Erdkabel im Norden verlegt

Im gerade vergangenen Sommer ist der Stromversorger RARIK im Norden Islands fleissig mit Baggern unterwegs gewesen, um Überlandleitungen in den Boden zu verlegen, berichtet das Bændablaðið. Niemals zuvor sind soviele Erdkabelprojekte zeitgleich durchgeführt worden.

Gleich an vier Stellen wurden die Kabel in den Boden verlegt, und in diesen Tagen soll auch das Svarfaðardalur mit dem neuen Erdkabel ans Stromnetz angeschlossen werden.
Ein weiterer Kabelbagger ist im Öxnafjörður unterwegs, sowie Bagger in Raufarhöfn und im Fljótum. Die Arbeiten sollen solange vorangetrieben werden, wie das Wetter es zulässt.
Der letzte Abschnitt zwischen Kópasker und Raufarhöfn ist ebenfalls in Arbeit, mit Fertigstellung wird Raufarhöfn dann direkt mit dem Stromwerk in Kópasker verbunden sein.
Vom Stromwerk in Árskógssandur im Dalvíkurbyggð wird die Überlandleitung zum Hámundastaðaháls mit einem Erdkabel ersetzt, und auch im Fljótum steht das Erdkabel zwischen Skeiðsfossvirkjun und Ketilás kurz vor der Fertigstellung.

Wenn alle geplanten Kabel im Boden liegen, sind im Norden des Landes etwa 50 Kilometer Erdkabel verlegt und 25 Umspannwerke verbunden worden. Damit konnten dann fast alle Überlandleitungen, die bei dem grossen Adventunwetter im Jahr 2019 beschädigt wurden, in den Boden verlegt werden. Einzig auf Verlegung warten müssen dann noch die Stromleitungen nach Ólafsfjörður und im Fnjóskadalur die Verbindung von Þverá nach Skarð.

Bei dem Unwetter im Dezember 2019 waren zahlreiche Hochspannungsmaste umgekippt oder die Leitungen durch Vereisung beschädigt worden. Viele Höfe hatten tagelang ohne Strom und Heizung dagesessen, was besonders bei Milchviehbetrieben zu grossen Problemen geführt hatte.

60 neue Notstromaggregate für einen möglichen grossen Stromausfall aufgestellt

Etwa 60 Notstromaggregate sind in diesem Sommer im ganzen Land aufgestellt worden, berichtet RÚV. Damit soll im Fall eines Stromausfalls die Versorgung der Telekommunikationsanlagen sichergestellt werden. Der Geschäftsführer der Notrufanlage bestätigte, dass die Hotline 112 nun jederzeit, auch bei Stromausfall, erreichbar sei.

StromGAU während des Adventsturms

Beim grossen Unwetter im Dezember letzten Jahres sassen im Norden hunderte von Haushalten ohne Strom und Telefon da, die Telefonverbindungen waren in weiten Teilen der Westfjorde, des Nordlandes bis in den Osten hin ausgefallen, ein Umstand, der nicht nur private Haushalte und öffentliche Einrichtungen beeinträchtigte, sondern auch die Arbeiten von Einsatzkräften und Rettungsmannschaften über Tage ausbremste. Das Küstenwachschiff Þór etwa diente als Notstromaggregat für die Stadt Dalvík, und die Gemeinde Grindavík lieh ihr eigenes Dieselaggregat in den Norden aus.
In der Folge schuf die Regierung eine Arbeitsgruppe, die die Infrastruktur für Stromverteilung und Telekommunikation voranbringen sollte. Die Gruppe kümmerte sich auch um die Gewährleistung der Notstromversorgung wichtiger Telekommunikationsschaltstellen bei einem grossen Ausfall der Elektrizitätsversorgung.

30 neue Aggregate
Nun sind 60 weitere Notstromaggregate, darunter 30 ganz neue Aggregate aufgestellt worden. Die Lebenserwartung der Ladestationen wurde verlängert, Aggregate vergrössert und Verbindungseinheiten für mobile Aggregate angeschlossen.
Þórhallur Ólafsson, der Geschäftsführer der Notruflinie, der mit der Durchführung des Projekts betraut war, sagt, jetzt könne die Allgemeinheit jederzeit die Notrufnummer anrufen, auch wenn der Strom ausgefallen sei.
Seiner Einschätzung nach könne man es nun mit einem Winter wie dem letzten aufnehmen. “Jetzt kann Weihnachten kommen, und das Unwetter für mich,” sagte er.

Küstenwächter sass 12 Tage in Radarstation fest

Ein Mitarbeiter der isländischen Küstenwache hat während des grossen Adventsturms im Dezember letzten Jahres für 12 Tage in einer Radarstation bei Langanes in Nordostisland festgesessen, berichtet Vísir.

