Misshandlung von Filmpferden könnte mit Anzeige enden

A close-up of an Icelandic horse

Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat gestern das Training von Islandpferden für eine Kinofilmproduktion des Regisseurs Baltasar Kormákur ausgesetzt, nachdem es Hinweise auf Misshandlung der Pferde gegeben hatte, berichtet RÚV. Baltasar gab RÚV gegenüber an, die Pferde hätten keine dauerhaften Schäden davongetragen. Die spanischen Trainer seien sofort entlassen worden.

Video bringt Ball ins Rollen
Gestern war auf Facebook ein Video kursiert, indem zu sehen war, wie ein mit Ausbindern und scharfem Gebiss gerittenes Pferd massiv geriegelt und mit einem Gegenstand immer wieder auf den Kopf geschlagen wird, während es brutal im Kreis vorwärtsgetrieben wird. Bei einem anderen Pferd werden währenddessen rollkurartige Übungen durchgeführt. Die Tierschutzaktivistin Steinunn Árnadóttir hatte das Video auf ihrer Facebookseite geteilt. Sie fand auch die mit Ketten verschnürte Gebisskonstruktion eigenartig. Das Pferd habe sich durch die Ketten verletzt, ein herbeigerufener Tierarzt habe die blutige Verletzung jedoch auf eine “allergische Reaktion” zurückgeführt. Das in dem Video zu sehende Pferd sei völlig brav, da stelle man sich die Frage, wie mit den nicht ganz so braven Pferden umgesprungen werde.

Anzeige wegen Tierquälerei in Arbeit
Die Tierärztin Ingunn Reynisdóttir sagt, dort würden ganz klar Pferde gequält, und niemand verstehe, was damit beabsichtigt werde. Man sehe dass der Reiter etwas in der Hand habe, womit er auf das Pferd einschlage, ausserdem lege er einen sehr harten und unfairen Reitstil an den Tag, er reisse an den Zügeln und schlage das Pferd auf den Kopf. Das sei sehr unnormal.
Die Veterinäufaufsichtsbehörde liess das Training durch einen Inspekteur vor Ort einstellen. Möglicherweise komme es zu einer Anzeige bei der Polizei, gab die Fachtierärztin für Pferdekrankheiten, Sigríður Björnsdóttir, RÚV gegenüber an.

MAST war benachrichtigt worden, nachdem Guðni Halldórsson, der Vorsitzende des isländischen Reiterdachverbandes, Informationen über die zweifelhaften Machenschaften beim Training der Filmpferde erhalten hatte. Er kontaktierte auch den Regisseur der Produktion King and Conqueror, für die die Pferde trainiert wurden.

“Topleute” mit Empfehlungen
Baltasar gab an, dass diese Trainer entlassen worden seien. „Wir haben sofort entschieden, die zu entlassen, nicht nur den Reiter auf dem Video, sondern das ganze Team, sieben Reiter. Das sind Leute, die mit hervorragenden Empfehlungen kamen und im Ausland viele Kinofilme gemacht hatten, wie Gladiator oder Game of Thrones.“ sagte Baltasar.
Man habe ihnen zu Beginn des Arbeitsverhältnisses erklärt, dass sie sich an die isländische Tierschutzverordnung zu halten hätten. Sie seien bereits entlassen gewesen, als MAST das Training aussetzen liess, so Baltasar.
Schon zuvor seien in Island Pferde für Kinofilme trainiert worden, doch dies sei das bislang grösste Projekt gewesen. Da sei es schwierig, Fachleute zu finden, es gebe niemanden, der sich in Island auf das Traning von Filmpferden spezialisiere. „Und wir dachten, wir hätten da Topleute gefunden. Die Empfehlungen waren hervorragend.“

Keine langfristigen Schäden
Baltasar gab an, Tierärzte hätten die Pferde gestern untersucht, und die Tiere hätten keinen langfristigen Schaden davongetragen. Nun müsse man den nächsten Schritt entscheiden. Er gehe davon aus dass man Lösungen mit isländischen Reitern finden werde.
Guðni Halldórsson gab mbl.is gegenüber an, ein schaler Geschmack im Mund bleibe, weil man wisse dass diese Leute im Ausland weiter so mit Pferden umgingen.
Für die Filmproduktion waren im Winter 70 bis 80 Pferde zum Kauf oder als Leihgabe gesucht worden. Schön und brav sollten sie sein, mit viel Mähne und mindestens 145 cm Stockmass haben. Der Film King and Conqueror erzählt die Geschichte der Schlacht von Hastings.

