COVID19: Kirchen geschlossen, Neujahrsmessen im Radio zu hören

New Year's Eve Fireworks in Reykjavík, 2017.

Islands Staatskirchen werden an diesem Jahreswechsel leer bleiben. Das hat Bischöfin Agnes M. Sigurðardóttir angesichts der neuen Coronawelle mit der Omikronvariante angekündigt.
Die religiösen Zeremonien der evanglisch-lutherischen Staatskirche werden zwar stattfinden, doch allesamt hinter verschlossenen Türen. Gläubige können den Zeremonien im Radio bei Rás 1 beiwohnen.
Am Silvesterabend findet um 18 Uhr eine Andacht in der Hallgrímskirche statt. Pastor Sigurður Árni Þórðarson liest die Messe, dazu gibt es Musik vom Chor der Hallgrímskirche unter der Leitung von Steinar Logi Helgason.
Am Neujahrstag um 11 Uhr wird eine Messe in der Reykjavíker Domkirche gefeiert. Die Feierlichkeiten werden von Bischöfin Agnes M. Sigurðardóttir, Pastor Sveinn Valgeirsson und Pastorin Elínborg Sturludóttir gehalten. Organist: Kári Þormar. Es singt der Chor der Domkirche.
Am 2. Januar um 11 Uhr findet eine Messe in der Áskirche im Laugardalur statt. Die Messe hält Pastor Sigurður Jónsson. Organist: Bjartur Logi Guðnason. Es singt der Chor der Áskirche.

Die evanglisch-lutherische Staatskirche ist die grösste religiöse Institution in Island, 62 Prozent der Einwohner sind Kirchenmitglieder. Zweitgrösste religiöse Instititution mit 4 Prozent ist die katholische Kirche. Etwa 7,6 Prozent der Isländer gehören keiner Glaubensgemeinschaft an.

Der aktuellen Coronawelle ist es zu verdanken, dass die Kirchen geschlossen bleiben. An den Weihnachtstagen waren 1600 Personen positiv getestet worden, alleine am 26. Dezember hatte es 664 Infektionen gegeben. Obwohl es aus anderen Ländern Hinweise darauf gibt, dass die Omikron Variante weniger Krankenhauseinweisungen verursacht, waren die Seuchenschutzmassnahmen am 2. Dezember strenger gestaltet worden, weil Infektionen dennoch zu Krankheitsfällen führen und den Betrieb der Universitätsklinik belasten.

 

Bischöfin Agnes bittet LBGT-Gemeinschaft um Vergebung

LGBTQIA

Die isländische Staatskirche und der LGBT-Verband Samtökin 78 haben gestern ein Projekt der Zusammenarbeit gestartet, welches den Namen Ein saga – eitt skref (Eine Geschichte – ein Schritt) trägt. Darin sollen persönliche Erfahrungsberichte über Vorurteile und Widerstand der Kirche gegen die Rechte von Menschen mit anderen sexuellen Ausrichtungen gesammelt werden. Im kommenden Frühjahr will man diese Geschichten dann der Öffentlichkeit zugänglich machen.

“Im nächsten Frühjahr werden diese Geschichten in den Kirchen des Landes aufgehängt. Dort so verteilt, dass sie allen offenbar sind. Sodass wir alle wissen, was die Leute haben durchmachen müssen,” sagte Islands Bischöfin Agnes M Sigurðardóttur bei einer Ansprache am gestrigen Tag des Freudenmarsches (gleðigöngur), der COVID-bedingt nicht abgehalten werden konnte, und daher gestreamt wurde.
Der Tag war den Initiatoren als passend für die Ankündigung erschienen.

Wunden heilen nicht
Um 13 Uhr hatte gestern eine Veranstaltung stattgefunden, bei der die isländische Bischöfin die LGBT-Gemeinschaft förmlich um Vergebung bat.
“Ich bitte die LGBT-Gemeinschaft im Ganzen und alle die, die Vorurteile, Diskriminierung und Ausgrenzung durch die Staatskirche erlebt haben, um Vergebung.”
Jeder müsse diese Entschuldigung für sich selber bemessen, doch sei klar, dass nicht alle Wunden verheilt seien.

“Nein, die Wunden sind nicht verheilt. Manche Wunden heilen niemals, aber es bildet sich Schorf darüber,” sagte Agnes, und die Vorsitzende der Samtökin 78, Þorbjörg Þorvaldsdóttir, pflichtete ihr bei. Die Entschuldigung der Bischöfin habe grosse Bedeutung.

An vielen Kirchen des Landes wurden gestern passend zum Anlass auch Flaggen in den Regenbogenfarben gehisst.