Arzneimittelbehörde genehmigt Impfstoff für Kinder von 5 bis 11 Jahren

bólusetning mass vaccination Laugardalshöll

Die isländische Arzneimittelbehörde wird die Verwendung des Pfizer-Impfstoffs gegen COVID 19 für Kinder im Alter von neun bis 11 Jahren genehmigen, kündigte Behördenleiterin Rún Hauksdóttir Hvannberg RÚV gegenüber an. Am Morgen war der Impfstoff von der Europäischen Arzneimittelbehörde genehmigt worden.

Der Ausschuss für Humanmedizin der EU-Behörde hatte eine Ausweitung der Indikation für die COVID-Vakzine Comirnaty empfohlen, um Kinder zwischen fünf und 11 Jahren in die Impfung mit einschliessen zu können. Der Impfstoff war von BioNTech und Pfizer entwickelt worden und ist bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren bereits erprobt.

Die Dosierung der Comirnaty-Vakzine fällt geringer aus als die für ältere Menschen, statt 30 µg werden 10 µg gespritzt. Wie bei den älteren Gruppen erhalten auch die Kinder mit einem Abstand von drei Wochen zwei Injektionen in den Oberarmmuskel.
Rún zufolge müssen die Gesundheitsbehörden nun entscheiden, ob und wann sie der Altersgruppe die Impfung anbieten.

 

COVID-19 Patienten werden vor Einnahme Ivermectin-haltiger Creme gewarnt

Director of Health Alma

Ein Patient musste in die Universitätsklinik eingewiesen werden, nachdem er die Salbe Soolantra eingenommen hatte. Soolantra enthält den Wirkstoff Ivermectin und wird zur äusserlichen Behandlung der entzündlichen Gesichtshauterkrankung Rosacea eingesetzt, berichtet RÚV.

Das isländische Gesundheitsamt und die Arzneimittelbehörde haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie dringend darauf hinweisen, dass das Medikament keinesfalls oral eingenommen werden darf, da dies zu schwerwiegende Nachwirkungen führen kann.
Die Salbe darf nur im Gesicht angewendet werden. Sie sollte nicht mit anderen Körperpartien, vor allem Augen, Mund und Schleimhäute, in Berührung kommen, und niemals geschluckt werden. Bei Kontakt mit Augen oder Schleimhäuten sollten die betroffenen Bereiche sofort mit reichlich Wasser ausgewaschen werden. Je höher die Menge der geschluckten Salbe, desto schwerer können die Nebenwirkungen ausfallen.

Die Leiterin der Arzneimittelbehörde, Rúna Hauksdóttir Hvannberg, hatte zuvor angegeben, ihre Behörde prüfe derzeit, welche Ärzte die Salbe verschrieben hätten und ob es häufigere Verschreibungen gebe.

In der Erklärung heisst es weiter, dass es glaubhaften Quellen zufolge Patienten gebe, die an COVID-19 litten und die Salbe eingenommen hätten. Rúna hat dies RÚV gegenüber bestätigt. “Wir haben mindestens einen bestätigten Fall, wo die betreffende Person ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Wir glauben, dass es mehr Fälle gibt, aber dies ist eine allgemeine Warnung, das Medikament ist nicht nur oralen Einnahme gedacht.” sagte Rúna.

Die Soolantra Salbe wird zur Behandlung von entzündlichen Rosacea-Fällen eingesetzt. Auf Schleimhäute wirkt sie stark reizend, und eine falsche Anwendung kann zu Rötungen, Krämpfen, Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsverlust führen. Personen, die die Salbe geschluckt haben und Nebenwirkungen verspüren, sollten ihren Arzt aufsuchen.

Soolantra ist verschreibungspflichtig. Da die Verschreibungsfälle jetzt vom Gesundheitsamt überprüft werden, dürfen zur Zeit nur noch Dermatologen ein Rezept über die Salbe ausstellen.

 

Fünf Geschäfte dürfen rezeptfreie Medikamente verkaufen

Fünf Supermärkte auf dem Land haben die Ausnahmegenehmigung erhalten, rezeptfreie Medikamente wie Panódil (Paracetamol), Íbúfen (Ibuprofen), Lóritín und Histasín (Cetirizin) zu verkaufen, berichtet RÚV.
Der Verkauf der Medikamente beginnt in dieser Woche.

In folgenden fünf Geschäften erhält man die Medikamente:
Krambúðin, Flúðir
Krambúðin, Laugarvatn
Kjörbúðin, Fáskrúðsfjörður
Hríseyabúðin, Hrísey
Búðin, Borgarfjörður

Das neue Medikamentengesetz vom 1. Januar gestattet der Arzneimittelbehörde zum ersten Mal, Ausnahmegenehmigungen zu erteilen, zuvor war es nur gestattet, Arzneimittel auf Grundlage der Arzneimittelverkaufsgenehmigung an Kunden abzugeben.

