WM-Medaillen und Offener Brief von Prof. Dr. Isenbügel

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Am vergangenen Wochenende ist die Weltmeisterschaft der Islandpferde in den Niederlande zuende gegangen. Die isländische Mannschaft brachte 16 Goldmedaillen, drei Silbermedaillen mit nach Hause.  Fünf Goldmedaillen und eine Silbermedaille hatte es in der Zucht gegeben, 11 mal Gold und zweimal Silber im Sport. Alle Teilnehmer der Jugend schafften es aufs Podest. Der Dachverband der isländischen Reitvereine schreibt, dass diese WM zu den besten gehört, an der isländische Reiter jemals teilgenommen haben.

Offener Brief an alle Reiter
Aus gegebenem Anlass hat der Mitbegründer der FEIF und ehemalige Präsident und Ehrenpräsident Prof. Dr. Ewald Isenbügel einen offenen Brief an die Reitergemeinschaft geschrieben, den Heimildin abgedruckt hat, das deutschsprachige Original ist weiter unten zu lesen. Der emeritierte Professor für Veterinärmedizin der Universität Zürich ist auch Träger des isländischen Falkenordens, einer Ehre, die nur wenigen Ausländern zuteil wird.

“Seit 1968 feiert die Islandpferdegemeinschaft neben dem Landsmot Europa- und Weltmeisterschaften. 2023 wiederum in Holland. Zu deren Ausrichtung wir der Niederländischen Islandpferdevereinigung von Herzen danken.
Wer hätte diese weltumfassende Entwicklung der Islandpferde – des Pilotpferdes der neuen Haltungsformen in der Gruppe, des Freizeitreitens und der Gangarten vorausgesehen, als in den fünfziger Jahren die Islandpferde zu uns aufs europäische Festland kamen. Der weltweite Erfolg der Islandpferde dank der Arbeit der ersten Gründungsländer der FEIF führte in der Heimat der Islandpferde zu einer Renaissance der Reiterei, dem Turnierwesen und der Zucht. Der Export von Pferden und der stetig zunehmende Besucherstrom von Islandpferdeliebhabern auf die Ursprungsinsel wurde für Island zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor.

Dieses Erfolgsgeschehen begleitet seit einiger Zeit der dunkle Schatten der tierquälerischen Ausbeutung trächtiger Stuten auf isländischen Blutstutenfarmen.
Animal welfare steht in den FEIF-Ländern als wichtige Prämisse und ist in Reglementen des Sportes, der Haltung und Zucht klar festgelegt und findet auch in der social license to operate ihre Vorgaben.
Die Missachtung der Tierschutzgesetze in dem Blutstutengeschäft führt zu immer stärkerem Widerstand in der isländischen Bevölkerung.
Nicht eine Verbesserung der Bedingungen zur Blutgewinnung sondern ein klares Verbot dieser Pferdenutzung muss unser aller Anliegen sein, welches mit Vehemenz und allen Mitteln gefordert werden muss. Island steht nicht allein in der Verantwortung, Deutschland ist Islands grösster PMSG-Abnehmer.

Wir sollten bei aller berechtigter Festfreude und Sportgeist daran denken, dass in den stolzen Ehrenrunden der Weltmeister die Schatten von 5000 gequälten Stuten mitlaufen.”

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Dienstaufsichtsbeschwerde gegen südisländische Polizei eingereicht

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Gegen die südisländische Polizeidienststelle ist eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht worden, weil der zuständige Polizeileiter seine Ermittlungen im Fall der misshandelten Blutstuten eingestellt hat. Beschwerdeführer sind die deutsch/schweizerischen Tierschutzverbände AWF und TSB, die sowohl die Einstellung der Ermittlung als auch das Verhalten des damit betrauten Polizeichefs als verwerflich bezeichnen und über einen isländischen Anwalt nun rechtliche Schritte eingeleitet haben, berichtet Heimildin.

Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte nach Erscheinen des Blutstutenvideos im Winter 2021 eine Aushändigung des ungeschnittenen Videomaterials verlangt, um die im Video dokumentierten Tierquälereien zu untersuchen. Wie einem Briefwechsel zwischen dem deutschen Anwalt der Verbände und den isländischen Behörden zu entnehmen ist, hatten die Verbände darum gebeten, dass das personenschutzrechtlich sensible Datenmaterial per offizieller Amtshilfe aus Island angefordert wird, damit das Material im Fall eines Gerichtsverfahrens juristisch verwendbar bleibt. Dies ist der übliche Amtsweg auch auch in zwischenstaatlichen Angelegenheiten.
Bei der Staatsanwaltschaft in Freiburg ist ein solches Amtshilfeersuchen jedoch niemals eingegangen.
Ein Jahr später, am 25. Januar 2023, ging die Bitte eines polizeilichen Ermittlers um bürokratische Hilfe ein, nur einen Tag später stellte die südisländische Polizei ihre Ermittlungen ein, mit der Begründung, es fehle an Beweismitteln.

Nicht gerechtfertigt und inakzeptabel
Die Tierschutzverbände halten die Einstellung der Ermittlungen für nicht gerechtfertigt und verlangen in ihrer Dienstaufsichtsbeschwerde eine Untersuchung darüber, warum die Polizei ihre Arbeit nicht gemacht hat. Das Verhalten des Dienststellenleiters sei völlig inakzeptabel, widerspreche jeglicher Moral und stehe im Widerspruch zu Wahrheit und Datenlage.
Es wecke Besorgnis, dass die Polizeidienststelle offenbar „nicht in der Lage zu sein scheint, die Beschaffung von Informationen für Ermittlungen in einem Fall kriminellen Verhaltens, der Verbindungen ins Ausland hat, weiterzuverfolgen und abzuschliessen.“
Die Aussagen des Polizeileiters in den Medien stünden nicht im Einklang mit der Datenlage – der dokumentierten Misshandlung der Stuten und Fohlen durch Veterinäre und Helfer – oder der Kommunikation zwischen Dienststelle und Verbänden und seien unwahr. Dies schade der Debatte zum Thema, untergrabe die Glaubwürdigkeit der Tierschutzverbände und schade ihrem Ruf. Dasselbe liesse sich über die Glaubwürdigkeit der Polizei selbst sagen.

Ísteka meldet tote Stuten an MAST
Nachdem der isländische Tierschutzbund (DÍS) gestern offiziell eine Beendigung der kommerziellen Blutgewinnung gefordert hatte, weil dem DÍS vorliegenden zuverlässigen Informationen zufolge weitaus mehr als die acht bei MAST gemeldeten Blutstuten verendet waren, hat sich nun Ísteka-Chef Arnþór Guðlaugsson zu Wort gemeldet und Daten zu den zusätzlichen toten Pferden gefordert, ansonsten halte er die Behauptung für unglaubwürdig.

