Arbeitsgruppe reicht Blutstutenbericht ein, schärfere Verordnung aufgesetzt

Die von Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir Ende 2021 eingesetzte Arbeitsgruppe zum Blutstutenthema hat gestern termingerecht ihr Gutachten abgeliefert. Darin waren der gesamte Betrieb, Vorschriften, Kontrolle und rechtliche Vorgaben zur Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Islandstuten unter die Lupe genommen worden.

Aus dem veröffentlichten Report geht hervor, dass der rechtliche Rahmen für die Blutgewinnung äusserst vage und nicht akzeptabel sei, da es sich um eine ziemlich umfangreiche und umstrittene wirtschaftliche Aktivität handle. Eine gesetzliche Befugnis, die Tätigkeit der Blutgewinnung genehmigungspflichtig zu gestalten, liegt nach Ansicht der Arbeitsgrupe bereits vor, daher seien keine gesetzlichen Änderungen erforderlich.

Blutfarming für drei weitere Jahre erlaubt
Die Ministerin hat entschieden, eine Verordnung für die Blutgewinnung aus tragenden Stuten aufzusetzen, welche für drei Jahre Gültigkeit hat. Diese Verordnung wird klar regeln, welche Voraussetzungen die Branche erfüllen muss. Ausserdem setzt sie fest, dass die Aktivität ab sofort genehmigungspflichtig ist – das war sie bis dato nicht gewesen. Mit dem Erlass einer solchen Verordnung würde die unklare Rechtslage des Blutfarmings verbessert. Die Geltungsdauer der Verordnung soll dazu genutzt werden, die Durchführung der Blutgewinnung zu überwachen und über ihre generelle Zukunft zu befinden.
Gleichzeitig hält es die Ministerin für angebracht, eine gesonderte Diskussion über ethische Fragen im Zusammenhang mit der Blutgewinnung zu führen.

Blutgewinnung unterliegt jetzt Genehmigungspflicht
Die Gewinnung von Blut aus tragenden und laktierenden Stuten ist damit ab sofort genehmigungspflichtig und hat strenge Auflagen zu erfüllen. Sie fällt nicht mehr wie bisher unter die Verordnung Nr. 460/2017 über für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere.
Aus dem Bericht geht hervor, dass die Durchführungsbedingungen der neuen Verordnung auf den gleichen Bedingungen basieren, welche die Veterinär- und Lebendmittelaufsichtsbehörde MAST derzeit aufsetzt. Die Arbeitsgruppe schlägt vor, diese Betriebsvoraussetzungen noch weiter zu verschärfen, vor allem mit Rücksicht auf die Ansichten von Interessensvertretern, mit denen die Gruppe im Vorfeld gsprochen hat. Sie verlangt detaillierte Vorschriften zu Betriebsbedingungen und Stalleinrichtung, zu Kontrolle von Gesundheitszustand und Hufpflege der Stuten, sowie eine Wesensbeurteilung der verwendeten Stuten, ausserdem genaue Vorschriften für die Blutgewinnung selbst und deren interne und externe Überwachung.

Bluthaushalt durch unabhängige Stelle verifizieren lassen
Die Arbeitsgruppe hält es für notwendig, dass eine unabhängige Stelle, wie etwa die Versuchsanstalt Keldur, zumindest zeitlich befristet den Bluthaushalt der Stuten verifiziert. Ausländische Experten hatten kritisiert, dass die gewonnene Blutmenge das Gesamtblutvolumen der eher kleinwüchsigen Pferde bei weitem übersteige.
Die Gruppe sieht auch eine dringende Notwendigkeit, das Alter der verwendeten Stuten zu begrenzen, die Kopfzahlen der Herden zu beschränken und eine Höchstzahl von Stuten festzulegen, die ein Veterinär gleichzeitig bei der Blutgewinnung betreut. Diese Vorschriften waren von MAST bereits im Vorfeld dahingehend geändert worden, so dürfen Stuten von 4 bis 24 Jahren genutzt werden und ein Veterinär darf nicht mehr als drei Pferde gleichzeitig in der Blutgewinnung haben. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe ist es normal, dass an jeder Blutgewinnungsbox ein Helfer unter Aufsicht des Veterinärs bereitsteht, um bei Problemen sofort einzugreifen zu können. Im von der Tierschutzorganisation AWF veröffentlichten Video war zu sehen gewesen, wie Stuten im Fixierstand in Panik gerieten und sich in Lebensgefahr brachten, ohne dass jemand in der Nähe war oder eingriff.

Keine Massenproduktion erlauben
Die Arbeitsgruppe schlägt des weiteren vor, dass eine auf Massenproduktion ausgelegte Produktionsform keine Genehmigung erhält, weil dies das Wohl der Tiere in Gefahr bringe.
Die neue Verordnung wird auch die Verantwortung aller Personen, die bei der Blutgewinnung zugegen sind, einzeln festlegen, also wer die Verantwortung für Stuten und Fohlen in welchem Abschnitt des Blutgewinnungsvorgangs trägt, vom Zeitpunkt des Eintreibens in den Paddock bis zum Zeitpunkt, wo die Stuten wieder auf der Weide angelangt sind.

Für die Erstellung des Berichts hatte die Arbeitsgruppe Gespräche mit folgenden Vereinigungen und Personen geführt: Animal Welfare Foundation, Verband der Tierärzte Islands, Tierschutzbund Island, Eggert Gunnarsson (Tierarzt und “Vater” des Blutfarmings), Fachrat Pferdezucht, Fachrat zum Tierwohl, FEIF, Verband der Pferdezüchter, Verband der Pferdetrainer, Ísteka, Í-ESS-Landwirte, Verband der Reitvereine (LH), Verband für Tierschutz in Island, Professor Xavier Manteca Vilanova (EU-Experte für Tierschutz).

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Kontrolle der Blutstuten von Behörde und Unternehmen einvernehmlich geplant

Die Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat im Jahr 2020 mit einem von ihr zu kontrollierenden Unternehmen bei einer Sitzung besprochen, wie man die Betriebskontrolle am besten durchführen könnte. Dabei durften die Unternehmensvertreter sich dazu äussern, welche Art von Aufsicht ihnen “nicht gefällt”, berichtet Fréttablaðið.

Das Pharmaunternehmen Ísteka kauft Blut aus tragenden und laktierenden Stuten, um daraus ein Hormon zu extrahieren, welches an Pharmaunternehmen im Ausland verkauft wird. Das Stutenhormon findet in der Fleischindustrie bei Schweinen und kleinen Ruminanten Verwendung bei der Zyklussteuerung. In Island werden auf 119 Höfen um die 5400 tragende und laktierende Stuten gehalten, aus denen im Sommer acht Wochen lang bis zu fünf Liter Blut entnommen wird. Die Gesamtmenge an Blut ist nach Gutachten von MAST tierverträglich. Im europäischen Ausland wird die Menge im Verhältnis zum Körpergewicht eines Islandpferdes als viel zu hoch angesehen.