Baltasar Kormákur setzt Wilhelm den Eroberer in Szene

Katla Netflix

Baltasar Kormákurs Produktionsfirma RVK Studios arbeitet zusammen mit CBS Studios an der Serie King and Conqueror, die von Wilhelm dem Eroberer und der berühmten Schlacht von Hastings in 1066 erzählt. Das ehrgeizige Projekt soll im Reykjavíker Naherholungs- und Naturschutzgebiet Heiðmörk und in Studios gedreht werden.
In den Hauptrollen werden James Norton und Nikolaj Coster-Waldau zu sehen sein. Für das Drehbuch zeichnet Michael Robert Johnsson verantwortlich, der auch die TV-Serie Sherlock Holmes geschrieben hat.
“Das ist eins der grössten Projekte, die hier unternommen worden sind, und es ist besonders komplex, weil es im mittelalterlichen Britannien spielt, zum grössten Teil,” sagte Baltasar RÚV in der vergangenen Woche.

Aufwendige Filmarbeiten
Gefilmt wird von Februar bis Juli kommenden Jahres. Die RKV Studios haben eine Filmlizenz für Dreharbeiten in der Heiðmörk beantragt, denn das Gelände steht unter Naturschutz und ist als Naherholungsgebiet bei Wanderern, Radfahrern, Joggern und Reitern gleichermassen beliebt. Die Produktionsfirma will auf dem Parkplatz in Hjallaflatir ein kleines Dorf aufbauen, über dessen Grösse noch entschieden werden muss.
Als Vorbereitungszeit sind zwei bis drei Monate geplant, die Dreharbeiten selber sollen innerhalb von zwei Wochen erfolgen, für den Abbau der Infrastrukturen sind ebenfalls um die zwei Wochen angesetzt. Während dieser Zeit wäre der Parkplatz nicht benutzbar.

50-70 Pferde für die Schlacht
RVK Studios hat auch um eine Drehgenehmigung ersucht, um die berühmte Schlacht von Hastings auf dem Feld in Hjallaflatir drehen zu dürfen. Dazu müssten Verteidigungsmauern errichtet werden, für die Darstellung der Kampfhandlungen würden 180 Personen und 50 bis 70 Pferde benötigt. Für diese Szene veranschlagt man zwei bis vier Wochen Vorbereitung, fünf Tage Dreharbeiten, sowie eine Woche, um alles wieder in den Originalzustand zu versetzen.

Lindsey Martin, die Vizepräsidentin der CBS, bezeichnete die Serie in einem Interview mit Deadline als innovativ und trete mit Weltklassebesetzung an.
“Wir sind unglaublich stolz darauf, was das Produktionsteam schon alles erreicht hat, und wir können es kaum erwarten, das Endprodukt auf der Leinwand zu sehen.”

 

Grösstes Filmstudio Europas könnte in Reykjavík stehen

Netflix/Lilja Jónsdóttir

Das Spielfilmunternehmen Reykjavík Studios hat eine 4000 Quadratmeter grosse Werkshalle im Stadtteil Gufunes erworben, um dort zwei Produktionsstudios für Kinofilme einzurichten. Regisseur und Produzent Baltasar Kormákur sagte RÚV gegenüber, wenn die Studios in Betrieb genommen seien, könne man dort Spielfilme wie Harry Potter aufnehmen.

Momentan ist das Gebäude noch unansehnlich, doch schon bald sollen dort gleich zwei Studios untergebracht werden. Der Stadtrat hatte im vergangenen Jahr einem Verkauf des Grundstücks am Gufunesvegur 21 zugestimmt, wo zuvor eine alte Düngemittelfabrik untergebracht gewesen war. Reykjavík Studios und True North boten beiden, erstere erhielten den Zuschlag gegen Zahlung von rund 320 Mio ISK und können nun ihr bereits bestehendes Studio im Nachbargebäude ergänzen.

Damit entsteht dort eins der grössten Filmstudios in ganz Europa, Baltasar Kormákur zufolge möglicherweise auch ein bisschen zu gross, weswegen man plane, die Räumlichkeiten mit schallisolierten Wänden zu unterteilen und zwei kleinere Studios daraus zu machen, die besser für den isländischen Film geeignet seien. Während der Produktion der Serie Katla etwa seien vier Projekte zur gleichen Zeit im gleichen Haus gelaufen. Das neue Gebäude stehe später möglicherweise auch offen für Konzerte und andere Veranstaltungen.

Zum Herbst hin, so hofft Baltasar, könnten die Arbeiten am neuen Studio beendet sein. Dann sei es auch möglich, richtig grosse Spielfilmprojekte in der Grössenordnung von Harry Potter in Angriff zu nehmen – vorausgesetzt, die Regierung halte ihr Versprechen, die Filmindustrie auch weiter finanziell zu unterstützen, denn die Umbaukosten werden auf etwa eine Mrd Kronen geschätzt.