Halldór Halldórsson ist verantwortlich für die Radarstation am Gunnólfsvíkurfjall, eine der vier Radarstationen, die die isländische Küstenwache für die NATO in Island betreibt.

Wenn viel Schnee liegt, so sagt Halldór, machten sich die Mitarbeiter mit Schneeschlitten auf den Weg zum Berg, ansonsten fahre man mit dem Auto.

Diesmal habe er jedoch länger dort oben bleiben müssen als gedacht. Am 9. Dezember hatte er sich auf den Weg gemacht, und erst am 21. Dezember, also 12 Tage später, konnte er die Radarstation wieder verlassen.

Da war so schlechtes Wetter, man konnte so gerade mal die Nase zur Tür raus stecken,” erzählt Halldór. Immerhin habe er stets eine gute Telefonverbindung gehabt, und auch die Verpflegung sei sehr gut gewesen.

Ich hab halt gearbeitet – es gab keinen Strom, und wir haben einen Dieselgenerator betrieben, um das Radar mit Strom zu versorgen.” Normalerweise sei die Dienstzeit von acht Uhr morgens bis 16 Uhr am Nachmittag.

Dort oben auf dem Berg sei es sehr stürmisch gewesen, meist um die 198 km/h (55 m/s), die heftigsten Orkanböen hätten jedoch um die 250 km/h (70 m/s) gelegen. Wie die Küstenwache in einem Facebookbeitrag schreibt, seien die Mitarbeiter der Behörde solche Windstärken durchaus gewöhnt.
“Wir haben dort schon starken Wind erlebt, das ist nicht das erste Mal, dass die Windmessanlage solch Werte abgibt,” sagt auch Halldór. Es sei jedoch die längste Unwetterlage gewesen, die die Radarstation über sich habe ergehen lassen müssen. Es komme auch durchaus vor, dass ein Mitarbeiter wetterbedingt mal eine Nacht dort bleiben müsse, doch diese 12 Nächte seien die längste Verweildauer gewesen.

Es sei doch nett gewesen, am Ende endlich wieder vom Berg zu kommen – 12 Tage nachdem er zum Dienst gefahren war. Doch danach sei gleich der nächste unfreiwillige Aufenthalt gekommen. Wir haben wieder dort übernachtet,” sagt Halldór, “das war kein Problem.”

Adventsturm und Pferdeverlust – ein Erklärungsversuch von MAST

Knapp einen Monat nach dem grossen Adventsturm steht inzwischen fest, dass mehr als 100 Pferde dem Unwetter vom 10.-12. Dezember zum Opfer gefallen sind. Das ist der grösste Verlust seit einem Jahrzehnt und stellt etwa 0,5 Prozent aller Pferde dar, die in diesem Gebiet ganzjährig draussen gehalten werden. Die Zahlen wurden auf der Webseite der Veterinäraufsichtsbehörde MAST veröffentlicht.

Auf 46 Höfen verendeten Pferde im Tiefschnee, im Bezirk Austur-Húnavatnssýsla 61 Pferde auf 29 Höfen, im Bezirk Vestur-Húnavatnssýsla auf neun Höfen insgesamt 20 Pferde, und im Skagafjörður auf acht Höfen 22 Pferde. Oft starben zwischen einem und vier Pferden pro Hof, im Durchschnitt zwei Pferde pro Hof. Diese Verteilung spiegelt wieder, dass der Verlust nicht auf ungeeignete Weideeinrichtung oder Unwettervorbereitung auf einzelnen Höfen zurückzuführen ist. Inzwischen ist ja auch bekannt, dass das Unwetter unterschiedlich heftig in den einzelnen Regionen und Landesteilen ausgefallen ist.

Betroffen waren Pferde in allen Altersgruppen: 29 Fohlen, 34 Jungpferde, 30 Stuten, aber auch 15 ältere Wallache. Die Stuten waren in den meisten Fällen älter gewesen, daher kann man sagen, dass die älteste und die jüngste Altersgruppe die meisten Todesfälle zu verzeichnen hatte.

Am häufigsten entwickelte sich das Unglück aus der Tatsache heraus, dass Pferde vor dem Unwetter in einen Graben flohen, in Zäune gerieten oder sich anderweitig verfingen, es wurden aber auch Pferde eingeschneit, die sich einen Wetterschutz gesucht hatte, bzw Pferde, die explizit in einen Wetterschutz gebracht und dort gefüttert wurden.

