einem Eklat geendet. Die Tierschützer hatten Heu über den Zaun geworfen, daraufhin hatte der Schafzüchter den Tierschützern erst den Weg versperrt und sie dann massiv bedroht.  Die herbeigerufene Polizei wies die Tierschützer an, das Heu von der Weide zu beseitigen, da es sich um Privatland handle. Die möglicherweise schlechte Haltung der Tiere spiele dabei keine Rolle.

DÍS wirft MAST Untätigkeit vor
Die Haltungsbedingungen auf dem Hof Höfði im Borgarfjörður beschäftigen inzwischen Tierschützer im ganzen Land. Der isländische Tierschutzbund (DÍS) hatte vor einigen Tagen der zuständigen Veterinäraufsichtsbehörde MAST schriftlich vorgeworfen, das Wohlergehen dieser Tiere nicht zu gewährleisten. Verbandsvorsitzende Linda Karen Gunnarsdóttir war mit einer Journalistin von Vísir vor den Zäunen der Schafweide zusammengetroffen und hatte auf abgemagerte, ungeschorene Auen, verhungernde und verendete Junglämmer und einen Schafskadaver hingewiesen. Keins der Lämmer trage eine vorgeschriebene Ohrmarke, viele seien krank oder mangelernährt.
In seinem Schreiben erklärte der Verband, die schlechten Haltungsbedingungen seien seit Jahrzehnten bekannt und ein offenes Geheimnis. Die Behörde komme ihrer gesetzlichen Aufgabe, das Wohlergehen der Tiere zu sichern, nicht nach. Daher habe der Verband eine Beschwerde an den parlamentarischen Ombudsmann geschickt.
Hier lesen Sie mehr über den Fall.

MAST: Abhilfe wurde geschaffen
MAST antwortete auf das Schreiben, die Behörde habe sich in den vergangenen Monaten in die Tierhaltung des Hofes eingemischt. Ein Inspektor sei dort gewesen und habe allerlei Zustände moniert. Manches sei entsprechend geändert worden. Für die Umsetzung der Forderungen habe es eine Frist gegeben, sowie die Androhung von Zwangsmassnahmen, wenn die Umsetzung nicht „akzeptabel“ war. In der Erklärung von MAST heisst es: „Die Hofbetreiber wurden aufgefordert, sich Hilfe für den Betrieb zu beschaffen, insbesondere während der Lammzeit, was auch durchgeführt wurde, indem die Ablammung überwacht, Lämmer markiert und Medikamente verabreicht wurden. Es wurde Wert darauf gelegt, dass die Schafe innerhalb der Zäunung bleiben, bis die Lämmer gross genug sind. Es wurde sichergestellt, dass den Tieren jederzeit ausreichend sauberes Wasser und Futter zur Verfügung steht.“ Die Behörde bearbeite den Fall und verfolge die Entwicklungen. MAST-Direktorin Hrönn Ólína Jörundsdóttir verwahrte sich gegen Vorwürfe, die Behörde komme ihren Verpflichtungen nicht nach.

Ministerin will Tierschutzgesetz überprüfen
Immerhin haben es die Lämmer aus dem Borgarfjörður bis ins Parlament geschafft: am vergangenen Mittwoch sprach die Fraktionsvorsitzende der Volkspartei, Inga Sæland, bei einer parlamentarischen Fragestunde die Ministerin für Landwirtschaft und Fischerei, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, auf den Fall an und erkundigte sich, was das Ministerium zu unternehmen gedenke.
In einer Tonaufnahme des Parlamentes bezeichnet Bjarkey die Lage als unerträglich. Sie habe gleich bei Amtsantritt eine Arbeitsgruppe einberufen, um das inzwischen 10 Jahre alte Tierschutzgesetz zu prüfen und Lücken im Tierschutz zu finden. Dort bearbeite man zudem Hinweise, die zu dem Fall aus der Öffentlichkeit eingegangen seien. Bjarkey erwähnte auch den Bericht des Rechnungshofes zur mangelhaften Tierschutzkontrolle der Behörde MAST.