Die neue Befugnis der Behörde, Ausnahmegenehmigungen zu erteilen, soll Abhilfe auf dem Land schaffen, wo die Leute oft weit bis zur nächsten Apotheke fahren müssen.
Nach Informationen der Arzneimittelbehörde darf eine solche Genehmigung nur dort erteilt werden, wo es um Umkreis von 20 Kilometern keine Apotheke gibt. Die Behörde definiert, welche Medikamente in welcher Stärke und Packungsgrösse die jeweiligen Geschäfte mit der Ausnahmegenehmigung verkaufen dürfen.

Polizei durchsucht experimentellen Anbau von Nutzhanf

Gestern sind drei Polizisten in einem in Ostisland registrierten Polizeifahrzeug nach Gautavík im Berufjörður gefahren. Sie hatten sich auf den Weg gemacht, um für die isländische Arzneimittelbehörde herauszufinden, ob auf dem Hof illegale Pflanzen gezogen werden, berichtet das Bændablaðið.

Wie die Bewohner von Gautavík erzählen, hätten die Polizisten das Gelände erkundet, sie waren dabei sowohl draussen als auch in den Gebäuden, und zwar mit Erlaubnis des Bauern, weil sie keinen richterlichen Durchsuchungsbefehl vorweisen konnten.

Es wurden Fotos vom Umfang des Nutzhanfanbaus vor Ort aufgenommen, von Erzeugnissen und Papieren, wie etwa die schriftliche Erlaubnis der Lebensmittelüberwachungsbehörde MAST zum Import von Saatgut, ausserdem wurden Proben genommen.

Die Bauern wurden nicht verhört, da sie das Recht haben, erst mit ihrem Anwalt zu sprechen, bevor sie polizeilich verhört werden.

Im vergangenen Sommer hatten die Bauern auf Gautavík auf einem Hektar Land mit einem Versuchsanbau von Nutzhanf begonnen. Sie wollten damit auf die Verwendbarkeit des Rohstoffs aufmerksam machen, geplant war, Hanfplatten für den Zuschnitt von Modellbausätzen herzustellen. Bisher wird dafür Hartpappe verwendet. Die Hanfplatten wären nachhaltiger in der Produktion. Der Hanfanbau verlief trotz des nassen Sommers recht erfolgreich.

Die Samen waren im vergangenen Frühjahr mit Erlaubnis der Lebensmittelüberwachungsbehörde offiziell importiert worden. Sie hatten eine MAST-Nummer erhalten, nachdem das Zertifikat des Samenherstellers eingegangen war, dass das Saatgut desinfiziert sei und weniger als 0,2 Prozent THC enthalte. Dieses Zertifikat müssen alle Importeure von ausländischem Saatgut ausfüllen. Das Saatgut für Gautavík war auch vom isländischen Zoll ordnungsgemäss abgefertigt worden.

Oddný Anna Björnsdóttir, die Landwirtin auf Gautavík, sagte dem Bændablaðið, dass im Parlament kürzlich ein Gesetz debattiert worden sei, nach dem sämtliche Kannabispflanzen als Rauschgift klassifiziert sind, ganz gleich, welche Menge THC sie enthalten.

In der Debatte ging es darum, dass man genau das ändern müsse, weil es vermutlich auf einem Missverständnis beruhe, und dass es nicht Ziel des Gesetzgebers sei, den Gebrauch von Nutzhanf zu verbieten, sondern nur die Kannabispflanzen, die mehr als nur Spuren von THC enthalten.”

Nutzhanf, so erklärt die Landwirtin, wird inzwischen in grossem Stil in Europa, den USA und Kanada angebaut und gilt als umweltfreundlichste Pflanze der Welt. Aus Hanf kann man nicht nur Lebensmittel und Tierfutter, sondern auch Textilien, Papier, Platten, Fussbodenbelag, Beton, Fahrzeugteile, umweltfreundliches Plastik und vieles mehr herstellen. Die beiden Konzerne Lego und Levi seien derzeit dabei, ihre Produktion von Plastik und Baumwolle auf Hanf umzustellen.

MAST habe, so Oddný, nach der Parlamentsdebatte alle Anfragen zur Einfuhr von Hanfsamen an die Arzneimittelbehörde geschickt, die obige Absage erteilte: Hanf in jeglicher Form und egal mit welchem THC-Gehalt ist in Island verboten.

Im Jahr 2012 hatte das noch anders ausgesehen. Damals hatte die Behörde zunächst die Einfuhr von Lebensmitteln, die aus Hanfsamen hergestellt sind, verboten, weil sie der Ansicht war, dass diese berauschend und suchtauslösend wirken.

Dann jedoch änderte die Behörde ihre Ansicht, als sich herausstellte, dass die Erzeugnisse aus Nutzhanf hergestellt waren, der weder Rauch noch Sucht auslöst, ausserdem waren diese Erzeugnisse innerhalb der EU anerkannt und wurden dort als Gesundheitsprodukte vermarktet.” sagt Oddný. “Zusätzlich gestattete die Umweltbehörde die Einfuhr von Hygiene- und Kosmetikartikeln, die aus den Samen des Nutzhanfs hergestellt worden waren.”

