Landgestützte Lachszucht am Reykjanes-Kraftwerk

Das Fischzuchtunternehmen Samherji plant in Reykjanes eine landgestützte Zuchtanlage, in der pro Jahr 40.000 Tonnen Lachs produziert werden, berichtet RÚV. Die Gebäude sollen auf einer Fläche von 250 Quadratmetern entstehen, mehr als 100 Arbeitsplätze stehen in Aussicht. Ansiedeln will man die Grossanlage auf dem Betriebsgelände Auðlindagarður der HS Orku, gleich neben dem Erdwärmekraftwerk Reykjanesvirkjun. Dieser Standort eignet sich wegen des geothermalen Meerwassers, sowie eines guten Zugangs zu Meer und lokaler Infrastruktur.

“Wir werden hier 400 Quadratmeter Aufzuchtkapazität bauen, in 250 Quadratmetern Gebäude, und wir nutzen grosse Mengen an Meerwasser,” erklärte Jón Kjartan Jónsson, der Geschäftsführer der Samherja Fischzucht.
Landgestützte Fischzucht benötigt grosse Wassermengen. Das zur Nutzung geplante geothermale Meerwasser besteht aus 70% Salzwasser und 30% Frischwasser und ist silikat- mineralstoff und algenreich. In der Blauen Lagune wird dieses Wasser im Schwimmbadbereich genutzt. Insgesamt sollen 30.000 Liter pro Sekunde in die Anlage gepumpt werden, dazu 200 Liter pro Sekunde warmes Abfallwasser aus dem Kraftwerk.
Verträge über eine Zusammenarbeit mit der HS Orka über Wasser- und Stromnutzung waren bereits 2021 unterzeichnet worden.

Umweltgutachten und Düngemittelfabrik
Ein Umweltgutachten beurteilt die Auswirkungen auf Landschaft und geologische Formationen als unwesentlich bis ziemlich negativ, vor allem wegen der Gebäude, die in einer Region entstehen, wo es bislang keine Bauwerke gibt. Für den Bau der Zuchtanlage muss eine gesetzlich geschützte Lava zerstört werden.
Jón Kjartan zufolge will man mit den Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen, ab 2032 soll der Betrieb dann vollumfänglich laufen. Die Kosten sind auf mehr als 60 Milliarden Kronen veranschlagt.
Das Abwasser der Zuchtanlage soll in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen der Branche zu Düngemittel verarbeitet werden. Geplant ist eine Düngemittelfabrik, in der landwirtschaftliche Gülle mit der Fischgülle vermischt wird.

Erneut entkommende Zuchtlachse in den Westfjorden

fish farming iceland

Die isländische Lebensmittel-und Veterinäraufsichtsbehörde MAST ist kürzlich über ein Loch in einem Lachszuchtbecken im Tálknafjörður in den Westfjorden benachrichtigt worden. Das defekte Zuchtbecken wird vom Aquakulturkonzern Arnarlax betrieben, das Loch war bei einer Routineinspektion entdeckt und sofort reapriert worden, heisst es in einer Mitteilung von MAST.
Informationen von Arnarlax zufolge war das Loch 14 Zentimeter gross und befand sich in einer Tiefe von neun Metern. In dem Netzbecken werden 99.000 Junglachse gehalten.
Nach Entdeckung des Lochs hat MAST eine Untersuchung der anderen Becken im Fjord angeordnet, um sicherzustellen, dass es keine weiteren Löcher gibt.

Fischzucht hat Freunde und Gegner
Aquakultur und Lachszucht ist in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand von Diskussionen gewesen. Verfechter der Industrie glauben, sie nimmt den Druck von der Überfischung wilder Bestände. Beim Fang von wild lebendem Fisch gelten in Island strenge Quoten. Aquakultur wird da von vielen als gangbare Alternative gesehen, die hohe Nachfrage nach Lachs zu befriedigen, ohne die Wildbestände zu gefährden.

