Kreuzfahrtschiffe finanzieren Hafenausbau in Ísafjörður

Der Hafen von Ísafjörður erwirtschaftet 65% seiner Einkünfte aus dem Kreuzfahrtverkehr. Diese Einkünfte haben sich seit dem Jahr 2020 mehr als verdreifacht, berichtet RÚV.

Infrastruktur verbessert
Im letzten Jahr hatten die Hafeneinkünfte mehr als 600 Mio ISK betragen. Hafenmeister Hilmar K. Lyngmo zufolge spielten die Kreuzfahrtschiffe, die in Ísafjörður vor Anker gehen, eine grosse Rolle. „Im Jahr 2023 brachten die Kreuzfahrtschiffe 65% aller Einkünfte für den Hafen. Das ist entscheidend für den Weiterausbau der Hafeninfrastruktur, sowohl hier in Ísafjörður als auch in den Gemeinden, die zu Ísafjörður gehören.“ Die Bautätigkeit umfasst bessere Einrichtungen für Kreuzfahrtschiffe und Frachtschiffe, die dann grössere Schiffe bedienen können, ausserdem sollen zukünftig auch zwei Schiffe gleichzeitig zur Anker liegen können.

Region profitiert vom Tourismus
Die Zahl der Schiffe hat erheblich zugenommen, so Hilmar. „Im letzten Jahr ist das explodiert, das waren 187 Schiffe, mit denen vor drei Jahren keiner gerechnet hatte.“ Für die kommende Saison hat eine ähnliche Anzahl ihr Kommen angekündigt. Damit ist im Hafen mehr als genug zu tun, und Hilmars Leute arbeiten von früh bis spät.
Nicht nur die Häfen sind Nutzniesser der Kreuzfahrtschiffe, auch die Tourismusbranche in der Region profitiert. Die Besucherzahlen im Regionalmuseum hat sich in den vergangenen vier Jahren mehr als verachtfacht, nicht nur durch die Kreuzfahrtschiffe, sondern auch durch Touristen, die die Westfjorde im Mietwagen besuchen.

Wenig Begeisterung bei Einheimischen
Viele Einheimische sind hingegen weniger begeistert von der Zunahme der schwimmenden Hotelburgen. In einer Umfrage der Tourismusbehörde vom letzten Herbst wollten die Leute weder in Ísafjörður noch in Akureyri mehr Kreuzfahrtschiffe in ihren Städten sehen. Dabei liegen die zu erwartenden Zahlen ähnlich hoch im wie vergangenen Rekordjahr. Bei der Umfrage hatte sich eine überwältigende Mehrheit in Ísafjörður und Akureyri gegen mehr Kreuzfahrtschiffe als im Sommer 2023 ausgesprochen. Die grösste Sorge galt der Luftverschmutzung durch die Schiffe.

In Ísafjörður gaben viele Einwohner an, sie fühlten sich durch die Schiffe belästigt und vermieden bestimmte Stellen in der Stadt, wenn Kreuzfahrtschiffe vor Anker lägen. Letzten Sommer waren an manchen Tagen bis zu 6000 Kreuzfahrttouristen in Ísafjörður unterwegs gewesen, das übersteigt die Einwohnerzahl um das Doppelte. In Akureyri waren es an “grossen Tagen” gar 7400 Schiffsbesucher gewesen.

Bettensteuer für den Staat
In diesem Jahr hatten die Hafenmeister auf Anfrage von RÚV angegeben, mit 205 Kreuzfahrtschiffen in Ísafjörður (187 im letzten Jahr) gebucht zu sein, für Akureyri stehen 201 Schiffe auf der Buchungsliste, und im Hafen von Reykjavík sind 260 Schiffe gebucht.

Ab diesem Jahr profitiert auch der Staat direkt, denn seit dem 1. Januar gilt die Bettensteuer zum ersten Mal auch für Kreuzfahrtschiffe, sodass jedes belegte Kajütenbett pro Nacht in isländischen Hoheitsgewässern 1000 Kronen in die Staatskasse spült. Der Haushalt rechnet mit 1,6 Mrd. ISK nur durch diese Bettensteuer.

