MAST reicht Blutstutenuntersuchung an die Polizei weiter

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Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat einer Mitteilung auf der Webseite zufolge die Untersuchung von mit versteckter Kamera gefilmten tierquälerischen Vorfällen bei der Blutgewinnung aus Blutstuten an die Polizei übergeben.
Die Behördenleiterin gab RÚV gegenüber an, MAST sei mit der Untersuchung nicht weiter gekommen, weil die Behörde das ungeschnittene Filmmaterial nicht erhalten habe, daher müsse nun die Polizei übernehmen.
Die Misshandlungen von Blutstuten bei der Blutgewinnung, die in einem im November von Schweizer Tierschutzorganisationen veröffentlichten Video zu sehen sind, hatten im In- und Ausland für heftige Reaktionen gesorgt.
Die leitende Tierärztin bei MAST, Sigurborg Daðadóttir, bestätigte, ihre Behörde habe das Video intensiv geprüft und Informationen zu den Aufnahmetagen erhalten. “Da konnten wir wissen, wo das aufgenommen wurden und was für Personen da vor Ort waren. Auch wenn sie in dem Video nicht namentlich genannt wurden,” erklärte Sigurborg.

Einschätzung an Polizei übersandt
Im Rahmen der Untersuchung hat MAST von den ermittelten Personen Erklärungen erbeten, eine Zusammenfassung erstellt und eine Einschätzung an die Polizei übersandt, zu deren Inhalt Sigurborg sich jedoch nicht äussern wollte.
“Das wichtigste Ergebnis ist, dass wir mit der Untersuchung nicht weiterkommen. Wir können diese Angelegenheit nicht abschliessen, weil wir nicht über das ungeschnittene Video verfügen, wir haben das nicht ausgehändigt bekommen. Es ist schwierig, auf geschnittene Videos aufzubauen, weil man mit Schnitt alles mögliche veranstalten kann, wie wir das aus Kinofilmen kennen.”

Auf Nachfrage von RÚV, ob nicht offensichtlich sei, was in den Aufnahmen passiere, antwortete Sigurborg,”Ja, aber es fehlt, wie lange das war, werden da die gleichen Sachen immer wieder gezeigt, es ist so schwierig, das auf einem geschnittenen Video zu erkennen, und das ist von Belang, wenn es um die Schwere des Vergehens geht.”
Auf die Frage, ob es sich nicht trotz allem eher um ein schweres Vergehen handle, was man in dem Video sehe, gab die Tierärztin an, “Wir können das nicht basierend auf diesem geschnittenen Video beurteilen, daher muss für die Schwere des Vergehens das ungeschnittene Video her.”

Die Tierschutzverbände AWF und TSB hatten Anfang Dezember in einem offenen Brief an Behörden und Presse mitgeteilt, man werde das ungeschnittene Material aus Personenschutzgründen nicht an MAST übergeben (die Personen im Video sind unkenntlich gemacht). Sollte jedoch die Staatsanwaltschaft in dem Fall ermitteln, seien AWF und TSB bereit zur Zusammenarbeit.
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Blutstuten: Landwirtschaftsministerin setzt Arbeitsgruppe ein, Ergebnis bis 1. Juni erbeten

Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir hat heute wie angekündigt eine Arbeitsgruppe gegründet, um die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten (“Blutstuten”) zu diskutieren, berichtet Vísir. Die Arbeitsgruppe soll in den kommenden Tagen ihre Tätigkeit aufnehmen und den Blutbetrieb selbst, das gesetzliche Rahmenwerk dazu und die Aufsichtsführung prüfen.
Die Ministerin hatte um Nominierungen für die Besetzung gebeten und sich dabei an die Veterinäraufsichtsbehörde MAST und das Institut für Ethik der Universität Islands gewandt.
Vorsitzende ohne Nominierung ist Iðunn Guðjónsdóttir, eine Expertin beim Ministerium für Beschäftigung und Innovation. Nominiert wurden Sigríður Björndóttir, leitende Fachtierärztin von der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, sowie der Ethikprofessor Ólafur Páll Jónsson von der isländischen Universität. Der Ausschuss hat der Ministerin vor dem 1. Juni Vorschläge zu unterbreiten. Die Deckperiode für im Sommer benutzte Blutstuten beginnt Mitte/Ende Mai.

Arbeitsgruppe und MAST-Untersuchung voneinander getrennt
Die Veterinäraufsichtsbehörde untersucht zur Zeit tierquälerische Vorgänge bei der Blutgewinnung aus tragenden Stuten, die ein mit versteckter Kamera aufgenommenes Video zweier Schweizer Tierschutzorganisationen im November veröffentlicht hatten. Die Kontrollaufsicht über Tierwohl und Tiergesundheit gehört zu den Aufgabenbereichen der Behörde.
Nach Bekanntwerden der Zustände auf den gefilmten Höfen kamen Hintergründe aus der Branche ans Licht, die der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt gewesen waren, wie etwa die entnommene Blutmenge, die in Island weitaus höher liegt als im Ausland zugelassen, wobei eine wissenschaftliche Untermauerung der Menge, sowie Daten über den körperlichen Zustand der tragenden Stuten und Fohlen bislang weder von MAST noch von Ísteka geliefert wurden; die Monopolrolle des blutaufkaufenden Pharmaunternehmens Ísteka auf einem inländischen Blutmarkt, der keiner ist, oder die Tatsache, dass das Fohlenfleisch nach Deutschland als Tierfutter entsorgt wird. Ebenfalls bekannt wurde, dass Ísteka seine Ausbeute von 170 Tonnen Blut auf 600 Tonnen erhöhen will und dafür den Blutstutenbestand von 5400 auf 20.000 Tiere ausbauen müsste. Auch die Zucht einer speziellen “Blutlinie” soll zu dem Zweck betrieben werden. Mit etwa 600 eigenen Blutstuten auf drei Höfen ist Ísteka grösster Pferdebesitzer in Island. Der Löwenanteil des Blutes stammt von Höfen, wo Stuten für diesen Zweck gehalten und benutzt werden. MAST kontrolliert die Pferdehaltung der Blutfarmen über das Jahr, Ísteka führt mit eigenen Tierärzten die Kontrollaufsicht an den jeweiligen Blutgewinnungsterminen.
Über eine Genehmigung zum Ausbau des Blutgeschäfts befindet zur Zeit die isländische Umweltbehörde, ein Ergebnis soll noch vor Ende Januar vorliegen, schreibt das Fréttablaðið.

In der Ankündigung des Ministeriums für Beschäftigung und Innnovation hiess es heute, die behördliche Untersuchung rund um das Video verlaufe getrennt von den Aufgaben der ministeriellen Arbeitsgruppe. Die Untersuchung durch MAST war im Dezember jedoch von der obengenannten in der Arbeitsgruppe sitzenden Pferdefachtierärztin angekündigt und erläutert worden.

Bevölkerung erhält Gelegenheit, sich zu äussern
Die ministerielle Arbeitsgruppe soll sich mit Interessensvertretern treffen, Einzelheiten dazu wurden nicht bekannt. Ausserdem wird die Allgemeinheit Gelegenheit erhalten, sich im Konsultationsweb der Regierung zu Wort zu melden, sobald ein Empfehlungspapier der Arbeitsgruppe vorliegt. Samráðsgátt ist ein demokratisches Werkzeug, welches eine Art Kommunikation zwischen Bevölkerung und Regierung ermöglicht. Sämtliche Empfehlungen, Gesetzesentwürfe und Änderungen werden aufgeführt und jedermann hat die Gelegenheit, seine Meinung zum Thema dort kundzutun, bevor das jeweilige Papier im Parlament bearbeitet wird.  Seit Bekanntwerden des Videos hatte sich bereits eine Vielzahl von Organisationen und Interessensgruppen öffentlich und in den Medien gegen das Blutgeschäft ausgesprochen.
Den tragenden und laktierenden Stuten wird bis zu zehnmal pro Sommer jeweils fünf bis acht Liter Blut abgelassen. In dem Video war zu sehen gewesen, dass den Tieren für das Setzen der bleistiftdicken Entnahmekanüle und den Abfüllprozess der Kopf in einer erhobenen Zwangshaltung fixiert wird. Eine solche Fixierung verbietet das isländische Pferdeschutzgesetz. Die beteiligten Veterinäre hatten nicht eingegriffen.
Aus dem Blut der Islandstuten wird das Hormon PMSG gewinnen, welches im europäischen Ausland in der Schweinezucht Verwendung findet.
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Blutstuten: 66 Prozent der Isländer gegen Blutfarming

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In einer aktuellen Umfrage haben sich 66 Prozent der isländischen Befragten gegen die Blutstutenwirtschaft ausgesprochen, 14 Prozent waren dafür, sie beizubehalten. Nur sechs Prozent der befragten Frauen sind dafür, dass tragenden und laktierenden Stuten bis zu zehnmal im Sommer mindestens fünf Liter abgezapft wird, und 24 Prozent der befragten Männer. Aus dem Blut extrahiert ein isländisches Pharmaunternehmen das Trächtigkeitshormon PMSG, welches in der industriellen Schweinezucht Anwendung findet.

