Scrapie: Neue ARR-Linie beschleunigt Verbreitung des schützenden Gens

Bei Schafen in den Dalir in Westisland ist ein neuer Bestand mit dem schützenden Genotyp gegen Scrapie gefunden worden, wobei keins der Tiere mit zuvor entdeckten Zuchttieren, die diese Genvariante in sich tragen, verwandt ist. Ein Schafzuchtberater bezeichnete dies als Glücksfall, weil es die Verbreitung der schützenden Genvariante im isländischen Schafbestand beschleunige.

Zufallsfund aus anderem Anlass
Auf dem Hof Vífilsdalur in den Dalir war kürzlich bei einem Mutterschaf und ihrem Lammbock der gegen Scrapie schützende Genotyp ARR gefunden worden. Der Widder mit Namen Vörður ist nicht mit den Schafen vom Hof Þernunes verwandt, wo der Genotyp zuvor gefunden worden war, berichtet RÚV.
Hörður Hjartarson hatte die Linie per Zufall entdeckt. Auf seinem Hof hatte es mehrere Schafe aus nicht-reinerbigen ARR-Böcken gegeben, und Hörður hatte seine Schafe testen lassen, um zu schauen, ob sie das Allel weitergeben. Dabei stellte sich heraus, dass ein ganz anderer, nicht mit ihnen verwandter Widder in der Herde ARR-Träger war. „Zuerst dachte ich, dass da ein Fehler vorliegt und die Proben vertauscht worden seien, aber wir haben das dann mit einer weiteren Probe bestätigt.“ erzählt Hörður. Auch die Mutter des Widders ist ARR-Trägerin, was beweist, dass es sich hier um eine neue, unabhängige Linie handelt.

Eyþór Einarsson, ein Zuchtberater beim landwirtschaftlichen Beratungszentrum, hält die Entdeckung für einen Glücksfall. „Das erleichtert die Zuchtarbeit und die nächsten Schritte erheblich.“ Derzeit wird in Island hart daran gearbeitet, schützende und potenziell schützende Genotypen in den isländischen Schafbestand hineinzuzüchten.

Þernunes galt als alleiniger ARR-Ursprung
RR ist der Genotyp, der in Europa verwendet wird und am meisten untersucht wurde, aber bei isländischen Schafen wurden auch andere Varianten gefunden, die möglicherweise vor der tödlichen Scrapie-Krankheit schützen: T137, N138 und C151.
Bislang hatte die gesamte Zucht mit vor Scrapie schützenden Genen auf den ARR-Trägern des Hofes Þernunes basiert. Bei einer so kleinen Vererbergruppe besteht immer die Gefahr, die genetische Vielfalt des Gesamtbestandes zu riskieren. Mit dem Fund von Vífilsdalur könnten Züchter nun viel früher reinerbige Widder züchten, was in den vergangenen zwei Jahren nicht möglich gewesen war. “Die sind alle mischerbig gewesen,” sagt Eyþór, “was bedeutet, dass es nur eine 50%ige Chance dafür gibt, dass sie das Gen weitervererben.”

Zucht mit hohem Tempo
Die neue Zuchtlinie von Vífilsdalur weckt auch wieder die Hoffnung, dass man vielleicht doch noch weitere Schafe mit dem ARR-Gen findet. Zwei Jahre ist es her, dass die ARR-Schafe auf Þernunes gefunden worden waren, und so langsam hatte niemand mehr so recht daran geglaubt, dass sich diese Variante noch anderswo im Land würde finden lassen.
So hatte die Marschroute gelautet, die Zucht mit dem vorhandenen Genmaterial so schnell wie möglich voranzutreiben und mit Fokus auf die besonders gefährdeten Gebiete, wo Scrapie immer wieder auftritt. Damit hätten dann nach 20 Jahre mindestens 75% des Gesamtbestandes die schützende Genvariante getragen.