Auf erneute Nachfrage von Inga, was denn nun im Fall der Schafe konkret unternommen werde, versprach die Ministerin eine zügige Stärkung der Verwaltung, damit bereits vorhandene behördliche Massnahmen besser greifen als bisher. Sie wolle hier nicht, so Bjarkey, die Verantwortung auf die Allgemeinheit übertragen, aber wenn man an so einem Fall vorbeikomme, sei ein jeder verpflichtet, Tieren oder Menschen zu helfen.

Rätselhaftes Vogelsterben im Westen Islands

In den vergangenen Tagen sind an den Stränden Westislands hunderte von toten Papageitauchern und anderen Seevögeln angespült worden. Woran die Vögel verendet sind, konnte bislang nicht geklärt werden. Der Leiter des südisländischen Naturkundeinstituts meint, für Futtermangel oder Vogelgrippe spreche nicht viel, es müsse einen anderen Grund geben. Er schlägt ein Verkaufsverbot für Papageitaucher vor, um den Bestand zu schützen. Der Vogel sei lebendig wertvoller als tot, berichtet mbl.is.

An den Stränden Löngufjara und im Borgarfjörður wurden die toten Vögel zu hunderten, wenn nicht sogar tausenden angespült. Die Gebiete sind nicht gerade bekannt für diese Vögel, die bevorzugt in Felsen und Klippen brüten. Der Vogelexperte Jóhann Óli Hilmarsson hatte schon in der letzten Woche gemahnt, das Vogelsterben sehr ernst zu nehmen. Von der Umweltbehörde war allerdings zu hören, dass man derzeit keine Notfallmassnahmen in Betracht ziehe. Man müsse erst mal mit den Kollegen sprechen, nach dem Wochenende, und schauen, ob es sich um die Vogelgrippe handle. “Wenn es das nicht ist, und es gibt keine direkten Hinweise darauf, dann liegen da sicher natürliche Ursachen vor, die das Naturkundeinstitut dann untersucht”, hatte Behördenleiterin Sigrún Ágústsdóttir angegeben.

Vogelsterben zur schlechtesten Zeit
Erp­ur Snær Han­sen, der Leiter des Naturbüros Südislands, sagt, die toten Vögel seien überall zu finden, wenn auch bislang hauptsächlich in der Bucht Faxaflói. Es handle sich um erwachsene Vögel, was er eher ungewöhnlich findet. Inwieweit das Vogelsterben Auswirkungen auf den Gesamtbestand habe, hänge davon ab, wieviele Vögel verendeten und wie verbreitet das Phänomen sei. Er hoffe, dass es sich um ein lokales Ereignis handle. “Das trifft für den Papageitaucher zur schlechtesten Zeit ein, weil es ihm schon seit Jahrzehnten nicht gut gegangen ist,” erklärt der Biologe. Auch Alkvögel und eine grosse Zahl an Dreizehenmöwen sind tot aufgefunden worden. Die kürzlich in Seltjarnarnes gefundenen toten Möwen waren nicht an der Vogelgrippe erkrankt. Ein anderer Erreger könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, so Erpur.

Futtermangel durch Wellengang?
“Es gibt auch eine andere Ursache, die nicht unwahrscheinlicher ist, und das ist der Futtermangel. Die Dreizehenmöwe ist nämlich an die Wasseroberfläche gebunden, während der Papageitaucher natürlich taucht und zwar tief, der ist bis auf etwa 20 Meter Tiefe zu finden. Aber bei einem Wellengang, wie dort vorhergesagt war, mit acht und neun Meter hohen Wellen, da kann der Sandaal sich eingraben und tiefer schwimmen, die Vögel erreichen ihn da nicht mehr. Das ist das, was dieses Vogelsterben auslöst, auf englisch heisst das “wreck”. Das haben wir in den Jahren 1990, 91, 92 und 93 im Norden erlebt, tausende von Alkvögeln, die tot an den Strand gespült wurden. Das ist so ein Ereignis, wenn es schweres Unwetter gibt und die tagelang kein Futter finden,” erklärt Erpur. Der Papageitaucher verbrenne viel Energie in kurzer Zeit, sodass er ohne Futter innerhalb weniger Tage verhungere.
Nicht ins Bild passe allerdings, dass der Sturm gar nicht so lange gedauert habe. Und draussen auf dem Atlantik, wo die Vögel die meiste Zeit des Jahres erbringen, herrsche oft schlechtes Wetter, die Vögel seien daher so einiges gewöhnt. Er fühle sich an die Zeit erinnert als Basstölpel im letzten Jahr an merkwürdigen Orten auftauchten, und dann erkrankten.
Dennoch halte er einen Hungertod für wahrscheinlicher als eine Infektionskrankheit, auch wenn das eine seltsame Zeit für Hunger sei, immerhin sei der Tisch für Seevögel im Faxaflói reich gedeckt. Man könne jetzt nur auf Ergebnisse aus den Proben warten.

