Kläranlage in Selfoss ab 2026 in Betrieb

Selfoss - Suðurland - Ölfusá

Die südisländische Stadt Selfoss plant, eine Kläranlage zu bauen, berichtet Vísir. Bislang wird das Abwasser der 11.656 Einwohner ungereinigt und ungeklärt in den Fluss Ölfusá eingeleitet, zusätzlich zu den Abwässern des Schlachthauses, wenn dort zwischen September und November Schlachtsaison ist.

Vísir schreibt, dass die Zustände in der Gemeinde Árborg in den letzten Jahren nicht gerade vorbildlich gewesen seien, zumal das Abwasser ohne jede Klärung in den Fluss geleitet worden sei. Auch wenn die Ölfusá zu den wasserreichsten Flüssen Islands gehört, so sind nicht nur Einwohnerzahl, sondern auch Siedlungsbereiche und Wohnviertel in den letzten Jahren stark gewachsen. Doch nun soll sich alles zum Besseren wenden.

Ausschreibung: niemand wollte bauen
Sveinn Ægir Birgisson, der Vorsitzende des Árborger Versorgungsausschusses, kündigte an, man sei dabei, eine neue Kläranlage zu bauen. Die Ausschreibung dazu sei bereits im Jahr 2020 veröffentlicht worden, doch habe man kein Angebot erhalten. Derweil habe man schon mal mit den Erdarbeiten begonnen. Jetzt sei die Errichtung des Fundaments ausgeschrieben, gleichzeitig sei man dabei, eine Anlage auszuwählen, die das gesamte Klärwasser reinigt. Die Kläranlage soll im Jahr 2026 in Betrieb genommen werden.
„Wir beginnen mit einer Klärstufe eins, und werden die ein Jahr beibehalten, um zu sehen, was wir als nächstes in der Anlage benötigen, um das Abwasser von Selfoss zu reinigen, und dann werden wir bis zur dritten Klärstufe gehen.“ erklärt Sveinn. „Das ist natürlich das grösste Umweltprojekt, das die Gemeinde in den letzten Jahren angegangen ist. Das wird sicher 600.00 bis 800.000 ISK kosten, die mechanische Klärphase, die wir derzeit planen,“ sagt Sveinn.

Kaum gelöste Abwasserproblematik
Die Abwasserreinigung in Island ist vor allem angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums, des Tourismus und der zunehmenden Industrieansiedlung ein bislang unzureichend bewältigtes Problem.
Dem Gesetz nach sind die Kommunen für Bau und Betrieb der Kläranlagen verantwortlich. Als aufsichtsführende und beratende Behörde zeichnet das Umweltamt verantwortlich. Die zweistufige Klärung von Abwässern ist ebenfalls im Gesetz vorgeschrieben.
Im Zwischenbericht zur Abwasserlage 2022 wird von einer Einwohnerzahl von rund 350.000 Menschen ausgegangen. Nicht enthalten sind die 1,7 Millionen Touristen des Jahres 2022 mit ihren rund neun Millionen Übernachtungen in Hotels und Gästehäusern.

Grosse Städte ohne Kläranlage
Dem Zwischenbericht zufolge sind 83% aller Einwohner einer Kläreinrichtung mit Grobreinigung angeschlossen, 14% der Einwohner sind keiner Kläranlage angeschlossen. Eine einstufige Abwasserreinigung gibt es für einen Prozent der Einwohner, zwei Prozent sind einer zweistufigen Abwasserreinigung angeschlossen.
Vollkommen ungeklärt läuft das Abwasser in den Orten Stykkishólmur, Ólafsvík, Ísafjörður, Hvammstangi, Sauðárkrókur, Húsavík, Þórshöfn, Neskaupstaðir, Höfn í Hornafjörður, Þorlákshöfn, Selfoss, Grindavík, Sandgerði und Garður ins Meer. Manche lebensmittelherstellende Betriebe grobreinigen ihre Abwässer ab Werk.
Eine nicht ausreichende Stufe zwei der Abwasserreinigung gibt es in Egilsstaðir, Hveragerði und Hvolsvöllur.
Der Grossraum Reykjavík verfügt über eine Grobreinigungsstufe vor der Einleitung ins Meer.