Genvarianten schützen auch vor Keulung
Nun also könnte es doch noch schneller gehen. Bis vor kurzem war ein Landwirt, bei dem Scrapie diagnostiziert wurde, gezwungen gewesen, seinen gesamten Bestand zu keulen, ausserdem hätte er umfangreiche Reinigungsarbeiten durchführen müssen und hätte dann erst nach zwei Jahren wieder Schafe halten dürfen. Die Landwirtschaftsministerin hatte die Bestimmungen kürzlich dahingehend geändert, dass alle Schafe mit schützenden und möglicherweise schützenden Genvarianten von der Keulung ausgenommen werden können.

 

Scrapie: 100 Schafe mit schützendem Gengut bleiben am Leben

Auf dem Hof Stórhóll in der Vestur-Húnavatnssýsla war im Oktober bei einem zweijährigen Schaf die tödliche Krankheit Scrapie gefunden worden. Der Diagnose folgte wochenlanges Bangen, ob wie bisher üblich der gesamte Schafbestand gekeult werden muss, oder ob die Schafe, bei denen gegen Scrapie schützende Genotypen gefunden worden waren, am Leben bleiben dürfen. Nun wurde bekanntgegeben, dass 100 Schafe von der Keulung ausgenommen werden, berichtet RÚV.

Den alten Bestimmungen nach hätten alle 600 Schafe des Bestandes gekeult werden müssen. Zwei Höfe im Nordwesten, die das gleiche Schicksal im September ereilte, hatten noch den gesamten Bestand vernichten müssen, obwohl sich nachweislich Dutzende von Jungeschafen mit schützendem Erbgut im Bestand befanden. Die Vorgehensweise der Veterinäraufsichtsbehörde war seinerzeit scharf kritisiert worden. In der Folge hatte Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir die Regelung dahingehend geändert, dass Schafe mit nachgewiesenen schützenden Genotypen von der Keulung ausgenommen werden.

100 Schafe als Neubeginn
Bei einer Reihenuntersuchung auf Stórhóll stellte sich heraus, dass um die 100 Schafe in der Herde mit mehr oder weniger schützendem Genotyp ausgestattet waren. Diese 100 Schafe sind die ersten in Island, die nach der neuen Bestimmung trotz einer Scrapie-Infektion im Zuchtbetrieb am Leben bleiben dürfen. Sie stellen die Grundlage für einen neuen Bestand, der mit einem Schutz gegen die Krankheit ausgestattet ist.

Für die 100 jungen Auen gelten allerdings scharfe Bestimmungen. Unter anderem ist der gesamte Bestand für sieben Jahre in Isolation zu halten. Nur reinerbige ARR-Schafe dürfen nach zwei Jahren auf die Sommerweide ins Hochland. Es besteht ausserdem die Verpflichtung, sich züchterisch ausschliesslich auf den Scrapieschutz zu konzentrieren.

Erster Schritt zu scrapiefreiem Bestand
Stórhóll ist damit der erste Schafzuchtbetrieb in Island, für den es nach der Scrapie-Diagnose weitergeht.
Bislang waren Keulung, Desinfektion und Brachliegen die einzigen Waffen gegen die ansteckende Nervenerkrankung gewesen, gegen die es kein Mittel gibt. Über Jahrzehnte waren der Scrapie abertausende von Schafen – erkrankte wie gesunde, zum Opfer gefallen, ein hilfloser Versuch, die Seuche auszurotten. Doch der Prion hielt sich hartnäckig und tauchte in bestimmten Gebieten immer wieder auf.
Im vergangenen Jahr hatte dann auf Initiative der Schafzüchterin Karólína Elísabetardóttir und des isländischen Zuchtbüros eine grossangelegte Diagnostikaktion begonnen, um vor Scrapie schützende Genvarianten zu finden, die bei ausländischen Schafrassen durchaus vorhanden sind. Dazu wurden auf allen Höfen des Landes Zuchtlämmern Hautstanzen aus dem Ohr entnommen und genetisch untersucht. Auf dem Hof Þernunes wurde man schliesslich fündig, dort gab es einen alten Bestand mit der schützenden ARR-Variante. Inzwischen konnten mehr Höfe mit solchen Beständen und weitere Genvarianten ausgemacht werden, die ähnlich bis gleichwertig vor der Krankheit schützen.
Mit der neuen Bestimmung, nach der Jungschafe mit schützendem Erbgut von der Keulung ausgenommen sind, kann nun das Projekt in Angriff genommen werden, in Island einen scrapiefreien Schafbestand aufzubauen.