Jagd auf Papageitaucher nicht nachhaltig
Erpur wundert sich allerdings über die Apathie der Behörden und deren Unlust, an die Strände zu gehen, Proben zu nehmen und herauszufinden, was da im Gange ist. Man rette damit natürlich keinen Vogel, aber es werfe doch Fragen auf, vor allem wenn es sich um möglicherweise infizierte Kadaver handle, und man vielleicht die Bevölkerung warnen müsste.
Er selber befürworte ein Verkaufsverbot für Papageitaucher, um den schrumpfenden Bestand zu schützen. Vielleicht gerade noch denen die Jagd erlauben, die das Recht als Landbesitzer dazu hätten.
“Eine geschäftsmässige Jagd hat bei sowas nichts mehr verloren. Das ist immer noch der grösste Bestand von allen Vogelarten, und er hält es aus, dass man an ihm nagt, obwohl auch das nicht nachhaltig ist. Aber geschäftsmässig jagen, um das Fleisch an Restaurants und food-malls zu verkaufen, das ist ethisch einfach nicht in Ordnung. Die Leute müssen ihre Haltung mal ein bisschen aktualisieren, wie wir mit der Natur umgehen, das ist ja nicht so als ob wir davon leben. Wir leben eigentlich viel eher davon durch den Tourismus, und der Vogel ist lebendig viel mehr wert als tot,” sagt Erpur.

Vor der Jahrtausendwende hatte es in Island noch um die acht Millionen Papageitaucherpaare gegeben, jetzt werde ihre Zahl auf drei Millionen geschätzt. Es sei auch nicht so, dass es um den Bestand besser bestellt sei, jenachdem ob in einem Gebiet gejagt werde oder nicht. Die Jagdzahlen würden den natürlichen Todeszahlen zugerechnet, die bei derzeit sieben Prozent lägen.
“Wir haben 70% des Bestandes verloren, oder wahrscheinlich sogar mehr,” sagt Erpur. “Das ist gruselig, und nicht etwa so als ob es bei denen nicht ohnehin genug Probleme gebe.”

 

Tödlicher Unfall am Wasserfall Glymur

fatal accident Iceland, candle, death

Gestern Morgen ist eine ausländische Besucherin am Wasserfall Glymur ums Leben gekommen, berichtet RÚV. Die Frau in den Dreissigern war in Begleitung ihres Ehemanns dort in der Schlucht oberhalb des Wasserfalls unterwegs gewesen und über die Felskante in die Tiefe gestürzt. Nach Angaben der Polizei sei der Sturz aus grosser Höhe erfolgt und die Frau noch am Unfallort verstorben.

Die Unfallmitteilung ging um halb elf gestern ein, Rettungsmannschaften trafen jedoch nicht vor dem Nachmittag ein. Die Bergungsmassnahmen wurden durch Schnee und Eis erschwert, und es dauerte auch eine gewisse Zeit, bis die Retter in der Schlucht ankamen. Ein Hubschrauber der Küstenwache kam zusätzlich mit drei Rettern an den Unfallort, ein weiterer brachte einen Polizisten.

Glymur ist mit 198 Metern der zweithöchste Wasserfall des Landes. Drei Wanderwege führen zum Wasserfall, alle sind mit grosser Vorsicht zu benutzen, vor allem im Winter, wenn alles gefroren ist. Man kann den Wasserfall von beiden Seiten der Schlucht aus sehen, und beide Wanderwege seien nichts für Leute mit Höhenangst, heisst es auf der Webseite des Wandervereins Borgarfjörður.
Die Polizeidirektion Westisland ermittelt in dem Unfall. In einer Mitteilung drückt sie allen an den Rettungsarbeiten Beteiligten ihren Dank aus.