Umweltakivisten sind da anderer Meinung, sie kritisieren die Praktiken als Extremverschmutzung der einst so klaren und sauberen Fjordgewässer. Ein weiterer Grund zur Besorgnis, der sich immer wieder bestätigt, ist das Entkommen von Zuchtfischen aus den Netzbecken. Sie finden den Weg in Wildbestände und paaren sich dort. Die Auswirkungen dieser Vermischung von Wildbestand und Zuchtbestand wird wissenschaftlich noch nicht ganz verstanden, aber man weiss dass entkommende Zuchtfische zusätzlichen Druck auf die Wildbestände ausüben, wenn es um Futter und andere Resourcen geht.

 

Zwei Lachszüchter dürfen Produkte nicht mehr als ‘umweltfreundlich’ bezeichnen

Bíldudalur Arnarfjörður

Islands Verbraucherzentrale hat den Lachszuchtunternehmen Norðanfiskur und Fisherman untersagt, ihre Produkt auf der Verpackung als ‘umweltfreundlich’ zu bezeichnen. Diese Behauptung könnten die Unternehmen nicht beweisen, berichtet Vísir.

Die Verwendung des Begriffs “umweltfreundliche Meereszucht” sei vollkommen irreführend und eigentlich ein unerträglicher Widerspruch, fand der isländische Verbraucherverband und wandte sich daher mit einer Klage an die Verbraucherzentrale. Die Fischzucht in Meeresbecken sei auf der Webseite der Umweltbehörde als ‘verschmutzende Industrie’ kategorisiert, denn die Abwässer, die bei der Produktion entstehen, fliessen ungereinigt ins Meer.
Die norwegische Umweltbehörde, so der Verbraucherverband, schätze, dass eine Tonne Zuchtfisch die gleiche Menge Abwasser verursacht wie 16 Menschen. Das Unternehmen Laxar, welches im Reyðarfjörður 16.000 Tonnen Lachs produzieren darf, leitet demnach genausoviel Abwasser ungereinigt ins Meer wie 256.000 Menschen, oder mehr als zwei Drittel der Inselbevölkerung verursachen. Man könne das nun wirklich nicht als umweltfreundlich bezeichnen, findet der Verband, und reiht sich damit ein in die hitzige Debatte um die meerwassergestützte Aquakultur in Island.

Abwasser und Hybridisierung nicht umweltfreundlich
Auch die Vermischung von entkommenen Zuchtlachsen mit Wildlachsen wird kritisiert, ein Problem das in allen Fischzucht treibenden Ländern wohlbekannt sei. Das Marineforschungsinstitut hatte unlängst eine Risikobewertung für die Erbgutvermischung angefertigt, demnach schätzt man, dass etwa vier Prozent aller Lachse in Islands Flüssen eigentlich Zuchtlachse sind. Das wäre dann ein Zuchtlachs unter 20 Wildlachsen. Die Verbraucherzentrale hält auch das für nicht umweltfreundlich. In der letzten Woche hatte die Veterinäraufsichtsbehörde MAST bestätigt, dass von den 32 im westfirdischen Fluss Mjólká gefangenen Lachsen 16 Zuchtlachse gewesen sind.
Bei der sogenannten Umweltfreundlichkeit der Unternehmen handelt es sich auch nicht um einen offziellern, an ein Genehmigungsverfahren gebundenen Titel, auf Anfrage des Verbaucherverbandes hiess es, man habe sich den Titel selbst gegeben, könne aber keine Zertifizierung vorweisen.

Die Verbraucherzentrale ist nach Prüfung der Angelegenheit zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Gesetzesbruch vorliegt. Die genannten Unternehmen können nicht beweisen, dass sie ihre Produkte umweltfreundlich und nachhaltig herstellen, daher ist die Beschriftung der Verpackung irreführend.