 

Scrapie: Ministerin plant Methodikwechsel und Erbgutanalysen

Die Ministerin für Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei, Svandís Svavarsdóttir ist auf den Vorschlag der leitenden Amtstierärztin der Veterinäraufsichtsbehörde eingegangen, demnach soll die Methodik zur Ausrottung der Scrapie-Erkrankung bei Schafen geändert werden. Man will nun noch zielgerichteter und schneller einen scrapieresistenten Schafbestand in den Zuchtregionen heranziehen, die als Risikogebiete eingeordnet sind. Der Vorschlag liegt der Regierung vor.

Einer Untersuchung der Landwirtschaftshochschule nach lässt sich die Züchtung auf resistente Genotypen durch gezielte Genotypanalysen stark beschleunigen. Durch diese Arbeit wird die Wahrscheinlichkeit einer Scrapieinfektion verringert, mit allen damit verbundenen Kosten für den Einzelnen und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Gemeinschaft. Des weiteren sieht der Vorschlag vor, dass das Ministerium Schafe, die nachweisbar das schützende Gen in sich tragen, von einer Keulung ausschliessen kann. Diese Schafe sollen stattdessen auf dem betroffenen Hof isoliert gehalten werden. So kann ein Bestand mit schützendem Erbgut in Scrapiegebieten herangezüchtet und gleichzeitig Krankheitsprävention betrieben werden, heisst es auf der Seite des Ministeriums.

„Die Regierung wird alles Notwendige tun, um die Landwirte darin zu unterstützen, einen Bestand mit schützendem Erbgut heranzuzüchten. Dem Vorschlag nach werden über 80 % der zur Zucht genutzten Schafe in den riskantesten Bereichen nach fünf Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an Scrapie erkranken, damit sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine Keulung,“ gab die Ministerin an. „Um diesen unheilbringenden Gast zu vertreiben, bedarf es der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten, Finanzierung und Kapazitäten zur Erbgutanalyse. Wir streben an, jedes Jahr 15.000 bis 40.000 Schafe auf Erbgut zu untersuchen, und mit diesen Maßnahmen wird die Wahrscheinlichkeit von groß angelegten Keulungen schnell abnehmen.”
Nach dem Bericht der Landwirtschaftshochschule belaufen sich die Kosten für die genannten Massnahmen auf 576 Mio ISK in den kommenden sieben Jahren. Die Finanzierung ist gesichert.

Die Tatsache, dass Schafe, bei denen das schützende Erbgut gefunden wurde, nun nicht mehr automatisch mitgekeult werden, wenn sie sich in einer mit Scrapie infizierten Herde befinden, war einer der grossen Streitpunkte in der Auseinandersetzung um die harten Ausrottungsmassnahmen gewesen. Nach einer Massenuntersuchung waren einige Tiere im Osten des Landes mit dem schützenden ARR-Genotyp gefunden und gleich der Zucht zugeführt worden, wobei man die Scrapie-Risikogebiete bevorzugt bediente. Eine Keulung ihrer Nachkommen im Ernstfall hätte die Verbreitung des schützenden Erbgutes langfristig stark verzögert.

 

Zweiter Scrapie-Fall: Kommt DeCODE mit ins Boot?

deCode Genetics CEO Kári Stefánsson

Das isländische Genforschungsinstitut DeCODE könnte möglicherweise ein Forschungslabor einrichten, um Proben aus isländischen Schafen zu untersuchen und das vor Scrapie schützende Gengut zu finden, berichtet RÚV am Abend. Das Gengut konnte bereits in mehreren Schafen lokalisiert werden, diese befinden sich auch bereits in der Zucht. Um bei der Suche nach dem Gen aber so richtig voranzukommen, müsste der gesamte Bockbestand – 200.000 Tiere – in kürzester Zeit untersucht werden. Bislang sind die Proben von einzelnen Höfen genommen und dann zur Untersuchung nach Deutschland geschickt worden, was sehr aufwendig und teuer war.