MAST-Direktorin Hrönn Ólína Jörundsdóttir gab Heimildin gegenüber an, der Behörde lägen aus dem letzten Jahr nur acht gemeldete Fälle vor. MAST habe DÍS schriftlich aufgefordert, Daten zu den nicht bei MAST gemeldeten Todesfällen zu übermitteln.

Die DÍS-Vorsitzende Linda Karen Gunnarsdóttir sagt, es sei sogar die Pflicht der Behörde, solche Fälle zu untersuchen, immerhin sei sie für das Tierwohl zuständig. Weiter erklärt Linda Karen, dass Blutstutenhalter vom blutaufkaufenden Pharmaunternehmen Ísteka eine Entschädigung erhalten können, wenn ihnen eine Stute bei der kommerziellen Blutgewinnung verendet. Die Meldung solcher Todesfälle an die Behörden obliege jedoch der Ísteka. MAST habe gar nicht genug Personal, um alle 90 Höfe während der Blutsaison permanent zu überwachen. Daher kümmert sich der Blutaufkäufer nicht nur um die Blutgewinnung selbst, sondern auch um die Registrierung und Meldung von sogenannten “Vorfällen” und Todesfällen.

Zu schnell verblutet für Euthanasie
Weiterhin wird die Verantwortung am Tod der gemeldeten acht Stuten unerfahrenen ausländischen Veterinären angelastet, die auch in dieser Saison für die Ísteka tätig sein werden, aber zuvor bei MAST in der kommerziellen Blutgewinnung geschult wurden.

Den Fall der Stute, bei der die Kanüle in der Luftröhre landete, worauf sie qualvoll verblutete, kommentierte der Ísteka-Chef damit, die Stute sei ja so schnell verendet, dass man sie nicht mal habe klinisch untersuchen können. Daher habe es auch keine Nottötung gegeben. „Ein paar Minuten sind in diesem Zusammenhang eine sehr kurze Zeit, und alles Gerede über Tierquälerei richtet sich selbst.“ zitiert Heimildin Arnþór Guðlaugsson.
Von MAST heisst es, man führe „erhebliche Kontrollen“ bei der Blutgewinnung durch und untersuche alle gemeldeten Fälle in allen Branchen.

 

 

Acht tote Stuten im Sommer 2022

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Von den acht Blutstuten, die im Sommer 2022 im Rahmen der Blutgewinnung verendeten, ist mindestens eine Stute noch im Fixierstand verblutet oder erstickt, berichtet Heimildin. Diese acht Fälle, soviele wie nie zuvor, seien der Veterinäraufsichtsbehörde MAST gemeldet worden. Mindestens drei Todesfälle ereigneten sich auf dem gleichen Hof.  Eine tragende Stute mit Saugfohlen war gleich nach der Blutentnahme im Paddock verendet, sechs weitere in den drei Tagen danach. Die Kadaver waren vor einer möglichen Obduktion vergraben worden. Man habe der Sache daher nicht auf den Grund gehen können, so die Fachtierärztin für Pferdemedizin bei MAST, Sigríður Björnsdóttir.

Schuld liegt bei unerfahrenen Veterinären
Die Todesfälle waren auf Höfen aufgetreten, wo isländische und ausländische Veterinäre in der Blutgewinnung tätig waren. “Es besteht vor allem der Verdacht, dass dort Veterinäre gearbeitet haben, die nicht ausreichend ausgebildet waren,” glaubt Sigríður.
Diese Ansicht teilt Ísteka-Chef Arnþór Guðlaugsson. Fehlende Erfahrung der beteiligten Veterinäre könne noch am ehesten die Todesfälle der letzten Saison erklären, sagte er Heimildin gegenüber. Nach der Berichterstattung um die Blutwirtschaft hätten viele lokale Tierärzte ihren Tätigkeit im Blut aufgegeben und man habe im Ausland nach willigen Arbeitskräften suchen müssen. Drei polnische Tierärzte seien angeworben worden, die aber natürlich angelernt werden mussten, weil es die Blutbranche in Polen nicht gebe. Ausser in Island betreiben nur Argentinien, Uruguay, Russland und China Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten.

“Keine Katastrophe”
Ob die achte Stute verblutet oder erstickt sei, dazu liegen MAST keine näheren Information vor, sagte Sigríður auf Anfrage des isländischen Tierschutzbundes SDÍ. Aber sie sei unter Aufsicht eines unerfahrenen, ausländischen Tierarztes verendet. MAST halte “vorbeugende Massnahmen” jetzt für notwendig. Mit einem Trainingsplan für Neulinge in der Blutgewinnung könne man die Todeszahlen zumindest weiter drücken. Aber auch erfahrene Veterinäre hätten schon Stuten bei der Blutgewinnung verloren.
“Das ist keine Katatrophe, in Bezug auf Todesfälle in der Tierhaltung,” sagt Sigríður über die acht verendeten tragenden Stuten.

Die Ísteka hält eine Blutverarbeitungslizenz der Umweltbehörde, hat sogenannte “Tierwohlverträge” mit den Blutbauern geschlossen und muss nach einem Regelwerk arbeiten, das nach heftiger öffentlicher Kritik im letzten Jahr mit deutlichen Verschärfungen erneuert worden war. Sigríður sieht bei den verbluteten Pferden keinen Verstoss gegen das Gesetz zum Tierwohl.

Mehr tote Pferde vor der Registrierung?
“Das ist absolut untragbar, dass Stuten bei der Blutgewinnung sterben, und die einzige Reaktion von MAST besteht darin, Tierärzte zu einem Kurs zu schicken.” kritisiert Meike Witt, Vorstandsmitglied und eine der GründerInnen des Tierschutzvereins. Seit November habe man die Kontrollberichte der letzten Saison bei der Behörde angefordert, doch erst jetzt, lange nachdem die Informationen anderweitig vorlagen, sei auf mehrmalige Anfrage ein Bericht eingegangen. Gemeldet worden waren die Todesfälle bereits im Herbst.
Der SDÍ hat Meike zufolge von weitaus mehr Vorfällen gehört. “Wir haben den Verdacht, dass Stuten schon vorher wegen der Blutgewinnung verendet sind, dass das aber vor dem letzten Jahr nicht registriert wurde, als MAST mit der Überwachung begann.” sagt Meike. Der letzte Sommer sei daher keine Ausnahme gewesen, was Todesfälle von Blutstuten angehe.