Blutgewinnung nicht mehr genehmigungspflichtig
Im Jahr 2020 kam MAST zu dem Ergebnis, dass nach behördlicher Auslegung von Gesetz und Vorschriften die Blutgewinnung aus den Stuten zur Medikamentenherstellung eine Tätigkeit sei, die keine Zulassung benötige. Während des oben genannten Treffens mit Ísteka stellte man fest, dass die Erstellung einer  Rechtsgrundlage und Regulierung der Aktivität “ein riesiges Projekt sind, das möglicherweise nicht viel einbringt”.

Fréttablaðið schreibt, dass MAST und Ísteka am 25. Mai 2020 eineinhalb Stunden am Besprechungstisch verbrachten, sechs Monate bevor das Video der Schweizer Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation veröffentlicht wurde, welches Tierquälereien auf isländischen Blutfarmen zeigte.
Konferenzteilnehmer waren die Tierärztin für Pferdekrankheiten bei MAST Sigríður Björnsdóttir, Ísteka-Geschäftsführer Arnþór Guðlaugsson, der Haupteigentümer der Ísteka Hörður Kristjánsson, ein Jurist, sowie die Qualitätsbeauftragte der Ísteka.

Dem Fréttablað vorliegenden Protokoll ist zu entnehmen, dass alle Teilnehmer sich über die Auslegung von MAST einig waren, dass es sich bei der Blutgewinnung um eine Aktivität handelt, die nicht genehmigungspflichtig ist. Dies entspreche auch der allgemeinen Tendenz, Genehmigungen zu reduzieren, obendrein sei es ungewiss, ob das Thema “jemals vom Gesetzgeber aufgegriffen” werde.
Bei dieser Sitzung befanden sich damit Kontrollbehörde und Unternehmen, welches von der Behörde unabhängig kontrolliert werden sollte, an einem Tisch.

Blutstuten sind keine Versuchstiere mehr
Man stellte fest, dass nach Änderung der Gesetzeslage die Blutstuten keine Versuchstiere mehr seien (wie noch zuvor), für die Bestimmungen und Genehmigungen gelten. Die Kontrolle der anzeigepflichtigen Aktivität erfolge daher in Form einer Überwachung des Wohlergehens der Pferde. Dazu gab es mehrere Vorschläge:
“1. MAST könnte Betriebsbestimmungen vorgeben, die das Wohlergehen der Stuten sichern. Dabei würde es sich um öffenlich zugängliche Daten handeln.
2. MAST erstellt ein Handbuch mit Vorschriften (Ísteka gefällt dies nicht, weil es keine Transparenz gewährleistet)
3. Ísteka bereitet eine schriftliche Erklärung über die Aktivitäten des Unternehmens vor. Dies würde nicht von MAST zertifiziert, weil MAST keine Zertifizierungsbehörde ist. Dieser Ansatz ist eher schwach gegenüber Kritik von aussen, dass das Unternehmen die Bestimmungen selbst festlegt.
4. Gesetzliche Grundlagen und Vorschriften, die zu der Aktivität erlassen werden. Das könnte eine langfristige Lösung sein, ist aber auch ein riesiges Projekt, welches möglicherweise nicht viel einbringt und möglicherweise auch unnötig ist, wenn Option 1 funktioniert.”
Das Protokoll endet mit der Feststellung „Die Einsichten von Ísteka und MAST passen daher gut zusammen.“

Die bei dieser Konferenz für MAST anwesende Tierärztin hat nicht nur Gutachten zum Blutfarming auf der Grundlage von Ísteka-Daten erstellt, in denen Vorgehensweise und Blutmenge behördlich abgesegnet werden, sie sitzt auch als Vertreterin für MAST in der von Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir gegründeten Arbeitsgruppe zur Blutstutenwirtschaft, die ihre Arbeit vor dem 1. Juni abliefern soll.

Erster Landwirt gibt Blutstutenhaltung auf

Die Landwirtin Sigríður Jónsdóttir auf Arnarholt hat angekündigt, mit der Haltung von Blutstuten aufzuhören. Sie beschuldigt das Pharmaunternehmen Ísteka ehf., bei den Verträgen mit Brutalität vorzugehen, berichtet Vísir.
Für die in dem Wirtschaftszweig tätigen Pferdebauern war Sigríður als Interessensvertreterin aktiv gewesen und hatte im Vertragsausschuss gesessen. Doch der Preis, den die Ísteka in diesem Jahr für den Liter Stutenblut angeboten hat, reiche kaum, um die Heukosten für die Stuten zu decken. Feste Kosten würden nicht gedeckt, und einen Lohn erhalte der Landwirt für die Blutgewinnung auch nicht.

Hälfte der Stuten wird im Herbst geschlachtet
Es sei eine schwere Entscheidung gewesen, doch habe sie nun entschieden, dass ein grosser Teil der Stuten geschlachtet werde.
„Wir werden die Stuten nicht mehr decken lassen. Sie dürfen ihre Fohlen den Sommer über aufziehen, aber für etwa die Hälfte der Stuten haben wir schon einen Schlachttermin im Herbst gebucht. Einige Stuten gehören anderen Leuten und gehen zu denen zurück, und einige wollen wir behalten, um der Farbvielfalt willen und vielleicht auch für andere Pläne. Die Zukunft wird zeigen, was kommt.“ sagte Sigríður dem Bændablaðið.