Politiker bringen Bewegung in die Blutstutensache
In die Angelegenheit um die Blutstutenwirtschaft in Island war in der vergangenen Woche Bewegung gekommen, nachdem es der Volksparteivorsitzenden Inga Sæland im zweiten Anlauf gelungen war, einen Gesetzentwurf zum Verbot des Gewerbes bis in den parlamentarischen Ausschuss zu bringen. In der Folge hatte dann die neue Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir eine Arbeitsgruppe zum Thema gebildet, die nicht nur die tierschutzwidrigen Vorfälle prüfen wird, sondern auch die volkswirtschaftliche und soziale Bedeutung der Blutindustrie unter die Lupe nehmen will.
Bei einer Petition gegen den umstrittenen Agrarzweig haben inzwischen mehr als 4000 Personen unterschrieben.

Auslöser der Entwicklung war das Video einer Schweizer Tierschutzorganisation gewesen, in dem tierquälerische Praktiken bei der Blutgewinnung zu sehen sind. Das Blutstutengewerbe existiert in Island seit 40 Jahren, doch bislang waren Informationen unter Verschluss gehalten worden. Pressebeiträge hatte es ausschliesslich aus der Feder des blutaufkaufenden Pharmaunternehmens gegeben.

Noch vor einigen Monaten undenkbar, ist nun auch die Bevölkerung zu ihrer Haltung zum Thema Blutstuten in Island befragt worden, berichtet das Fréttablaðið. Demnach sprachen sich 15 Prozent der Befragten dafür aus, dass die Blutstutenwirtschaft in Island erlaubt ist, 66 Prozent waren dagegen. Frauen sprechen sich weitaus häufiger gegen den Agrarzweig aus als Männer, nur sechs Prozent sind dafür, bei den Männern immerhin 24 Prozent. Die Wähler politischer Parteien sind zum grössten Teil gegen das Geschäft, mit Ausnahme der Unabhängigkeitspartei, wo 28 Prozent die Blutgewinnung fortsetzen wollen. Bei den Altersgruppen ist augenfällig, dass vor allem junge Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren sich für eine Beibehaltung des lukrativen Wirtschaftszweigs aussprechen (23 Prozent), in der Gruppe der 65-Jährigen und älteren sind dies nur 11 Prozent.
In Islands Hauptstadt (ca. 240.000 Einwohner) sprechen sich 70 Prozent gegen das Blutstutengeschäft aus, auf dem Land (ca. 130.000 Einwohner) sind um die 60 Prozent dagegen.
Die Umfrage war zwischen dem 1. und dem 10. Dezember durchgeführt worden, befragt wurden 2300 Personen ab 18 Jahren. Antworten waren von 1134 Personen (49,3 Prozent) eingegangen.

Schwerstes Tierschutzvergehen
Gestern hatte der Anwalt und Tierschutzexperte Árni Stefán Árnason in einem Interview bei Vísir die Blutstutenhaltung als eins der schwersten Tierschutzvergehen in der isländischen Geschichte bezeichnet. Er hoffe inständig, dass die Staatsanwaltschaft sich der Angelegenheit annehme, denn das Tierschutzgesetz aus dem Jahr 2014 biete den gesetzlichen Rahmen für eine Strafverfolgung.
Er äusserte sich ausgesprochen unzufrieden über die Art und Weise, wie die Veterinäraufsichtsbehörde ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen ist und forderte die Landwirtschaftsministerin auf, die Tierschutzkontrolle grundsätzlich aus den Händen der Behörde zu nehmen und an einen privaten Träger zu vergeben, bei dem keine Gefahr eines Interessenskonfliktes in Verbindung mit der Nutztierhaltung in Island bestehe.
Nach Veröffentlichung des Videos war bekannt geworden, dass die Veterinäraufsichtsbehörde MAST die Blutfarmen über das Jahr hin kontrolliert, die Blutgewinnung selber wird jedoch von Tierschutzbeauftragten der Ísteka überwacht. Dem Fréttablaðið gegenüber gab die Unternehmensleitung von Ísteka ehf. zu, dass man die Kontrolle der Blutfarmen ausgebaut habe. Jetzt besuche der Tierschutzbeauftragte des Unternehmes, Dr. Eggert Gunnarsson, die Höfe mindestens einmal im Jahr. Zuvor sei dies alle zwei Jahre geschehen. Man sei sich der Tatsache bewusst, dass man mehr Kontrolleure einstellen müsse.
Im Video der Tierschutzorgansation war nicht zu erkennen gewesen, dass die anwesenden Tierärzte, die die mit Gewalt an Fixierstände gefesselten Stuten zur Ader liessen, gegen Tierquälereien vorgegangen sind.
MAST hatte immer wieder erklärt, über genügend Personal und ausreichend finanzielle Mittel für die Aufsichtsführung im Blutstutenbetrieb zu verfügen.

Ísteka züchtet selbst Blutstuten
Wie bei Vísir heute zu lesen war, betreibt das Pharmaunternehmen Ísketa ehf. selbst drei Höfe, auf denen tragenden Stuten Blut abgezapft wird. In diesem Jahr sind dort 283 Stuten zur Ader gelassen worden. Diese Information hatte MAST auf Anfrage herausgegeben. Es kann Vísir zufolge davon ausgegangen werden, dass das Unternehmen noch weitaus mehr Stuten besitzt, darunter Stutfohlen und Jungstuten, die später für das Blutgeschäft benutzt werden sollen. Die Abstammungsdatenbank Worldfengur etwa weist 81 Stutfohlen im Bezirk Austur-Húnavatnssýsla im Besitz der Ísteka für das Jahr 2020 auf, im Jahr 2019 waren es 104 Stutfohlen. Zusätzlich unterhält die Ísteka Verträge mit Pferdezüchtern zur Blutgewinnung und benutzt auf diese Weise insgesamt 5385 tragende Stuten in Island.

Blutverlust kein Problem für isländische Stuten
Vísir hatte von MAST auf Grundlage des Gesetzes zur Aufklärungspflicht detaillierte Informationen über Untersuchungen zu Blutwerten und körperlichem Wohl der Stuten nach der Blutgewinnung verlangt. Solche Daten, die beweisen würden, dass die Stuten durch den Blutverlust nicht geschwächt werden, konnten bislang weder von der Behörde noch von Ísteka vorgelegt werden. In der Antwort der Behörde hiess es wortwörtlich: “Bei der regelmässigen Kontrolle der Veterinäraufsichtsbehörde werden die Stuten direkt nach der Blutgewinnung angeschaut, und bei diesen Kontrollen hat es keine Hinweise auf unnormales Verhalten oder Unwohlsein der Stuten nach der Blutgewinnung gegeben.” Weiter heisst es in der Antwort, eine der Voraussetzungen für den Blutbetrieb der Ísteka sei es, dass das Blut der Blutstuten jedes zweite Jahr untersucht werde. Die Ergebnisse hätten mit der Zeit eine breite Datengrundlage geschaffen. MAST zufolge liege der Rückgang der roten Blutkörperchen nach den ersten zwei Blutgewinnungen bei 18 Prozent, danach bleibe er für den Rest der Blutsaison gleich und pendle sich zwei Wochen nach Saisonende auf den Ursprungswert ein. Die Stuten schienen also zwei Wochen zu benötigen, um auf den Blutverlust zu reagieren. Der niedrigste Wert liege dabei immer noch innerhalb der für das isländische Reitpferd geltenden Toleranzzone.
Vísir schreibt, diese Informationen seien nicht nachprüfbar, da es keine Dateneinsicht gebe.