 

Einwohner kämpfen gegen Lachszucht in Seyðisfjörður

In Seyðisfjörður im Osten Islands kämpft eine Gruppe von Einwohnern gegen das Vorhaben, eine Lachszuchtanlage im Umfang von 10.000 Tonnen im Fjord zu bauen. Sie begründen ihre Ablehnung damit, dass die Anlage das Aussehen des Fjordes verschandele. Auch wenn eine Küstengebietsplanung derzeit in Arbeit ist, muss die Zuchtanlage darauf keine Rücksicht nehmen.
Das Fischzuchtunternehmen Fiskeldi Austfjarða will vier Zuchtbecken im Fjord von Seyðisfjörður ausbringen. Die Gemeinde hat keine Planungshoheit über den Fjord, die äusseren Bereiche unterstehen vielmehr dem Marineforschungsinstitut.
Eins der Zuchtbecken soll neben dem Naturschutzgebiet von Skálanes zu liegen kommen. Die ersten Laiche sollen schon im kommenden Jahr in Sörlastaðavík ausgebracht werden, im Jahr darauf dann in Selstaðavík und 2023 dann in Skálanesbót, berichtet RÚV.

Unterschriftenliste gegen die Fischzucht
Nur das dem Land am nächsten liegende Becken bei Háubakki unterliegt der Planungshohheit der Gemeinde, weil es zum Einzugsbereich des Hafengeländes gehört. Die Fischbecken würden von dem Ort aus zu sehen sein, wo Þóra und Benedikta die Jugendherberge Hafalda betreiben. Die beiden haben nun eine Unterschriftenliste gegen die Lachszucht im Fjord angefangen.

“Ich hab in jeder Strasse einen angerufen und die haben dann in ihrer Strasse gesammelt, und das Echo darauf war grossartig,” erklärt die Architektin Þóra Bergný Guðmundsdóttir.
Benedikta Guðrún Svavarsdóttir, die Geschäftsführerin von Hafalda, sagt, manche hätten sich einer Meinung enthalten wollen und wollten sich erst mit der Sache beschäftigen. “Die allermeisten sagten danke, dass ihr gekommen seid, und unterschrieben. Hatten sich mit der Sache befasst und beharrten darauf, dass soetwas keine Zukunft in Seyðisfjörður hat. Das bringe Seyðisfjörður nichts Gutes.”

Arbeitsplätze und Einnahmen
Fiskeldi Austfjarða betreibt bereits im Berufjörður und im Fáskrúðsfjörður Fischzuchtanlagen auf dem Meer. Das Unternehmen weist auf ein Gutachten hin, wonach die Aquakultur Arbeitsplätze und Gemeindeeinnahmen bringe.

Viele Einwohner von Seyðisfjörður hingegen sind der Ansicht, dass die Fischzucht das Panorama vom Stadtberg Bjólfur aus verschandelt, ein beliebter Ausflugsort für die Bewohner. Benedikta glaubt, die Sichtverschandelung schränke auch das Erlebnis der Kreuzfahrturlauber ein, die in den Fjord von Seyðisfjörður einlaufen.
“Das passt nicht zusammen,” sagt sie.

Þóra meint, das sei dann wie der Eingang zu einer Fabrik, wenn man in den Fjord komme. “Da will man 10.000 Tonnen Zuchtlachs über unseren Kopf schütten. Entschuldige bitte, aber dürfen wir nicht einfach in Frieden hier zuhause leben?”

Neuer Küstengebietsplan kommt zu spät
Jetzt wär es nicht schlecht, den neuen Flächennutzungsplan für das Küstengebiet zur Hand zu haben, an dem der Gemeinderat mit Vertretern der Ortschaften der Ostfjorde gerade arbeitet. Dann hätte man ein Kapitel darüber formulieren können, wo Zuchtbecken ins Wasser gelassen werden dürfen, und wo nicht.

In Seyðisfjörður, im Fáskrúðsfjörður, Stöðvarfjörður und möglicherweise an vielen anderen Stellen sind jedoch nun Standorte für Zuchtbecken genehmigt worden, die nicht unter die Küstengebietsplanung fallen, weil ein entsprechendes Gesetz aus dem Jahr 2018 nicht rückwirkend ist und daher nicht für Anträge auf Zuchtbecken gilt, die sich damals schon im Genehmigungsverfahren befanden. Die oberste Planungsbehörde und die Naturschutzverbände haben das bereits kritisiert.