Experten beraten immer noch über kontroversen Business
Die Blutstutenhaltung war im vergangenen Herbst in die Schlagzeilen geraten, nachdem die Schweizer Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation brutale Vorgänge bei der Blutgewinnung mit versteckter Kamera aufgenommen und als Video veröffentlicht hatte. Die tragenden und laktierenden Stuten werden in eine enge Box getrieben, wo man ihnen den Kopf hochbindet, damit eine bleistiftdicke Kanüle zum Blutablassen in die Halsvene eingeführt werden kann. Acht Wochen lang entnehmen die Tierärzte der Ísteka den Stuten einmal pro Woche bis zu fünf Liter. Insgesamt werden 5400 Stuten dafür benutzt.
Ausländische Veterinäre hatten diese Menge und die Häufigkeit scharf kritisiert, und auf das Fehlen von aktuellen Verträglichkeitsdaten hingewiesen. Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST ist jedoch der Ansicht, dass die isländischen Stuten diese Belastung gut aushalten und dass die Praktiken nicht gegen geltendes Tierschutzgesetz verstossen. Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir hatte Anfang Januar einen Ausschuss eingesetzt, der die Berechtigung der Blutwirtschaft unter ethischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten prüfen soll, denn Interessensverbände aus mehreren Branchen hatten kritisiert, dass die Blutstutenhaltung dem Image Islands Schaden zufüge. In dem Ausschuss sitzen ein Ethikprofessor, ein Wirtschaftsexperte und eine Tierärztin von MAST, die die Blutgewinnung befürwortet. Zuletzt wurde bekannt, dass in diesem und im Wirtschaftsausschuss zu grosse Uneinigkeit über das Thema herrscht, sodass man nicht davon ausgeht, dass der Gesetzentwurf zum Verbot der Blutstutenhaltung noch vor der Sommerpause dem Parlament vorgelegt werden kann.
Aus dem Blut der tragenden und laktierenden Islandstuten wird ein Hormon extrahiert, welches zur Zyklussteuerung und Fruchtbarkeitsbehandlung vor allem bei Schweinen im Ausland vewendet wird. Schweizer Schweinezüchter hatten angekündigt, auf das Stutenhormon in Zukunft zu verzichten und ein Alternativpräparat zu verwenden.
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Gibt Haltung wegen schlechtem Literpreis auf
Landwirtin Sigríður gibt die Blutstutenhaltung jedoch nicht wegen der öffentlichen Kritik auf, sondern weil sie sich von der Ísteka schlecht behandelt fühlt. Das Unternehmen hält und züchtet nämlich selbst hunderte von Blutstuten.
“Wenn ich für die Zukunft der Blutstutenhaltung in Island kämpfen würde, dann würde ich ja für Ísteka kämpfen,” sagte sie dem Bændablaðið. Ein oder zwei Personen in dem Pharmaunternehmen machten Profit, während die Bauern leer ausgingen. Das ganze sei eine typisch isländische Monopolwirtschaft mit traurigen Auswirkungen, denn die Bauern hätten über die Sache nicht nur Geld, sondern auch ihre Ehre verloren, beklagt Sigríður von Arnarhólt.
Sie wünscht sich, wie schon ein Kollege aus dem Norden, das Wettbewerbsbehörde und Steuerprüfung sich die Aktivitäten des Unternehmens mal näher anschauen.

Pferde und Schafe als Landschaftspfleger
Sigríður berichtet, ihre Stuten hätten nicht nur Blut geliefert, sondern auch die Weiden ihres Hofes in Ordnung gehalten, weil sie alles sauber abfressen und kurz halten. Früher seien ihre eigenen Schafe anderswo fressen gegangen, wo das Gras offenbar besser war, heute kämen Schafe von anderen Höfen durch die Zäune, um auf ihren Pferdeweiden zu grasen, weil der Bewuchs schmackhafter sei. Die Kombination von Schaf- und Pferdehaltung bekomme dem Land hervorragend, leider könne man Pferde nicht ausschliesslich halten, um das Land zu pflegen, bedauert sie.

MAST legt neue Bestimmungen für Blutgewinnung vor

Die isländische Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat neue Bestimmungen für die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten für das Jahr 2022 veröffentlicht.
Wie das Bændablaðið berichtet, darf der Tierarzt darf nur noch bei drei Stuten gleichzeitig Blut ablaufen lassen, eine Herde darf statt 100 Stuten nur noch 70 Stuten umfassen, und das Höchstalter für Stuten zur Blutgewinnung wurde auf 24 Jahre festgelegt.  Ausserdem muss der Tierarzt sofort mit der Blutentnahme aufhören, wenn das Pferd sichtbar leidet oder Angst hat. Verletzungen müssen sofort behandelt werden, im Notall muss sofort euthanaisiert werden. Zusätzlich gibt es verschärfte Anforderungen für die interne Betriebskontrolle, so sollen ab jetzt etwa sämtliche Vorkommnisse, wie Krankheitsfälle und Todesfälle von Stute oder Fohlen notiert werden. Auch Vorkommnisse bei der Blutabnahme, wie Angst oder Stress, müssen festgehalten werden. Ausserdem soll der Hämoglobinwert regelmässig kontrolliert und den Fohlen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Diese neue Buchführung ist MAST einmal jährlich abzuliefern.

Blutgewinnung schadet nicht der Gesundheit

Die Behörde ist der Ansicht, dass die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten, so wie sie in Island nach Gesetzen, Bestimmungen und Voraussetzungen von MAST durchgeführt wird, nicht gegen das Gesetz zum Tierwohl Nr. 55/2013 verstösst.
Sie sieht auch keine Hinweise darauf, dass die entnommene Blutmenge zu hoch sei. Es gebe keine negativen Auswirkungen auf den Bluthaushalt der Stuten.
Im Winter hatten zwei Schweizer Tierärzte die Gesamtmenge von 40 Litern pro Stute und Sommer scharf kritisiert. International anerkannte Daten legen nahe, dass die Menge für eine Islandstute viel zu hoch ist, zumal wenn sie tragend ist und ein Saugfohlen bei Fuss hat.

Die schwerwiegenden Vorfälle, die zwei Tierschutzorganisationen auf Video gebannt hatten, riefe nach Reaktion und vermehrter Kontrolle. In den Videoaufnahmen war zu sehen, wie Stuten sowohl von Helfern als auch von Tierärzten während Aufstallung und Blutgewinnung wiederholt zum Teil schwer misshandelt wurden. Gegen die namentlich bekannten Personen hatte es keine Ermittlung wegen Tierquälerei gegeben. Wie schon einige Male zuvor hatte das Pharmaunternehmen Ísteka stattdessen Verträge mit einzelnen Höfen aufgekündigt.

Mehr Kontrolle, bessere Haltung
Von den 2340 Pferdezuchten in Island betreiben 119 die Blutwirtschaft. In etwa zehn Prozent der Fälle sei es in den letzten fünf Jahren laut MAST zu schwerwiegenden Vorfällen in der Pferdehaltung gekommen, zumeist ging es dabei um mangelnde oder fehlende Fütterung im Winter.
Im vergangenen Jahr hatte auf 782 Höfen eine Kontrolle stattgefunden. Allerdings erfolgt die MAST-Kontrolle über das Jahr verteilt, während die Inspektion  der Blutgewinnung selbst durch die agierenden Tierärzte der Ísteka als betriebsinterne Eigenkontrolle betrieben wird. MAST hatte im letzten Jahr bei der Blutstutenhaltung nichts zu beanstanden gefunden. Die gefilmten Vorfälle hatten sich auf mehreren Höfen während der Blutgewinnung ereignet, als die betriebsinterne Kontrolle der Ísteka hätte greifen müssen.
Laut MAST haben in den letzten fünf Jahren acht Höfe ihren Betrieb eingestellt, sowie drei weitere nach Beschwerden in den Jahren 2017, 2019 und 2020.