Blutgewinnungskanüle, Screenshot

Internationalen Empfehlungen zur Blutgewinnung bei Tierversuchen zufolge kann einem gesunden Pferd bei gutem Futter einmalig 10 Prozent des Gesamtblutvolumens entnommen und die Blutentnahme dann nach drei bis vier Wochen wiederholt werden. Bei häufigeren Aderlässen gelten 15 Prozent des Gesamtblutvolumens mit einer Pause von 28 Tagen als vertretbar.
Schweizer Tierschutzregeln zufolge dürfte einer 300 Kilo schweren Stute nur 2,5 Liter Blut abgenommen werden, mit einer Pause von zwei Wochen dazwischen.
Der systematische Aderlass bei tragenden und laktierenden Stuten ist in der Schweiz und in Deutschland nicht erlaubt.

Nach Berechnungen von AWF/TSB würde eine Befolgung internationaler Standards bei der Blutgewinnung in Island zu einem Ertragsrückgang von bis zu 75 Prozent führen. Ísteka hatte bereits zuvor den Ausbau des Geschäfts angekündigt und eine Vergrösserung des Blutstutenbestandes auf 20.000 Stuten (von bisher 5400) in Aussicht gestellt, sowie im Gespräch mit AWF/TSB auch die Begründung einer eigenen Blutzuchtlinie angedeutet, um den angestrebten Ertrag von 600 Tonnen Blut aus tragenden Stuten decken zu können.
Eine Genehmigung für dieses Vorhaben durch die Umweltbehörde steht noch aus. Bis zum 22. Dezember können Einwände an die Umweltbehörde geschickt werden.

 

Blutstuten: Antrag auf Verbot im Ausschuss, Landwirtschaftsministerin gründet Arbeitsgruppe

Gestern haben es zwei Gesetzesentwürfe aus der Opposition durch das Parlament geschafft und sind nun in die zuständigen Ausschüsse verwiesen worden. Beim einen handelte es sich um eine Vorlage der Sozialdemokratischen Politikerin Oddný Harðardóttir zur Regulierung des isländischen Fischfangs, der andere Gesetzesentwurf zum Tierschutz stammte von drei Parlamentariern der Volkspartei und zwei Linksgrünen, er betrifft ein endgültiges Verbot der Blutstutenwirtschaft in Island.

Wie die Fraktionsvorsitzende der Volkspartei, Inga Sæland, Vísir gegenüber angab, komme es eher selten vor, dass ein Vorschlag der Opposition in die parlamentarische Debatte mit anschliessender Abstimmung gelange, doch anders als im März, als der erste Versuch schon im Vorfeld abgeschmettert wurde, seien sich isländische Öffentlichkeit und auch das Ausland diesmal der Angelegenheit sehr bewusst. Nun sei es die isländische Gemeinschaft, die sich darum kümmere, genau diese Angelegenheit durchzubekommen.

In den Abendnachrichten hatte Inga kritisiert, das Blutstutengeschäft arbeite diametral gegen die Bemühungen der Íslandsstofa, welche Unsummen für die Bewerbung des Islandpferdes als Familientier ausgegeben habe. “Gelinde gesagt ist das grauenvoll für unseren Ruf. Über sechs Jahre hinweg haben wir riesige Gelder ausgegeben, um das Islandpferd zu bewerben und in den letzten drei Jahren brachte das Erfolg, und wir haben Rekorde geschlagen beim Export des Islandpferdes, unseres notwendigen Gefährtens, der auf der ganzen Welt geliebt wird. Wir schwärzen damit unser eigenes Ansehen.” Sie rechne damit, dass Lobbygruppen gegen die Vorlage aktiv würden, wolle in der Sache aber keinesfalls nachlassen.

Landwirtschaftsministerin gründet Arbeitsgruppe zum Thema Blutstuten
Am Abend wurde bekannt, dass Islands neue Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir eine Arbeitsgruppe zum Thema Blutstuten gegründet hat. Die Gruppe soll, so heisst es auf der Webseite der Regierung, die Arbeitsweise der Branche prüfen, sowie Regelwerk und Kontrollmechanismen, ausserdem Gesetzgebung und eine mögliche Durchführung der Blutentnahme im Ausland. Am Tisch der Arbeitsgruppe sitzen Ministeriale, dazu Mitarbeiter der Veterinäraufsichtsbehörde und des Ethikinstitutes der Universität. Man will mit Interessensvertretern zusammentreffen, aber auch die Öffentlichkeit wird Gelegenheit bekommen, sich auf der Seite für Einwände aus der Bevölkerung (samráðsgátt) zum Thema zu äussern.
Die Arbeitsgruppe ist unabhängig von MAST und den behördlichen Untersuchungen der Tierquälerei tätig.

Ísteka kündigt Verträge mit Blutfarmen
Währenddessen hatte der Blutaufkäufer Ísteka ehf. gestern eine Erklärung veröffentlicht, nach der das Unternehmen die Lieferverträge mit mehreren Blutfarmen gekündigt habe. Dabei geht es um die Höfe, die von der Schweizer Tierschutzorganisation AWF/TSB mit versteckter Kamera besucht worden waren. Im Video ist zu sehen, wie Stuten in die Fixierstände geprügelt wurden, wie sie mit überstrecktem Kopf an Pfosten gefesselt und mit einem Rückengurt am Steigen gehindert wurden. Die anwesenden Veterinäre hatten nicht eingegriffen.
Die Stuten werden im Frühjahr gedeckt und im Sommer ihrer Trächtigkeit einmal pro Woche und bis zu zehnmal insgesamt zur Ader gelassen. Jeweils fünf Liter, in manchen Fällen auch mehr, werden der Stute abgezapft. Aus dem Blut extrahiert Ísteka das Gonadotropin PMSG, welches in Europa zu Präparaten für die Brunststimulation bei Schweinen und anderen  Nutztieren verarbeitet wird. Die Fohlen aus den Blutstuten gehen in die Schlachtung. Ísteka ehf. ist das einzige Unternehmen in Island, welches an dem Blut der Stuten verdient.

In Folge der Ereignisse war vor allem Kritik an der Veterinäraufsichtsbehörde MAST laut geworden, die die Blutfarmen über das Jahr verteilt kontrolliert.
Am Blutgewinnungstag selber übernimmt jedoch Ísteka die Überwachung.

Im Schreiben des Unternehmens wurde die “untragbare Behandlung von Pferden bei Kooperationsbauern des Pharmaunternehmens Ísteka” kritisiert. “Diese Behandlung ist ganz klar eine Verletzung des Tierschutzabkommens zwischen dem Unternehmen und dem betreffenden Bauern. Die Verträge sind daher aufgehoben worden.” Nicht klar ist, wieviele Höfe von der Kündigung betroffen sind. Insgesamt gibt es in Island 119 Blutfarmen mit fast 5400 Stuten. Die Veterinäraufsichtsbehörde, die die Tierquälervorfälle zur Zeit untersucht, hatte schon vor einigen Tagen davor gewarnt, übereilte Entscheidungen könnten das Leben der Stuten in Gefahr bringen.
Ísteka will nun die Überwachung der Blutgewinnungen ausbauen. Dazu gehören nach Angaben des Unternehmens Wissensvermittlung und Ausbildung der beteiligten Landwirte, die Anstellung von weiteren Inspektoren, die während aller Blutgewinnungen die ganze Zeit vor Ort sein müssten, und eine Kameraüberwachung sämtlicher Stationen.

600 Tonnen Blut genehmigt, Einwände bis 22.12. möglich
Unlängst hatte die isländische Umweltagentur dem Blutaufkäufer Ísteka ehf. die Genehmigung zur Gewinnung von 600 Tonnen Stutenblut (bisher 170 Tonnen) in Aussicht gestellt. Das Verfahren läuft, bis zum 22. Dezember können Interessierte Einwände an die Behörde einsenden. Die in Aussicht gestellte Betriebsgenehmigung soll dann bis zum Jahr 2038 gelten.
Wie RÚV schrieb, ist die genaue Bestandszahl in Island nicht bekannt, sie liegt wohl zwischen 60.000 und 70.000 Pferden. Die Zahl der Blutstuten müssen sich stark erhöhen, damit Ísteka die angestrebten 600 Tonnen herausholen könne.