“Es gibt soviele Gründe dafür, dass man das viel besser prüfen muss. Vor allem aber müssen wir, die wir hier leben, etwas dazu zu sagen haben,” sagt Benedikta Guðrún Svavarsdóttir von der Jugendherberge Hafalda.
Das Lachszuchtunternehmen hatte beteuert, mit den Einheimischen gut zusamenarbeiten zu wolen und für demnächst einen Informationsabend in Seyðisfjörður angekündigt.

Biologen und Fischexperten weisen immer wieder auf die Gefahren hin, die entkommene Zuchtlachse für die einheimische Wildlachspopulation darstellen, auch die Umweltverschmutzung durch die vielen tausend Fische in riesigen Zuchtkäfigen wird häufig kritisiert. Lesen Sie hier ein Interview mit dem Biologen Jóhannes Sturlaugsson, der sich eingehend mit der Problematik befasst hat.

 

Pilotprojekt: Holzmehl als Fischfutter in der Aquakultur

In Grindavík ist derzeit ein Pilotforschungsprojekt des isländischen Marineforschungsinstituts für Matís im Gange: hier werden Zuchtlachse mit einem umgewandelten Abfallprodukt aus der Holzindustrie gefüttert, berichtet mbl.is.
“Natürlich gibt es im Holz nicht viel Protein, welches die Fische verdauen könnten, aber es wird eine Methode entwickelt, bei der Sägespäne aus der Verarbeitung von Laubbäumen in Einfachzucker umgewandelt werden, welche bestimmte Hefepilze dann wiederum in Einzellerprotein umwandeln (single cell protein). Dieses Einzellerprotein hat eine günstige Aminosäurenzusammensetzung, welche der im Fischmehl gleicht,” erklärt Ragnar Jóhannsson, der Bereichsleiter für Aquakultur und Fischaufzucht beim Marineforschungsinstitut Hafro.

Das Projekt läuft über vier Jahre. Es ist Teil des Europaprojektes Sylfeed, welches sich damit befasst, Proteine aus Abfallprodukten der Holzindustrie herzustellen. Hafro füttert derzeit eine ansehnliche Menge an Zuchtfisch mit diesem Futter und misst das Wachstum der Fische und die Futterausnutzung.

Fischmehl basiert auf knapper Resource
“Um Fisch und auch andere Tierarten wie Geflügel und Schweine aufzuziehen, braucht es proteinreiches Futter. Ein grosser Teil des Futters heute stammt aus dem Pflanzenreich, oft Sojamehl. Der Lachs kann jedoch nicht allein von Pflanzen leben, er braucht auch Proteine aus dem Tierreich, und da wird Fischmehl benutzt. Fischmehl wird aus pelagischen Fischen gewonnen und ist daher eine begrenzte Resource, zudem gehen pelagische Fische in zunehmendem Masse in den menschlichen Konsum. Das Mehl welches bei diesem Projekt hergestellt wird, kann den wachsenden Bedarf für tierische Proteine in der Aquakultur und anderer Lebensmittelproduktionen decken,” sagt Ragnar weiter. Die Konkurrenz um Proteine steige weltweit an.

Methoden wie diese Futterherstellung sollen die Nahrungssicherheit in Europa gewährleisten, weil es Möglichkeiten gibt, eine grosse Menge dieser Einzellerproteine herzustellen.

So ist das Projekt in Grindavík denn auch ein internationales, denn ausser Matís, dem isländischen Institut für Lebensmittelforschung, sind insgesamt zehn Institutionen an der Versuchsfütterung beteiligt, darunter Arbiom (USA, Frankreich), Norske Skog (Norwegen)m Golbey (Frankreich und der isländische Futtermittelhersteller Laxá.