 

Proteste gegen geplante Parkplatzgebühr vor Flughäfen auf dem Land

Akureyri

Der Plan der Flughafengesellschaft Isavia, an den Flughäfen Egilsstaðir und Akureyri ab Februar eine Parkgebühr zu erheben, am Reykjavíker Inlandsflughafen vorerst aber nicht, ist auf scharfe Kritik gestossen, berichtet RÚV. Ein Rechtsanwalt bezweifelt gar die Rechtmässigkeit der Gebühr. Die Vorsitzende des Gemeindeverbands Ostisland nannte die Gebühr eine Extrasteuer für Leute auf dem Land.

Extrasteuer für Landbewohner
In der vergangenen Woche hatte RÚV von der neuen Gebühr berichtet. In Akureyri etwa kommen auf Fluggäste, die ihr Fahrzeug am Flughafen parken müssen, 1750 ISK(11,70 EUR) pro Tag zu. Wer also von Akureyri über Keflavík ins Ausland fliegt, zahlt dann ordentlich. Alternativen zum Langzeitparken gibt es in Akureyri nicht.
Die Parkgebühr wird denn auch auf der Tagesordnung stehen, wenn sich die ostisländischen Bürgermeister Ende der Woche treffen. Der Stadtrat des Fjarðarbyggð hat in seinem Sitzungprotokoll bereits offiziell gegen die Gebühr protestiert. Sie sei eine Extrasteuer für die Landbewohner, erhöhe die Flugpreise unbotmässig und treffe vor allem schwache Gruppen, die gezwungen seien, Dienstleistungen in der Hauptstadt in Anspruch zu nehmen.

Ähnliche Proteste sind von anderen Gemeinden zu erwarten. Der Plan sei einfach schlecht ausgedacht, so die Vorsitzende des Gemeindeverbandes Ostisland, Berglind Harpa Svavarsdóttir. Auch sie sagt, diese Pampa-Steuer addiere sich zu den Kosten, die Landbewohner zu zahlen hätten, um in den Genuss der zahlreichen, ausschliesslich in der Hauptstadt erhältlichen Dienstleistungen zu kommen.

Keine rechtliche Grundlage
Rechtswanwalt Jón Jónsson aus Egilsstaðir glaubt, die Parkgebühr entbehre jeder rechtlichen Grundlage. Für eine allgemeine Dienstleistung, die mit Steuermitteln betrieben werde, dürfe ohne besondere Befugnis keine zusätzliche Gebühr erhoben werden. Für den internationalen Flughafen in Keflavík gälten andere Regeln, dort sei für die Parkgebühr eine rechtliche Grundlage vorhanden.
„Wenn es um einzelne Inlandsflughäfen geht, stellt sich natürlich die Frage zur Gleichstellung. Wie kann es sein, dass der Parkplatz vor einigen Flughafengebäuden über Parkgebühren finanziert werden soll, nicht aber vor anderen von Isavia betriebenen Flughafengebäuden?“ fragte sich Jón.

Leichenhalle in Akureyri sucht Käufer

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Seit die Leichenhalle von Akureyri im November zum Verkauf oder Verpachtung annonciert wurde, hat sich weder ein Käufer noch ein Pächter für das Gebäude gefunden, berichtet mbl.is. Einige Personen hätten sich für eine Anmietung interessiert, doch, so Smári Sigurðsson, der Geschäftsführer der Friedhöfe in Akureyri, halte er es für eher unwahrscheinlich, dass diese Interessenten den Leichenhallenbetrieb aufrechterhalten. Damit wird es auch in naher Zukunft keine Leichenhalle in Akureyri geben.

Lücke im System
Er verstehe aber auch gut, sagt Smári, dass kein Investor ein Leichenschauhaus auf dem Lande betreiben wolle. Für ein Beerdigungsunternehmen auf dem Lande lohne sich ein solcher Betrieb erst gar nicht. Das aus dem Jahr 1990 stammende Gebäude eigne sich ohnehin nur schlecht für seinen Zweck, weil die Kapelle so gross geraten sei.
Seit Mitte November ist die Halle für Verkauf oder Verpachtung inseriert. Smári erklärt, Hauptproblem bei der Sache sei eine Lücke im System: weder der Staat noch die Gemeinden trügen Verantwortung für den Zeitraum nach dem Totenschein und dem Zeitpunkt, da der Sarg in die Erde gelassen wird. Die Leiche zwischen letztem Atemzug und Einsargung befindet sich in Island also sozusagen in einem verwaltungstechnischem Versorgungsloch.