 

Blutstuten: Ermittlungen der Vet-Behörde laufen, neues “Zuchtziel” offenbart

Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST ist zur Zeit damit beschäftigt, Hinweise zu den Zuständen auf isländischen Blutfarmen zu untersuchen, die Schweizer Tierschutzorganisationen in einem Video offengelegt hatten, berichtet Vísir.
In dem mit versteckter Kamera aufgenommenen Video ist zu sehen, wie die zumeist halbwild lebenden Stuten mit Gewalt und Prügel in enge Treibegänge und Fixierstände verbracht wurden, wie sie zwangsweise mit überstrecktem Kopf am Pfosten festgebunden und mit einem Gurt über dem Rücken am Steigen gehindert wurden. Das anwesende medizinische Fachpersonal war gegen die Tierquälerei nicht vorgegangen.
In Island werden rund 5400 Stuten auf 119 Höfen während der Trächtigkeit mit fünf Litern Blut pro Sommerwoche zur Ader gelassen. Aus dem Blutertrag extrahiert ein Pharmaunternehmen das Hormon PSMG, welches als Fruchtbarkeitsbooster in der europäischen Schweinezucht eingesetzt wird. Video und Enthüllungen hatten in Island für einen Sturm der Entrüstung gesorgt.

Übereilte Entscheidung kann mit Schlachtung der Stuten enden
Die Veterinäraufsichtsbehörde hatte versichert, die Hinweise auf Tierquälerei sehr ernst zu nehmen. Es sei wichtig, eine allumfassende Debatte über das Thema zu führen und keine übereilten Entscheidungen zu fällen, denn die könnten das Wohl von bis zu 5000 Blutstuten gefährden. Unter anderem bestehe die Gefahr, dass ein Grossteil der Stuten im letzten Trächtigkeitsdrittel der Schlachtung zugeführt würden.
Zur Zeit prüfe man die Betriebsbedingungen, die für die Blutwirtschaft gelten, sowie die generelle Inspektion des Gewerbes. Über das Jahr verteilt liegt die Kontrolle der Blutfarmen in den Händen der Behörde, die Aufsicht am Blutgewinnungstag selbst wird durch das blutaufkaufende Unternehmen Ísteka ehf durchgeführt. MAST sieht es als gegeben an, dass die Blutgewinnung dem Tierschutzgesetz nicht zuwiderläuft.
In einer Mitteilung dankte MAST den Tierschutzorganisationen AWF und TSB für die Unterstützung bei der Untersuchung. Die laufenden Ermittlungen gälten nicht zuletzt den systematischen Schwachstellen der Blutwirtschaft, welche sich auf das Wohl der Stuten auswirkten.
Auch der offene Brief, den die Organisationen übermittelt hätten, werde berücksichtigt.

Offener Brief enthüllt neues “Zuchtziel” des Pharmaunternehmens
In dem Brief, der Icelandreview vorliegt, bekräftigt der TSB unter anderem, dass es sich bei den Videoaufnahmen keineswegs um Einzelfälle handle und wirft der Ísteka ein systematisches Versagen der Aufsichtspflicht vor.
Weiter heisst es in dem Brief, das Unternehmen habe in einem persönlichen Gespräch mit AWF und TSB angegeben, man plane, die Nutzung der Blutstuten zu optimieren. Demnach “beabsichtige das Unternehmen, Islandpferde zu züchten, die während der Trächtigkeit einen höheren PSMG-Gehalt in ihrem Blut aufweisen. Das Pharmaunternehmen verfolge eine Strategie, mit der genetisch eine “Blutlinie” selektiert werden soll, um eine höhere Blutausbeute zu ereichen, mit der gleichen Anzahl an Tieren.”
AWF/TSB kritisieren, dass das Islandpferd damit genetisch den wirtschaftlichen Interessen eines einzelnen Unternehmens angepasst werden soll. Dies laufe den isländischen Bemühungen zuwider, die reine Zuchtlinie des Islandpferdes zu erhalten.
Icelandreview hat die FEIF in Bezug auf dieses neue “Zuchtziel” um eine Stellungnahme gebeten.

Wilde Pferde und unprofessionelles Handling
Die Tierschutzorganisationen beklagen weiter ein Versagen der Kontrollmechanismen seitens der Veterinäraufsichtsbehörde, weil Defizite auf allen besuchten Höfen bestanden hätten. Bei 119 Höfen und mehr als 5300 Stuten sei MAST mit Inspektion und Verbesserungen überfordert. Der Vorschlag des Unternehmens, die Blutgewinnung unter Kameraüberwachung durchzuführen, sei unrealistisch, weil man kaum bis zu 3600 Stunden Videoaufnahmen pro Blutsaison überprüfen könne.
Den Vertretern der Ísteka werfen die Tierschützer vor, sich der Tierschutzproblematiken überhaupt nicht bewusst zu sein, wie etwa unprofessionelles Pferdehandling, Sicherheitsdefizite in den Fanganlagen, aber auch Stress und Panik der Pferde.
Ísteka bestätige, dass die meisten der Blutstuten wild oder halbwild lebten und kaum Menschenkontakt hätten. TSB sieht genau darin ein systematisches Problem, denn wilden Pferden könne man kein Blut entnehmen, ohne Gewalt anzuwenden oder die Tiere zu stressen. Es sei auch unrealistisch, 5000 Pferde für die Blutgewinnung zu trainieren. Die Organisation weist auf das Vorhandensein von synthetischen PSMG-Alternativen und zootechnologischen Massnahmen hin, die Stutenblut ersetzen können.

Ausbau der Blutgewinnung übersteigt Kontrollkapazität
Des weiteren kritisiert der Tierschutzbund, dass die von MAST genehmigte Blutmenge von fünf Litern pro Woche und Stute die international empfohlene Menge bei weitem übersteige und Studienergebnissen widerspreche.
Auf allen der 40 besuchten Blutfarmen habe es Verstösse gegen den Tierschutz und unzureichende oder gefährliche Fangeinrichtungen gegeben.
Der den Behörden zur Prüfung vorliegende Plan der Ísteka, die aktuell 170.000 Liter Stutenblut auf 600.000 Liter pro Jahr zu erhöhen, bringe ausschliesslich dem Pharmaunternehmen einen Profit. Dabei sei heute schon klar, dass eine Aufsicht über die Blutgewinnung nicht durchführbar ist. Die Genehmigung zur Ertragserweiterung auf 600.000 Liter pro Jahr würde jede Kontrollkapazität übersteigen.
TSB betont, dass man keine Individuen angreife, sondern gegen das System als solches vorgehen wolle, mit dem Ziel, die Blutgewinnung zu verbieten. Man sei zu Gesprächen bereit, aber auch zur Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, falls es zu einem Verfahren komme.

Neuer Antrag im Parlament
Am 1. Dezember hatten mehrere Parlamentarier aus Volkspartei und Linksgrüner Bewegung zum zweiten Mal einen Gesetzesantrag im Parlament vorgelegt, mit dem die Blutgewinnung aus tragenden Stuten verboten werden soll. Der erste Versuch im vergangenen März war im Vorfeld durch Lobbygruppen zu Fall gebracht worden.

Blutstuten: Debatte um Verbot, Massnahmenkatalog und Learned Helplessness Thematik

Bei einer Podiumsdiskussion auf Stöð2 ging es am Abend einmal mehr um den Blutstutenskandal. Unter anderem erneuerte die Vorsitzende des Tierärzteverbandes, Bára Eyfjörð Heimsdóttir, ihre Bedenken, ob der landwirtschaftliche Zweig der Blutgewinnung nicht zu stark gewachsen sei, weil man der Aufsichtspflicht offensichtlich nicht in allen Fällen mehr gerecht werde. Dennoch stehe ihr Verband hinter dem landwirtschaftlichen Zweig, weil man der Ansicht sei, dass die Blutgewinnung pferdefreundlich durchgeführt werden könne.