Arbeitsgruppe unter Zeitdruck, Ansichten unterschiedlich
Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir hatte zu Jahresbeginn eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Grundlagen des Gewerbes prüfen soll. Sie hat der Ministerin bis zum 1. Juni ein Ergebnis vorzulegen. In der Arbeitsgruppe befinden sich unter anderem ein Ethikprofessor, sowie eine Tierärztin der Veterinäraufsichtsbehörde, die die Blutgewinnungspraktik verteidigt.
Gestern hatte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses angegeben, er glaube nicht, dass zum Thema Blutstuten vor der Sommerpause eine Entscheidung falle, weil die Ansichten gar zu verschieden seien.
Auch vom Pferdezuchtverband waren gestern noch einmal mahnende Worte gekommen, der Verbandsvorsitzende Sveinn Steinarsson hatte vor der Arbeitsgruppe angegeben, die Blutstutenbranche sei in Island weitaus mehr gewachsen als wünschenswert ist, und viele Züchter befürchteten, dieser Wirtschaftszweig könnte der Reitpferdezucht und dem Image Islands als Pferdeland Schaden zufügen.

Blutgewinnung seit 2020 ungesetzlich, sagt Kritiker vor dem Wirtschaftsausschuss

bloodmare

Ein Lektor der Dania-Hochschule im dänischen Jütland ist der Ansicht, dass die Blutstutenwirtschaft in Island seit Auslaufen der letzten Genehmigung des blutnutzenden Unternehmens Ísteka im Jahr 2020 an allen gesetzlichen Bestimmungen vorbei gelaufen ist, berichtet das Fréttablaðið. Björn M. Sgurjónsson von der Dania-Hochschule in Randers wundert sich, dass die isländische Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST die Blutstutenhalten nach 2020 überhaupt noch erlaubt hat.
„Es besteht kein Zweifel daran, dass die Blutgewinnung seit dieser Zeit ungesetztlich ist,“ sagte Björn in einem Interview. Er war als einer der Experten heute zu einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses beim Parlament geladen worden, wo auch Mitglieder isländischer Tierschutzverbände zusammen mit Politikern den parlamentarischen Vorschlag von Volkspartei-Vorsitzender Inga Sæland, die Blutstutenhaltung in Island zu verbieten, diskutierten.
Island ist das einzige Land in Europa, wo die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten erlaubt ist. Aus dem Blut wird ein Hormon extrahiert, welches in der Nutztierzucht Anwendung findet, unter anderem zur Zyklussteuerung bei kleinen Ruminanten und als Fruchtbarkeitsmedikament in der Schweinezucht.

Gesetz von 2013/14 verbietet Tierversuche und nicht-therapeutische Eingriffe
Die neuen gesetzlichen Bestimmungen behandeln die Blutgewinnung in keinem der Paragraphen, damit sei diese Praktik automatisch nicht gesetzeskonform. Es sei dem Tierschutzgesetz aus dem Jahr 2013 nach verboten, Tierversuche anzustellen oder Medikamente aus dem Material von lebenden Tieren herzustellen. In der Novelle aus dem Jahr 2014 stehe auch klar formuliert, dass Tierärzte an Pferden ausschliesslich therapeutische Eingriffe vornehmen dürfen.
Für die Blutgewinnung wird der gefesselten Stute zunächst ein Betäubungsmittel gespritzt, danach wird die Halsvene mit einer bleistiftdicken Kanüle punktiert, aus der achtmal pro Sommer jedesmal bis zu fünf Liter Blut entnommen werden. Schweizer Pferdefachtierärzte hatten die Blutmenge als viel zu hoch bezeichnet und das Fehlen von wissenschaftlichen Studien und Daten kritisiert.

Wurde etwas übersehen?
Björn sagt, Gesetze und Regeln zum Tierschutz und zur Pferdehaltung hier in Island seien in diesem Jahrhundert oft geändert worden, daher habe die Veterinäraufsichtsbehörde ein wichtiges Detail möglicherweise übersehen.  Begonnen habe die Geschichte im Jahr 2002, als ein Gesetz in Kraft trat, welches MAST das Recht einräumte, Unternehmen die Genehmigung zur Blutgewinnung zu erteilen. Das Unternehmen Ísteka habe damals die Genehmigung für jedesmal vier Jahre erhalten. Die letzte vierjährige Genehmigung sei 2016 erteilt worden und 2020 ausgelaufen. „Mir scheint, die Behörde hat das einfach nicht gemerkt.“ meint Björn.

Ausschuss schafft Blutstuten nicht vor der Sommerpause
Der Wirtschaftsausschuss des Parlaments hatte Inga Sælands Gesetzesvorlage zum Verbot der Blutstutenhaltung heute auf dem Tisch liegen. Der Ausschussvorsitzende Stefán Vagn Stefánsson gab an, die Angelegenheit sei weit von einer Entscheidung entfernt. Ausserdem nähere sich die Parlamentssaison der Sommerpause und es gebe noch zahllose Themen, die einer Entscheidung harrten. Er halte es für unwahrscheinlich, dass die Blutstutengeschichte abgeschlossen werden könne. Es stehe auch nicht zur Debatte, alle 137 Personen, die die Gesetzesvorlage beim Parlament schriftlich kommentiert hätten, zur Sitzung zu laden. Dennoch gebe es auch innerhalb des Ausschusses ausgesprochen unterschiedliche Ansichten, daher werde die Zeit zu knapp, um das Thema zu bearbeiten und zur Abstimmung ans Parlament weiterzugeben.
Die Ereignisse um den Vorschlag, die lukrative Blutstutenhaltung in Island ein für alle Mal zu verbieten, begannen im Frühjahr 2021.

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Beginn der Waljagdsaison 2022 könnte Touristen abschrecken

Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes bedauert Nachrichten über eine Wiederaufnahme der Waljagd in diesem Sommer. Die Tourismusunternehmen bekämen die negativen Auswirkungen zu spüren, sobald solche Nachrichten an die Öffentlichkeit gerieten, berichtet Vísir.
Im Morgunblaðið wird der Geschäftsführer von Hvalur ehf., Kristján Loftsson, zitiert, dass in diesem Juni wohl wieder zur Waljagd geblasen werde. Sollte das Wetter es zulassen, werde man die Meeresriesen bis in den September hinein jagen. Der ehemalige Minister für Fischerei und Landwirtschaft, Kristján Þór Júlíusson, hatte im Februar 2019 eine Jagdlizenz für Finnwale und Zwergwale ausgestellt, die bis 2023 gültig ist. Seine Amtsnachfolgerin, Svandís Svavarsdóttir, hatte jedoch angegeben, sie sehe nur wenig, was die Waljagd heutzutage noch rechtfertige. Weltweit betreiben nur drei Länder die kommerzielle Waljagd, neben Island sind dies Norwegen und Japan.