Lösung muss von Regierung kommen
Hinzu komme, dass den Friedhöfen der Stadt die finanziellen Mittel zum Betrieb der Leichenhalle ausgegangen seien. Auch hier gibt es eine Lücke im System: der Betrieb einer Leichenhalle ist, anders als der Friedhofsbetrieb, an keine gesetzlichen Bestimmungen gebunden, und das, so Smári, schon seit mehr als 15 Jahren, ohne dass Bewegung in die Sache komme.
Es gebe keine Antwort von offizieller Stelle, in welche Richtung die Reise gehen soll. Keine Institution sei zum Betrieb eines Leichenschauhauses verpflichtet. Eine Lösung genau dafür müsse von der Regierung kommen: wer muss in Island ein Leichenschauhaus betreiben?
Die Friedhöfe dürfen auch keine Gebühr für die Lagerung in der Leichenhalle erheben. Das war im Jahr 2005 im Rahmen der Privatisierung schon mal versucht und sofort vom Bürgerbeauftragen im Parlament beklagt worden. Für eine solche Gebühr fehlte die gesetzliche Grundlage, damit war die Gebühr vom Tisch.

Wohin mit den Verstorbenen der kommenden Jahre?
Die Lage ist im Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung der kommenden Jahre ernst, findet Smári. In Island gibt es nur zwei Leichenschauhäuser, ein drittes hatte Anfang des Jahres seine Tore für immer geschlossen und sein Kühlsystem verkauft. Bei der Leichenschauhalle des Reykjavíker Friedhofs sieht es nicht viel besser aus, das Gebäude ist alt und hat dringend eine Renovierung nötig. Auch die Kühlsysteme der Halle sind in die Jahre gekommen.
Viele Verstorbene liegen zudem ein paar Tage länger in der Kühlkiste als man es aus Deutschland kennt, damit alle Verwandten zum Begräbnis anreisen können.

“Wenn wir zumachen und der Friedhof in Reykjavík schliesst. Was passiert mit unseren Freunden, die versterben? Gibt es dann irgendwelche Kühlcontainer bei Eimskip?” sinniert Smári. Immerhin betreibt Akureyri ein grosses Krankenhaus und mehrere Pflegeheime, verfügt aber über keinen Platz, die Verstorbenen zu bis zur Beerdigung “zwischenzulagern”.

Direktflug: Von Akureyri ins Ausland mit der britischen EasyJet

Die internationalen Direktflüge einer einzigen Fluggesellschaft nach Akureyri bringen der Tourismusbranche im Norden etwa 800 Millionen ISK pro Jahr. Sollten diese Pläne allerdings scheitern, können noch größere Summen verloren gehen. Direktflüge sind notwendig, wenn Nordosten des Landes ein ganzjähriger Tourismus aufgebaut werden soll, berichtet RÚV.

Die Flugverbindung der Luftlinie EasyJet zwischen London und der nordisländischen Stadt Akureyri ist noch ganz frisch, doch schon die ersten Buchungen versprechen Gutes, so die Geschäftsführerin des Marketingbüros Nordisland, Arnheiður Jóhannsdóttir. Das Projekt verlaufe nach Plan, immerhin steht für die Tourismusbranche im Norden der Insel viel auf dem Spiel.
Arnheiður schätzt dass die regionalen Tourismusunternehmen aus diesen Flügen einen Gewinn von 800 Mio ISK ziehen, die natürlich wiederum Steuereinnahmen in die Kassen von Kommunen und Staatshaushalt spülen. Hinzu kämen indirekte Einnahmen der produzierenden Industrie, die die Branche bedient.

Flüge sorgen für mehr Übernachtungen
Mit dem Direktflug wolle man auch gegen die jahreszeitlichen Schwankungen vorgehen, nur so lasse sich ein ganzjähriger Beschäftigungszweig im Norden aufbauen. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste im Nordosten etwa sei in der dunkelsten Jahreszeit auch schon mal auf ein Prozent der Übernachtungen im ganzen Land gefallen. Mit der neuen Flugverbindung rechne man mit bis zu 60.000 Übernachtungen in den ersten drei Monaten des Jahres, so Arnheiður. Zur Zeit sind es nur 25.000.
EasyJet ist mit 100 Milionen Fluggästen pro Jahr und 340 Flugzeugen bislang die grösste Fluggesellschaft, die Direktflüge nach Akureyri anbietet. Das Angebot sei nach langer Vorbereitung zustandegekommen, und man habe Vertrauen, dass das Projekt erfolgreich verlaufe, immerhin sei um die Flüge herum schon allerhand aufgebaut und investiert worden.

