Lachszucht: 450.000 tote Lachse nach besonders kaltem Winter

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Rund 300.000 Zuchtlachse sind im März diesen Jahres in Meereszuchtgehegen des Lachskonzerns Arnarlax in den Westfjorden verendet. Unter anderem werden Wintergeschwüre für das Massensterben verantwortlich gemacht. Im gesamten Land verendeten im letzten Monat etwa 450.000 Zuchtlachse, das ist doppelt soviel wie im gleichen Zeitraum des letzten Jahres und etwas weniger als im Jahr 2022, berichtet Heimildin.

Qualvoller Tod in eisigem Wasser
Wintergeschwüre entstehen in besonders kalten Wintern mit entsprechend niedrigen Meerestemperaturen, die sich negativ auf den Zuchtlachs auswirken. Von den 450.000 verendeten Zuchtfischen im Land hatten sich zwei Drittel im Besitz des Arnarlax Konzerns befunden. Die meisten toten Lachse (290.000) verendeten im März im Arnarfjörður. Ende Februar schwammen 18 Millionen Zuchtlachse in den Meeresgehegen rund um die Insel, 2,5 Prozent des Gesamtbestandes sind im letzten Monat verendet.
Diese Zahlen stammen aus einer Mailantwort der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) an Heimildin. Der Behörde ist es nicht gestattet, die Verluste nach Unternehmen aufzuteilen. Allerdings sei das Massensterben besonders gross bei Arnarlax gewesen. „Hauptgrund des Verlustes sind Moritella viscosa, Parvicapsulose und Tenacibaculum.“
Moritella verursacht Wintergeschwüre und ist verursacht besonders schwere Schäden in der isländischen Fischzucht, weil das Meer hier so kalt ist. Parvicapsulose ist eine Parasitenerkrankung, die hierzulande zum ersten Mal im Jahr 2019 diagnostiziert wurde. Die Bakterie Tenacibaculum verursacht Geschwüre an den Flossen und führt zum Tod des Fisches.

Sensible Daten nicht kommentiert
Die Fischzuchtstatistiken bei MAST sind wegen eines Systemfehlers derzeit deaktiviert, daher hatte Heimildin die Informationen per Email direkt von der Behörde erhalten. Arnarlax Direktor Björn Hembre wollte sich auf Anfrage des Magazins nicht äussern, weil es sich um wirtschaftlich sensible Daten handle. Sein Unternehmen werde den Schaden im Vierteljahresbericht Mitte Mai behandeln, liess er wissen.

Bemerkenswert sei, so schreibt Heimildin, dass diese Zahlen verendeter Zuchtlachs in isländischen Meeresgehegen zwar hoch seien, doch trotz des bakteriellen Hintergrunds seien sie nicht ungewöhnlich hoch. Im März 2022 seien rund 470.000 Zuchtlachse in Meeresgehegen verendet, damals hatte sich der Gesamtbestand auf 15 Millionen Zuchtfische belaufen. Der Anteil verendeter Zuchtfische hatte demnach bei 3,1 Prozent gelegen.

Lachszucht: Gehegering bei Sturm an Land getrieben

Bíldudalur Arnarfjörður

Der Aussenring eines Lachszuchtbeckens ist am vergangenen Wochenende im Patreksfjörður erst aufs Meer hinaus geflogen und dann bei Raknadalshlíð an Land getrieben worden. Einem vorbeifahrenden Autofahrer gelang ein Foto des angeschwemmten Ringes. Heimildin recherchierte, dass der Lachszuchtkonzern Arnarlax Eigentümer des Ungetüms ist.
Arnarlax betreibt am Flughafen von Patreksfjörður eine Anlage zur Reinigung der Seegehegeringe, das sind die Teile der Zuchtbecken, die auf der Meeresoberfläche sichtbar sind. An ihnen befestigt hängt das Netz mit den Lachsen im Wasser.
Arnarlax-Geschäftsführer Björn Hembre schickte auf die Nachfrage des Magazins eine SMS. „Es handelt sich um ein leeres Zuchtbecken, mit dem es Probleme beim Transport gab.“ Man habe den Ring nun sicher befestigt. Weder Personen- noch Sachschaden sei entstanden.