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Lukratives Gewerbe mit umstrittenen Methoden
Aus dem Blut der tragenden Stuten wird das Hormon PMSG gewonnen, welches vor allem nach Deutschland in die industrielle Schweinezucht exportiert wird.
Die Blutgewinnung findet im Sommer einmal pro Woche in schmalen Fixierständen statt. Dabei wird die in die Box getriebene Stute am Rumpf gefesselt und ihr Kopf wird an einem Pfosten fixiert, damit sie sich nicht bewegen kann, das Injektionsgebiet wird betäubt, dann wird eine bleistiftdicke Kanüle in die Halsvene gestochen, und fünf Liter Blut durch einen Schlauch in den Kanister abgelassen. Über acht Wochen lang sind das 40 Liter Blut pro Stute, die tragend ist und ein Saugfohlen bei Fuss hat. Im vergangenen Sommer war auf 90 Höfen aus 4,141 Stuten Blut gewonnen worden.
Das bei Isländern weitgehend unbekannte Gewerbe hatte jahrelang Zuwachsraten verzeichnet, bis im November 2021 die Dokumentation einer deutschen Tierschutzvereinigung schlimme Zustände bei der Blutgewinnung aufdeckte. Da wurden Stuten und Fohlen systematisch getreten, mit Stangen geschlagen, misshandelt und von Hunden gehetzt, und immer wieder sah man Stuten mit Todesangst bei der Prozedur im Fixierstand. In Reaktion auf Video und öffentliche Empörung war dann das Regelwerk um die Blutgewinnung verschärft worden. Die im Video agierenden Personen konnten zwar identifiziert werden, im Januar war der Fall aber “aus Mangel an Beweisen” von der südisländischen Polizei einfach zu den Akten gelegt worden.

Alles “im Rahmen”
Jetzt sei das ganze Gewerbe besser überwacht und dokumentiert, so Sigríður Björnsdóttir. Mit den neuen Bestimmungen habe sich auch der Stress bei der Blutgewinnung reduziert, denn statt 100 Stuten dürften nur noch 75 pro Tag bearbeitet werden. Jeder Veterinär dürfe nur noch drei Stuten gleichzeitig im Fixierstand haben, statt zuvor vier, so die MAST-Tierärztin. Weitere Massnahmen über das Training der Veterinäre hinaus seien nicht geplant. Sigríður selbst ist in der Fachaufsicht des Gewerbes tätig. Die Stuten würden am Kopf gefesselt, das sei natürlich “unbequem”, aber es helfe, die Sache kurz zu halten.

Und überhaupt gehe es den Blutstuten von allen isländischen Tieren in der Landwirtschaft doch am allerbesten. Blutstuten seien viel besser dran als Schafe oder Kühe. Auch die von Tierärzten und Humanmedizinern scharf kritisierte hohe Blutmenge sieht sie nicht als problematisch. Pferde verfügten über ausreichende Hämoglobinreserven in der Milz. Die Blutstuten stünden nur auf der Weide, grasten und gäben Milch. Die reite ja niemand durchs Hochland. Deshalb sei es möglich, soviel Blut aus ihnen herauszuholen, so die Veterinärin. Sie habe bei ihren Kontrollen keinen Stress und keine klinischen Symptome gesehen, alles sei da “im Rahmen”.
Von den Überwachungskameras, die der Fachrat für Tierwohl im letzten Jahr in seinem Gutachten empfohlen hatte, hält Sigríður nichts. “Ich habe sehr fähiges Aufsichtspersonal,” sagt sie. “Wir üben viel, viel mehr Aufsicht als in anderen landwirtschaftlichen Zweigen. Und wir fotografieren auch, wenn es nötig ist. Ich denke, das reicht.” Zumal man eine Begründung finden müsse, warum im Blutstutenstall eine Überwachungskamera hängt, im Schafstall aber nicht.
Im vergangenen Jahr war die mangelnde bzw. gänzlich fehlende Aufsichtsführung der Tierschutzbeauftragten von MAST immer wieder kritisiert worden. Bei näherer Prüfung hatte sich herausgestellt, dass die Ísteka sich selbst kontrolliert, und MAST lediglich Stichproben durchführt.

Meike Witt vom SDÍ findet, in Sachen Tierschutz müssten jetzt mal Nägel mit Köpfen gemacht werden. Immerhin habe die Ministerin im Frühjahr gesagt, dass wenn Politik und Lizenzinhaber die Anforderungen zum Tierwohl der Wale nicht gewährleisten könnten, die Branche keine Zukunft habe.
“Wir fordern sie auf, den Worten Taten folgen zu lassen im Hinblick auf die Stuten, die zur Blutgewinnung benutzt werden.”

Blutstuten: Tierschützer wollten kooperieren, Polizei aber nicht

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Anwalt und Sprecher der Tierschutzorganisation, die im Jahr 2021 eine Dokumentation über tierquälerische Methoden bei der Blutgewinnung aus isländischen Stuten veröffentlicht hat, werfen der isländischen Polizei vor, Fakten falsch wiederzugeben, wenn sie behauptet, die polizeiliche Ermittlung der Vorfälle sei an der Weigerung der Tierschützer gescheitert, die Videoaufzeichnungen zu auszuhändigen, berichtet Heimildin.
Briefwechsel zwischen Anwalt und isländischen Behörden zeigen aber, dass die Organisation angeboten hatte, die Videodaten zu übergeben, allerdings war um Amtshilfe gebeten worden. Auch neun Monate später war dieser Bitte nicht stattgegeben worden, und in Island wurden die Ermittlungen eingestellt.

Empörung verlief ins Leere, wie die Ermittlungen
Das fragliche Video aus dem Winter 2021 zeigt die Misshandlung von Stuten, denen zu kommerziellen Zwecken Blut entnommen wird. Die im Video zu sehenden Stuten werden mit Eisenstangen traktiert, von einem Veterinär auf den Kopf geschlagen, versuchen trotz Fixierung an Rumpf und Kopf, vor Panik im Fangstand zu steigen. Landwirte und Tierschützer verurteilten die Vorgehensweise. Der Pferdezüchterverband forderte damals eine Untersuchung der Vorgänge, ausserdem eine Offenlegung der Veterinäraufsichtsbehörde MAST darüber, wie sie ihrer Aufsichtspflicht in diesem Gewerbe nachgehe und wer eigentlich die Verantwortung für die Zustände trage.

Es stellte sich heraus, dass das blutaufkaufende Unternehmen Ísteka die Blutgewinnung nicht nur durchführt sondern auch sich selbst kontrolliert, letzteres, so die Ísteka damals, habe wohl nicht so ganz funktioniert. Im isländischen Parlament wurden Rufe laut, das Blutgewerbe ganz zu verbieten, die zuständige Ministerin setzte eine Arbeitsgruppe ein, die zu dem Ergebnis kam, dass sowohl Gesetzgebung als auch Aufsichtsführung für das Gewerbe mangelhaft seien.
Trotz der dokumentierten Tierquälereien auf isländischen Bluthöfen erhielt Ísteka für weitere drei Jahre die Lizenz zur Blutgewinnung, unter etwas strengeren Auflagen. Die Misshandlungen fielen offenbar unter den Tisch, obwohl die Veterinäraufsichtsbehörde für die Einhaltung der Gesetze zum Tierwohl zuständig ist.
Im November 2021 begann die erste Ermittlung im Fall der Stutenmisshandlung, sechs Wochen später gab MAST bekannt, man habe die Angelegenheit der Polizei übergeben, und zwar weil man das ungeschnittene Bildmaterial nicht erhalten habe. Daher sei es nicht möglich, anhand der obengenannten Videodokumentation die Schwere der Verstösse zu beurteilen.