Direktflüge wichtig für Einheimische
Die letzte Direktverbindung von Akureyri ins Ausland, in Gestalt der Fluglinie Niceair, war nach nur einem Jahr mit einer Pleite geendet, die fast ohne Vorwarnung kam und einige Reisende an ihrem Urlaubsziel überraschte. Niceair war auch von Einheimischen fleissig genutzt worden, um Winter und schlechtem Wetter zu entkommen.
Seit der Pleite muss jeder Bewohner aus dem Norden, der ins Ausland reisen will oder muss, die lange Fahrt nach Keflavík oder einen Umsteigeflug zum Inlandsflughafen Reykjavík auf sich nehmen. Ist man korrekt mit seinem Wohnsitz auf dem Land gemeldet, hat man das Anrecht auf sechs vom Staat subventionierte Inlandsflüge.

 

Digitaler Notarzt in den USA im Krankenhaus von Akureyri

Das Bezirkskranknhaus in Akureyri beschäftigt einen Notarzt in den USA, der per Internet Dienst in der Notaufnahme hat, berichtet RÚV. Der Chefarzt der Klinik gab an, es sei sehr schwierig gewesen, die Stelle zu besetzen, aber mit dieser neuen Lösung komme man gut zurecht.
In einem gerade erschienenen Artikel schreibt die Klinikleitung, die grösste Herausforderung nach der COVID-Pandemie sei die Stellenbesetzung der Klinik gewesen. Nach dem Beschluss, den Anwesenheitsdienst der Notärzte auszubauen, habe man nach Lösungen suchen müssen.

Versorgung nicht schlechter, nur anders
Der Chefarzt der Notaufnahme, Jón Pálmi Óskarsson, sagt die medizinische Versorgung sei nicht schlechter, wenn der Arzt per Internet zugeschaltet sei, dafür sei sie anders. Ihm sei nicht bekannt, dass ein solcher digitaler Dienst in Island zuvor eingesetzt worden sei.
“Der Arzt trifft seinen Patienten per Kamera. Er steht der Krankenschwester oder dem jungen Arzt digital zur Seite, kann Anweisungen und Ansichten geben und Fragen stellen. Er kann eine Therapie anordnen und in Abstimmung mit dem medizinischen Personal vor Ort einen Plan aufstellen, wie weiter verfahren wird,” erklärt Jón Pálmi.
Zuvor hatte ein isländischer Arzt in den USA ein Jahr lang einen solchen Ferndienst als Versuchsprogramm absolviert, dann fiel die Entscheidung, das Projekt fortzusetzen.

Bessere Versorgung für Landbewohner
Das Gesundheitsministerium hatte erst kürzlich 55 Mio. ISK Unterstützung für digitale Lösungen gewährt, vier dieser Millionen waren an die Klinik in Akureyri geflossen. Damit sollen die Bewohner auf dem Land besseren Zugang zu Spezialisten erhalten. Bislang muss man sich dafür immer noch auf den weiten Weg in die Hauptstadt machen, was für viele nicht nur eine lange Autofahrt, sondern auch Übernachtungen in Reykjavík bedeutet. Immerhin ermöglicht der Staat Bewohnern auf dem Land, im Rahmen des “Luftbrücken”-Projektes dreimal im Jahr einen mit 40% subventionierten Flug in die Hauptstadt zu buchen. So reissen dringende Arztbesuche nicht ganz so grosse Löcher in die Haushaltskasse.

Der digitale Doktor hatte zwar als Notlösung angefangen, Jón Pálmi möchte ihn aber nicht als solche betrachten. “Das ist ein Weg um die Versorgung zu verbessern, und auszuweiten, und wir müssen da das nutzen, was uns zu Verfügung steht.” sagt der Chefarzt.