Furcht vor ausländischen Artikeln zum Walfang
In diesen Tagen versucht der isländische Tourismus nach pandemiebedingter Pause wieder in Fahrt zu kommen. Bei einer Jahreskonferenz der Branche ging es heute um Zukunftsvisionen, doch nach Worten von Geschäftsführer Jóhannes Þór Skúlason gehöre die Waljagd ganz sicher nicht dazu.
“Das ist natürlich bekannt und oft zitiert, dass die Waljagd nach Ansicht der Tourismusindustrie dem Image Islands als touristisches Ziel immensen Schaden zufügt. Da muss man nicht um den heissen Brei reden. Man muss sich nur die Artikel zur isländischen Waljagd in den ausländischen Medien anschauen, da gibt es in den grossen Zeitungen oft leidenschaftliche Beiträge.”
An die 80 Prozent aller Islandtouristen kämen, um die Natur zu erleben. Die Branche bemerke sofort, wenn Nachrichtenmagazine über die Waljagd der Isländer berichteten. Und dabei gehe es nicht einmal nur um die Walbeobachtungstouristen, die Waljagd schrecke so manchen insgesamt ab, die Insel zu besuchen.
Natur erleben und Waljagd, das passe einfach nicht zusammen, meint Jóhannes.
Zur Zeit befindet sich eins der Walfangschiffe zur Überholung auf der Werft.

Ministerin will Waljagd verbieten
Anders als ihr Vorgänger hat die neue Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft in den sechs Monaten ihrer Amtszeit eine ganz andere Geisteshaltung in Bezug auf Tierschutz an den Tag gelegt.
In einem offenen Brief im Morgunblaðið hatte sie Anfang Februar geschrieben, es werde nach Ablauf der Lizenz ab 2024 keine Waljagd mehr geben. Vielmehr müsse erst mal bewiesen werden, dass eine Erneuerung der Jagdlizenz wirtschaftlich zu rechtfertigen sei. Die Gefahr der Rufschädigung für Island, die einer Fortführung der Waljagd unweigerlich folge, sei wesentlich, wenn auch schwer zu messen.

Auch in Bezug auf die Blutstutenwirtschaft befürchtet Svandís die Gefahr einer Rufschädigung Islands, sollte ein von ihr einberufenes Gremium zu dem Ergebnis kommen, dass weiterhin tragenden Islandstuten pro Sommer bis zu 40 Liter Blut auf teilweise brutale Weise entnommen werden darf, um daraus ein in der Schweinezucht verwendetes Hormon zu gewinnen. Das Gremium hat bis zum 1. Juni Zeit, ein Gutachten zu der international umstrittenen Industrie abzuliefern. Ausser Island betreiben nur Argentinien, Uruguay und China das einträgliche Geschäft mit dem Stutenblut.
Ähnlich wie bei der Waljagd, wo sowohl fragwürdige Tötungsmethoden als auch die Zerteilung der Kadaver unter freiem Himmel von Branchengegnern kritisiert wurden, stehen auch beim Blutgeschäft wirtschaftliche Interessen gegen Tierwohl und einzelne Artikel des Gesetzes zum Schutz der Pferde.

Blutvolumen bei Islandpferden nicht bekannt, Ministerin äussert sich zu Prinzip, Tierschutz und Ethik

bloodmare

Nach Auskunft der Veterinäraufsichtsbehörde MAST liegen keine Untersuchungen zum Blutvolumen im Islandpferd vor, und es ist auch nicht untersucht worden, wie hoch die Blutmenge sein darf, die man einem Pferd gefahrlos wöchentlich entnehmen kann, berichtet das Fréttablaðið.
„Vom heutigen Wissensstand ausgehend ist es nicht möglich, auszurechnen, wieviel Blut einer tragenden, laktierenden Stute wöchentlich acht Wochen in Folge entnommen werden kann,“ heisst es in einer Antwort der Leitenden Tierärztin für Pferdekrankheiten, Sigríður Björnsdóttir bei MAST auf eine Anfrage von Ole Antoni Bieltvedt, dem Vorsitzenden des Naturschutzbundes Jarðarvina.

Die Blutmenge, die aus Blutstuten im Sommer gewonnen wird, hatte in der Vergangenheit reichlich für Debatte gesorgt. Den tragenden Stuten mit Fohlen bei Fuss wird im Sommer einmal pro Woche und acht Wochen in Folge um die fünf Liter Blut entnommen, aus dem das Trächtigkeitshormon eCG (oder PMSG) extrahiert wird. Diese Blutmenge macht 14 Prozent der Gesamtblutmenge aus, wenn man davon ausgeht, dass diese bei 36 bis 37 Litern liegt. Tierschützer und Veterinäre hatten diese Menge scharf kitisiert und Vergleichsbeispiele angeführt, nach denen das Gesamtblutvolumen in Islandstuten weitaus geringer ausfällt.
Nun hat MAST also bestätigt, dass es gar keine Untersuchungen zur Gesamtblutmenge in isländischen Pferden gibt. Die Schätzungen beruhen einzig auf Erfahrungs- und Messwerten des blutnutzenden Pharmaunternehmens Ísteka. Der wichtigste Massstab zum Tierschutz sind die Überwachung des körperlichen Zustandes und die Hämoglobinmessungen. MAST gibt an, dass Messdaten der Ísteka zur Hämoglobinkonzentration während des gesamten Zeitraumes der Blutgewinnung innerhalb der Referenzwerte für gesunde Pferde lägen. Ausserdem hätten Aufzeichnungen gezeigt, dass die Todesrate bei Blutstuten unter 0,1 pro Jahr liege.

Seit 2017 hatte MAST von der Ísteka regelmässige Hämoglobinmessungen verlangt, jeweils vor und nach der Blutgewinnungsperiode. Aus den Daten geht hervor, dass die Blutstuten zu Beginn der Blutgewinnungsperiode einen relativ hohen Hämoglobinspiegel aufweisen (13,1 – 13,9 g/dL), nach den ersten zwei bis drei Blutentnahmen sinkt der Spiegel auf 10,6 g/dL und pendelt sich dort ein. Die meisten Todesfälle sind auf Unfälle zurückzuführen, pro Jahr ein bis zwei Stuten. In Sigríðurs Antwort an Ole heisst es, dass es so gut wie keine Vorfälle wegen Entkräftung durch den Blutverlust gebe, und auch Hypokalzämie komme ausgesprochen selten in Blutstutenherden vor. Verletzungen oder Entzündungen der Halsvene würden hingegen beobachtet, und hin und wieder müsse man die Punktionsseite wechseln oder eine Entzündung antibiotisch behandeln. Es gebe Informationen von MAST zufolge keine Probleme im Immunsystem, und die Fruchtbarkeit der Stuten sei mit 86 Prozent Trächtigkeit ausgesprochen gut. Das Durchschnittsalter der Stuten betrage 10,7 Jahre.