Heute hat sich nun die isländische Regierung an DeCODE gewandt, nachdem gestern auf einem zweiten Hof im Miðfjörður die tödliche Schafkrankheit Scrapie gefunden worden war. Dort müssen 720 Schafe gekeult werden. Beide betroffenen Höfe gehörten zu den produktivsten Betrieben des Landes.
“Ich bin heute mehrfach angerufen worden,” sagt DeCODE-Direktor Kári Stefánsson. “Parlamentarier und Minister haben mich angerufen und gefragt, ob wir nicht versuchen können, 200.000 Proben zu untersuchen.” Er finde das “ein wenig seltsam”, angesichts der Tatsache dass das Unternehmen noch niemals zuvor Schafe untersucht habe. Nichts desto trotz verfüge das Unternehmen über viel Wissen und Erfahrung auf dem Gebiet der Genforschung und könne im Kampf gegen die Scrapie vonnutzen sein.
Kári sagt, er rechne damit dass man sich gleich am Montag zusammensetzt und die Möglichkeit bespreche, ein Forschungslabor aufzusetzen. Dazu sei es notwendig, Prozesse, Software und Hilfe beim Monitoring einzurichten. Doch so ganz traut er der Sache wohl nicht.

Wollte bereits 2021 Seucheninstitut gründen
Kári Stefánsson hatte schon zuvor vorgeschlagen, ein isländisches Seucheninstitut auf die Beine zu stellen, damit die Regierung bei Ausbruch einer Seuche sofort reagieren könne.
Anfang 2021, als sein Institut der Regierung zur Diagnostizierung von COVID-Antikörpertests zur Hilfe gekommen war, hatte er schon davon gesprochen, ein Seucheninstitut gründen zu wollen, und dafür technische Ausrüstung, Finanzierung und Wissenschaftler zur Verfügung zu stellen. Immerhin wisse er nicht, wie lange es das Unternehmen vor Ort noch geben werde. DeCODE befindet sich in ausländischem Besitz.

Neuer Scrapie-Fall im Miðfjörður ist Katastrophe
Im Miðfjörður sitzt der Schock indessen tief. Gestern war auf dem Hof Syðri-Urriðaá ein Fall von Scrapie aufgefallen, 720 Schafe müssen gekeult werden. Die Keulung auf dem Hof Bergstaðir ist beendet, allerdings können die Kadaver nicht der Verbrennung zugeführt werden, weil der Ofen in Suðurnes defekt ist. Die Bürgermeisterin des Bezirks, Unnur Valborg Hilmarsdóttir, steht in Verhandlungen mit der Umweltbehörde, um Lösungen zu finden. Die anstehende Keulung ist dringend, immerhin beginnt Ende des Monats die Lammzeit und die meisten zu tötenden Schafe sind hochtragend.

Unnur bezeichnete das als Katastrophe für die Gemeinschaft. “Alle sind natürlich wie erschlagen, und all unsere Gedanken sind vor allem bei den Landwirten, die vor diesem Elend stehen. Man muss auch sagen, dass viele Bauern jetzt tief besorgt darüber sind, wie es weiter geht,” sagte Unnur Vísir gegenüber. Zur Zeit wird fieberhaft danach gesucht, ob die Krankheit sich noch weiter verbreitet hat. Für Dienstag hat sie eine Bürgerversammlung organisiert, wo Vertreter von Bauernverbandes und Veterinäraufsichtsbehörde sprechen werden, ausserdem Karólína Elísabetardóttir, die die landesweite Suche nach dem vor Scrapie schützenden Gen vor zwei Jahren angestossen und vorangetrieben hatte, sowie eine Psychologin, die sich um die seelische Verfassung der Bewohner im Miðfjörður kümmern will.
“Das sind zwei grosse Höfe, da geht es nicht nur um seelischen Schaden und Schock, sondern auch um einen finanziellen Schaden. Das kann viel weitreichendere Folgen haben als bisher erwähnt,” erklärt Unnur.
Wie auch andere vor ihr fordert auch Unnur viel mehr Geld für Infektionsprävention, den Bau von Schutzzäunen und die Suche nach dem schützenden Gen, um die tödliche Krankheit ein für alle Mal aus dem isländischen Bestand wegzuzüchten. “Das ist das grösste Projekt, vor dem wir stehen,” sagt die Bürgermeisterin.