Kreuzfahrtpatienten erhöhten Klinikbelastung
In diesem Sommer hatte eine hohe Zahl an ausländischen Patienten, die von Kreuzfahrtschiffen aus in der Klinik vorstellig wurden, die Belastung des Krankenhauses zusätzlich erhöht. Die ersten Kreuzfahrtschiffe hatten im April in Akureyri angelegt und recht schnell war die Zahl der Patienten in der Ambulanz um 30, später um 40% gestiegen. Das zu einer Zeit, wo die Sommerferien begannen und ohnehin weniger Personal in der Klinik Dienst tat. Nach Angaben des ärztlichen Direktors war die Probematik allen Beteiligten vorher bekannt gewesen, ohne dass etwas unternommen wurde.

Das Krankenhaus behalf sich dann mit der Anstellung von ungelerntem Personal für bestimmte Arbeitsbereiche, sowie mit der Einbeziehung der Reedereien, die auf den Kreuzfahrtschiffen deutlich kommunizierten, dass die Klinik ausschliesslich Notfälle behandele, nicht jedoch medizinische Probleme, die bis nach der Reise warten können.

 

Klinik in Akureyri: 50% mehr Patienten ohne Krankenversicherung

Emergency room

Im Krankenhaus von Akureyri sind in diesem Jahr 50 Prozent mehr Patienten ohne Krankenversicherung vorstellig geworden. Im vergangenen Jahr hatten 331 Personen medizinische Hilfe benötigt, in diesem Jahr sind es 512 Personen gewesen, berichtet Vísir.
Aus der aktuellen Klinikstatistik von Januar bis Juli geht hervor, dass sich in den ersten sieben Monaten des Jahres 471 nicht krankenversicherte Personen in der Notaufnahme meldeten, 67 von ihnen wurden stationär eingewiesen und 62 wurden ambulant behandelt. Die meisten Einweisungen (31) kamen im Juli vor, in den Monaten Mai und Juni waren es 16 Einweisungen gewesen.
Die Nationalität der nicht krankenversicherten Patienten war in 93 Fällen unbekannt, 65 kamen aus den USA, 62 aus Deutschland, 55 aus Island und 32 Personen kamen aus Polen.

Die Geburtenrate an der Klinik hat um 10 Prozent abgenommen, in diesem Jahr sind nur noch 224 Kinder zur Welt gekommen. Insgesamt wurden 1497 Operationen vorgenommen, im vergangenen Jahr waren es 1402.
Die Notaufnahme suchten 8.028 Patienten 12.924 mal auf, im gleichen Zeitraum des Jahres 2022 waren es noch 7.425 Patienten gewesen, die 11.796 mal in der Notaufnahme vorstellig wurden.

Kreuzfahrtschiffe sorgen für Luftverschmutzung in Akureyri

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Gestern war dicker blauer Qualm aus dem holländischen Kreuzfahrtschiff Zuiderdam aufgestiegen, das in Akureyri vor Anker lag. Der Qualm hatte sich über die Stadt gelegt und war in den Eyjafjörður hineingewabert, stundenlang. Fragen nach Ursache des Qualms blieben ebenfalls stundenlang unbeantwortet, berichtet RÚV.
Am Abend endlich ging die Antwort eines Pressesprechers der Reederei ein, wonach der Qualm harmloser Wasserdampf sei, von dem ein wenig mehr als sonst ausgestossen worden sei, weil es im Heizsystem des Schiffes einen Schaden gegeben habe. Heute Morgen informierte Akureyris Bürgermeisterin Ásthildur Sturludóttir, die Reederei habe sich für den Vorfall entschuldigt.

Abgasdusche möglicherweise defekt
Der Experte für Luftverschmutzung beim Umweltamt, Þorsteinn Jóhannsson, sagte, er glaube keinesfalls, dass da nur Wasserdampf aufgestiegen sei, selbst wenn dieser den grösseren Anteil an dem Qualm gehabt habe. Da seien auch noch andere Schadstoffe im Spiel gewesen.
“Das sind natürlich sehr grosse Dieselmaschinen, die da viele Megawatt Strom produzieren, und das bringt die üblichen Schadstoffe, die aus grossen Dieselmaschinen in diesen Schiffe entstehen.” Die Zuiderdam habe höchstwahrscheinlich einen sogenannten scrubber genutzt, um ihren Diesel zu reinigen.
“Das funktioniert wie eine Dusche. Da wird das Abgas durch eine Wasserdusche gepumpt, und dieses Wasser wäscht einen Teil der Verschmutzungspartikel heraus.” Diese Ausrüstung werde vor allem dazu genutzt, Schwefel auszuwaschen, und ein wenig reduziere sie auch die anderen Schadstoffe.