Man hat zwei Meter hohe Schneewehen über Kadavern gefunden, solche Schneewehen sammelten sich überall dort, wo es Schutz gab. Im Tiefland waren Pferde schwerer betroffen als in höheren Regionen, möglicherweise weil es dort oben kälter war. Im Tiefland war der Schnee zunächst sehr nass und schwer auf die Pferde gefallen und später durch einen Temperaturabfall steinhart gefroren. Es gilt als ausgesprochen ungewöhnlich, dass die Niederschläge aus dem Norden mit einem derart krassen Temperatursturz zusammenfallen.

Das Gewicht der Eisbrocken machte die Pferde schwer und kalt und es wurde schwer für manche, den langen Schneesturm nach dem nassen Schneefall im Stehen durchzuhalten. Zeitweise hatte der Schneesturm auch Orkanstärke.

Die natürlichen und geschaffenen Wetterschutzmassnahmen hatten ihren Zweck nicht erfüllen können und waren vielmehr dem Wetter besonders ausgesetzt.

Die Pferde die in den betroffenen Regionen draussen gehalten wurden, hatten sich nach einem guten und milden Herbst alle in einem körperlich guten Zustand befunden.

Bislang um die 100 tote Pferde aufgefunden – die Suche geht weiter

Bislang sind etwa 100 tote Pferde nach dem Unwetter der letzten Woche gefunden worden. Immer noch werden Pferde vermisst und die Suche nach ihnen geht weiter, man weiss von einigen Pferden, die im Schnee eingeschlossen sind. Die Bauern in Nordisland sind an vollkommen erschöpft, berichtet RÚV.

Der Pferdezüchter Tryggvi Rúnar Hauksson sagte in einem Interview mit RÚV vorgestern Abend, er weine nicht wegen des finanziellen Schadens, der ihm entstanden sei, sondern aus emotionalen Gründen. Er sei sicher, dass die Bauern alles getan hätten, um ihre Tiere an sicheren Stellen unterzubringen.

Am Ende hatte der Schneesturm einen derart dramatischen Verlauf genommen, dass die vermeintlich geschützten Orte in kürzester Zeit im Schnee versanken. Der Sturm wurde so gefährlich, dass niemand mehr hinausgehen konnte, um Herden umzutreiben. Zudem war fast im gesamten Norden der Strom ausgefallen, die Leute harrten tagelang in dunklen und kalten Häusern aus, viele Höfe waren auch ohne Haustelefonverbindung gewesen, die Mobilfunkverbindung war zusammen mit dem Strom ausgefallen. Aufgrund der hohen Meerestemperatur war der Schnee sehr nass und schwer und schloss sich wie frischer Beton um die eingeschlossenen Tiere.

Der Verlust an Pferden durch den Schneesturm ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Zehn Pferde wurden im Skagafjörður tot aufgefunden, am schlimmsten ist jedoch die Lage im Húnavatnssýsla, wo Pferde auf zahlreichen Höfen in Schneewehen verschwanden. Bezirkstierärztin Ingunn Reynisdóttir sagt, es sei schwer zu sagen, wieviele Tiere noch vermisst würden.

Es werde weiter gesucht, obwohl die Bauern vollkommen erschöpft seien. Die freiwilligen Retter wollen heute einen Tag zum Ausruhen nutzen, doch am Wochenende soll dann weiter gesucht werden. Man weiss von Pferden an zwei oder drei Stellen, die eingeschneit wurden, diese Pferde werden mit Futter versorgt, und am Wochenende will man sich auf den Weg machen, um sie auszugraben. Ingunn vermutet, dass man nur mit Schneemobilen zu ihnen gelangen kann, und ihnen dann einen Weg nach Hause schaufeln muss.

Grosse Ungewissheit herrscht in Bezug auf die Pferde, die noch vermisst werden. Auch wenn immer wieder Gruppen von Pferden gefunden werden, sei es doch wahrscheinlich, dass ein Grossteil der verschwundenen Pferde nicht mehr am Leben sei. Bislang wisse man auch noch nicht, was man mit den vielen Kadavern machen soll, einstweilen werde sich einzig auf die Suche konzentriert. Die Kadaver liegen ohnehin im Schnee vergraben und sind kaum erreichbar.

Landsbjörg erhält Spendengelder – ASÍ sieht Retter missbraucht

Die Stadtverwaltng von Akureyri beschloss auf ihrer Versammlung vorgestern, das Rettungsteam Súlur, welches in der Stadt auf freiwiliger Basis Hilfe in der Not leistet, mit vier Millionen Kronen zu unterstützen. Die Summe soll ihnen für den uneigennützigen Dienst im Interesse der Einwohner des Nordlandes in den vergangenen 20 Jahren zukommen, berichtet RÚV.

Auch der Gemeinderat des Skagafjörður bekundete den Willen zu einer grosszügigen Spende an die Organisation, auf der gestrigen Versammlung wurde dreieinhalb Millionen Kronen für die Björgunarsveitir festgelegt.