Seit der Zeit hatten die Bauern auf Gautavík die Erlaubnis von MAST, Hanfsaatgut einzuführen, unter der Voraussetzung, dass dieses Saatgut weniger als 0,2 Prozent THC enthalte, genau wie es im Reglement der EU vermerkt ist. MAST war an den Hanfversuchen im Jahr 2008 und 2013 beteiligt bzw habe davon gewusst. Beide Zuchtversuche hatten mit schriftlicher Erlaubnis der Arzneimittelbehörde stattgefunden.

Die Hanfbäuerin fragt sich, ob die Polizei nun nicht auch die Lebensmittelgeschäfte besuchen müsse, die Öle und Samen aus Hanf im Rega stehen haben, und auch Apotheken und Reformhäuser und all die Läden, wo Hygieneartikel und Kosmetika und Kleidung, und Einkaufstaschen und Seile und Segeltuch aus Hanffasern verkauft würden.

Die Ministerin für Tourismus, Industrie und Innovation, Þórdís Kolbrún Reykfjörd Gylfadóttir wolle, so sagt Oddný, sich der Sache nun annehmen und alle beteiligten Parteien an einen Tisch holen, um Hindernisse in der Gesetzgebung aus dem Weg zu räumen, die Erzeugern und Konsumenten das Leben derzeit schwermachten.

Ein Anwalt habe Oddný beruhigt, sie müsse keine Klage fürchten, weil sie ja die Importerlaubnis von MAST habe, und damit ganz normal habe erwarten können, dass die Einfuhr der Samen legal gewesen sei.

Wir schlafen nun etwas ruhiger, aber wir halten es für wichtig, dass diese Änderungen so schnell wie möglich durchgeführt werden, damit all die Leute, die am Hanfanbau Interesse gezeigt haben, gleich nächsten Sommer, oder im Gewächshaus schon früher loslegen können.”

 

80 Arzneien derzeit in Island nicht erhältlich

Prozac pills

Die Vorliebe der internationalen Pharmaindustrie für grosse Märkte hat zur Konsequenz, dass Dutzende von Medikamenten derzeit in Island nicht erhältlich sind, berichtet RÚV. Der Apotheker Aðalsteinn Jens Loftsson sagt, die Lage könne es für Einheimische erschweren, die richtige Medizin zu erhalten, und sie könne geradezu gefährlich sein. Auch der britische Brexit hat Auswirkungen auf die Verfügbarkeit eines bestimmten Medikamentes in Island.

Wir erleben das täglich, keine Frage, und in unterschiedlicher Ausprägung. Manche Fälle sind schwerwiegender als andere und schwieriger zu lösen,” sagt Aðalsteinn. Ein Hämorhoidenmedikament etwa ist derzeit nicht verfügbar. “Der Hersteller dieser Zäpfchen entschied, die Produktion einzustellen und verkaufte die Lizenz an einen anderen Produzenten. Der hatte kein Interesse an Island und gab die Marktlizenz zurück. Damit ist das Medikament von der Liste gestrichen.”

In vielen Fällen ist es schwierig, um solche Herausforderungen herumzuschiffen. Auch wenn manche Importeure Sonderlizenzen erhalten haben, um nicht verfügbare Medikamente oder Vergleichspräparate zu einzuführen, “das hat nicht immer so funktioniert,” sagt Aðalsteinn.

Im letzten Sommer waren Schilddrüsenpräparate und Nasensprays für Allergiker in Island nicht erhältlich gewesen. Auch Betablocker, die gegen Bluthochdruck verschrieben werden, hatte es nicht gegeben.

Man kann da noch mehr nennen. Ein altes und erprobtes Antibiotikum, das einfach von der Liste gestrichen wurde. Es war das einzige Präparat in der Kategorie.”

Apotheker dürfen kein Vergleichspäparat ausgeben, wenn ein Medikament nicht zu bekommen ist. Dem Patienten bleibt dann nichts anderes übrig als wieder zum Arzt zu gehen. Das führt nicht nur zu höheren Kosten für ihn, weil jeder Arztbesuch einzeln bezahlt werden muss, sondern auch “zu einer zusätzlichen Belastung für Gesundheitszentren, Ärzte, Spezialisten und Krankenhäuser,” erklärt Aðalsteinn. “Ich würde daher sagen, es wäre wünschenswert, dass alle, die von dem Problem betroffen sind, sich zusammen zu finden und nach Lösungen zu suchen.”

Er weist auch darauf hin, dass es bei neuen Medikamenten länger dauere, die Insel zu erreichen, weil sie oft zuerst in grösseren Ländern vermarktet werden. “Das ist kein Geheimnis.”

Auf der Webseite der isländischen Arzneimittelbehörde findet man die Liste aller derzeit nicht verfügbaren Medikamente