Scrapie: Auch Schafe mit schützendem Genotyp müssen gekeult werden

Das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel hat einen Antrag der Lebensmittel-und Veterinäraufsichtsbehörde MAST auf Ausnahmegenehmigung im Rahmen des Tierseuchengesetzes positiv beschieden, demnach dürfen nun Lämmer und Zuchttiere mit dem vor Scrapie schützenden Genotyp auch über die Seuchenschutzgrenzen in andere Gebiete verkauft und transportiert werden, berichtet das Bændablaðið.
Die Bestimmungen zur Bekämpfung der Scrapie, wenn also ein Tier positiv getestet wird, bleiben jedoch unverändert: erkrankt ein einziges Schaf oder eine Ziege an Scrapie, muss die gesamte Herde gekeult werden, ganz gleich ob Tiere in der Herde das schützende Gen tragen oder nicht.

Neues Regelwerk zu Seuchenschutz und Tiergesundheit in Arbeit
Die leitende MAST-Tierärztin Sigurborg Daðadóttir hatte vor zwei Jahren eine Überprüfung der Bestimmungen zur Scrapiebekämpfung angefertigt. In dem Jahr hatten sich mehrere Scrapiefälle ereignet, tausende Schafe im Norden des Landes waren daraufhin gekeult worden. Im Dezember 2021 wurde der Bericht an das Ministerium übersendet, wo nun an neuen Bestimmungen gearbeitet wird, nachdem sich herausstellte, dass auch in Sachen Tiergesundheit Nachbesserungsbedarf besteht.

Zucht mit schützendem Genotyp kann beginnen
Während die Schafzüchtergemeinschaft auf die Ergebnisse wartet, werden die wertvollen Schafe mit dem schützenden Gen über das Land verteilt, vor allem dort, wo ein Scrapieausbruch am ehesten zu befürchten ist. Diese Regionen geniessen einer Definition von MAST zufolge Priorität beim Verkauf der begehrten Zuchttiere.
Bislang sind 128 Schafe mit entweder dem ARR oder dem T137 Gen in Island gefunden worden. Vier Böcke werden ihren Dienst in der nationalen Zuchtanstalt beginnen, wo man imWinter dann Material für die künstliche Besamung bestellen kann: Gimsteinn, Gullmoli und Hornsteinn vom Hof Þernunes, sowie Austri vom Hof Stóra-Hámundastaðir.

In Europa schützt Genotyp vor Keulung
Züchterische Arbeit in Europa geht schon länger dahin, den Tierbestand mit schützenden Genotypen zu stärken. Im Allgemeinen gilt dort die Regel, dass man im Fall eines Scrapieausbruchs sofort die Genotypen der Tiere in der Herde überprüft, um die Infektionswahrscheinlichkeit einzuschätzen. Üblicherweise verschont man Schafe mit dem ARR-Genotyp, während Schafe ohne den Genotyp gekeult werden.
In Island werden alle Schafe gekeult, gleich ob sie den Genotyp tragen oder nicht. Damit ist es züchterisch nicht möglich, den Einfluss des Genotyps auf Bestand und Krankheit langfristig zu sichern, bzw. einen genetisch geschützten Bestand aufzubauen.