Borgarbyggð ehrt Tierschützerin für ihr Engagement

Im Rahmen des alljährlichen Umweltpreises der Gemeinde Borgarbyggð ist gestern die Organistin Steinunn Árnadóttir für ihr Engagement für die vernachlässigten Pferde und Rinder von Nýja-Bær II geehrt worden, berichtet Skessuhorn.
Gestellt wird der Preis vom Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss des Borgarbyggð auf Vorschläge aus der Bevölkerung zu vorbildlichen Gartenanlagen, Höfen oder Unternehmen, sowie für gesellschaftliche Verdienste im landwirtschaftlichen Bereich.
Steinunn Árnadóttir hatte sich seit Monaten für die halbverhungerten Tiere auf dem Hof Nýja-Bær II im Borgarfjörður eingesetzt und versucht, die Behörden zum Handeln zu bewegen.

In der Laudatio des Ausschusses hiess es: “Der Tierschutz muss immer oberste Priorität haben, nicht zuletzt in einer großen und starken landwirtschaftlichen Region wie dem Borgarbyggð. Es ist wichtig, dass sich die Menschen um das Wohlergehen der Tiere kümmern und ihre Sache unterstützen, wenn es nötig scheint. Es braucht Mut und Ausdauer, um aufzustehen und auch bei Gegenwind Stellung zu schwierigen Angelegenheiten zu beziehen. Das hat Steinunn wahrlich getan, als es um eine schwierige Tierschutzangelegenheit ging. Mit außergewöhnlichem Eifer hat sie die Dinge mit einem Enthusiasmus verfolgt, der nicht unbemerkt geblieben ist.“

Steinunn zeigte sich dankbar für die Unterstützung der Gemeinde in ihrem Kampf, auch wenn die Rolle der Gemeinden im aktuell gültigen gesetzlichen Rahmen eher klein ausfalle. Es sei jedoch von entscheidender Bedeutung, dass man jetzt Veränderungen in der Reaktion auf mutmassliche Tierschutzdramen sehe. Das Tierschutzgesetz sei ihrer Ansicht nach gut, es müsse nur besser befolgt werden, und da liege es an den zuständigen Institutionen, sich mehr zu engagieren.
Auf ihrer Facebookseite schrieb Steinunn, die Gemeinde habe in der Angelegenheit wie ein Fels hinter ihr gestanden.
Weitere Preise des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses gingen an das Hotel Varmaland, ein Privathaus in Borgarnes und einen Bauernhof in der Region.

 

Borgarfjörður: MAST lässt vernachlässigte Rinder abtransportieren

icelandic cows

Die isländische Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat zusammen mit der Polizei in Westisland etwa 150 halbverhungerte Rinder von einem Hof im Borgarfjörður einfernt, weil dort ein Verdacht auf Vernachlässigung bestand, berichtet Vísir. Anwohner äussern, man hätte viel früher eingreifen müssen. In der vergangenen Woche hatte die Behörde Schafe vom Hof entfernt und Massnahmen wegen der hungernden Rinder angekündigt. Augenzeugen hatten berichtet, dass die Rinder weder Futter noch Wasser bekämen.

Gestern Mittag fuhren nach Aussage von Steinunn Árnadóttir, eine der zahlreichen Anwohner, die seit Monaten erfolglos die Vernachlässigung der Tiere gemeldet hatten, Fahrzeuge von Polizei und MAST, sowie Schlachttransporter auf den Hof. Die Polizei hatte das Gelände zuvor abgesperrt. Im Stall befanden sich um die 150 Rinder, draussen standen 30, die alle abtransportiert wurden.
In den Tagen vor dem Wochenende hatte sich eine Gruppe von etwa 250 Tierschützern zusammengefunden, um auf eigene Faust Heu und Wasser zu den Rindern zu bringen. Die geplante Aktion rief die Behörden auf den Plan, seitens MAST hiess es in einer Mitteilung dazu „Wir bitten alle Beteiligten, MAST und der Polizei Raum und Arbeitsfrieden zu gewähren, da unser aller gemeinsames Ziel das Wohlergehen der Tiere ist.“ Die Polizei riet aus Sicherheitsgründen von einer Anreise ab.