Schwerwiegende Verstösse auf sechs Höfen
Das Magazin Kjarninn hatte vor zwei Monaten bei MAST um Informationen zur Aufsicht der Behörde bei den Blutfarmen gebeten. In der vergangenen Woche erhielt Kjarninn Antwort vom Juristen der Behörde, demnach habe die Behörde nach regelmässiger, risikobasierter Überwachung von Fütterung und Blutentnahmestellen in Winter und Frühling schwerwiegende Einwände auf sechs Höfen geäussert und Ísteka informiert, dass dort keine Blutgewinnung mehr durchgeführt werden darf.
In allen Fällen habe Ísteka die betreffenden Höfe von der Liste gestrichen, zwei Höfe in 2017, drei Höfe in 2019 und einer in 2020. In keinem Fall kam es zu einem Tierhaltungsverbot, vielmehr sind die Zustände verbessert werden. Ein Hof musste seine Pferdezahl massiv reduzieren, ein anderer zog sich aus dem Blutfarming zurück. In einem Fall in 2018 hatten Nachbarn die Zustände bei Fütterung und Umzäunung an die Veterinäraufsichtsbehörde gemeldet

Wettbewerbsbehörde will Kaufgebahren prüfen
Zur Zeit bereitet die isländische Wettbewerbsbehörde eine Untersuchung der Blutwirtschaft vor, bei dem das blutaufkaufende Pharmaunternehmen und sein Gebahren gegenüber den blutliefernden Bauern unter die Lupe genommen wird. Haukur Harðarsson, ein Experte bei der Behörde, bestätigte gegenüber dem Fréttablaðið, man untersuche, ob der Bluthandel gesetzeskonform verlaufe.
Zuletzt hatte Ólafur Róbert Rafnsson, ein Experte für Risikomanagement, in einer Kostenaufstellung dargelegt, dass die Haltung von Blutstuten sich nicht rentiere, wenn die Blutstutenhalter nicht bei Fütterung, Pflege und Einzäunung gehörig sparten. Viele hätten geklagt, dass die Verträge mit der Ísteka sich seit 40 Jahren kaum geändert hätten.
Arnþór Guðlaugsson, der Geschäftsführer der Ísteka, verweist die Berechnungen von Pferdehalter Ólafur ins Reich der Märchen und behauptet, die isländischen Blutstuten gehörten zu den gesündesten Pferden im ganzen Land. Ausserdem habe sich der Blutpreis seit dem Jahr 2000 verachtfacht, während der Verbraucherpreis um das 2,5-Fache gestiegen sei. Diese Preissteigerung gebe es in keinem anderen isländischen Landwirtschaftszweig, weswegen sich immer mehr Bauern der Blutwirtschaft zuwendeten. Der aktuelle Vertrag zwischen Ísteka und den Blutfarmen war 2019 geschlossen worden und ist bis 2023 gültig.

Blutfarmer kündigen Verträge mit Ísteka
Anfang Februar hatte eine grosse Zahl isländischer Blutfarmer den Vertrag mit der Ísteka aufgekündigt, um neu zu verhandeln, berichtete das Bændablaðið. Sie verlangen mehr Geld für das Blut, mehr Transparenz in der Verarbeitung und dass die Kontrolle der Landwirte über ihre eigenen Betriebe respektiert wird.
Halla Bjarnadóttir, die Sprecherin der südisländischen Blutfarmer, kritisierte den Mangel an Kommunikation seitens der Ísteka. Immer wieder seien Unternehmensvertreter zu Gesprächen geladen worden, ohne dass es zu Ergebnissen gekommen sei. Der Stand der Blutfarmer gegenüber der Ísteka sei sehr schwach, man erhalte nicht genügend Informationen über das gelieferte Blut, stattdessen mauere das Unternehmen. Bezahlt werde nämlich nach Liter pro Stute und nicht nach Hormongehalt des Blutes.

Exporterlös entspricht Verlust von 7700 Touristen
Der Exporterlös aus dem Handel mit Stutenblut beläuft sich auf rund zwei Milliarden ISK. Die Vorsitzende des isländischen Tourismusverbandes, Bjarnheiður Hallsdóttir, hatte kürzlich angemerkt, diese Summe entspreche den Exporterlösen von 7700 Islandtouristen. Selbst wenn die Berichte über die Blutstutenmisere nur 7700 Touristen von einer Islandreise abhielten, dann seien das immer noch zwei verlorene Milliarden Einkünfte. Die Erfahrung mit den Auswirkungen des Walfangs auf das Image Islands habe gezeigt, dass 7700 durchaus eine realistische Zahl sei, die schnell wachsen könne. Dann seien grössere wirtschaftliche Schäden vorhersehbar.

Entscheidung um Blutstuten muss auf ethischen Grundsätzen basieren
Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir hatte jedoch bei einer parlamentarischen Debatte um die Blutstuten bekräftigt, sie werde eine Entscheidung zur Zukunft der Blutstutenhaltung nicht nach monetären Interessen treffen, sondern nach Prinzipien und ethischen Grundsätzen. “Wenn das einfach nur ein Rechenbeispiel um Kronen wäre, dann würden wir Entscheidungen immer nur nach monetären Interessen treffen,” sagte sie heute vor dem Parlament. “Das will ich nicht tun und werde es nicht tun. Es gibt da ganz bestimmte Prinzipien und ethische Grundsätze, aber die orientieren sich an den Zielen des Tierschutzgesetzes. In der isländischen Gesetzgebung ist es Ziel des Tierschutzgesetzes, das Wohlergehen des Tieres zu fördern, dass Tiere frei von Unbehagen, Angst, Hunger usw. sind. Das existiert nicht etwa, weil wir so lieb sind, sondern weil Tiere Wesen mit Empfindungen sind und als solche zählen.”
Abgeordnete aus dem konservativen Lager sperrten sich gegen die Idee, einen ganzen Landwirtschaftszweig zu verbieten und verlangten Verbesserungen statt Verbote. Ein Parlamentarier sorgte sich gar, dass als nächstes noch das Reykjaviker Nachtleben verboten werde, weil dort unmenschlich mit Leuten umgesprungen werde.
Die von Svandís eingesetzte Arbeitsgruppe zum Blutstutenthema soll ihr Ergebnis bis spätestens Anfang Juni abliefern.

Kein PMSG mehr in der Schweiz, Dänemark hadert
Derweil hat der Schweizer Schweinezüchterverband angekündigt, den Gebrauch des Stutenhormons eCG in der Schweiz zu untersagen und künftig andere Methoden zur Zyklussteuerung zu benutzen.
In Dänemark war das Video der Schweizer Tierschutzorganisation ebenfalls mit Unbehagen angeschaut worden. Der dänische Landwirtschaftsminister gab BT gegenüber an, er glaube zwar, dass man einem Pferd Blut abnehmen könne, ohne ihm Unbehagen zuzufügen, aber er sehe durchaus Alternativmöglichkeiten für die Schweinezucht. Ein Verbot des Einsatzes von eCG müsse allerdings vom Gesundheitsministerium kommen, und es müsse schnell gehandelt werden. Er spreche da nicht von Monaten, sondern von Wochen.