Auch der Vorsitzende des Pferdezuchtverbandes, Sveinn Steinarsson, bekräftigte, die Blutgewinnung sei machbar und für seinen Verband auch ethisch vertretbar. Das Vertrauen in das Unternehmen Ísteka hingegen, welches die Blutgewinnung vornimmt und unter Pferdehaltern regelmässig Stuten für die Nutzung sucht, sei gebrochen.
Die Vorsitzende des Trainerverbandes FT, Súsanna Sand Ólafsdóttir, erklärte unter anderem, ihr Verband habe die Mitglieder nach ihrer Haltung zum Blutgeschäft befragt. Bei der Umfrage hätten sich 98 Prozent der Befragten für ein Verbot des Blutfarmings ausgesprochen.
Alle drei waren sich einig, dass man nicht MAST alleine den Verwurf der Tatenlosigkeit machen dürfe, auch die Betreiber der Blutfarmen müssten Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Pferde schultern.

Ísteka kündigt Massnahmenkatalog an
Arnór Guðlaugsson, der Geschäftsleiter des Biotechnologieunternehmens Ísteka ehf, welches das Stutenblut zur Hormonextrahierung aufkauft und im letzten Jahr einen Exportumsatz von 2 Mrd ISK erwirtschaftete, blieb der Podiumsdiskussion trotz Einladung fern. Er übersandte jedoch ein Schreiben, in welchem er einen Massnahmenkatalog ankündigte. Demnach sei geplant, ein Auswahlverfahren für in Frage kommende Blutstuten zu schaffen, das Design der Fixierstände zu überarbeiten, menschliches Verhalten zu überprüfen, und mehr Aufklärung zu betreiben, ausserdem wolle man Sicherheitsbeauftragte für den Tierschutz einstellen und Überwachungskameras aufhängen.

Learned helplessness der Blutstuten
Die Tierärztin Ingunn Reynisdóttir, Tochter des verstorbenen Pferdetrainers Reynir Aðalsteinsson, veröffentlichte am Abend auf ihrer Facebookseite folgenden Text zum Thema:
“Im Interesse des Pferdes
Blutstute, ist das irgendeine andere Pferderasse, gelten da andere Regeln für diese Stuten als für andere Pferde? Nein, kein Gesetz und kein Regelwerk gelten besonders für die Blutstuten oder die Blutgewinnung. Ich gehe daher einfach mal davon aus, dass die Blutstute ein Pferd wie alle anderen Pferde ist, und unter das gleiche Gesetz und Regelwerk zu Tierwohl und Haltung fällt wie die anderen.
Im Tierschutzgesetz 2013 nr.55 8. April steht explizit zu lesen, Ziel dieser Gesetzgebung sei es, das Wohl der Tiere zu fördern, was bedeutet, dass sie kein Unwohlsein, Hunger oder Durst, Angst und Leiden, Schmerzen, Verletzung und Krankheit erleiden sollen, weil Tiere Lebewesen mit Empfindungen sind. Des weiteren sollen die Tiere ihr natürliches Verhalten ausleben dürfen.
Im Gesetz zum Tierschutz für Pferde 910/2014 steht zu lesen, Zweck der Gesetzgebung sei die Sicherstellung von Wohlbefinden und Gesundheit durch gute Behandlung, Versorgung und bauliche Anlagen. Es ist sicherzustellen, dass Pferde so weit wie möglich ihrem natürlichen Verhalten entsprechend leben können. Art. 9 des Gesetzes verbietet, ein Pferd mit starren Ausrüstungsgegenständen in eine bestimmte Kopfhaltung zu zwingen, oder Pferde durch Anbinden oder andere Zwangsmassnahmen zur Aufgabe zu bringen.

Ich behaupte hier, dass die Blutgewinnung aus Stuten in den meisten Fällen eine Verletzung dieses Regelwerkes ist. Warum? Ja was passiert, wenn die Stute in die enge Fixierbox getrieben wird, wo sie weder zurück noch zur Seite gehen kann. Ihr wird ein Halfter übergestreift und der Kopf wird hochgezogen, und in vielen Fällen wird ein Streckgurt über ihren Rücken gespannt, sodass sie unter keinen Umständen der Situation entkommen kann, in die sie gebracht wurde. Was passiert in einem Pferd, welches in eine solche Lage gebracht wird? Oft versucht es zu kämpfen, oder es legt sich ab. Aber wenn sie herausfinden, dass, ganz gleich was sie tun, sie dem Stress nicht entkommen, dann geben sie auf.

Die Pferde können in den Zustand der Learned Helplessness fallen, welcher als mentaler Zustand definiert wird, wo ein Tier/Person lernt, dass es keine Kontrolle über eine unangenehme oder schädigende Situationen hat, jede ihrer Reaktionen läuft ins Leere und sie sind hilflos. Dies kann dauerhafte biologische Konsequenzen nach sich ziehen, die weiter und tiefer gehen als der blosse Umstand, dass sie einem Stress oder Schmerz nicht entkommen können.
Wenn Pferde einem Schmerz oder Stress nicht entkommen können, besteht ihre Lösung darin, sich ruhig und inaktiv zu stellen, um das Interesse des Raubtieres nicht zu wecken. Bei diesen Pferden ist die Menge des Stresshormons Cortisol erhöht, ausserdem finden sich oft Magengeschwüre und ein schlechtes Immunsystem.
Im Jahr 2014 hatten Gründe vorgelegen, das Gesetzeswerk zum Tierschutz bei Pferden zu ergänzen, nachdem es einen Fall gegeben hatte, bei dem Pferde mit Seilen abgelegt wurden. Seitdem existiert der Paragraph zum Ausbinden und Herunterbinden, demzufolge man Pferde nicht mit Fesseln oder anderen Zwangsmassnahmen zur Aufgabe bringen darf. Die Veterinäraufsichtsbehörde erhob sich damals auf die Hinterfüsse und verurteilte das Tun, wofür ich ihnen dankbar bin. Wie aber kommt es, dass das Gleiche nicht für die Blutstuten gilt?

Ich möchte nicht viel Worte über den Verlust unseres Rufes verlieren, den wir als Volk der Pferdeleute gerade erleben. Aber die Islandpferdefreunde und Islandfreunde auf der ganzen Welt schauen in Verwunderung auf uns und fragen sich, wie wir eigentlich derart mit unseren einzigartigen Pferden umspringen können. Das wird unser ewiger Schandfleck bleiben.
Ingunn Reynisdóttir, Tierarzt und Pferdemensch”

 

 

Öffentliche Reaktionen auf Misshandlung von Blutstuten

Nachdem am Montag das Video einer Schweizer Tierschutzorganisation über die Misshandlung von Blutstuten auf isländischen Höfen die Runde machte, haben die meisten Verbände mit mehr oder weniger klaren Worten Stellung gegen die gefilmten Praktiken bezogen.

Der Trainerverband FT verlangte von der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, sie habe dafür zu sorgen, dass ausschliesslich gezähmte und charakterlich geeignete Stuten für die Blutgewinnung benutzt werden. Die Videoszenen verglich der Verband mit Horrorvideos aus ausländischen Schlachthäusern, mit dem Unterschied, dass die Blutstuten den Horror immer wieder erleben müssten. Gegen die Blutgewinnung selbst sprach der Verband sich nicht aus.
Islands Dachverband der Reitvereine LH veröffentlichte eine Erklärung, in der es hiess, der Verband verurteile die grausame Behandlung von Pferden und Tierquälerei jeglicher Art. Eine Behandlung von Pferden wie in dem Video sei nicht zu tolerieren, vielmehr unentschuldbar und füge dem Image der isländischen Reiterei unersetzbaren Schaden zu. “Der Verband fordert die Veterinäraufsichtsbehörde MAST auf, sicherzustellen, dass die Arbeitsweise bei der Behandlung von Pferden bei der Blutgewinnung akzeptabel ist.” Auch LH spricht sich nicht für ein Verbot des Blutfarmings aus.

Tierärzteverband fordert besseres Rahmenwerk
Die Vorsitzende des isländischen Tierärzteverbandes, Bára Eyfjörð Heimisdóttir, dachte laut darüber nach, ob der Umfang der Blutgewinnung aus tragenden Stuten in Island zu gross geworden sei und es daher schwer werde, den Wirtschaftszweig zu beaufsichtigen. Sie forderte alle Betreiber von Blutfarmen sowie alle Personen, die Entscheidungen zu Betriebsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen treffen, auf, eine kritische Debatte zu führen und zu prüfen, was da eigentlich im Gange sei. Tierquälerei müsse ausgemerzt werden, und der Betreffende sofort seine Lizenz verlieren. Die Blutgewinnung ist in Island nicht lizenzpflichtig, aber die Bauern gehen einen Vertrag mit dem blutaufkaufenden Unternehmen Ísteka ein.
In einer Erklärung verurteilt der Verband die unmenschliche Behandlung im Video und weist auf die Wichtigkeit eines guten Rahmenwerks, klarer Betriebsbedingungen und einer starken Aufsicht durch die Behörden hin.