Die freiwilligen Rettungsmannschaften vor allem im Nordland, aber auch in anderen Regionen des Landes hatten in der vergangenen Woche unermüdlich Dienst getan, als der Adventsturm grosse Schäden, Verkehrsbehinderungen und den Totalausfall von Strom und Telekommunikationsnetz verursachte. Mehr als 200 Freiwillige aus dem ganzen Land waren zudem an der Suche des in die Núpá gestürzten jungen Mannes beteiligt.

Es ist ganz offensichtlich, dass die freiwilligen Retter eine sehr grosse Rolle gespielt haben, und ohne sie können wir nicht sein. Als alle möglichen Systeme, die nicht ausfallen dürfen, dennoch ausfielen, standen die Retter wie ein Fels und erwiesen sich als Schlüsselpersonen in der Vielzahl der Rettungsmassnahmen, ob klein oder gross. Dank ihrer Beteiligung war es möglich, ein Minimum an sozialen Dienstleistungen auf den Gebieten auszuüben, die sowohl in staatlicher als auch in Gemeindehand lagen, als die Rettungsteams den Transport von Beschäftigten des Gesundheitssystems zwischen den Orten übernahmen.” heisst es in einer Notiz des Gemeinderates.

Man sei den Rettungsteams unendlich dankbar für ihren Beitrag zum Wohle von Gemeinden und Bewohnern. Ähnlich lautet die Niederschrift im Skagafjörður.

Es ist unschätzbar für die Gemeinde, Freiwilligenteams wie die Björgunarsveitir zu haben, die zu jeder Zeit und unter allen Umständen zu Hilfe bereit sind und selbst ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.” heisst es dort.

Auch aus Deutschland wurde nach der Unwetterkatastrophe Geld an Landsbjörg gspendet, vor allem aus der Gemeinschaft der Islandpferdebesitzer, die die Nachrichten um die verschütteten Pferde und ihre Befreiung besorgt verfolgt hatten.

ASÍ vermutet Missbrauch der Freiwilligen

Der stellvertretende Geschäftsführer des isländischen Arbeitnehmerverbandes ASÍ, Halldór Grönvold, sieht die Beteiligung der freiwilligen Rettungsmannschaften an den Noteinsätzen der letzten Tage in einem ganz anderen Licht.

Wie RÚV schon in der vergangenen Woche berichtete, will der Verband prüfen lassen, ob öffentliche Institutionen die Teams von Landsbjörg vermehrt Arbeiten für sich auf freiwilliger Basis erledigen lassen, und zwar Arbeiten, die die Institutionen eigentlich im Interesse der Allgemeinheit selber durchführen müssten. Geprüft werden soll auch, ob Behörden zuviele Leute entlassen hätten und ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden können. Es gebe Beispiele, so heisst es bei RÚV, wo Arbeitnehmer tagsüber einer Beschäftigung nachgehen, und diese nach Dienstende auf freiwilliger Basis im Rahmen ihrer Mitgliedschaft bei einem Freiwilligenteam fortsetzen – dann jedoch ohne Lohn.

Halldór Grönvold sagt, schon oft habe dies Aufmerksamkeit erregt, und nun aktuell beim Unwetter im Norden, wo freiwillige Retter Dienstleistungen verrichtet hätten, die eigentlich Basisdienste in der Gemeinschaft seien. Man müsse sich fragen, ob die öffentliche Hand ihren Betrieb aus Sparmassnahmen so weit eingeschränkt habe, und sich einfach immer öfter auf den Einsatz der Freiwilligen verlasse.

Die Freiwilligen seien nicht dazu da, soziale Dienste oder Sicherheitsdienste für die Allgemeinheit zu verrichten.

Halldór erwähnte besonders die Strassenverwaltung, die mit den Björgunarsveitir um Wachdienste an winterlichen Strassensperren und im Hochland verhandle. Auch beim Krankentransport finde man freiwillige Retter ohne Lohn im Einsatz.

Halldór fordert eine genaue Prüfung dieser Situation, um herauszufinden, ob es sich beim Einsatz der Freiwilligen um einen grossangelegten Missbrauch der Leute handle.

Nach Schneesturm erschöpfte Pferde sind immer noch sehr krank

Ingunn Reynisdóttir, die Bezirkstierärztin in Húnavatnssýsla im Norden des Landes, sagte heute Mittag im Interview auf Rás 1, dass zahlreiche Pferde durch das Unwetter der letzten Woche verendet sind, mehr als einhundert werden auch eine Woche nach dem Adventsturm noch vermisst. Viele Pferde seien erschöpft und litten an Organversagen.