 

Fischereiministerin sieht Walfang als Auslaufmodell

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Islands Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Svandís Svavarsdóttir, sieht nur wenig Hinweise darauf, dass der Walfang für Island von wirtschaftlichem Nutzen ist. Die derzeitigen Bestimmungen gestatten kommerziellen Walfang bis zum Jahr 2023. Svandís zufolge gibt es kaum Grund, eine weitere Erlaubnis zu erteilen, wenn die Lizenz ausgelaufen ist.
In einem Beitrag im Morgunblaðið schrieb die Ministerin heute, dass seit Wiedereinführung des kommerziellen Walfangs im Jahr 2006 mehrere hundert Finnwale und eine relativ grosse Zahl an Zwergwalen erlegt worden sei. Unbestritten sei, dass Walfang keine grosse wirtschaftliche Rolle spiele. In den vergangenen drei Jahren etwa war nur ein Zwergwal erlegt worden.

Die Unternehmen, denen eine Lizenz zum Walfang erteilt worden war, hatten entschieden, diese nicht zu nutzen. Svandís schreibt, das könne mehrere Gründe haben, doch “der einfachste Grund ist vielleicht, dass ständige Verluste das wahrscheinlichste Ergebnis sind.” Der Walfleischkonsum in Japan, dem Hauptabnehmer für isländisches Walfleisch, nimmt immer weiter ab. Die Ministerin weist auch darauf hin, dass der Walfang eine kontrovers diskutierte Praktik sei, und diese Kontroverse habe negative Auswirkungen auf Island, auch wenn dies vielleicht schwer zu bemessen sei.

Islands grösstes Walfangunternehmen Hvalur hf. war in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Einen öffentlichen Aufschrei hatte es in 2018 gegeben, als das Unternehmen einen tragenden Finnwal und einen seltenen Hybriden aus Pottwal und Blauwal tötete. Nachdem Hvalur hf. für die Jahre 2014, 2015 und 2018 keine Logbücher des Kapitäns vorlegen konnte, wäre um ein Haar die Lizenz verloren gegangen. Zudem sind mehrere Klagen durch Aktionäre und Tierschutzaktivisten anhängig.

Svandís schreibt in ihrem Beitrag, die Regierung werde in diesem Jahr eine Abwägung von wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Walfangs vorlegen.
In ihrer Eigenschaft als Landwirtschaftsministerin hatte Svandís Svavarsdóttir bereits im Januar eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um die in der internationalen Kritik stehende Blutstutenhaltung unter wirtschaftlichen, ethischen und sozialen Gesichtspunkten zu prüfen.

 

Blutstuten: Umweltbehörde genehmigt Verarbeitung von 600 Tonnen Blut

Die isländische Umweltbehörde hat am 13. Januar dem Pharmaunternehmen Ísteka ehf. die Genehmigung erteilt, pro Jahr 20 Kilogramm medizinischen Rohstoff aus insgesamt 600 Tonnen Blut von tragenden Stuten zu produzieren. Bei der Produktion handelt es sich um vorbereitende Prozesse am Rohstoff, Weiterverarbeitung und Isolierung des Endstoffes.  Weiter heisst es in der Betriebserlaubnis, sollte der Betrieb in andere Hände übergehen, kann beantragt werden, dass die Betriebsgenehmigung auf den neuen Besitzer überschrieben wird. Erteilt wird die Genehmigung auf der Grundlage isländischen Rechts und der EU-Richtlinie 1069/2009 zu tierischen Nebenprodukten.

Umweltbehörde ist nicht für Tierschutz zuständig
Auf der Webseite der Umweltbehörde sind alle 237 eingesandten Einwände gegen eine solche Genehmigung veröffentlicht. Die Behörde weist darauf hin, dass die Genehmigung auf Grundlage der Gesetze zu Hygieneregeln und Vermeidung von Umweltbelastungen erteilt wurde, weil es sich um die Herstellung von Medikamenten handle. Die Einwände hingegen thematisierten vor allem die Blutgewinnung aus tragenden Stuten.

Nach Angaben der Behörde betrifft die erteilte Genehmigung eine Medikamentenherstellung an einem bestimmten Arbeitsumfeld des Betreibers und enthält Auflagen zur Schadstoffbegrenzung und Überwachung. Sie umfasst nicht die Gewinnung und Bevorratung des Blutes, aus dem produziert wird. Der Veterinäraufsichtsbehörde MAST obliegt diese Kontrolle im Rahmen des Tierschutzgesetzes.
Die Genehmigung ist bis zum Jahr 2038 gültig. Gegen sie kann innerhalb eines Monats beim Schlichtungsausschuss für Umwelt- und Resourcenfragen Einspruch eingelegt werden.

Bislang hatte das Unternehmen Ísteka ehf. 170 Tonnen Blut verarbeitet, welches aus 5400 tragenden und laktierenden Stuten gewonnen wurde. Jeder Stute werden im Sommer zwei Monate lang wöchentlich fünf Liter Blut entnommen, aus dem Blut extrahiert Ísteka das für die Schweine- und Ruminantenzucht wichtige Hormon PMSG. Für eine Produktion von 600 Tonnen Blut wären 20.000 Stuten nötig, die dann 20.000 säugende Fohlen bei Fuss hätten. Der Gesamtpferdebestand in Island wird aktuell auf ca. 70.000 Pferde geschätzt.
Zur Zeit liegt dem isländischen Parlament ein Gesetzantrag vor, mit dem die Blutstutenwirtschaft verboten werden soll, nachdem Ende letzten Jahres tierschutzrelevante Vorgänge bekannt geworden waren.
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Blutstuten: Gesetzantrag zum Verbot kontrovers aufgenommen

Für den Gesetzantrag zum Verbot der Blutstutenhaltung in Island ist inzwischen eine lange Liste an Kommentarschreiben beim parlamentarischen Ausschuss eingegangen. Die Liste der Einsendungen wird täglich ergänzt und findet Erwähnung in den Tagesmedien. Auch ausländische Interessensvertreter haben sich mit Standpunkten zu Wort gemeldet. Wie RÚV berichtet, hatte der parlamentarische Ausschuss für Beschäftigung 14 Institutionen, Unternehmen und Verbände um Kommentierung des Gesetzantrags gebeten, darunter die Veterinäraufsichtsbehörde MAST, Ísteka, den Pferdezüchterverband, den Tierärzteverband und das Ethikinstitut der Universität. Die Einsendefrist läuft am 17.1.2022 ab, und nur vom Verband der isländischen Vegetarier ist bislang ein Schreiben eingegangen, in welchem die Blutindustrie abgelehnt wird, weil sie mit dem geltenden Tierschutzgesetz nicht in Einklang zu bringen sei. Insgesamt sind inzwischen 28 Einsendungen verzeichnet, doch nur ein Teil der Dokumente ist bislang einsehbar.