“Aus Mangel an Beweisen” eingestellt
Nur kurz darauf hat dann die Polizei in Südisland den Fall zu den Akten gelegt, wie das Morgunblaðið in der vergangenen Woche berichtete. Polizeidienststellenleiter Sveinn Kristján Rúnarsson hatte mbl.is gegenüber angegeben, die Ermittlung sei “aus Mangel an Beweismitteln aus dem Ausland” eingestellt worden. Die deutsche Tierschutzorganisation habe sich geweigert, der Polizei die ungeschnittenen Aufnahmen auszuhändigen.
Die an den Misshandlungen beteiligten Personen sowie jegliche Hinweise auf Orte und Höfe waren in dem Video unkenntlich gemacht worden. Polizei und MAST sahen es als erforderlich, das ungeschnittene Material zur Verfügung gestellt zu bekommen und hätten mbl.is zufolge mehrfach danach gefragt. Der Polizidienststellenleiter gab mbl.is gegenüber an, die Organisation habe sich hinter dem deutschen Gesetz versteckt, um die Daten nicht abgeben zu müssen.

Das Aus für die Ermittlungen kam für die Tierschützer völlig unerwartet. AWF-Sprecherin Sabrina Gurtner sagt, die Behauptungen der isländischen Polizei seien falsch. Es sei klar und dokumentiert, dass die Organisation sich nie geweigert habe, der Polizei und Justiz in Island das Videomaterial zu übergeben.
Man habe sich geweigert, MAST die Videoaufzeichnungen auszuhändigen, doch sei dokumentiert, dass man von Anfang an bereit gewesen sei, das ungeschnittene Material der Staatsanwaltschaft oder Polizei auszuhändigen, falls diese danach verlangten. Noch im Januar, als die Polizei im Südland im Fall der misshandelten Stuten ermittelte, habe die Organisation die Aushändigung des gesamten Materials angeboten.

Gar nicht um Amtshilfe ersucht
Dieses Angebot wurde zwei Monate später, im März 2022 beantwortet, mit der Anweisung, die Daten an die Polizeidienststelle zu übersenden. Hier klinkte sich dann der Anwalt der Tierschutzorganisation mit einer Anweisung für die Übersendung des brisanten Materials ein. Er wies die Polizei an, den in Europa üblichen Weg der Amtshilfe zu beschreiten. Das Material wäre dann auf offiziellem Weg von Behörde zu Behörde gegangen. Island hat die entsprechende europäische Richtlinie ratifiziert, muss sich also daran halten und Hilfe bei internationalen Ermittlungen leisten. Bei der Tierschutzorganisation ging man davon aus, dass das Datenmaterial auf diesem Weg bewahrt und sein Wert als Beweismittel gesichert seien, sollte es in Island zu einem Gerichtsverfahren kommen.

Neun Monate später ging eine Anfrage der südisländischen Polizei ein, auf welches deutsche Tierschutzgesetz man sich denn beziehen müssen, wenn man die deutsche Polizei um Amtshilfe wegen der Datenübergabe bitte wolle. Damit war klar, dass bislang kein Antrag auf Amtshilfe gestellt worden war – auch bis heute nicht. Einen Tag nach dieser Email wurde der Fall in Island zu den Akten gelegt. Die Tierschutzorganisation habe bis zum heutigen Tag nichts von der isländischen Polizei gehört, schreibt Heimildin. Dienststellenleiter Sveinn Rúnar meint immer noch, der Antrag auf Amtshilfe sei gestellt worden, verweist dann aber auf einen zuständigen Mitarbeiter der gerade in Urlaub sei.

AWF wollte kooperieren
Sabrina Gurtner kritisierte das Verhalten der isländischen Behörden scharf. Es sei unhaltbar, der Tierschutzorganisation die Verantwortung für die Einstellung des Verfahrens in die Schuhe zu schieben. Viel eher sehe es nach einer Ausrede aus, mit der die Behörden ihr Gesicht wahren wollten. “Das würde im deutschen Recht niemals geduldet und mindestens eine Verwarnung nach sich ziehen,” kommentierte Gurtner die Erklärungen der Polizei. “Wir möchten auch richtigstellen, dass wir jederzeit zur vollsten Zusammenarbeit mit den Behörden bereit sind, wenn die Polizei entscheidet, diese Tierschutzermittlungen weiterzuführen. Wir legen allerdings Wert darauf, dass dies auf richtige Weise geschieht, und zwar durch ein bilaterales Amtshilfeersuchen.” Das würde auch die Daten als Beweismittel vor Gericht sichern.

Auch AWF-Anwalt Tom Westermann  bezeichnet die Erklärung der isländischen Polizei zur Blutstutensache als falsch. Nach der Anfrage aus dem Januar, wo denn eine Kopie des deutschen Tierschutzgesetzes erhältlich sei, habe man von der Polizei nichts mehr gehört. “Das deutsche Tierschutzrecht hat natürlich nichts mit dem Tierschutz in Island zu tun,” sagte Westermann. “Hier alles weist darauf hin, dass die isländische Polizei einfach kein Interesse daran hatte, die Sache vollständig zu untersuchen und wollte das vom Tisch haben.”
Nun prüfe man, ob eine formale Beschwerde wegen der Arbeitsweise der ermittelnden Polizeibehörde eingereicht werden kann.

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Blutstuten: Polizei hat Ermittlungen eingestellt

Die Ermittlungen im Fall der möglichen Misshandlungen von Stuten bei der kommerziellen Blutgewinnung sind eingestellt worden, weil aus dem Ausland kein ausreichendes Beweismaterial vorgelegt worden ist. Die Polizei hatte in der Vergangenheit mehrfach versucht, weitere Daten von der Tierschutzorganisation zu erhalten, die den Fall ans Licht gebracht hatte, doch diese Daten sind nie geliefert worden, berichtet mbl.is.
Der südisländische Polizeidienststellenleiter Sveinn Kristján Rún­ars­son gab auf Anfrage von mbl.is an, die Organisation habe sich hinter deutschem Recht versteckt, wonach sie keine weiteren Daten liefern müssten. Der Fall sei in Island bereits Ende Januar zu den Akten gelegt worden. Ein Jahr lang habe man ermittelt und versucht, weiteres Material zu erhalten, jedoch ohne Erfolg.

