Lachszucht: MAST erteilt Lizenz, Baugenehmigung fehlt

Bíldudalur Arnarfjörður

Die isländische Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde (MAST) hat dem Fischzuchtunternehmen Arctic Sea Farms ehf. (Arctic Fish) eine erweiterte Betriebsgenehmigung für die Meeresfischzucht bei Sandeyri im Ísfjarðardjúp erteilt. Damit wächst die erlaubte Menge an Zuchtlachs und Regenbogenforelle von 5,300 Tonnen auf 8000 Tonnen im Fjord.

5200 Tonnen fortpflanzungsfähiger Lachs
In einer Mitteilung von MAST heisst es, dass von diesen 8000 Tonnen maximaler Biomasse höchstens 5.200 Tonnen fortpflanzungsfähiger Lachs sein dürfen. Dem Unternehmen waren im August letzten Jahren mehr als 3500 fortpflanzungsfähige Zuchtlachse in die Natur entkommen. In der Folge hatten norwegische Spezialtaucher ins Land gebracht werden müssen, um die Zuchtlachse aus den Angelflüssen zu entnehmen, damit die Zuchtfische sich nicht mit den Wildlachsen paaren.
„Das Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft hat ein Belastungsgutachten und eine Risikobewertung für die Erbgutvermischung in der Fischzucht in Island erstellt. Das Belastungsgutachten sieht für das Ísafjarðardjúp 30.000 Tonnen vor, und die Riskobewertung für die Erbgutvermischung erlaubt eine maximale Biomasse von 12.000 Tonnen fortpflanzungsfähigem Lachs im Djúpið,“ heisst es weiter in der Mitteilung. Auch das Umweltgutachten fiel positiv aus. Gegen die Lizenzerteilung von MAST kann beim Berufungsausschuss für Umwelt- und Resoucenangelegenheiten bis Ende März Einspruch eingelegt werden.

Baugenehmigung für Meeresgehege
Allerdings muss seit dem 15. Februar eine Baugenehmigung für jegliche Fischzuchtanlagen auf dem Meer beantragt werden, nachdem die Behörde diese Einrichtungen als „Bauwerke“ klassifiziert hatte.  Eine solche Baugenehmigung ist für die Zuchtanlage im Djúpið bislang nicht erteilt worden.

Die Rechtsanwältin und Naturschutzaktivistin Katrín Oddsdóttir hatte die Ankündigung, dass Fischzuchtanlagen auf dem Meer eine Baugenehmigung benötigen, als „grosse Nachricht“ bezeichnet und verlangt, die kommerzielle Fischzucht im ganzen Land sofort auszusetzen, weil kein Unternehmen in Island eine solche Baugenehmigung halte. Sie verwies auf Paragraf 13 im Baugesetz, wonach bei Ungewissheit darüber, ob das geplante Vorhaben, für das eine Baugenehmigung erforderlich ist, schwerwiegende oder irreversible Auswirkungen auf das Ökosystem hat, der Antragsteller ein Gutachten über die potenziellen und erheblichen Auswirkungen des Bauvorhabens auf das Ökosystem beibringen muss.

In einem Facebookbeitrag von gestern verweist die Anwältin nicht nur auf das geltende Naturschutzgesetz, sondern auch darauf, dass die bereits vorhandenen Zuchtgehege die Schiffahrtsroute in den Fjord behindern und gefährden und rein rechtlich durch die Verkehrswegsbehörde entfernt werden könnten.

Lachslausbefall im Tálknafjörður
Arctic Fish hatte im letzten Jahr nicht nur mit fortpflanzungsfähigen Lachsflüchtlingen zu tun, sondern auch mit der Lachslaus, einem Parasiten, der Zuchtfische verstümmelt und tötet. Einen Massivbefall mit Lachsläusen hat MAST in der Arctic Fish-Zuchtanlage im Tálknafjörður kritisiert. In der Studie, die Ende Februar veröffentlicht worden war, heisst es dass das Unternehmen schlecht vorbereitet war und den Lachsbefall unterschätzt habe. Im Herbst waren rund zwei Millionen Zuchtlachse verendet oder hatten gekeult werden müssen. Bei Zählungen hatten bis zu 100 Lächsläuse auf einzelnen Fischen gesessen. In die Öffentlichkeit geraten war der Befall durch Drohnenvideos der Kajakerin Veiga Grétarsdóttir.
Die Autoren der MAST-Studie empfehlen die Schaffung eines gesetzlichen Rahmenwerks für die kommerzielle Fischzucht in Island, um zu verhindern, dass sich derartige Fälle wiederholen.