Beschlagnahmung und Fütterung vor dem Abtransport
Nach der Beschlagnahmung am Samstag war ein behördlicher Hofverwalter eingesetzt worden, der sich um die Fütterung der Tiere kümmerte.
Sigurborg Daðadóttir, die leitende Amtstierärztin bei MAST, gab RÚV gegenüber an, die Rinder seien weder halbverhungert noch gequält gewesen, doch habe der Eigentümer Forderungen nach Verbesserungen nicht erfüllt. Daher habe die Behörde entschieden, die Rinder zu beschlagnahmen.
Behördenleiterin Hrönn Ólina Jörundsdóttir sagte dem Fréttablaðið gegenüber, man prüfe, ob einige der Tiere verkauft werden könnten, wenn ihr Zustand es erlaube. Einen Verkauf gesunder Tiere in gute Haltungsbedingungen halte man für moralisch richtig. Sie kündigte nach Abschluss der Aktion eine Erklärung der Behörde an.
Auf dem Hof hatte es an die 30 vernachlässigte Pferde gegeben, 13 von ihnen waren im Oktober gleich nach Beschlagnahmung durch die Behörde geschlachtet worden, der Rest der Pferde war an den Eigentümer zurückgegeben worden. Zehn Pferde befanden sich Anfang des Monats in sehr schlechtem Zustand.
Auch hier hatten sich Tierschützer zusammengefunden, um diese Pferde zu retten. Birta Flókadóttir hatte eine Spendenaktion ins Leben gerufen, mit dem Geld sollten beschlagnahmte Pferde der Behörde abgekauft und unter fachlicher Aufsicht aufgepäppelt werden. Im Tierschutzgesetz ist der Verkauf von beschlagnahmten Tiere als Option erlaubt. Das Angebot war von MAST ignoriert worden. Inzwischen hat die Behörde der Tierschützerin mitgeteilt, sie sehe gesetzlichen Spielraum, beschlagnahmte Tiere zu verkaufen.

Schlachtung ist oft erste Wahl
Anfang November hatte es von Behördenseite gehiessen „Wir sehen das immer so, dass wenn Tiere leiden und die Sache keinen Aufschub duldet, unverzüglich eingegriffen wird.“ In so einem Fall solle man bei der Polizei anrufen, die dann mit der Behörde Kontakt aufnehme.
Auf die Frage, ob es nicht Fragen aufwerfe, wenn sich Tiere bei Beschlagnahmung in so schlechtem Zustand befinden, dass man sie nur noch ins Schlachthaus bringen könne, sagte die leitende Amtstierärztin Sigurborg Daðadóttir, das könne man so nicht verallgemeinern, aber oft sei die Schlachtung die erste Wahl, da viele der von der Behörde betreuten Tiere ohnehin für die Schlachtung bestimmt seien.
In den Abendnachrichten sagte die Bezirkstierärztin Ellen Ruth Ingimundardóttir, gestern seien einige Rinder geschlachtet worden, für die Jungkühe habe man Platz in einem Offenstall gefunden. Die ganze Angelegenheit wird als ausgesprochen “sensibel” bezeichnet, und schwer für alle Beteiligten.

Rechnungshof und Landwirtschaftsministerin verlangen Erklärungen
Nachdem schon im Sommer Kritik am Handeln der Behörde laut geworden war, hatte der isländische Rechnungshof angekündigt, die Abteilung für Tierschutz unter die Lupe zu nehmen. Ergebnisse sollen dem Parlament vorgelegt werden. Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir hatte die Behörde im letzten Monat aufgefordert, sich zum Thema Tierschutzmassnahmen, Informationsfluss und Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit zu äussern.

Rettungsprojekt für Borgarfjörður-Pferde ins Leben gerufen

Im Zusammenhang mit den beschlagnahmten und gleich darauf geschlachteten Pferden im Borgarfjörður hat eine isländische Pferdefrau nun eine Rettungseite ins Internet hochgeladen, um die Wiederholung einer solchen Aktion zu verhindern.
In dem Fall von Tierquälerei, die den Behörden bereits monatelang bekannt gewesen war, hatte die Veterinäraufsichtsbehörde MAST die 30 Pferde am vergangenen Montag zunächst beschlagnahmt, dann sortiert, und 13 der Pferde an Ort und Stelle ins Schlachthaus geschickt, weil nach Angaben der Behörde keine andere Aufbewahrungsmöglichkeit vorhanden gewesen sei. Die restlichen Pferde waren an den Besitzer zurückgegegeben worden. Zehn dieser Pferde befinden sich in schlechtem körperlichen Zustand. Das Angebot der Vorbesitzerin, einige der Pferde zurückzukaufen, wurde ignoriert.