“Aber da gibt es niemals keine Verschmutzung, solche Schiffe bringen immer Verschmutzung, selbst wenn ihr Reinigungssystem läuft.” Der Qualm sei daher Wasserdampf mit Schadstoffen gewesen. “Wie etwa Russ und NO2. Manchmal auch unverbrannte Kraftstoffanteile, die im Rauch mitschweben, wenn die Maschine nicht richtig austariert ist.”

Für regelmässige Kontrollen fehlt Geld
Die Umweltbehörde kontrolliert Schiffe und das an Bord befindliche Reinigungssystem, sowie die Ölverbrennung. Allerdings verfügt die Behörde nur über beschränkte finanzielle Mittel und zuwenig Personal, um diese Kontrollgänge regelmässig durchzuführen. Viel mehr als Stichproben seien da nicht drin, so Þorsteinn. Die Zuiderdam hingegen soll unter die Lupe genommen werden. Das Kreuzfahrtschiff befindet sich zur Zeit in Ísafjörður und fährt dann weiter nach Reykjavík, wo Mitarbeiter der Umweltbehörde an Bord gehen werden, um herauszufinden, was da los ist.
In Akureyri hatten sich zahlreiche Bürger bei RÚV gemeldet und über den Qualm vom Kai geklagt. Þorsteinn sagt, grosse Kreuzfahrtschiffe brächten immer erhebliche Luftverschmutzung mit. “Und die ist oft ein grösseres Problem in solchen engen und tiefen Fjorden, vor allem bei gutem Wetter. Mehr Kreuzfahrtschiffe bedeuten dann mehr Luftverschmutzung.”

Messstation misst keine Schiffe
In Akureyri befindet sich die einzige Messtation für Luftqualität am Kulturzentrum Hof in der Strandagata. Dieser Standort sei vor vielen Jahren im Hinblick auf den Strassenverkehr gewählt worden, so Þorsteinn, für den Schiffeverkehr nutze er herzlich wenig.
“Die Messstation ist so positioniert, dass die Verschmutzung vom Hafen, wo die Kreuzfahrtschiffe liegen, nicht unbedingt bis zur Messstation kommt. Der Wind weht entweder in den Fjord hinein oder hinaus, es bräuchte aber Ostwind, damit die Verschmutzung an die Messstation heranlangt. Was wir in Akureyri sehr selten haben.” Man könne durchaus mehrere Messstationen aufstellen, aber bislang sei da nichts entschieden.

Schweröl-Verbot gilt nur im ECA-Gebiet
Vor drei Jahren war die Bestimmung zur Verwendung von Schweröl an den Küsten Islands geändert worden. Seitdem ist es verboten, das umweltschädliche Schweröl in isländischen Hohheitsgewässern zu verbrennen. Zuvor durften die Schiffe diesen Kraftstoff nutzen, bis sie am Kai anlegten.
Jetzt dürfen sie innerhalb der 12-Meilenzone kein Schweröl mehr benutzen, ausser im Schiff sind entsprechende Vorkehrungen im Reinigungssystem vorhanden. Der Schwefelausstoss muss vergleichbar sein wie wenn der Schwefelgehalt im Öl weniger als 0,1 Prozent betragen würde. In allen sogenannten ECA-Gebieten gelten die gleichen Bestimmungen und Grenzwerte. Da Island formal kein ECA-Gebiet sei, könne es sein, dass so mancher Kapitän sich nicht klar mache, die diese Regel trotzdem hier gilt. Es sei möglicherweise notwendig, die Schiffe besser zu instruieren, meint Þorsteinn.
Im Jahr 2019 war die Anfrage einer Sozialdemokratin an den damaligen Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson, wie die Regierung mit der Umweltverschmutzung durch die Kreuzfahrtschiffe umgehen wolle, unbeantwortet geblieben.