 

Hvammsvirkjun: Eine von zwei Gemeinden verzögert Unterschrift für Baugenehmigung

Þjórsá, Thjorsá, Hekla, Gaukshöfði

Der geplante Bau des Wasserkraftwerks Hvammsvirkjun am Fluss Þjórsá beschäftigt dieser Tage viele Menschen im Süden des Landes – Kraftwerksgegner, Naturschützer, und Gemeinderäte. Seit 30 Jahren wird um das Kraftwerk an Islands grösstem Fluss gerungen, nicht zuletzt, weil es das erste grosse Wasserkraftwerk ist, welches mitten in einer Siedlung gebaut wird und damit nicht nur Auswirkungen auf die Natur, sondern auch auf die Menschen vor Ort haben wird.

Rangáþing ytra will neue Umweltaspekte prüfen
Zwei Gemeinden oblag es, die Baugenehmigung für das 95 MW schwere Grossprojekt mit vier Quadratkilometer grossem Stausee zu unterzeichnen – Rangáþing ytra südlich des Flusses und Skeiða-og Gnúpverjahreppur am Nordufer.
Von Seiten des Rangárþing ytra hatte es vorgestern gehiessen, dass man Nachricht von isländischen North Atlantic Salmon Fund und vom Angelverein Þjórsá erhalten habe, welche die Gemeindeleitung dazu aufruft, die Baugenehmigung nicht zu erteilen. „Es wurde vorgeschlagen, dass die Angelegenheit bis zur nächsten ausserordentlichen Sitzung verschoben wird, um dem Umweltauschuss der Gemeinde Gelegenheit zu geben, die Sache zu besprechen, in Anbetracht der Tatsache, dass es zu gewissen Umweltaspekten neue Erkenntnisse gibt.“ heisst es im Protokoll der Gemeinderatssitzung.
Nationale und internationale Lachssachverständige hatten bis zuletzt auf den sensiblen Status des isländischen Wildlachses in der Þjórsá hingewiesen, der durch den Kraftwerksbau noch stärker gefährdet wäre. Aussserdem ist das Umweltgutachten für Hvammsvirkjun mehr als 20 Jahre alt und trotz veränderter Bedingungen nie neuaufgelegt worden.

Skeiða-og Gnúpverjahreppur beendet 30 Jahre langen Streit
Am anderen Ufer, im Skeiða-og Gnúpverjahreppur, schritt man hingegen zu Werke und unterzeichnete gestern Abend die Baugenehmigung in einer öffentlichen Sitzung, während sich protestierende Anwohner im Saal befanden. Vier von fünf Ratsmitgliedern unterschrieben die Baugenehmigung, ein fünftes Mitglied stimmte dagegen. Bürgermeister Haraldur Þór Jónsson gab Vísir gestern gegenüber an, kaum ein anderes Projekt habe derart viele Auseinandersetzungen verursacht. Auch jetzt sei keine Eintracht vorhanden, aber „an irgendeinem Zeitpunkt muss die Sache enden und es ist eine gewisse Erleichterung, dass wir diesen Zeitpunkt heute erreicht haben.“ Mbl.is gegenüber sagte er gestern, das Kraftwerk könne ja auch Möglichkeiten schaffen, wenn man etwa an den verminderten Flusspegel der Jökulsá unterhalb des Kárahnjúkarvirkjun denke, wo der Canyon Stuðlagil aus dem Wasser aufgetaucht sei.
Vor vielen Häusern in der Gemeinde ist heute die isländische Flagge auf Halbmast zu sehen.

Energieintensive Industrie schluckt am meisten Strom
Hvammsvirkjun hatte bereits im vergangenen Dezember grünes Licht von der Nationalen Energiebehörde erhalten. Geplant sind 95 MW, im Vergleich dazu bringen Kárahnjúkarvirkjun im zentralen Hochland 690 MW und das kürzlich erst erweiterte Búrfellsvirkjun an der Þjórsá 270 MW, beide sollten ursprünglich der Aluminiumindustrie Strom liefern. Hvammsvirkjun ist damit etwas kleiner, aber als erstes von drei Kraftwerken am Unterlauf der Þjórsá geplant, bald folgen sollen das Holtavirkjun und das Kraftwerk vor dem Urriðafoss, der dann sein Wasser verlieren würde.
Islands grösstes Erdwärmekraftwerk ist das Hellisheiðisvirkjun, es liefert 303 MW.

Hvammsvirkjun als Bitcoin-Energielieferant?
Snæbjörn Guðmundsson von der Naturschutzorganisation Náttúrugrið hatte zuvor seine Besorgnis darüber ausgedrückt, dass das neue Wasserkraftwerk Hvammsvirkjun dafür genutzt würde, Energie an die Bitcoin-mining Unternehmen zu liefern, eine stetig wachsende Industrie, die energieintensiv ist, aber wenig zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Kraftwerksträger Landsvirkjun hatte angegeben, man würde Kraftwerke nicht für den ausdrücklichen Zweck bauen, Bitcoin-mining Unternehmen mit Energie zu beliefern.