Bislang sind immer noch nicht alle Folgen der Katastrophe sichtbar. Bei ihr in Hvammstangi gebe es den zweiten Tag in Folge wieder keinen Strom, sagt Ingunn, doch viel mehr Sorge habe sie um die erkrankten Pferde. Mehr als 100 Pferde würden nach Aussage der freiwilligen Retter von Landsbjörg im Ostteil des Bezirks immer noch vermisst, sechs seien bislang tot,

Ein Grossteil der Pferde sei völlig erschöpft. Da sehe ich Fälle, die ich bislang noch nicht erlebt habe. Das sind Pferde, die weder Wasser lassen noch Kot absetzen können, wo der Schlauch gelähmt herunterhängt, geschwollen und blau. Dann gibt es Lungenentzündungen und Koliken und alles mögliche,” sagte Ingunn im Telefoninterview. Vor allem Fohlen litten an Lungenentzündungen. Pferde, die sich abgelegt hätten, seien verschüttet worden, die meisten hätten jedoch die ganze Zeit gestanden.

Am schlimmsten habe es ältere und junge Pferde getroffen, und es gebe auch Fälle, wo sich die Pferde nicht erholten und weder fressen noch saufen, und euthanasiert werden müssten. Wasser und Futter sei daher das Allerwichtigste in den kommenden Tagen, sowie eine intensive Überwachung aller Pferde.

Nach dem Unwetter hatte es im In- und Ausland scharfe Kritik an der Pferdehaltung gegeben. Ingunn bezeichnete diese Kritik als sehr verletzend für die Leute im Norden, die alles in ihrer Macht Stehende getan hätten, doch habe niemand geahnt, wie hart das Wetter am Ende wirklich zuschlagen würde. Die Kritiker träten hier einen am Boden liegenden Mann.

Ingunn sagt, es habe keinen Sinn, alle Pferde in Stallungen und Scheunen zu bringen, weil sich dort Schlägereien durch die Platznot ergeben würden. Auch die geforderten Windschutze hätten an einigen Stelle die Lage sogar verschlimmern können, weil sich gerade dort Schnee sammelt. Pferde seien an vermeintlich windgeschützten Plätzen und auch in Gräben gefunden worden. Am sichersten seien sie in solch einer Wetterlage tatsächlich auf grosser freier Fläche aufgehoben.

In den Milchbetrieben geht es vor allem um wirtschaftliche Schäden. Es habe, so sagt sie, weniger Euterentzündung gegeben als erwartet. Doch wenn Kühe nicht mehr gemolken werden, geht ihre Milchleistung zurück, oder die Milch versiegt ganz. Eine solcherart betroffene Kuh wird nie wieder ihre alte Milchleistung erreichen. Es sei realistisch, von bis zu 25 Prozent weniger Milch in den Bezirken zu sprechen.

Die Schafe hätten das Unwetter von allen am besten überstanden, die allermeisten waren in Ställen untergebracht, weil die Deckperiode vor der Tür steht, nur vereinzelt seien Schafe draussen gefunden worden.

Ingunn arbeitet auch nach dem Drama alleine in ihrem Bezirk und fährt alleine zwischen den Höfen im Skagafjörður und Húnavatnssysla.

update

In den Abendnachrichten auf RÚV hiess es, dass 90 Pferde gestorben sind. Die Tierärztin Sigríður Björnsdóttir sagte im Interview, auf vielen Höfen seien jeweils einzelne Pferde im Unwetter verendet, das Wetter sei so schlecht gewesen, dass man einfach nicht zu ihnen hätte hingelanden können.

 

Das Stromdrama im Norden – Reparaturen dauern länger als erwartet

power outage extreme weather

Das kleine Krankenhaus in Hvammstangi in Húnavatnssýsla mit seinen 18 Pflegebetten und ca. 60 Beschäftigten ist während des Adventsturms 48 Stunden lang ohne Strom, Telefon, Mobiltelefon oder Tetranetz gewesen. Das Tetra-Kommunikationsnetz ist ein Notfallnetz, welches von Beteiligten bei Rettungseinsätzen benutzt wird. Nur dem Zufall sei es zu verdanken, dass es in den zwei Tagen des Unwetters keinen Notfall bei den Patienten gegeben habe, sagte die Bereichsleiterin des westisländischen Gesundheitszentrums, Aldís Ólga Jóhannesdóttir mbl.is gegenüber. Schon vor dem angekündigten Unwetter habe man sich beim örtlichen Stromversorger erkundigt, was im Notfall zur Verfügung stehe, doch der habe gemeint, es würde schon nichts passieren.