Umstrittene Praktiken
Der Tierschutzbund Zürich (AWB/TSB) hatte im November 2021 ein Video veröffentlicht, wo per versteckter Kamera die Misshandlung von Stuten bei der kommerziellen Blutgewinnung in Island dokumentiert worden war. Unter anderem ist im Video zu sehen, wie Stuten geschlagen und getreten werden, sowohl beim Einsperren in den Fangstand, beim Fesseln und bei der Blutgewinnung selbst durch einen Veterinär. Die Stuten werden mit einem Gurt über den Rücken fixiert, damit sie nicht steigen, und ihr Kopf wird am Pfosten festgebunden, damit sie sich beim Einstich der dicken Kanüle nicht bewegen. Auch zu sehen ist im Video, wie gefesselte Stuten im Fangstand in Panik verfallen und zu steigen versuchen. Den tragenden Stuten mit Saugfohlen bei Fuss werden im Sommer jede Woche bis zu acht Litern Blut entnommen, diese hohe Menge war von ausländischen Tierärzten als tierschutzrelevant kritisiert worden.

Ermittlungen versackten
Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte die Sache untersucht und angegeben, sie sehr ernst zu nehmen. Versuche, das ungeschnittene Videomaterial von den Tierschützern zu erhalten, schlugen jedoch fehl. MAST gab an, die Tierschutzorganisation habe sich geweigert, das ungeschnittene Material zu übersenden, sie habe nur Informationen dazu übermittelt, wann das Material aufgenommen worden war.
MAST hatte ermitteln können, wo sich die Vorfälle ereignet hatten und wer daran beteiligt war.
“Bei den Ermittlungen verlangte die Behörde nach Erklärungen und einer Stellungnahme der Leute, die in dem Video zu sehen sind. Wie bereits erwähnt, hatte die Behörde keinen Zugang zu ungeschnittenem Bildmaterial, was ihre Möglichkeiten einschränkt, den Ernst der Verstösse zu bewerten, daher kann die Behörde den Fall nicht vollständig untersuchen.” hatte es in einer Mitteilung im Januar 2022 gehiessen, als die Angelegenheit an die Polizei weitergereicht wurde.
Im Februar 2022 hatte Medienberichten zufolge Blutbetriebe ihren Vertrag mit dem blutverarbeitenden Pharmaunternehmen Ísketa ehf. gekündigt. Die Ísteka extrahiert aus dem Stutenblut das Hormon PMSG, welches im Ausland zur Zyklusregulierung vor allem in der industriellen Schweinezucht benutzt wird.

Neue Bestimmungen für weitere drei Jahre
MAST zufolge liegt die Verantwortung der Blutgewinnung bei Ísteka, und die Blutgewinnung wird durch unternehmenseigene Veterinäre durchgeführt.
Im vergangenen Jahr hatte die Ministerin für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel neue und strengere Bestimmungen für die kommerzielle Blutgewinnung eingeführt und die Blutwirtschaft für weitere drei Jahre genehmigt.
Auf dem Tisch der Ministerin liegt seit Ende Mai auch ein Schreiben der EFTA-Regulierungsbehörde ESA, wonach in der kommerziellen Blutgewinnung ein Verstoss gegen europäisches Recht vorliegt, denn in Europa fallen Blutstuten unter die Richtlinie zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere. Die isländische Regierung vertritt jedoch den Standpunkt, dass die Blutstuten keine Versuchstiere sind, weil das aus ihnen gewonnene Blut ein landwirtschaftliches Produkt darstelle, daher falle die Blutstutenhaltung auch nicht unter die genannte Bestimmung. Das Mahnschreiben der ESA war eingegangen, nachdem bei der EFTA im April letzten Jahres eine von 17 isländischen Verbänden formulierte Klage eingegangen war. Islands Regierung hat zwei Monate Zeit, auf den Brief zu reagieren.
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Blutstute: Landwirtschaft oder Versuchstier?

Isländische Behörden sind der Ansicht, dass die Blutgewinnung aus tragenden Stuten als landwirtschaftliche Produktion gilt und daher nicht unter die Richtlinie zur Verwendung von Tieren für wissenschaftliche Zwecke fällt, berichtet das Bændablaðið.
Zu Monatsbeginn war im Ministerium für Landwirtschaft ein förmliches Mahnschreiben der EFTA-Regulierungsbehörde ESA zum Thema Blutgewinnung aus tragenden Stuten eingegangen.Die Regulierungsbehörde begründet ihre Argumentation damit, dass die Tätigkeit unter die Richtlinie zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere fällt. Nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel vertritt die isländische Regierung jedoch den Standpunkt, dass die Blutgewinnung eine landwirtschaftliche Tätigkeit ist.

In dem Mahnschreiben der ESA wird kritisiert, dass Island seinen Verpflichtungen gemäss Bestimmung 2010/63/ESB zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere nicht nachkomme. Die isländische Regierung vertritt jedoch den Standpunkt, dass die Blutstuten keine Versuchstiere sind, weil das aus ihnen gewonnene Blut ein landwirtschaftliches Produkt darstelle, daher falle die Blutstutenhaltung auch nicht unter die genannte Bestimmung.
Die Sichtweise der ESA werde derzeit jedoch ebenso wie der nächste Schritt geprüft, vor allem gehe es um eine Auslegung des Geltungsbereichs der oben genannten Bestimmung.

Klage von 17 Verbänden bei der ESA
Das Mahnschreiben der ESA ging ein, nachdem bei der EFTA im April letzten Jahres eine von 17 isländischen Verbänden formulierte Klage eingegangen war. Die Verbände sehen in der Blutgewinnung aus tragenden Stuten zur Produktion des PMSG-Hormons einen Verstoss gegen Bestimmungen im EWR-Vertrag.
Der Brief ist der Beginn einer möglichen Klage der ESA gegen die isländische Regierung wegen Verstoß gegen die Bestimmungen der Richtlinie 2010/63/EU zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere. In Absatz 5 des 1. Artikels der Richtlinie heißt es, dass diese nicht für landwirtschaftliche Tätigkeiten gilt.
Island Regierung hat nun zwei Monate Zeit, ihren Standpunkt zu übermitteln, bevor die Regulierungsbehörde entscheidet, ob sie Klage erhebt. In einer schriftlichen Antwort des Ministeriums heisst es, dass im August 2022 eine Verordnung erlassen worden sei, die das Wohlergehen und die Gesundheit aller zur Blutgewinnung benutzten Stuten gewährleisten soll. Die Verordnung gelte für drei Jahre und solle der Überwachung dienen, sowie eine mögliche Zukunft der Tätigkeit beurteilen.

Die Regulierungsbehörde ESA kontrolliert, ob Verpflichtungen nach dem EWR-Abkommen von den EFTA-Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen erfüllt werden. Die Kontrolle betrifft sowohl die Umsetzung der EWR-Vorschriften in isländisches Recht, als auch deren Durchsetzung durch die Regierung. Die Regulierungsbehörde kann einen Fall aus eigener Initiative oder aufgrund einer Beschwerde eines EWR-Landes, einer EU-Institution oder einer Privatpartei eröffnen.
Im vergangenen Jahr hatte die Regulierungsbehörde sieben Mahnschreiben an die isländische Regierung geschickt.
Mehr zum Thema.