Herumfliegendes Gerät kann Infektionsträger sein
Heimildin verweist auf ähnliche herumtreibende Gehegeringe aus der chilenischen Lachszucht, die im Jahr 2007 ein unrühmliches Ende fand, nachdem dort die ansteckende Blutarmut der Lachse (ISA) dazu führte, dass 60% aller Zuchtbetriebe geschlossen werden mussten. Die ansteckende Erkrankung führt zu innerlichen Blutungen und zum Tod des Fisches. Sie überträgt sich durch kranken Fisch und durch Gerätschaften aus infizierten Anlagen. Im Jahr 2022 waren in den isländischen Ostfjorden mehr als eine Million Zuchtlachs gekeult worden, nachdem dort gleich an mehreren Stelle ISA ausgebrochen war.

Lachszuchtgesetz unter Beschuss
Um Lachszucht ging es auch heute im isländischen Parlament, wo Fischereiministerin Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir ihr umstrittenes Gesetz zur Fischzucht verteidigte. Kritiker aus allen Reihen der Opposition warfen ihr vor, Islands Fjorde an ausländische Milliardäre zu verschenken und den heimischen Wildlachs wissentlich zu opfern.
Das neue Gesetz sieht unter anderem eine dauerhafte Lizenzbewilligung (statt vorher auf 16 Jahre begrenzt) vor, ausserdem wird einem Unternehmen bei einem Betriebsunfall nicht mehr die Quote gekürzt, sondern ein kleines Bussgeld in Rechnung gestellt.

 

Immer mehr Isländer sind gegen Lachszucht in Meeresgehegen

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Um die 61 Prozent aller Isländer stehen der Lachszucht in offenen Meeresgehegen negativ gegenüber. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage, die die Interessensgruppe zum Schutz der Lachse hat durchführen lassen, berichtet Vísir. Nur 14 Prozent der Befragten sprach sich für die Lachszucht im Meer aus.
Auf die Frage, ob die Lachszucht in offenen Meeresgehegen verboten werden sollte, sprachen sich von den 79% der abgegebenen Antworten 52% für ein Verbot aus.
Die Befragung war in allen Landesteilen zwischen dem 16. und 27. Februar durchgeführt worden. Per Zufallsprinzip ausgewählt worden waren 1822 Personen, 956 Personen nahmen an der Befragung schlussendlich teil.

Das ist eine starke Veränderung seit der letzten Befragung im Herbst 2021. Damals hatten sich noch ca,. 28% für die Lachszucht in offenen Becken ausgesprochen und ca. 35% waren dagegen. Auch die Anzahl der Personen ohne Meinung ist geschrumpft, von 38,4% im Februar 2021 auf 24,7% bei der jetztigen Befragung.

Regierung gefordert, auf den Volkswillen zu hören
Der Fonds zum Schutz des Wildlachsbestandes (NASF), der isländische Naturschutzfonds (IWF), der Landesverband der Angelvereine und Laxinn Lifi fordern gemeinsam die isländische Regierung auf, auf den Willen des Volkes zu hören und sich von der umweltbelastenden und schädlichen Industrie der offenen Meeresgehege abzuwenden.
“Die Erfahrung anderer Länder zeigt, dass die Umweltauswirkungen der Fischzucht in offenen Meeresgehegen untragbar ist, und dass eine Ausrottung des Wildlachsbestandes und der Ökosysteme für den Reibach der Lachszuchtkonzerne mit nichts zu gerechtfertigen ist,” heisst es in einer Mitteilung der Verbände.