Das Krankenhaus verfügt über keinen Notstromaggregat. Das Pflegepersonal leistete seinen Dienst am Patienten mit Stirnlampen. Einen Arzt habe man auch nicht erreichen können, weil es keine Telefonverbindung gab, daher war es Aufgabe der freiwilligen Retter, Patienten im Notfall zu transportieren. Und selbst wenn es einen Dieselaggregat gegeben hätte, hätte man diesen nicht betanken können, weil die meisten Zapfsäulen mit Strom betrieben werden, sagt Aldís. Die Leute seien nach den ernsten Wetterwarnungen durchaus auf alles mögliche vorbereitet gewesen, doch der Zusammenbruch der Infrastruktur habe alle kalt erwischt. Man habe nicht einmal die Nachrichten der öffentlichen Rundfunkanstalt RÚV im Radio verfolgen können.

Auch die Polizei im Norden hatte gestern Sorge, ohne Verbindung nach Reykjavík da zu stehen, wenn die Notstromaggregate am Abend abgeschaltet würden, um Strom zu sparen. “In so einer Lage sind wir noch nie gewesen,” kommentierte der Polizeileiter in Sauðárkrókur, Stefán Vagn Stefánsson. Die Notruflinie 112 funktionierte, hätte aber auch jederzeit ausfallen können.

Lebensgefährliche Lage

Die Bürgermeisterin der Gemeinde Húnaþing vestra bezeichnete die Lage der vergangenen Tage als lebensgefährlich. “Wir konnten weder Hilfe holen, noch Hilfe leisten,” sagte sie RÚV gegenüber. Durch den Zusammenbruch des Telefonnetzes habe man weder gewusst, was draussen passiere, wie die Lage sei, noch was als nächstes komme. Gestern hatten sich fünf Minister auf den Weg nach Norden gemacht und von Ragnheiður Jóna Ingimarsdóttir einen Lagebericht für ihre Gemeinde erhalten. Sie habe ihnen klargemacht, wie ernst die Lage gewesen sei.

Einige Höfe waren tagelang von der Aussenwelt komplett abgeschnitten, nachdem neben dem Strom auch Telefon- und Mobiltelefonverbindung und das Internet, sowie das Tetranetz ausgefallen waren. Ein Bauer aus dem Skíðadalur hatte immerhin sein Funkgerät zur Verfügung, welches beim Schafetreiben benutzt wird. Jón Þórarinsson auf Hnjúki findet, dass die Gesellschaft auf solche Notlagen nicht mehr vorbereitet ist. Es reiche nicht aus, das Zivilschutznetz in Ordnung zu haben, auch der grössere Zusammenhang und die Gemeinschaft im kleinen Kreis müssten besser vorbereitet sein. Der grosse Sturm sei allen eine Lehre gewesen, sagt er.

Grindavík leiht Notstromaggregate nach Norden aus

Das Rettungsteam von Grindavík im äussersten Südwesten des Landes hat drei schwere Dieselaggregate nach Norden geschickt, um im Svarfardalur Strom für einen grossen Kuhstall mit Melkroboter zu liefern. Die beiden anderen Geräte liefern Strom für einen weiteren Hof und den Ort Dalvík. Alle drei Geräte dienen der Stadt Grindavík als Notlösung bei Stromausfall, schreibt das Rettungsteam in einem Beitrag auf Facebook.

Dalvík erhält den Hauptanteil seines Stroms von See aus, wo das Küstenwachschiff Þór einen Notstromaggregat betreibt. Nach Angaben des Stromunternehmens Landsnet soll am kommenden Mittwoch der Strom für die Stadt wieder bereitstehen, da die Leitungen enteist und 50 gebrochene Holzmasten ersetzt werden müssen. Auch die Kópaskerslinie im äussersten Norden ist mehr beschädigt als zunächst angenommen, hier müssen 14 Masten ersetzt werden.

Stromlose Höfe vier Tage nach dem Sturm

Immer noch sind einige Höfe und Gemeinden im Norden ohne Strom. Das Unwetter hatte am Dienstag begonnen. Die Mannschaften der Elektrizitätswerke arbeiten Tag und Nacht, um die Schäden an Leitungen und Masten zu beseitigen, viele Verbindungen sind unsicher und fallen auch nach Reparatur wieder aus.

Man könne es eigentlich kaum glauben, so sagt eine Bewohnerin im Hörgársveit RÚV gegenüber, dass man im Jahr 2019 in die vierte Nacht ohne Strom im Haus gehen müsse, und das keine 24 Kilometer von der Hauptstadt des Nordens entfernt.