Am heutigen Abend waberte wieder dicker blauer Qualm über Akureyri, diesmal aus den Schornsteinen der Norwegian Prima.

 

Kreuzfahrtschiffe verursachen erwartete Mehrbelastung in Klinik

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Die Belastung des Krankenhauses in Akureyri ist seit Beginn der Kreuzfahrtschiffsaison merklich gestiegen. Um die 40% mehr ausländische Touristen suchen die Klinik für eine Behandlung auf, berichtet RÚV.
In diesem Jahr wird mit einer Rekordzahl an Kreuzfahrtschiffen in Akureyri gerechnet. Das wirkt sich natürlich auch auf das isländische Gesundheitswesen aus.
Schon in den ersten Monaten des Jahres hatte die Klinik schwere Zeiten gesehen, weil Personal und Betten fehlten. Mit Beginn der Kreuzfahrtsaison im April wurde das nicht besser, ganz im Gegenteil.

„Das bedeutet mehr Belastung, sowohl in der Notaufnahme als auch auf den Bettenstationen bei uns. Diese ersten Zahlen, die wir bei den ausländischen Touristen in Notaufnahme und stationärer Aufnahme sehen, das sind so um die 30 bis 40 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr, und das war schon ein Rekordjahr,“ kommentiert der medizinische Direktor der Klinik, Sigurður E. Sigurðsson. Trotz der Mehrbelastung könne man jedoch den Betreb aufrecht erhalten.

Man habe ja schon länger gewusst, dass mit einer Rekordzahl an Touristen zu rechnen sei und entsprechende Vorkehrungen getroffen, um die Belastung zu mindern. Eine Massnahme sei es etwa, bestimmte Aufgaben durch ungelernte Kräfte erledigen zu lassen.
„Dann haben wir Kontakt zu den Unternehmen aufgenommen, die diese Kreuzfahrtschiffe betreuen, und denen unsere Arbeitsweise klargemacht, dass wir uns also in erster Linie um akute Erkrankungen kümmern, aber nicht um andere Gesundheitsleistungen, die dann möglicherweise warten müssen und auch nicht unbedingt unsere Aufgabe ist.“

 

Niceair-Pleite ist Enttäuschung für Einwohner im Nordland, sagt Bürgermeisterin

Airplane from Niceair

Der nordisländische Fluganbieter Niceair ist endgültig pleite. Gestern war vonseiten des Unternehmens um eine Insolvenzabwicklung gebeten worden. Die Bürgermeisterin von Akureyri bezeichnete die Angelegenheit als grosse Enttäuschung für die Einwohner Nordislands. Die Pleite sei nicht dem zu kleinen Markt für Auslandsflüge ab Akureyri anzulasten, sondern anderen Faktoren.

Niceair hatte gestern um ein Insolvenzverfahren ersucht, als Grund für die Insolvenz wurde abnormales Geschäftsgebahren der ausländischen Partner angegeben. Der Fluganbieter war zu Beginn letzten Jahres mit Stützpunkt Akureyri gegründet worden. Von dort aus waren Linienflüge nach Kopenhagen, London, Teneriffa und Alicante im Angebot. Im letzten Monat wurde der Flugverkehr dan von einem Tag auf den anderen eingestellt, um die Finanzen in Ordnung zu bringen. Das hat ganz offensichtlich nicht geklappt.

Vertane Chance für Akureyri
“Wir hegten natürlich grosse Erwartungen darin, Direktflüge von Akureyri nach Europa zu bekommen,” sagte Ásthildur Sturludóttir, die Bürgermeisterin von Akureyri. “Da ist vielleicht vor allem Enttäuschung, dass das so gelaufen ist.” Das Unternehmen hinterlasse eine Lücke, in mehr als einer Hinsicht.
“Sowohl darin, Touristen in unsere Region zu bekommen, und dieses zweite Tor ins Land zu öffnen, als natürlich auch eine Dienstleistung für die Bewohner dieses Landesteiles bereitzustellen, mit Direktflügen von Akureyri nach Europa,” erklärt Ásthildur.
Die Pleite sei kein Anzeichen dafür, dass es keinen Markt für Auslandsflüge im Norden Islands gebe, das Gegenteil sei der Fall.
“Ich denke, dieser Versuch hat klar gezeigt, dass es ganz sicher einen Markt für genau diese Flugverbindung gibt. Aber das war es nicht, was die Pleite verursachte. Das waren andere Voraussetzungen oder Bedingungen.” Ásthildur ist überzeugt, dass dies nicht der letzte Versuch gewesen ist, um Akureyri mit dem Ausland zu verbinden.