ESA: Blutgewinnung aus tragenden Stuten verstösst gegen EFTA-Bestimmungen

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Die Aufsichtsbehörde der Europäischen Freihandelsgemeinschaft (EFTA) ist der Auffassung, dass die isländische Regierung mit dem Regelwerk zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten die Richtlinie der EFTA zum Schutz von Tieren verstößt, die für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden, berichtet RÚV.

Gestern Morgen war von der Aufsichtsbehörde ESA ein Erinnerungsschreiben bei der Regierung eingegangen. Demnach ist die ESA der Ansicht, dass die isländische Regierung ihren Verpflichtungen gegenüber der Tierschutzrichtlinie nicht nachgekommen ist, indem sie bei der Verwendung von Tieren für diesen Zweck das in den Richtlinien festgelegte Verfahren und die darin festgelegte Bewertung nicht befolgt habe.
Die Verordnung, die das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel letztes Jahr im August herausgegeben hatte, habe die Rechtsunsicherheit bei der Blutgewinnung nur weiter erhöht. Islands Regierung hat nun zwei Monate Zeit, auf den Brief der ESA zu reagieren.

Der Vorgang der Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten war jahrelang unter dem Etikett ‘zu wissenschaftlichen Zwecken’ praktiziert worden, damit hatten auch die Bestimmungen für Versuchstiere gegolten. Auf Betreiben des blutverarbeitenden Gewerbes wurde die Blutgewinnung dann in ein ‘landwirtschaftliches’ Gewerk umbenannt. Die ESA ist jedoch der Ansicht, dass es sich bei den Blutstuten um Versuchstiere handelt. In Europa geht das grundsätzliche Bestreben dahin, die Zahl der Versuchstiere zu verringern, zumal für PMSG bereits Alternativsubstanzen vorhanden sind.

Mehr zum Thema Blutstuten in Island.

Jeden Sommer wird den tragenden Stuten mit Saugfohlen bei Fuss acht Wochen lang einmal pro Woche bis zu fünf Liter Blut aus der Halsvene abgezapft. Aus dem Stutenblut extrahiert das Pharmaunternehmen Ísteka das Hormon PMSG, welches zur Zyklusregulierung in der europäischen Massentierzucht verwendet wird. Nach Veröffentlichung eines Undercover-Videos  hatten Tierschützer und Veterinäre im In- und Ausland die zum Teil tierschutzwidrigen Praktiken sowie die grosse Blutmenge kritisiert, zumal weder genaue Daten zur Gesamtblutmenge eines Islandpferdes noch zur Verträglichkeit vorliegen. Eine von der Ministerin gegründete Arbeitsgruppe hatte daraufhin im letzten Jahr vor der Blutsaison Grundlagen für eine neue Verordnung festgelegt, und die Praktik als solche auch weiterhin als ethisch vertretbar bezeichnet.
Insgesamt 18 Gruppierungen aus Tierschutz und Naturschutz hatten daraufhin bei der ESA Klage eingereicht.

Die Blutgewinnung wird in Island auf rund 110 Höfen praktiziert, es gibt etwa 5400 Stuten, die auschliesslich zu diesem Zweck gehalten werden. Die Fohlen aus diesen Stuten werden nach Ende der Blutsaison der Schlachtung zugeführt. Grösster Pferdehalter der Branche ist das Pharmaunternehmen Ísteka, dem das PMSG-Geschäft einen Umsatz von rund zwei Mrd. ISK beschert, nachdem die EU vor einigen Jahren den Handel mit PMSG aus Südamerika aus Tierschutzgründen untersagt hatte.
Das ESA-Schreiben im Einzelnen findet man hier.

 

Jahresbericht zu Blutstuten: aus 4.141 Stuten auf 90 Höfen wurde Blut gewonnen

In diesem Sommer ist aus 4.141 Stuten Blut für die Herstellung des PMSG-Hormons gewonnen worden, die Gesamtzahl der Blutstuten in Island beträgt 4.779. Auf den 90 Höfen ist 24.000 Mal Blut gewonnen worden. Im vergangenen Jahr waren es noch 120 Höfe gewesen, zitiert Vísir Daten aus einer Übersicht zum Betrieb des Pharmaunternehmens Ísteka im Jahr 2022.

“Züchterischer Fortschritt” bei Stuten, die öfter Blut geben
Dem Bericht zufolge wurde aus den Stuten zwischen Mitte Juli und Anfang Oktober Blut gewonnen. Bei „mittelguten“ Stuten wurde 5,8 Mal Blut entnommen, 20 Prozent der Stuten wurden acht Mal herangezogen, 31 Prozent mussten siebenmal zur Blutgewinnung.
Die Zahl der Stuten, die sieben oder achtmal Blut „geben“, steigt an, in den Jahren 2017 bis 2021 lag sie bei 45,7 Prozent, im Jahr 2022 lag der Anteil trotz des Rückgangs von Blutpferden und Höfen bei 51 Prozent. Das Unternehmen bezeichnet dies als Hinweis auf züchterischen Fortschritt in den Herden der Blutfarmer.

Die Gesamtblutmenge, die im Jahr 2022 gewonnen wurde, lag um ein Viertel niedriger als noch im Jahr 2021, unter anderem weil die Zahl der Produktionsstätten gesunken ist. “Das Unternehmen geht davon aus, dass dies in erster Linie auf die Auswirkungen der unehrlich aufbereiteten und zusammengesetzten Videofragmente der AWF zurückzuführen ist, die viral verbreitet und u.a. im Fernsehen gezeigt wurden, welche den Bauern zusammen mit dem Stress das Gefühl von gesellschaftlicher Ausgrenzung gaben. Leider ist es der Organisation gelungen, viele Menschen und Organisationen mit leeren Behauptungen davon zu überzeugen, dass sie sich auf die Branche als Ganzes beziehen. Der Grund für den Rückgang wird auch auf die schwierige Personallage bei den Tierärzten zurückgeführt, aber die Flexibilität anderer Tierärzte sowie der Einsatz ausländischer Tierärzte verhinderten, dass im Berichtszeitraum mehr Schaden entstand als erwartet“, heisst es in dem Bericht der Ísteka.
Für einen Liter Blut aus einer „mittelguten Produktionsstute“ erhält der Blutfarmer in diesem Jahr 95.000 Kronen, statt wie bisher 70.000 Kronen.

Mehr Kontrollen, 391 dokumentierte Vorfälle
Der aufsichtsführende Tierarzt der Ísteka hat in dieser Saison 90 Prozent aller Blutfarmen aufgesucht, ausserdem waren Aufsichtspersonen der ausländischen Aufkäufer ins Land gereist, um die Höfe zu besuchen. Zudem legte Ísteka Wert darauf, dass die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST sämtliche Blutfarmen während der Blutgewinnungssaison aufsuchte.