Ein Landwirt aus dem gleichen Tal berichtet, dass er den Stromtrupps Hilfe beim Reparieren der Masten angeboten habe, und am Ende seien auch andere Talbewohner dazugestossen. Zusammen hätten sie es geschafft, die Stromversorgung im Tal wieder herzustellen. Die Leitungen seien ein Kind ihrer Zeit, alt und verschlissen, sagt Agnar Þór Magnússon auf Garðshorn í Pelamörk, und es sei beispiellos, dass es heute noch solche Stromleitungen gebe. Er habe erst mal den Stall aufgeheizt, der nach Ausfall der Lüftung klatschnass und eiskalt gewesen sei. Das Aufheizen des ausgekühlten Wohnhauses dauere lange. Darum habe er Frau und Kinder nach Akureyri gebracht, nun gehe es daran, die Strassen vom Schnee zu befreien. Das sei alles kaum zu beschreiben, sagt Agnar. “Ich glaube, das versteht niemand, ausser er ist dabeigewesen.”

Gemeinde inseriert nach Gasöfen

Die Gemeinde Skagafjörður hatte im Internet um gasbetriebene Öfen zur Ausleihe gebeten, damit Bewohner in ausgekühlten Häusern Räume aufheizen konnten. Selbst aus Reykjavík kamen Angebote mit solchen Öfen, Mitglieder der regionalen Freiwilligenteams kümmerten sich darum, die Öfen nach Norden zu transportieren.

Die Leiter der Telekommunikationsunternehmen waren heute zusammen getroffen, um den katastrophalen Totalausfall der letzten Tage zu diskutieren. Bislang ist nicht bekannt, warum neben dem Strom auch die Telefonverbindung so weiträumig ausgefallen ist. Hrafnkell V. Gíslason, der Chef der isländischen Post, sagte mbl.is gegenüber, es sei klar dass das Stromnetz gestärkt werden müsse. Für einen Katastrophenfall benötige man Plan C, wie etwa Funkgeräte, die sich bislang nur in einigen Mietwagen und auf Schiffen befinden.

Derweil wird die Verantwortung für den Totalausfall zwischen Politik, Stromindustrie und Gemeinden bzw Landeigentümern hin- und hergeschoben. Am grünen Tisch kritisiert man, dass allzuoft Genehmigungen für Stromleitungen nicht erteilt werden, oder dass Umweltaktivisten Bauwerke verhindern. Von Bürgerseite aus wird geklagt, dass notwendige Projekte meist jahrelang dauern, und dass man nicht noch weitere Überlandleitungen wolle, sondern sichere Erdkabel, doch höre man da stets, dies sei zu teuer.

Pferde in Schneewehen verendet

Mindestens sechs Pferde sind in den Schneewehen verendet, zahlreiche Pferde schwer krank, darunter ein Fohlen. Der Zustand des Milchviehs in den Kuhställen wird zur Zeit untersucht, viele Kühe hatten wegen des Strommangels nicht gemolken werden können, was zu Euterentzündungen führen kann.

Die Tierärztin Ingunn Reynisdóttir sagte RÚV gegenüber, man könne sich keine Vorstellung von der ganzen Situation machen, wenn man sie nicht am eigenen Leib erfahren hätte.

Auch heute sind mmer noch 250 Freiwillige der nationalen Rettungsorganisation im Norden bei Einsätzen unterwegs, um den Stromtrupps und Leuten in ausgekühlten Häusern zu helfen.

Den neusten Zahlen nach waren von 4000 registrierten Mitgliedern mehr als 1000 zu Einsätzen im Westen und Norden des Landes ausgerückt. Einer der grössten Einsätze in der Geschichte der Organisation, sagt Geschäftsführer Jón Svanberg Hjartarson RÚV gegenüber.

Sehr geholfen habe, dass die Leute den Warnungen gefolgt seien und in ihren Häusern geblieben waren, sodass es kaum Einsätze wegen steckengebliebener Autos gegeben habe.

Regierung  bildet Arbeitsgruppe

Die Regierung hat gestern beschlossen, eine interministerielle Arbeitsgruppe zu gründen, welche Massnahmen prüfen soll, um die Infrastruktur auf dem Land auf Fordermann zu bringen. Die Infrastruktur müsse in einen Zustand gebracht werden, dass sie Unwetter oder Naturkatastrophen überstehe. Neben der Sicherheit von Strom und Telekommunkation soll sich die Gruppe auch mit dem Verkehr, Bauwerken und dem Sendenetz der staatlichen Sendeanstalt RÚV befassen. Die Sicherheit dieser Strukturen sei Teil der nationalen Sicherheit, schreibt RÚV.

Pferde und Schafe aus Schneewehen gegraben

Nicht nur die Menschen im Norden des Landes, die teilweise bis zu 50 Stunden ohne Strom in ihren Häusrn sassen, hatten unter den Auswirkungen des schweren Schneesturms zu leiden. Auch Tiere waren betroffen.