Scrapie ist bis heute unheilbar. Die Erkrankung kam vermutlich im Jahr 1878 durch Import eines englischen Schafbocks über Dänemark in den Skagafjörður, eine der noch heute am schwersten betroffenen Regionen Islands. In den 70ger Jahren war zwei Drittel des isländischen Schafbestandes erkrankt und musste getötet werden, seit 1986 gilt die Keulungsbestimmung, dass bei Auffinden eines einzigen erkrankten Tieres der gesamte Bestand vernichtet wird. Weil der Erreger auch Winter überdauert, müssen Züchter mehrere Jahre warten, bis sie wieder Schafe halten dürfen.

Weiterlesen (auf English): Good Breeding

Zucht mit Scrapie-resistenten Schafen kann bald beginnen

Nach einer Reihenuntersuchung bei isländischen Schafen steht nun fest, dass bislang 128 Tiere entweder Träger des ARR-Gens sind, welches international anerkannt vor der Scrapie-Erkrankung schützt, oder des T137 Prions, das italienischen Erfahrungen zufolge ebenfalls vor der degenerativen und unheilbaren Erkrankung des Nervensystems schützt.
Dem baldigen Aufbau eines Scrapie-immunen Schafbestandes in Island dürfte damit nichts mehr im Wege stehen, berichtet das Bændablaðið

Forschungsprojekt auf Privatintiative war erfolgreich
Als im Jahr 2020 nach Scrapie-Funden wieder einmal fast 2600 Schafe rund um den Skagafjörður hatten gekeult werden müssen, hatte ein grosses Forschungsprojekt seinen Anfang genommen. Auf Initiative von Karólína í Hvammshlíð, der Zuchtbehörde RML und ausländischen Experten hatten Landwirte die Möglichkeit erhalten, ihren Schafen Proben aus dem Ohr zu entnehmen, in denen dann die schützenden Genbestandteile gesucht – und tatsächlich gefunden wurden. Der Plan B der RML, sich entsprechendes Genmaterial im Ausland zu besorgen, musste daher gar nicht erst umgesetzt werden. Die Suche nach dem Genmaterial im Land selbst soll jedoch weitergeführt werden, um soviele Genträger wie möglich identifizieren zu können.

Nach EU-Recht sind Genträger bei Keulung tabu
Bis zum heutigen Tag ist die Keulung und Reinigung von Stallgebäuden und Land der einzige Weg, die Scrapie loszuwerden, doch hat er zahllose Landwirten Tränen und grosse wirtschaftliche Schäden beschert. Seit Beginn der Keulungspolitik im Jahr 1980 haben in Island 620 Höfe den schweren Weg gehen müssen, in den vergangenen 12 Jahren sind 8495 Schafe gekeult worden, sowie 53 Ziegen, obwohl es bislang keine Hinweise auf Scrapie in Ziegen gibt.
In Europa hingegen waren schon länger Erfolge mit der Zucht aufgrund des schützenden Genmaterials erzielt worden. Nun besteht auch für die isländischen Schafzüchter Hoffnung, die Scrapie ein für alle Mal loszuwerden.
Die EU-Bestimmung sieht nämlich vor, dass alle Tiere, in denen das schützende Genmaterial vorhanden ist, von Keulungsmassnahmen ausgenommen sind. Bislang hatte Island sich zwar nach den europäischen Bestimmungen in Bezug auf die Scrapie gerichtet, aber eine Ausnahmegenehmigung genutzt, um den ganzen Bestand zu keulen, weil nach dem schützenden Genmaterial auf der Insel nie gesucht worden war – bis jetzt.

Zucht mit ARR und T137 kann beginnen
Die ARR Variante ist international anerkannt als schützend gegen Scrapie, T137 hat diese Anerkennung nicht erhalten, weil kein Bedarf bestand. In Island kommt die Bedeutung von T137 jedoch zum Tragen, weil es den Genpool der Tiere mit schützendem Genmaterial beträchtlich erweitert.
Eine gezielte Zucht soll nach Informationen des Zuchtbüros langsam und erst mal vor allem in den von Scrapie betroffenen Gebieten durchgeführt werden, damit die genetische Vielfalt des isländischen Schafbestandes unter allen Umständen erhalten bleibt.
Im Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel werden derzeit die Bestimmungen zu Massnahmen bei Scrapieaufkommen überarbeitet.