Landwirtschaftsminister Kristján Þór Júlíusson kommentierte Vísir gegenüber, die Vorgänge im Video seien “zutiefst beschämend”, doch befinde er sich nicht in der Position, jetzt und hier zu sagen, ob man mit der Blutgewinnung aufhören müsse. Die Aufsicht obliege MAST. Der Minister für Transportwesen und Gemeinden, Sigurður Ingi Jóhannsson, selbst ein Tierarzt, bezeichnete das Video als erschreckend, doch bezweifle er, dass ein solch brutales Vorgehen an der Tagesordnung sei. Er wisse, dass MAST in den vergangenen Jahren ihre Aufsicht über die Blutgewinnung verstärkt habe. Premierministerin Katrín Jakobsdóttir verwies auf den Landwirtschaftsminister, der den Fall zu prüfen habe, und der Film werfe doch Fragen zum Tierwohl auf.

Reiseleiter, FEIF und IPZV wollen sofortiges Verbot

Die Gewerkschaft der isländischen Reiseleiter drückt in einer Erklärung ihre Besorgnis über die Tierquälerei einiger Pferdebauern aus, sowie die Befürchtung, diese Behandlung schutzloser Tiere könne die Reputation Islands und die Interessen des isländischen Fremdenverkehrs ernsthaft schädigen. Die Gewerkschaft verlangt von der Regierung, die Blutgewinnung aus tragenden Stuten in Island sofort zu verbieten.
Auch international gibt es Wortmeldungen. Die FEIF, der internationale Dachverband der Islandpferdereiter, schreibt in ihrer Erklärung, der Verband verurteile die Praktiken und die Misshandlung von Stuten auf den Blutfarmen. Man begrüsse die Entscheidung der Europäischen Kommission, den Import und die innereuropäische Produktion von PMSG zu stoppen und unterstütze jeden Ansatz isländischer Behörden, diese Prozedur auch in Island vollständig zu stoppen.
Der deutsche IPZV schliesst sich der FEIF an, kritisiert jedoch explizit, dass der isländische Partnerverband LH sich nicht von der Blutwirtschaft distanziere. Man hoffe, dass internationale Proteste zu einem Verbot der Praktik führten.

Blutgewinnung nicht unethisch
Zur Zeit prüft der Fachrat für Tierwohl, wie auf die Misshandlung tragender Stuten zu reagieren ist. Ein im Fachrat sitzender Ethiker verwies darauf, seiner Ansicht nach sei die Nutzung der Stute zur Blutgewinnung ethisch nicht falsch und ein viel geringerer Eingriff als die Schlachtung. Dabei dürfe das Tier jedoch nicht leiden. Ganz offenbar brauche es jedoch eine bessere Aufsicht, und wenn sich dies als zu teuer erweise, müsse die Gesellschaft sich fragen, ob sie aus diesem Industriezweig nicht besser aussteige.

Island ist eins von weltweit fünf Ländern welches PMSG aus dem Blut tragender Stuten produziert. Die Extrahierung wird durch das Biotechnologieunternehmen Ísteka ehf vorgenommen. Aus den jährlich in Island gewonnenen 10 Kilogramm des Hormons wird ein Medikament produziert, welches die Fruchtbarkeit von weiblichen Tieren in Fleischfabriken erhöht. Gentechnisch hergestellte Alternativen sind teurer und umständlicher in der Anwendung. In einem Antrag an das Planungsbüro hatte die Ísteka angekündigt, ihre Aktivität in den kommenden Jahren um 100 Prozent zu steigern. Für die Produktion von 20 Kilogramm medikamentenfähigem Material müssen 600 Tonnen Blut aus tragenden Stuten gezapft werden. Zur Zeit werden auf 119 Höfen ca 5400 Stuten für die Blutgewinnung benutzt. Dabei müssen die Stuten jedes Jahr gedeckt werden, danach wird ihnen bei bis zu zehn Terminen pro Sommer jeweils fünf bis acht Liter Blut abgelassen. Nach Einschätzung der Veterinärbehörde stecken die tragenden Stuten mit säugendem Fohlen bei Fuss den Blutverlust von jedesmal 20 Prozent ihres Gesamtblutvolumens gut weg. Für die Kontrolle der Blutstutenhaltung über das Jahr ist MAST zuständig, die Aufsicht am Blutgewinnungstag selbst obliegt den Veterinären der Ísteka.

Fréttablaðið

Fréttablaðið schreibt, Islands Regierung habe sich offen gegen die industrielle Tierproduktion als eine der umweltfeindlichsten Industrien überhaupt ausgesprochen. Diese Industrie werde jedoch durch die isländische Blutfarmen nur weiter ausgebaut.

Gutachten fällten Antrag auf Verbot von Blutfarming
Im März diesen Jahres hatten mehrere Parlamentarier im Alþingi einen Antrag auf Verbot der Blutgewinnung aus tragenden Stuten eingebracht. Wie bei Kjarninn und Vísir zu lesen ist, war dieser Antrag von Lobbyisten bereits im Vorfeld zu Fall gebracht worden, er schaffte es nicht mal auf die Tagesordnung. In den Schriftstücken wurde der Antrag als dünn, armselig und beleidigend bezeichnet.
Für MAST schrieb der Anwalt für Tierwohl, Sigurjón Njarðarson, es sei Einschätzung der Behörde, dass die Blutgewinnung aus tragenden Stuten so wie sie hierzulande praktiziert werde, nicht gegen das Gesetz 55/2013 zum Tierwohl verstosse und nicht über die Kräfte und Ausdauer eines Tieres gehe oder es sonstwie verletze. Auch der Bauernverband sah in der Blutgewinnung keine Verletzung des Tierschutzgesetzes, überdies kümmere sich MAST um die Aufsicht.
Der Verband der Tierärzte sprach sich ebenfalls gegen den Gesetzentwurf aus, unter anderem weil die Blutgewinnung keine negative Auswirkung auf das Leben der Pferde habe. Der Arbeitgeberverband befand gar, dass die Rücksicht auf das Tierwohl im Fall der Blutgewinnung sogar vorbildlich sei. Es helfe nicht, auf katastrophale Zustände im Ausland zu verweisen, weil die nichts mit den Praktiken in Island zu tun hätten. Ein Verbot der Branche verhindere vielmehr ein lukratives Exportgeschäft, welches Gelder in den Staatshaushalt spüle.
Der Verband der Pferdezüchter blies ins gleiche Horn, die Blutwirtschaft sei ein alter Zweig und stets habe man das Tierwohl an erster Stelle gesehen. Man verwahre sich gegen den Vergleich mit Zuständen in Südamerika. “Die Bedingungen in diesen Ländern sind, nach allem was wir wissen, unterentwickelt und nicht vergleichbar mit dem Betrieb, der hier in Island stattfindet.”

Die beiden Tierärzte Gestur Júlíusson und Elfa Ágústsdóttir sahen gar die Standesehre in Gefahr und befanden den Gesetzentwurf in ihrem Schreiben an den Parlamentsausschuss als Schande für Antragsteller und Parlament. Die Blutgewinnung aus Stuten sei “ kein grosser Eingriff in Leben oder Tierwohl” der Pferde und sei “vergleichbar mit dem Melken, Hufbeschlag, Schafschur und ganz offenbar weniger Eingriff als die Schlachtung”. Es gebe keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die Stuten durch den Blutverlust geschädigt werden. “Die grösste Bedrohung im Tierreich,” so schreiben die beiden Veterinäre, “darf nicht ein fanatischer Tierschutz sein, wo das Tierwohl so gross wird, dass am Ende kein Tier mehr übrig ist.”
Der Tierarzt Guðmar Aubertsson, der Kjarninn zufolge in der Blutgewinnung beschäftigt ist, schrieb, das Blut werde in passender Menge entnommen und er habe nicht erlebt, dass die Stuten schlecht behandelt würden. Die Blutstutenwirtschaft habe viele Höfe am Leben gehalten und dafür gesorgt, dass auf dem Lande weiter gewohnt werden könne.

