Abschied nach neun Sommern im Zelt am Þingvallavatn

Þingvellir

Nach neun Sommern der Zurückgezogenheit am See Þingvallavatn hat die Schweizer Psychiaterin Anne Glantz entschieden, ihre jährlichen Besuche einzustellen. Die Achtzigjährige sagte RÚV gestern, sie gehe mit dem Gefühl von Frieden und Dankbarkeit für ihre Erfahrungen.
Neun Sommer lang hatte Anne eine Verbindung zur Natur am Þingvallavatn aufgebaut, hat Eistaucher, Gänse, und sogar eine geheimnisvolle Dame getroffen, von der sie glaubt, dass die im Wasser lebt. Anne verlässt Þingvellir mit einem Herzen voller Dankbarkeit für all die Freundschaften, die sie mit den natürlichen Bewohnern geschlossen hat.

Fühlte ihre Wurzeln am See
In der Schweiz arbeitet Anne den Winter über als Psychiaterin in der Onkologie. Ihre Sommer hat sie neun Jahre lang regelrecht zelebriert: sie fuhr nach Dänemark, nahm die Fähre nach Island und reiste dort immer an denselben Ort am Ufer des Þingvallavatn, wo sie die Zeit von Juni bis August im Zelt verbrachte. „Ganz und gar nicht unkomforyabel,“ meint Anne. „Mein Zeit ist geräumig und gemütlich, mit Qualitätsmatratzen und Schlafsäcken. Ich schlafe hier sogar besser als in meinem Bett.“
Nicht ein einziges Mal hat Anne in einem Hotel übernachten müssen, auch wenn das Wetter bisweilen eine Herausforderung darstellte. Anne ist zwar verwitwet, hat aber Familie in der Schweiz. Trotzdem zog es sie jeden Sommer an den isländischen See.
„Das kann man nicht ausdrücken – das ist eher wie ein emotionaler Zug. Das fühlt sich an als ob meine Wurzeln hier liegen,“ meint sie. „Die Klarheit der Nacht, das Aroma des Laubs, und die Symphonie der Vogelrufe schaffen eine Umgebung, in der ich vollkommen ruhig bin.“

Alles hat seine Zeit
Mit ihren jetzt 80 Jahren fand Anne, es sei an der Zeit, die jährlichen Pilgerfahrten an den See einzustellen. Letzte Nacht war ihre letzte im Zelt am Þingvallavatn.
„Zu Anfang hat mich der Gedanken, dass dies mein letzter Besuch sein sollte, mit Traurigkeit erfüllt. Ich habe viele Stunden am See verbracht und nachgedacht, und dann Frieden in dem Gedanken gefunden, dass alles seine Zeit hat. Ich habe jetzt ein Gefühl von Frieden erlangt, und ich bin unglaublich dankbar.“
Über die Jahre hat Anne allerlei Freundschaften in Island geschlossen, nicht nur mit Menschen sondern auch mit Vögeln. Diese Erinnerungen nimmt sie mit.
„All das hier – ich nehme die Stille und Liebe mit mir.“ sagt sie. „Und – ich hoffe es ist in Ordnung das zu sagen – ich habe mit einer geheimnisvollen Dame gesprochen, von der man glaubt dass sie im See lebt. Ihre Gegenwart ist bezaubernd und wunderschön. Diese Erinnerungen sind in meinem Herzen verankert, und sie erfrischen mich für den Rest meines Lebens.“