Petition gegen Ammoniak-Fabrik im Hvalfjörður

Hvalfjörður

Einwohner im westisländischen Hvalfjarðarsveit haben eine Unterschriftensammlung organisiert, um gegen die geplante Wasserstoff- und Ammoniakanlage im Hvalfjörður zu protestieren, berichtet RÚV. Der Energiekonzern Qair Ísland will die Anlage in Grundartangi errichten, wo sich in einem sogenannten grünen Industriepark an die 20 Unternehmen angesiedelt haben, darunter ein Aluminiumschmelzwerk und ein Siliziummetallwerk. Im ersten von drei Schritten werden 280 MW Strom benötigt. Läuft das Werk einmal auf Vollbetrieb, benötigt es mit 820 MW mehr Energie als das Hochlandkraftwerk Kárahnjúkarvirkjun produziert.

Industrie mit hohem Stromverlust
Der Vorsitzende von Qair Ísland, Tryggvi Þór Herbertsson, gab an, die benötigte Energie werde aus Wasserkraftwerken, Erdwärmekraftwerken und Windparks gezogen. Diese Kraftwerke müssen erst noch gebaut werden.
Qairs Pläne sind auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung gestossen. In der Unterschriftenliste wird vor der Sicht- und Lärmverschmutzung und vor Auswirkungen auf Flora und Fauna gewarnt, und auch auf den immens hohen Wasser- und Energiebedarf hingewiesen. Am Ende wird auch nur ein Viertel der Energie in sogenannte E-fuels umgewandelt.
„Ich denke, ein Viertel ist nicht die richtige Zahl,“ meint Tryggvi. „Aber es ist klar, dass bei der Herstellung von synthetischen Kraftstoffen viel Energie verloren geht.“ Er glaubt, die Zahl liege eher bei einem Drittel, aber der Energiewandel in verschiedenen Industrien benötige nun mal irgendeine Art von Kraftstoff. „Am besten wäre es, den Strom direkt nutzen zu können, etwa in der Schifffahrt, in Flugzeugen und ähnliches, aber leider ist das technisch nicht möglich, sodass die nächstbeste Option die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen ist.“

Export als notwendiges Übel
Der Energiebedarf sei hoch, und um wettbewerbsfähig anbieten zu können, seien Skaleneffekte erforderlich, also Massenproduktion. Der synthetische Kraftstoff, der im Inland nicht abzusetzen ist, wird exportiert. Tryggvi sagt, die Energiewende sei in Island noch nicht weit genug vorangeschritten, um die gesamte Produktion im Land nutzen zu können. „Erstmal wird in grossem Stil exportiert. Hoffentlich gegen die Exporte dann mit dem Fortschritt der Technologie und mit der Energiewende stetig zurück.“

Grüner Kraftstoff mit Risiken
Einer Kurzeinschätzung des deutschen Umweltbundesamtes ist zu entnehmen, dass Ammoniak auch als Trägermedium für Wasserstoff genutzt wird, und in Flüssigform per Schiff einfacher transportiert werden kann.
Es handelt sich um ein farbloses, stechend riechendes Gas, das als giftig, korrosiv und umweltgefährdend beschrieben wird. Im Falle von Leckagen an und in Gewässern kann Ammoniak pH-Veränderungen verursachen, die das Leben im aquatischen Ökosystem stören bzw. abtöten. Ebenfalls wird darauf hin hingewiesen, dass durch die Nutzung von NH3 in den globalen noch nicht komplett erforschten Stickstoffkreislauf eingegriffen wird. Gebundener Stickstoff sammelt sich etwa als Nitrat in Gewässern und sorgt hier für Eutrophierungseffekte.

CO2-neutrale Methode zur Ammoniakherstellung geht international

Die in Island entwickelte CO2-neutrale Methode der Ammoniakherstellung ist auf dem Weg ins Ausland. Der saudiarabische Konzern Sabic, ein Tochterunternehmen des Ölriesen Aramco, hat sich das Verwertungsmonopol auf die Methode gesichert, berichtet das Fréttablaðið. Entwickelt worden war die neue Methode vom isländischen Chemieunternehmen Atmonia.

“Das war eine Zeitenwende in unserem Betrieb,” sagt Atmonia-Geschäftsführerin Guðbjörg Rist Jónsdóttir, „Der Vertrag mit den Saudis ist weitreichend und ruft nach mehr Mitarbeitern und Kapital.” Die Unternehmensleitung sucht derzeit nach 20 Mio Dollar (3 Mrd ISK) zusätzlichem Kapital, um den Betrieb noch weiter zu entwickeln.
Atmonia ist in Forschungslaboren der Universität Islands entstanden, die Unternehmensgründung erfolgte 2016, Guðbjört Rist stiess 2018 als erste Angestellte dazu. Inzwischen sind 18 Mitarbeiter bei der Atmonia beschäftigt. Dort konzentriert man sich auf eine neue, einfacherer und umweltfreundlichere Herstellung der Chemikalie, die wichtiger Bestandteil von Düngemitteln, Kältemittel, sowie Farbstoffen ist. Studien des Fraunhofer-Institutes stellen zudem eine Verwendung der Chemikalie als Treibstoff der Zukunft in Aussicht.
Die herkömmliche Methode in der Ammoniakherstellung zieht Umweltverschmutzung nach sich, weil grosse Mengen an fossilen Brennstoffen verwendet werden müssen. Hauptproduzenten der Chemikalie sind China, Russland und Indien.

“Unsere Technologie ist ganz anders,” erklärt Guðbjörg Rist. “Unser Ammoniak ist grün und CO-neutral.” Es wird mit elektrochemischem Verfahren gewonnen, ohne schädliche Gase freizusetzen. Auch eine grosse Fabrik im Dauerbetrieb, um die für die Produktion notwendige Hitze zu halten, ist nicht mehr vonnöten.
Mit dem Vertrag hat die saudiarabische Sabic sich das Monopol auf die isländische Produktionsmethode in Saudiarabien, Kuwait, Bahrein und dem Jemen gesichert.
“Das ist unser erster Vertrag dieser Art, und er zeigt dass der Markt diese Lösung bemerkt hat. Der bringt uns Wind in die Segel, weil die Verkaufsmöglichkeiten auf der ganzen Welt gross sind,” meint Guðbjörg Rist.