Rettungsprojekt sammelt Geld
Birta Flókadóttir sorgte sich, dass diese zehn Pferde als nächstes geschlachtet werden und rief ein Rettungswerk ins Leben. In einem Radiointerview bei Vísir erklärt sie, dass sie über die Spendenseite nun Geld sammle, um der Veterinäraufsichtsbehörde ein Angebot über (je nach gesammelter Summe) eine Anzahl von Pferden machen zu können, noch bevor diese beschlagnahmt würden. Sobald dieses Gebot vorliege, könne die Behörde nicht mehr behaupten, es gebe keine andere Möglichkeit als die Schlachtung der Tiere. Birta erklärt im Interview, dass ein Zeitraum von 48 Stunden zur Verfügung, währenddessen für beschlagnahmte Tiere eine Aufbewahrungsalternative oder Pflegestelle gesucht werden kann. Das Gebot müsse daher bereits vor diesem Zeitraum stehen.
Für vernachlässigte Kleintiere gebe es über die Tierschutzvereine Pflegestellen, bei Grosstieren werde von den Behörden jedoch immer nur die Schlachtung durchgeführt.

Zorn über Tatenlosigkeit der Behörden
Birta sagt, Pferdeleute in Island seien zornig, dass sie dem Elend tatenlos zuschauen müssten, ohne dass etwas passiere. Man habe immer gedacht, dass die Veterinäraufsichstbehörde für solche Pferde Sorge trage und sich kümmere, weil es ja die behördliche Tierschutzaufsicht gebe. Die Enttäuschung darüber, dass diese Fürsorge gar nicht zur Debatte stehe, sei sehr gross bei den Leuten.

In Birtas Rettungsprojekt kann man einzelne Geldbeiträge oder Futter schenken, einen Monatsbeitrag (30.000 ISK) zahlen und damit quasi eine Patenschaft übernehmen oder ein Pferd in Pflege übernehmen und unter Projektaufsicht versorgen. Birta sagt, die Gesamtkosten pro Pferd, vom Kauf eines der vernachlässigten Pferde (etwas mehr als Schlachtwert) über die fachgerechte Fütterung bis zum kommenden Sommer samt Mineralfutter und Tierarztkosten beliefen sich auf geschätzte 200.000 ISK.
Spendenseite für die Pferde aus dem Borgarfjörður, dort gibt es auch eine IBAN-Nummer für Spender ausserhalb Islands.

E.coli Fund im Borgarfjörður – Wasser soll abgekocht werden

Im Trinkwasser des Wasserversorgers Grábrókarveita ist eine Verschmutzung mit E.coli und anderen Colibakterien festgestellt worden, berichtet RÚV. Das Trinkwassergebiet umfasst die Stadt Borganes, Bifröst, Varmaland, sowie zahlreiche Sommerhäuser und einige Häuser im Borgarfjörður.

Wie RÚV schreibt, ist dies die erste Verschmutzung dort, seit die Trinkwasserrentnahmestelle im Jahr 2007 in Betrieb genommen wurde. In dem Gebiet leben 2500 Menschen, hinzu kommen Touristen in Kurzaufenthalten.

Wassernutzer in diesem Gebiet werden dazu angehalten, ihr Trinkwasser mehrere Minuten lang sprudelnd kochen zu lassen, bevor sie es für den Verzehr nutzen.

Vor allem Kinder, ältere Menschen und solche mit geschwächtem Immunsystem sind durch die Colibakterien gefährdet.

Am kommenden Mittwoch soll ein neues Klärgerät an der Trinkwasserentnahmestelle in Betrieb genommen werden, welches für mehr Sicherheit bei der Trinkwasserqualität sorgen soll. Mindestens so lange muss das Trinkwasser in der Region abgekocht werden.

Seit letzter Woche ist das Trinkwasser täglich kontrolliert worden, hieraus entstand der Verdacht auf die Verseuchung. Die gestrige Wasserprobe bestätigte dann den Verdacht auf die bakterielle Verseuchung.