Der Tierarzt Helgi Sigurðsson der schon vor 40 Jahren im Blutgeschäft gearbeitet hat und im vergangenen Sommer wieder dabei gewesen war, schrieb, der einzige Zwang, den die Stuten heute erlebten, sei das Halfter, welches ihnen angezogen werde, um sie im Fixierstand festzubinden. An diesen Zwang gewöhnten sie sich schnell. Heute gebe es ja sogar eine Betäubungsspritze für die Einstichstelle. “Wenn dieser Zwang gegen das Tierschutzgesetz verstösst, dann muss man auch das Ausbilden der Pferde verbieten, denn da sind Züchtigung und Zwang um ein Vielfaches mehr vorhanden, dazu sitzt der Mensch auf dem Rücken des Pferdes und lässt es seinem Willen gehorchen.”

Der Veterinärbehörde obliegt derzeit die Prüfung des Videos. Von Behördenseite hiess es, man hole Informationen von allen Beteiligten ein, Ísteka, den Tierärzten und dem Tierschutzbund. Ausserdem wolle man die im Video aufgenommenen Personen befragen. Diese Untersuchung dauere ihre Zeit, doch die nächsten Bluttermine fänden ohnehin erst im kommenden Sommer statt.

Veterinärbehörde untersucht dokumentierte Misshandlung von Blutstuten

Der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde MAST liegt seit heute ein Video zur Prüfung vor, welches Misshandlung von tragenden Stuten bei der Blutgewinnung zeigt. Die leitende Pferdefachtierärztin der Behörde kommentierte Vísir gegenüber, man betrachte die Angelegenheit als schwerwiegend, die Behandlung zeichne jedoch kein generelles Bild der Blutstutenwirtschaft in Island.

Im mit versteckter Kamera gedrehten Film ist zu sehen, wie Stuten durch zusammengezimmerte, enge Gänge getrieben und in Fixierstände eingesperrt werden, wie sie mit Peitschen, Holzbalken und Eisenstangen geprügelt und immer wieder auf Kopf und Nüstern geschlagen werden. Zur Blutgewinnung wird der Kopf der Stuten überstreckt und hochgebunden und die Tiere zusätzlich mit einem Gurt am Leib fixiert. Die gefilmten Pferde erleiden deutliche Schmerzen und Panik. Nach jeweils fünf Litern ist die Prozedur vorüber, und die Stute wird aus dem Fixierstand entlassen.

Das Dokumentarvideo zur Gewinnung von Blut aus isländischen Blutstuten war heute vom Schweizer Tierschutzbund (TSB) und von der Animal Welfare Foundation (AWF) veröffentlicht worden. Die Blutstutenwirtschaft existiert in Island bereits seit einigen Jahrzehnten, aktuell wird sie auf 119 Höfen betrieben, wo 5383 Stuten zur Blutgewinnung genutzt werden. Aus dem Blut der tragenden Stuten extrahiert ein in Reykjavík ansässiges Biotechnologieunternehmen das Hormon PSMG, welches die Fruchtbarkeit u.a. von Sauen in der europäischen Schweinezucht verbessert. Die Fohlen aus den isländischen Blutzuchtherden landen hauptsächlich in der Fleischverarbeitung.

Kein allgemeines Bild der Blutstutenwirtschaft
Die bei MAST tätige Pferdefachtierärztin Sigríður Björnsdóttir gab an, die Angelegenheit werde untersucht, ausserdem habe man den zuständigen Minister informiert.
“Die Veterinäraufsichtsbehörde betrachtet den Fall als schwerwiegend. Wir haben dieses Video gesehen, und es scheint, als ob die Behandlung der Stuten, so wie sie in dem Video zu sehen ist, ernsthaft gegen die für diesen Wirtschaftszweig gültigen Betriebsbedingungen verstösst,” erklärte Sigríður. Das Video zeichne jedoch kein allgemeines Bild der Blutstutenwirtschaft in Island.
“Was wir dort sehen, ist ein anderes Bild als das, was wir bei den Kontrollen zu sehen bekommen. Das passt nicht zusammen, aber das bedeutet nicht, dass es sowas nicht auch gibt, und das ist ja wirklich passiert, daher müssen wir das sehr genau überprüfen.” Die Blutstutenwirtschaft in Island werde streng und eigentlich strenger kontrolliert als jeder andere Tierhaltungszweig.

RÚV schreibt zum Thema, die Aufsicht bei der Blutgewinnung laufe zweigleisig. Zum einen gebe es die Kontrolle zu Tierschutz, Gegebenheiten am Entnahmeort und zum körperlichem Zustand der Pferde beim Tierhalter, zum anderen die Kontrolle bei der Blutgewinnung selbst. Der Blutwirtschaftsbetrieb muss die von MAST verlangten Voraussetzungen erfüllen.
Am Blutgewinnungstag trägt dann das verarbeitende Biotechnologieunternehmen Ísteka ehf die Verantwortung. Ein für Ísteka tätiger Veterinär nimmt die Blutabnahme vor. MAST verlangt von Ísteka eine betriebsinterne Kontrolle zum körperlichen Zustand der Stuten während der Monate der Blutgewinnung, sowie einen Jahresbericht.

Nach Angaben der Behörde wird ein Fünftel der 119 Betriebe jedes Jahr während der Blutgewinnungszeit kontrolliert, ein weiteres Fünftel in den Wintermonaten. Grobe Verstösse enden mit einer Stillegung des entsprechenden Betriebes. Das ist seit 2014 fünfmal vorgekommen. In einigen Fällen war die Stillegung Sigríður zufolge wegen ähnlichen Zuständen wie im Video erfolgt. Diese Vorfälle seien jedoch nicht bei der Polizei zur Anzeige gebracht worden.

“Systematische und wiederkehrende Tierquälerei”
In Reaktion auf das Video hat sich der isländische Trainerverband FT mit einer Erklärung zu Wort gemeldet und fordert von MAST, Aufsicht und Regelwerk rund um die isländische Blutstutenwirtschaft zu verbessern. Im Video sehe man eine unzumutbare Behandlung der Stuten bei der Blutgewinnung, die eigentlich per se ein unnötiger Eingriff sei, vorgenommen, um Geld daran zu verdienen.

“Im Video wird drastisch gegen Pferde vorgegangen, sie werden geschlagen und sind sichtbar ängstlich, in Panik und wehren sich. Die Stuten sind ganz offensichtlich nicht ausreichend vorbereitet worden oder haben nicht das Gemüt für diese Nutzung. Das gleiche kann man von den Mitarbeitern sagen. Unserer Ansicht nach handelt es sich bei den Aufnahmen um systematische und wiederkehrende Tierquälerei.” Weiter heisst es, der Tierarzt sei verpflichtet, den Eingriff bei einer Stute abzulehnen, die sich offenkundig nicht kooperativ verhalte. Ein Betäubungsmittel beim Eingriff könne die Zähmungsarbeit nicht ersetzen.
MAST müsse sicherstellen, dass anerkannte Ausbildungsmethoden zum Aufhalftern und Gewöhnen an die Fixierstände zur Anwendung kommen. Ebenfalls habe die Behörde dafür zu sorgen, dass ungeeignete Stuten nicht verwendet werden.
“Die Leitung des Trainerverbands betrachtet das im Video Gezeigte als systematische Tierquälerei und nicht besser als Horrorvideos, die aus Schlachthäusern im Ausland bekannt geworden sind, ausser dass die Stuten die gleiche Situation immer wieder durchleben müssen.”
Sveinn Steinarsson, der Vorsitzende des isländischen Pferdezuchtverbandes, kommentierte, die Leute seien sprachlos, und es gebe guten Grund, dass MAST den Zuständen jetzt auf den Grund gehe. Er wolle einfach nicht glauben, dass bei den über 90 Pferdezüchtern die Dinge derartig abliefen.

Die Vorsitzende der Volkspartei, Inga Sæland, forderte erneut ein generelles Verbot der Blutstutenwirtschaft in Island und wies auf den Imageschaden hin. Bereits im März hatte sie zusammen mit Abgeordneten der Piratenpartei einen entsprechenden Antrag ins Parlament eingebracht.