Zehn Pferde von Bauer Magnús Ásgeir Elíasson auf Stóra-Ásgeirsá steckten in einer riesigen Schneewehe fest, die der Sturm über Nacht aufgebaut hatte. Von Stute Freyja sei nur die Nase zu sehen gewesen, schrieb Magnús in einem Beitrag auf seiner Facebookseite. Magnús und seine Nachbarn schaufelten aus allen Kräften und konnten das feststeckende Pferd befreien. Es erholte sich im warmem Stall recht schnell.

In Þingeyrarsýsla mussten elf Pferde aus Schneewehen befreit werden, hier halfen freiwillige Mitglieder der Rettungseinheit Brák aus dem Borgarfjörður, die Tiere aus ihrer misslichen Lage zu befreien, berichtet RÚV, Fotos sieht man im Link .Auch an anderen Orten im Norden wurden Pferde unter schweren Schneewehen begraben und mussten ausgegraben werden, nicht alle von ihnen überlebten. Hier sieht man ein Video von Pferden, die befreit werden konnten.

In Grímsnes im Süden des Landes hatten am Mittwoch 24 Mutterschafe aus einer riesigen Schneewehe herausgeschaufelt werden müssen. Auch hier leisteten die freiwilligen Retter Hilfe. Die Schafe waren seit dem Morgen gesucht worden, eins von ihnen überlebte die Schneewehe nicht.

Pferde werden in Island im Winter in der Regel draussen gehalten, wenn sie nicht als Reitpferde genutzt werden. Auf den Weiden gibt es fast überall natürlichen Wetterschutz in Form von Hügeln oder Senken, sodass Herden das Schlimmste dort abwettern kann.

Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST veröffentlichte gestern eine Meldung, in der sie Pferdehalter aufforderte, mit der Heufütterung zu beginnen und den Ernährungszustand der Pferde zu überwachen. Die anrollende Kältewelle nach dem Orkan rufe nach vermehrter Kontrolle und Sorge um draussen gehaltene Tiere. Pferde, die ganzjährig draussen gehalten werden, müssten in einem guten Futterzustand sein.

800 freiwillige Retter im Einsatz

Der grosse Adventsturm hat im ganzen Land eine schier unglaubliche Zahl an freiwilligen Helfern über mehrere Tage hin beschäftigt.

Insgesamt waren einer Zählung des isländischen Zivilschutzes zufolge in den vergangenen Tagen etwa 800 freiwillige Helfer ausgerückt. Alleine 224 Helfer waren im Sölvadalur im Einsatz gewesen, um nach dem in den Fluss gefallenen Mann zu suchen. Die Zählung war gestern Nachmittag an die Medien verschickt worden, möglicherweise liegt die Gesamtzahl noch höher.

Hilfsmannschaften sind aus allen umliegenden Regionen, sowie aus dem Südwesten und Westen nach Norden berufen worden. Etwa 80 Mitglieder der Rettungsorganisation Landsbjörg hatten Einsätze in Húnavatnssýssla gefahren, und 75 im Skagafjörður, schreibt RÚV. Im Nordosten waren 223 freiwillige Retter an Einsätzen im und nach dem Orkan beteiligt.

Insgesamt haben im ganzen Land mehr als 1000 Einsätze stattgefunden. Vor Beginn des Unwetters hatte Landsbjörg Schneemobile und schweres Gerät an Schlüsselpositionen des Nordwesten und der Region Strandir geschickt, weil man davon ausging, dass diese Regionen am schwersten betroffen sei würden.

Der Studie zufolge ist auch die Notfallhotline 112 heissgelaufen. Am Dienstag waren 750 Anrufe dort eingegangen, am Mittwoch 680 Anrufe.

Die nationale Rettungsorganisation Landsbjörg besteht ausschliesslich aus freiwilligen Helfern, die für ihre Einsätze von den Arbeitgebern freigestellt werden. Manche Arbeitgeber zahlen den Lohn während des Einsatzes fort, Pflicht ist dies jedoch nicht.  Die Rettungseinsätze, ob bei Schneesturm im Winter oder im Sommer im Hochland, werden nicht vom Staat bezahlt oder bezuschusst. Landsbjörg finanziert sich ausschliesslich über Spendengelder, Spendenaktionen, und den Verkauf von Feuerwerkskörpern vor Silvester. Gegründet wurde die Organisaton zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Süden des Landes, um in Seenot geratene Seeleute effektiver retten zu können. Das Training heutiger Mitglieder ist umfassend und geniesst auch international einen guten Ruf. Isländische Landsbjörg-Retter gehörten zu den ersten, die nach dem Erdbeben in Haiti auf die Karibikinsel geschickt wurden, um nach Verschütteten zu suchen.