In diesem Jahr wurden zum ersten Mal seit Beginn der Blutgewinnung vor 40 Jahren sämtliche Vorkommnisse rund um die Blutgewinnung dokumentiert. Insgesamt gab es 391 Auffälligkeiten. Die meisten betrafen Angst und Stress bei den Blutstuten. Der grösste Teil der Tiere habe sich, so der Report, im Zwangsstand wieder beruhigt. Wiederholte Auffälligkeiten wurden bei 41 Stuten dokumentiert.
Unfälle ereigneten sich bei fünf Stuten und einem Fohlen. Sieben Stuten kamen im Zusammenhang mit der Blutgewinnung ums Leben.

Keine Hunde mehr beim Bluttermin
In der Dokumentierung finden sich Vísir zufolge auch Vorfälle, die als “Gewaltanwendung” bezeichnet werden und immer noch zu zahlreich sind. Nach Ansicht der Ísteka sei es sehr wichtig, dass alle, die an der Blutproduktion beteiligt sind, nicht die Sicht auf ihre Arbeit verlören und “das Hauptgewicht auf Wohlergehen und Feingefühl im Umgang mit ihren Stuten legen. Das gilt natürlich für jede kommerzielle Tierhaltung,” heisst es in dem Report.
Die Anweisung des Unternehmens, Hunde während der Blutgewinnung vom Gelände zu entfernen, wurde in den meisten Fällen befolgt. Ein Hund war vor Ort geblieben, und sein Herumgerenne und Gebelle hatte negative Auswirkungen auf die Pferde. Das Unternehmen besteht auch weiter darauf, dass die Blutgewinnung nicht stattfinden kann, solange ein Hund anwesend ist.

Weiter heisst es in der Übersicht, dass man Vertreter der Tierschutzorganisation AWF und des deutschen Fernsehens in der Nähe von 15 Höfen gesehen habe. Die Gruppe habe sich angeblich unhöflich und unverschämt aufgeführt. Das Verhalten sei bedrohlich gewesen, offenbar mit dem Ziel, so die Ísteka, die Reaktionen der Bauern filmisch festzuhalten. Man erwarte, das die Inhalte in den kommenden Monaten veröffentlicht würden.

Nach Veröffentlichung eines Videos des AWF im vergangenen Winter, wo Tierquälereien im Zusammenhang mit der Blutgewinnung filmisch festgehalten worden waren, waren die Branche selbst, sowie die für die Tierschutzkontrolle verantwortliche Behörde MAST in die öffentliche Kritik geraten. Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir setzte daraufhin eine Arbeitsgruppe ein, die den wirtschaftlichen Nutzen und Tierschutzaspekte der Industrie prüfen sollte. Sie kam Ende Juni zu dem Ergebnis, dass man die Praktik weiter befristet erlaube, jedoch unter strengen Auflagen, die sowohl für die Blutfarmen als auch für das Aufsichtspersonal von MAST galten.

Das Blut der Stuten wird für die Produktion des Hormons PMSG benutzt, welches in Europa zur Zyklussteuerung bei Schweinen und kleinen Ruminanten zum Einsatz kommt. PSMG ist nur im Blut tragender Stuten vorhanden. Ausländische Tierärzte haben ausgerechnet, dass jede Stute ihr gesamtes Blutvolumen (rund 40 Liter) einmal pro Sommer durch Entnahme verliert und neu bilden muss, während sie tragend ist und ein Saugfohlen bei Fuss hat.  Die Fohlen der Blutstuten werden im Alter von drei Monaten abgesetzt und in der Regel geschlachtet, manche werden auch lebend verkauft.
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Ísteka sieht unverhohlenen Angriff auf die Blutbranche

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Den Gedanken, dass das Hormon eCG nicht mehr benutzt werde, dürfe man gar nicht zuende denken, denn der ende als Schande für die Isländer. Diese starke Worte stammen von Ísteka-Geschäftsführer Arnþór Guðlaugsson als Kommentar auf die geplante Änderung bei der Blutgewinnung aus tragenden, lakierenden Stuten in Island. Sein Unternehmen Ísteka ehf. ist das einzige in Island, welches das Blut aus den 5400 Produktionsstuten aufkauft und daraus ein Hormon gewinnt, das im Ausland zur Zyklussteuerung vor allem in der Schweinezucht Verwendung findet. Die wirtschaftlichen Interessen sind daher nicht gerade ohne, berichtet Kjarninn.

Weniger Blut führe zu Umsatzeinbussen
Ísteka verzeichnete im Jahr 2020 einen Umsatz von 1,722 Mio ISK, vor Steuern macht das einen Gewinn von 740 Mio ISK, netto kamen immer noch 592 Mio ISK aufs Konto. Die Aktionäre durften sich in 2020 über eine Ausschüttung von 300 Mio ISK freuen. Hauptaktionär des Unternehmens ist Hörður Kristjánsson mit 44,5 Prozent, zweitgrösster Aktionär die Klara ehf, die zu grossen Teilen ebenfalls Hörður gehört. Die verbleibenden 19,2 Prozent stehen im Besitz von Holmfríður H. Einarsdóttir, sowie vier Prozent im Besitz zweier nicht namentlich genannter Personen.

An zwei Fakten stört sich die Ísteka ganz besonders: dass der neuen Bestimmung zufolge jetzt nur noch sechsmal statt bisher achtmal Blut gezapft werden darf, und dass die Ísteka die Auszahlungen an die Stutenbesitzer nach Hormonausbeute einstufen muss. Mit anderen Worten, eine Stute mit viel Hormongehalt soll mehr Geld für den Liter bringen. Bislang waren alle abgelieferten Blutliter gleich entlohnt worden.
Wenn das zur Durchführung komme, so Arnþór, dann vernichte es das Einkommenspotential der gesamten Branche und stoppe Entwicklung und Qualitätsmanagement, was sich zweifellos auf den Tierschutz auswirke. Die geplante Bestimmung schränke legitime Aktivitäten erheblich ein, und führe möglicherweise sogar ihr Ende herbei.

Imageschaden und Einzelfälle
Seit fast 50 Jahren gebe es die Branche, die auf wissenschaftlichen und wirtschaftlichem Boden stehe und das Wohl der Tiere im Fokus habe. Im Winter, so schreibt der Geschäftsführer, sei der Branche jedoch ein Imageschaden zugefügt worden. Im November hatte der Schweizer Tierschutzbund AWF ein Video veröffentlicht, wo mit versteckter Kamera tierquälerische Methoden und grobe Gewalt bei den Blutgewinnungsaktionen gefilmt worden waren, und das nicht nur auf einem Hof. Ísteka bezeichnete die Vorfälle im Video als “Einzelfälle”, es handle sich keineswegs um ein systematisches Problem.