Geschenkgutscheine wertlos
Viele Isländer hatten im eisigen und schneereichen Winter die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, in die Sonne zu fliegen, ohne sich erst über verschneite Bergstrassen zum internationalen Flughafen Keflavík im Südwesten durchkämpfen zu müssen. Zahlreiche Unternehmen hatten ihren Mitarbeitern zum Jahreswechsel einen Fluggutschein zukommen lassen – unter anderem das Krankenhaus in Akureyri seinem Pflegepersonal. Das steht nun mit leeren Händen da.
Breki Karlsson vom isländischen Verbraucherschutz sagte in einem Gespräch mit Vísir, diese Geschenkgutscheine seien wertlos. Zuvorige Erfahrungen mit Pleiten von Fluggesellschaften hätten das gezeigt. Dennoch empfiehlt er, Ansprüche beim Insolvenzverwalter geltend zu machen. Der Verbraucherschutz werde entsprechende Hinweise und eine Vorgehensweise auf seiner Webseite veröffentlichen.

 

Klinik in Akureyri über Zahl der Kreuzfahrtschiffe besorgt

cruise ship Akureyri

Die Leitung des Krankenhauses in Akureyi hat ihre Besorgnis über die Belastung ausgedrückt, die durch die etwa 200 Kreuzfahrtschiffe in diesem Sommer entstehen könnte. Von Stadtratsseite hiess es, man verfolge die Entwicklung und auch die entstehende Belastung für das System, berichtet RÚV.

Etwa 200 Kreuzfahrtschiffe sind für diesen Sommer im Hafen von Akureyri gebucht. Die Klinikleitung zeigt sich besorgt, was für eine zusätzliche Belastung das für den Betrieb des Krankenhauses und der Notaufnahme bedeuten könnte.
“Vor allem möchten wir sicherstellen, dass wir Schwerstkranke und Verletzte, die zu uns kommen, versorgen können, das ist unsere Aufgabe. Der Juli ist der Monat mit der meisten Belastung, und genau das ist auch die Zeit, wo wir mit Ablösungen arbeiten, das sind Leute mit weniger Berufserfahrung, und die Mitarbeiter in den Sommerferien.” erklärte Jón Pálmi Óskarsson von der Klinikleitung.
In Island nehmen die meisten Angestellten ihren Jahresurlaub im Sommer, vor allem Kliniken sind dann auf Ablösung angewiesen, oft Medizinstudenten, Krankenschwestern in Ausbildung oder Fachfremde, die in den Kliniken jobben. Kann der Jahresurlaub nicht im Sommer genommen werden, muss der Arbeitgeber nämlich entweder bezahlen oder zusätzliche Urlaubstage gewähren.

Unnötige Klinikbesuche vermeiden
Jón zufolge sei es besonders wichtig, mit Hafenaufsicht und Schiffsärzten in gutem Kontakt zu stehen, damit die Passagiere wissen, wohin sie sich wenden können, wenn es ein Problem gibt. Es sei durchaus schon vorgekommen, dass Passagiere in die Notaufnahme vorstellig wurden, ohne dass dies notwendig gewesen sei.
“Natürlich haben wir Sorge, dass wir in Schwierigkeiten geraten können, wenn der Touristenstrom stark anwächst, und das ist natürlich auch eine Frage in weiterem Zusammenhang – können wir endlos Touristen ins Land holen? Wir müssen natürlich daran denken, dass die Infrastruktur das was da kommt, auch tragen kann.”

Stadtratsvorsitzende Halla Björk Reynisdóttir hält es für zu spät, um auf die Schiffszahlen des Sommers zu reagieren, aber man werde die Lage für das kommende Jahr erneut prüfen. “Wir müssen zumindest ganz genau mitverfolgen, wieviel Belastung wir unserer Infrastruktur zumuten und wieviel die Serviceleistungen, die wir natürlich zum Besten haben wollen, eigentlich aushalten.” sagte Halla Björk.