“Der gerade veröffentlichte Bericht der Steuerprüfung zeigt, dass Regelwerk und Aufsicht der Industrie nicht funktionieren und dass die Lobbyisten der Industrie unnatürlich grossen Einfluss auf die Gesetzgebung gehabt haben. Die Industrie darf sich selber beaufsichtigen, und es hat schon ausgesprochen schwerwiegende Umweltunfälle gegeben. Allem voran ist da der Vorfall bei Arnarlax zu nennen, wo 88.000 geschlechtsreife norwegische Zuchtlachse aus einem Meeresgehege in das isländische Ökosystem entkommen sind.”
Alle Pläne zur Ausweitung der Industrie seien ein echter Angriff auf die Natur des Landes, und auf den Wildlachs, gegen den Willen eines grösseren Teils der Bevölkerung.
Der grösste Teil der in Island aktiven Lachszuchtkonzerne befindet sich in ausländischer Hand.

 

Verbände und Unternehmen fordern Verbot der Lachszucht im Meer

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Die Lachszucht in offenen Meeresgehegen soll in Island verboten werden, “bevor es zu spät ist” – das fordern 25 Umweltverbände und Unternehmen von Islands Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel. Sie verlangen auch die Vorlage eines glaubwürdigen Plans, der darauf abzielt, diese Form der Aquazucht in Island zu verbieten, berichtet Vísir.

In einer gemeinschaftlichen Erklärung an die Medien verweisen die Initiatoren auf die 80.000 entkommenden norwegischen Zuchtlachse beim Unternehmen Arnarlax in den Westfjorden. Der isländische Wildlachsbestand wird auf insgesamt 50.000 Exemplare geschätzt. Es handle sich daher um einen “ausgesprochen schwerwiegenden Umweltunfall”, der schwerwiegende genetische Folgen für den Wildlachsbestand in Island haben werde.
“Der Unfall ist eine weitere Bestätigung dafür, dass all die schönen Versprechungen der Unternehmen in der Aquazucht falsch sind, und er offenbart auch die Gleichgültigkeit des Unternehmens gegenüber den Interessen der Natur, als entschieden wurde, gegen das Strafgeld Protest einzulegen,“ heisst es unter anderem. Die Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST hatte Arnarlax eine Zahlung von 120 Mio. ISK Strafgebühr auferlegt, weil das Unternehmen gegen die Meldepflicht des Unfalls verstossen hatte.
Die Verschmutzung von Wildbeständen durch Genmaterial sei ein „irreversibler Umweltunfall“, schreiben die Initiatoren.

Angelsport bringt mehr Einnahmen als Aquazucht
Um die 2250 eingetragene Wohnsitze vertrauten auf Einkünfte aus ihren Lachsflüssen, der Angelsport schaffe dabei mehr Einnahmen als die Aquazucht jemals erbringen könne. Der wirtschaftliche Wert des Lachs- und Forellenangelsports belaufe sich auf jährlich 13,5 Milliarden ISK.
Die Verbände fragen, warum Islands Regierung ausländischen Konzernen die Resourcen des Volkes eigentlich schenke.

“Es ist klar, dass, wenn die Regierung wirklich daran interessiert ist, die Wildlachspopulationen sowie Islands Natur zu schützen, sie die Fischzucht in Meeresbecken stoppen muss. Solange die Aquazucht in Island praktiziert wird, muss dies nach den strengsten Standards erfolgen. Vor allem zu erwähnen sind die wiederholt an die Regierung übermittelten NASCO-Standards. Die unterzeichnenden Verbände und Unternehmen fordern den Minister auf, diese Standards umzusetzen und keinen Rabatt auf sie zu gewähren, während diese umweltschädlichen Aktivitäten in den Fjorden des Landes betrieben werden.”

Folgende Unternehmen und Verbände haben die Erklärung unterzeichnet:
NASF á Íslandi, Landssamband Veiðifélaga, Icelandic Wildlife Fund, Laxinn Lifi, Landvernd, Náttúruverndarsamtök Íslands, Ungir Umhverfissinnar, Lax-á, Veiðiflugur, Veiðivön, Höklar, Six Rivers Project, Stóra-Laxá, Fuss, Laxá á Ásum, Starir, Miðfjarðará, Eleven Experience, Norðurá, Stangaveiðifélag Reykjavíkur (SVFR), Hreggnasi, Vatnsdalsá, Veiðifélagið, Fish Partner und Flugubúllan