Die neuen Regeln sehen nun eine Blutgewinnungsperiode von maximal sechs Wochen vor, statt bislang acht. Damit landen nur noch höchstens 30 Liter im Ísteka-Kanister, statt bislang 40. Für diese Änderung sieht Arnþór überhaupt keinen Anlass, aber durch sie werde die ganze Branche in Aufruhr geraten, denn dann gewinne man 13 Prozent weniger Hormonmenge, möglicherweise sogar noch weniger, weil der Hormonanteil im Blut der Stuten ja Schwankungen unterliegt und gegen Ende des Sommers ohnehin abnimmt.

Um Boden gut zu machen, müsse unbedingt der Bestand der Blutstuten erhöht werden, rechnet Arnþór vor, und zwar um 1500 Stuten, von 5400 auf 6900 Stuten. Damit steige natürlich auch die Belastung des Weidelandes, völlig unnötigerweise, ebenso wie die Menge an benötigtem Dünger, Diesel, Land und anderem zu kaufendem Material.

eCG-Hormon ist gut für Tierschutz und Umwelt
Die Blutbilder aus dem Ísteka-Labor zeigten, dass, dass es keinen Unterschied gebe zwischen Stuten, die oft zur Blutgewinnung benutzt werden und solcher, die seltener geholt werden. Diese menschengezogene Linie von sechs Blutgewinnungsterminen sei daher unverständlich. Arnþór sieht in der neuen Verordnung eher einen unverhohlenen Angriff auf einen einzelnen Agrarzweig. Das Gespräch um die oft beschworenen eCG-Alternativen sei verwirrend und wie der Vergleich von Kuhmilch und Mandelmilch.
Vielmehr bringe das in Island gewonnene Hormon nur Gutes für die Umwelt: die Anwendung von eCG aus Island spare der Welt bis zu einer Million Tonnen Tierfutter pro Jahr, ein Verbot habe damit grosse negative Auswirkungen auf den ökologischen Fussabdruck der Landwirtschaft in den Ländern, die das Hormon verwenden. Hinzu kämen lange Transportwege für das Futter, Arbeitsleistung, Düngebedarf. Unterm Strich, so ist der Geschäftsführer des Pharmaunternehmens überzeugt, habe isländisches Stutenhormon positive Auswirkungen auf den CO2 Ausstoss der Landwirtschaft.

Verschwinde hingegen das Hormon aus der Welt, führe dies zu einem Umwelt-GAU, und die Auswirkungen kämen in einer Grössenordnung, die die wenigsten Isländer sich vorstellen könnten. Wenn es in Island keine Blutstuten mehr gebe, dann würden sie an einem anderen Ort der Welt auftauchen, wo ihr Wohl nicht gesetzlich festgeschrieben sei.
In den Turbulenzen der vergangenen Monaten seien alle möglichen schwachen Nichtargumente gegen die Blutproduktion angeführt worden, der sich in Island ohnehin nur wenige Landwirte, sowie die Ísteka widmeten. Viele grosse Parteien seien auf die Hinterfüsse gestiegen, um die Branche zu kritisieren und all die negativen Auswirkungen an die Wand zu malen, schreibt die Geschäftsführer. Dies habe verständlichen Einfluss auf die Politiker. Der Kritik seien jedoch keine Beweise gefolgt, und so hoffe man bei der Ísteka, dass Entscheider und Behörden sich über derartige Plädoyers erhöben und ihre Entscheidungen allein auf verfügbare Fakten gründeten.

Anfang Juni waren in Reaktion auf das oben genannte Video sowie nationale und internationale Proteste die Bestimmungen für die Blutgewinnung verschärft worden. Allem voran ist die Aktivität von nun an genehmigungspflichtig, nachdem sie jahrzehntelang ungestört und ungesehen wirtschaften konnte. Da aktuelle wissenschaftliche Daten zum Gesamtblutvolumen von Islandstuten auch weiterhin fehlen, ist die erlaubte Blutmenge zur Entnahme gesenkt worden. Die Branche hat für drei weitere Jahre grünes Licht erhalten, dann läuft die Lizenz aus und man will neu über die Zukunft des Blutfarmings nachdenken.
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Walfang schädigt den Ruf des Landes, glauben 65% der Isländer

Eine Umfrage, die für den Naturschutzbund Islands erstellt wurde, hat herausgefunden, dass die Mehrheit der Isländer, oder 65 Prozent, im Walfang negative Auswirkungen für den Ruf des Landes sieht. Der Vorsitzende des isländischen Tourismusverbandes findet, es ist an der Zeit dass die Regierung die Auswirkungen auf den Tourismus ernstnehme, berichtet Vísir.
Etwa 35 Prozent der Befragten sprach sich gegen die Jagd auf Finnwale aus, 33 Prozent sind dafür, ein Drittel hat keine Meinung. Aber nur 20 Prozent der Isländer halten den Walfang für wichtig für die isländische Wirtschaft.

Walfang setzt Island international in schlechtes Licht
Jóhannes Þór Skúlason, der Geschäftsführer des Tourismusverbandes, sieht in der Umfrage eine klare Veränderung zum Vorjahresergebnis, und zwar zum Schlechteren. Sein Verband habe stets auf die negativen Effekte und die Rufschädigung hingewiesen. Urlauber würden Island als Reiseziel meiden, solange der Walfang betrieben werde, und die negative Berichterstattung ausländischer Medien zum Walfang, vor allem der BBC, CNN und der Süddeutschen Zeitung, tue ein Übriges, Island als Naturziel in düsteres Licht zu setzen.

Walfang und Blutstuten vergraulen Touristen
Erst im Februar diesen Jahres hatte die Vorsitzende des Tourismusverbandes, Bjarnheiður Hallsdóttir gesagt, Walfang und Blutstutenwirtschaft hätten die gleichen negativen Auswirkungen auf den Tourismus und würden Urlauber von einer Islandreise und vom Kauf isländischer Erzeugnisse abhalten.
Sie verlangte von der Regierung, das Gesamtinteresse Islands zu prüfen und rechnete vor, dass die Jahreseinnahmen des Blutaufkäufers von zwei Milliarden ISK den Einnahmen durch 7700 Islandtouristen entsprächen.

Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir hatte zu Jahresbeginn eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die über die Zukunft des isländischen Walfangs entscheiden soll. Die diesjährige Fangsaison steht unmittelbar bevor, eine Entscheidung ist noch nicht bekanntgegeben worden,

Eine weitere von der Ministerin eingesetzte Arbeitsgruppe, diesmal zum Thema Blutstuten, hatte Anfang Juni ihr Gutachten termingerecht abgegeben. Auf Grundlage der Ergebnisse hatte Svandís die Blutwirtschaft für weitere drei Jahre genehmigt, allerdings mit weitaus strengeren Auflagen für alle Beteiligten.
Einen Tag vor der Entscheidung hatten Tierschutzverbände eine Unterschriftenliste aus dem deutschsprachigen Ausland im Ministerium überreicht.