Harte Worte gegen Gegner des Blutfarmings
In einigen Beiträgen fallen harte Worte, wie etwa dass die ständigen Behauptungen über Gewaltanwendung bei den Blutgewinnungen ein “verwerflicher Angriff auf die Ehre und Reputation der in der Blutgewinnnung tätigen Landwirte” sei, der Gesetzentwurf sei eine “Geringachtung des Parlaments”, das Video der Tierschutzorganisationen wird als “Fälschung” und “Propaganda” bezeichnet und isländische Medien als “Erfüllungsgehilfen der Organisationen”. Ausserdem verringere die isländische Blutwirtschaft den ökologischen Fussabdruck in der internationalen Schweinezucht, heisst es in einem Brief.
Ein französischer Verband zur Zuchtverbesserung von Ruminanten schrieb in seinem Beitrag, man unterstütze die Blutgewinnung für die PMSG-Produktion, weil es keine Alternative zum Stutenhormon für die Besamung von kleinen Ruminanten gebe.

Alternativen zu PMSG sind vorhanden
Aus der Antwort des BVL auf eine kleine Anfrage zu PMSG im Deutschen Bundestag aus dem Jahr 2018 geht hervor, dass allein in Deutschland zusätzlich zu zoologischen Massnahmen 36 synthetische Präparate für Brunstinduktion, Zyklussteuerung und Superovulation zugelassen und verfügbar sind.
Der isländische Reiterdachverband LH unterstützt den Gesetzantrag und verlangt ein Verbot der Blutgewinnung aus tragenden Stuten. Ähnliches hatte zuvor auch die FEIF vertreten, ihr Schreiben ist beim Parlament zwar gelistet, aber nicht einsehbar.
Die Tierschutzorganisationen AWF und TSB weisen in ihrem Schreiben unter anderem darauf hin, dass die Blutgewinnung aus tragenden Stuten in Island als Tierversuch deklariert sei, was der Gesetzgeber in der EU und in Island nur dann gestatte, wenn es keine Alternative gebe. Eine Alternative stehe jedoch mit den synthetischen Präparaten zur Verfügung. Nach Ansicht der Tierschützer verstossen sowohl die gewaltvollen Praktiken bei der Blutgewinnung, ohne die keine Venenpunktion möglich ist, gegen das Pferdeschutzgesetz von 2014, als auch die Tatsache, dass hier invasive Prozeduren ohne medizinische Notwendigkeit am Pferd stattfinden. Die invasive Prozedur (Venenpunktion) diene vielmehr ökonomischen Zwecken.

40 Jahre alte wissenschaftliche Grundlage
Eine Landwirtin schreibt, man beziehe sich bei den Blutentnahmen auf Untersuchungen von vor 40 Jahren, als Pferdezüchter in Zusammenarbeit mit Forschern eine “vertrauenswürdige Grundlage für Vorgang, Stalleinrichtung und Kontrolle der Stuten, aus denen Blut gewonnen wurde,” angelegt hätten. Es habe bei der Versuchsanstalt Keldur damals eine dreijährige Untersuchung zur Auswirkung der Blutgewinnung auf die Gesundheit von Stuten und Fohlen gegeben.
Kritiker des Blutfarmings werfen Ísteka und MAST vor, bis heute weder veraltete noch neue wissenschaftlichen Daten vorgelegt zu haben.

Kritik an Blutmenge pro Stute
Das Fehlen von wissenschaftlichen Daten, welche die beispiellos hohe Blutausbeute pro tragender Stute in Island rechtfertigen, hatten in der vergangenen Woche zwei Schweizer Tierärzte in einem Schreiben an isländische Behörden und Medien kritsiert. Drs. Barla Barandun und Ewald Isenbügel schrieben, dass es den Bestimmungen von MAST zufolge erlaubt sei, fünf Liter Blut aus jeder tragenden Stute ab vier Jahren zu entnehmen, ungeachtet von Grösse, Gewicht und Futterzustand, wobei das Gewicht der Pferde per Massband ermittelt werde. Gehe man von einem Gewicht von 350 Kilo aus und schätze die Gesamtblutmenge auf sieben Prozent des Körpergewichts, komme man auf eine Litermenge von 24,5 Litern, bei acht Prozent auf 28 Liter. Fünf Liter Blut stellen 15 Prozent der Gesamtblutmenge dar, was doppelt soviel ist wie in anerkannten internationalen Bestimmungen zu Blutentnahme bei Pferden angegeben. Im Ausland haben die Pferde ein bis zwei Monate zur Erholung vom Blutverlust, in Island bekommen sie dafür acht Tage Zeit. Die tragenden und laktierenden Stuten müssten damit rechnerisch in den acht Wochen Blutgewinnungsperiode ihren Gesamtblutgehalt einmal erneuern, heisst es in dem Schreiben von Barandun und Isenbügel.
Die beiden Tierärzte weisen darauf hin, dass die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten in der Europäischen Union und in der Schweiz verboten ist.
Barandun und Isenbügel kritisieren weiter mangelhafte Einrichtungen zur Blutgewinnung, sowie die gängige Praktik, die Stuten für die Punktion in unnatürlicher erzwungener Kopfhaltung und am Körper zu fesseln, und die Tatsache, dass Tierärzte die bleistiftdicken Punktionsnadeln nicht auswechseln und die Stuten offenbar immer wieder mit stumpfen Nadeln gestochen werden. Ausserdem kritisieren sie, dass weder beteiligte Veterinäre noch die Veterinäraufsichtsbehörde gegen diese offenkundigen Missstände einschreiten.

PMSG-Forschungsarbeit mit Praktikum am Pferd
Vísir zitiert aus einem Gespäch mit der amerikanischen Wissenschaftlerin Anne Elyse Lally, die im Jahr 2014 im Rahmen ihrer Recherchen Zeit auf einem Bauernhof verbracht hatte, wo Blut aus tragenden Stuten gewonnen wurde. Im Interview beschreibt sie die Umstände der Blutgewinnung ähnlich, wie sie im Video zu sehen sind. Die Stuten wurden Lally zufolge in den Pferch getrieben, von ihren Fohlen getrennt, in den Fixierstand verbracht, wo ihr Kopf am Halfter aufgehängt wurde, damit der Tierarzt die Punktionsstelle rasieren und die Venenpunktion vornehmen konnte.

Lally beschreibt das Verhalten einiger Stuten, die bei jedem Blutgewinnungstermin den Fixierstand beinahe auseinandernahmen oder sich auf den Boden fallen liessen. In ihrer Arbeit über zirkulatorische Nahrungsmittelsysteme, in der sie das isländische Blutfarming und die Durchlässigkeit des weiblichen Agrarkörpers untersucht, beschreibt sie auch, dass den Stuten zusätzlich zu den wöchentlichen Venenpunktionen zur Blutgewinnung im Vorfeld immer wieder Blutproben entnommen werden, um den Hormongehalt zu bestimmen. Blutaufkäufer Ísteka blase zur Blutgewinnung in den Fixierständen erst dann, wenn die Hormonmenge bei allen Stuten ausreiche, heisst es in Lallys Arbeit.
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