“Unangemessen und inakzeptabel”
Ísteka ehf hat auf seiner Facebookseite gestern eine Erklärung veröffentlicht. Die in dem Video der Schweizer Tierschutzorganisation gezeigten Aufnahmen seien “unangemessen und inakzeptabel, wie etwa der Gebrauch von Eisenstangen, dem drastischen Gebrauch von Holzbalken und schnappenden Hunden. Unternehmensleitung und Mitarbeitern von Ísteka missfällt diese Arbeitsweise bei der Gewinnung von Rohstoffen für uns sehr. Sie erfüllen nicht unsere strengen Auflagen zum Tierwohl.” Man habe bereits eine Untersuchung eingeleitet.
“Wir unterstreichen, dass die Blutspenden unter Aufsicht stattfinden, von Tierärzten durchgeführt werden und der Kontrolle des Tierschutzbeauftragen von Ísteka, sowie der Aufsicht von MAST unterliegen.” Zwischen Ísteka und seinen Vertragsproduzenten gebe es spezielle Tierschutzverträge. Verstösse gegen diese Verträge nehme man sehr ernst und dulde sie nicht.

Das Video gibt es hier zu sehen, der Inhalt ist nichts für sensible Gemüter.

Vier Parlamentarier wollen Blutstutenhaltung verbieten

Die sogenannte Blutstutenwirtschaft steht im Fokus eines Änderungsantrags zum geltenden Tierschutzgesetz, den vier Abgeordnete von Volkspartei und Piraten dem isländischen Parlament vorgelegt haben. Sollte der Änderung zugestimmt werden, könnte es in Zukunft verboten sein, tragenden Stuten in Island Blut literweise abzuzapfen, um es zu verkaufen oder weiterzuverarbeiten.

Wirtschaftszweig im Wachsen
Im Text zum Änderungsantrag wird ausgeführt, dass es in Island eine Industrie gibt, die aus dem Blut von tragenden Stuten das Hormon PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) gewinnt. Aus diesem Hormon wird ein Fruchtbarkeitsmedikament für Nutztiere produziert. PMSG ist sehr teuer, daher hat die Blutstutenwirtschaft in der Vergangenheit in Island an Umfang zugenommen. “Im Jahr 2019 wurden 5036 Stuten für diesen Zweck genutzt. Mancherorts ist das eine ausgedehnte Wirtschaft mit bis zu 200 Stuten zur Blutproduktion. Finanzielle Anreize werden in Aussicht gestellt, um die Produktion hochzuhalten. Blutstuten müssen so oft wie nur möglich abfohlen, bis sich kein Hormon mehr in ihrem Blut findet, dann werden sie geschlachtet. Die Fohlen landen alle in der Schlachtung.”

Empfohlene Höchstmenge wird überschritten
Das isländische Tierschutzgesetz schützt Tiere gegen unmenschliche Behandlung. Demnach ist es verboten, die Kraft und Ausdauer eines Tieres zu überfordern, oder Tiere auf andere Art zu verletzen.
“In den Richtlinien für Tierversuche an der Technischen Hochschule in Virgina (USA) wird empfohlen, einer Stute nicht mehr als 10 Prozent der Gesamtblutmenge im Abstand von vier Wochen abzuzapfen, und nicht mehr als 7,5 Prozent der Gesamtblutmenge, wenn die Blutentnahme wöchentlich stattfindet. Hierzulande geht man viel weiter. Wenn sich das Hormon im Blut der Stuten findet, wird wöchentlich Blut abgezapft, jedesmal fünf Liter, sieben bis achtmal während des Sommers. Das isländische Pferd ist kleiner als ausländische Rassen, daher liegt die Blutmenge bei isländischen Stuten bei 35 bis 37 Litern. Hier wird also wöchentlich über die Dauer von zwei Monaten etwa 14 Prozent der Blutmenge abgezapft.”

Der Text zum Ergänzungsvorschlag kritisiert, dass dieser Betriebszweig bei der Vorlage zum Tierschutzgesetz nicht erwähnt worden sei, er werde weder im Regelwerk zum Pferdewohl noch im Gesetz zum Schutz von Versuchstieren gesondert behandelt. Nirgendwo stehe, wie weit bei der Blutentnahme gegangen werden darf, wie oft einer tragenden Stute wieviel Blut abgezapft werden darf, oder wie die Ausrüstung dafür aussehen muss.
“Das ist absolut unakzeptabel, wenn man bedenkt, wie umfangreich dieser Wirtschaftszweig hierzulande ist.” schreiben die Autoren des Änderungsvorschlags. Die Abgeordnete der Piraten, Olga Margrét Cilia, die den Änderungsvorschlag mit unterstützt, sagte gegenüber Iceland Review, sie habe von dem Business vorher nichts gewusst, aber die Vorgehensweise höre sich “brutal” an und das Tierwohl habe keine Priorität bei der Durchführung.
Initiatorin der Vorlage ist die Vorsitzende der Volkspartei, Inga Sæland, gestützt vom Parteikollegen Guðmundur Ingi Kristinsson, sowie von den beiden Abgeordneten der Piratenpartei, Olga Margrét Cilia und Sara Elísa Þórðardóttir.

Nicht mit dem Tierschutzgesetz konform
Es seien Todesfälle bei der Blutentnahme vorgekommen, allerdings gebe es keine öffentlichen Zahlen zu Todeszahlen von isländischen Blutstuten in den Sommermonaten. “Auch wenn Stuten nicht bei der Blutentnahme verenden, kann der Wirtschaftszweig negative Auswirkungen auf ihr Leben und Wohlbefinden haben. Nach Angaben der Veterinäraufsichtsbehörde sind in den vergangenen drei Jahren bei drei Höfen mit Blutstutenwirtschaft Verwarnungen eingegangen.”
Es gehe nicht mit dem Tierschutzgesetz konform, Pferde zur Blutproduktion zu züchten, um daraus finanziellen Gewinn zu ziehen. Daher solle es verboten werden, tragenden Stuten Blut abzuzapfen, um dieses zu verkaufen oder Produkte daraus herzustellen und zu vermarkten, heisst es in dem Änderungsvorschlag zum Tierschutzgesetz.

Schon im vergangenen Jahr hatte der Abgeordnete Guðmundur Ingi Kristinsson eine parlamentarische Anfrage zum Thema an den Landwirtschaftsminister gerichtet, die jedoch unbeantwortet geblieben war.
Auch ein Mitglied der Interessensvereinigung Jarðvinir hatte die Blutstutenwirtschaft, bei der aus den etwa 5000 Blutstuten jährlich 170.000 Liter Blut gewonnen wird, in einem Kommentar als nicht mit den Tierschutzgesetz vereinbar bezeichnet und seine Verwunderung darüber geäussert, dass der Fachrat für Tierwohl der Praktik zugestimmt habe. Die Genehmigung Nr. 279/2002 der Veterinäraufsichtsbehörde, die Jarðvinir dem Text zufolge vorliege, beziehe sich jedoch auf “Tierversuche” und nicht auf die wirtschaftliche Produktion von Blut. Die Hormonmenge im Blut werde Jarðvinir zufolge durch eine tägliche Blutprobe aus der Oberlippe der Stute bestimmt, ist die Menge hoch genug, beginnen die wöchentlichen Blutentnahmen aus der Halsvene, die ein Tierarzt durchführt.
Die Informationslage zu dem Business ist sehr mager. Die meisten Medientexte werden vom Geschäftsführer des blutverarbeitenden Unternehmens selbst verfasst, Insiderinformationen sind kaum zu bekommen. Jarðvinir schreibt, laut MAST würden in Island an den Stuten keine Trächtigkeitsabbrüche vorgenommen. Der Tierschutzaktivist Árni Stefán Árnason hingegen behauptet, von auf der Weide getöteten Fohlen und abgetriebenen Leibesfrüchten zu wissen und bezeichnet in seinem Kommentar die Blutstute als “Versuchstier, um die Fleischproduktion zu erhöhen.”

Nach Tierschutzskandalen in Südamerika hatten sich Pharmaunternehmen dem europäischen Blutstutenmarkt zugewandt. PMSG als Hormonpräparat ist in Deutschland ohne medizinischen Behandlungsgrund für Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen zugelassen, es erhöht die Fruchtbarkeit der Nutztiere und ermöglicht, Geburtstermine zu steuern und die Sauen öfter zu belegen. Hauptlieferant für das Hormon aus Stutenblut ist Island, weil dort die Stutenhaltung unter günstigen Voraussetzungen möglich ist.