Klärschlamm ohne Daten
Zum Klärschlamm fehlen dem Zwischenbericht zufolge Daten über Aufkommen und Behandlung des Klärschlamms. In den meisten Fällen wird der Klärschlamm entweder im Meer entsorgt oder mit Wasser verdünnt. Die einzigen vorhandenen Zahlen stammen aus drei Gemeinden, in denen die Klärschlammmenge von 171 Tonnen im Jahr 2018 auf 373 Tonnen im Jahr 2022 angestiegen war. Der Klärschlamm wurde auf Deponien entsorgt.
Im Wasserplan 2022-2027 ist Abwasser als Hauptbelastungsfaktor für das Wasser in Island definiert.

 

Krise in Islands Abwassersystem

Dælustöðin - Veitur - Skólp

Das Abwassersystem des Landes benötigt mehr finanzielle Mittel, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der steigenden Touristenzahlen und der damit verbundenen Belastung, forderte die Vorsitzende von Samorka, dem Zusammenschluss der Energie- und Wasserversorger in Island.
Die Kanalisation kann eine Quelle der Verschmutzung darstellen, eine gute Reinigung der Abwässer hingegen die negativen Auswirkungen deutlich reduzieren, schreibt Vísir.  Die Samorka-Vorsitzende Kristín Linda Árnadóttir verlangt mehr Aktivität auf dem Gebiet.

Tourismus führt zu Mehrbelastung
“Wir müssen die Ärmel hochkrempeln, um dieses riesige Projekt zu lösen, und dabei ist es wichtig, daran zu denken, dass der starke Anstieg der Touristenzahlen die Belastung der Abwasserkanäle erhöht, insbesondere derjenigen im Inland, die sich häufig in ausgesprochen sensiblen Gebieten befinden.”
Kristín Linda erwähnt auch das heisse Wasser in Island, mit dem wir sparsam umgehen sollten. “Wir wissen ja bereits, dass wir in Zukunft zuwenig heisses Wasser haben werden. Die Bevölkerungszahlen steigen, wir haben einen wachsenden Touristenstrom, sodass wir mehr heisses Wasser benötigen, und wir müssen auch auf unsere Kaltwasserquellen aufpassen.”

Das macht sich nicht jeder klar, denn das kalte Wasser kommt nicht von den Gletschern, sondern aus Quellen und unterirdischen Wasserreservoirs.
“Wir haben natürlich grosse Kaltwasserresourcen, aber man darf nicht vergessen, dass die eben nicht unerschöpflich sind. Diese Resouren muss man schützen und aufpassen, dass sie nicht verunreinigt werden, und dass wir die Gebiete um unsere wichtigsten Quellen nicht stören.” fordert Kristín Linda.

Kommunen auf dem Land ohne Kläranlage
In Island gibt es in vielen Kommunen immer noch keine Kläranlagen und mancherorts fliesst das Abwasser ungeklärt ins Meer. Campingplätze, Sommerhäuser und alleinstehende Höfe verfügen über Klärtanks, die regelmässig geleert werden. Ansonsten ist das Thema Abwasser und Kläranlagen in Island in den letzten Jahren ein eher stiefmütterlich behandeltes gewesen.
Dem letzten Zweijahresbericht der Umweltbehörde zum Thema Abwasser aus dem Jahr 2020 ist zu entnehmen, dass von den untersuchten 28 Kommunen 84% eine Grobreinigung vornehmen, 2% verfügen über eine zweistufige Kläranlage, 14% reinigen hingegen gar nichts. Von den 28 Kommunen leiten 22 ihre Abwässer geklärt oder ungeklärt ins Meer ein, fünf in Flüsse oder Seen und eine Kommune in die Flussmündung.

Im Jahr 2020 gab es in Stykkishólmur, Ólafsvík, Hvammstangi, Ísafjörður, Sauðárkrókur, Siglufjörður, Húsavík, Þórshöfn, Neskaupstaðir, Höfn, Þorlákshöfn, auf den Westmännerinseln, Selfoss, Grindavík, Sandgerði und Garður keine Kläranlage, die Abwasser werden ungeklärt ins Meer eingeleitet.
Die einzigen Städte in Island, die 2020 über eine wenn auch als nicht ausreichend bezeichnete zweistufige Kläranlage verfügten, waren Egilsstaðr, Hvolsvöllur und Hveragerði.

 

Abwassereinleitung in Reykjavík verärgert Anrainer

In den vergangenen Tagen sind mehrere Millionen Tonnen ungereinigtes Abwasser bei Faxaskjól in Reykjavík in die Meeresbucht eingeleitet worden, nachdem die Kläranlage repariert werden musste. Es gab kein Schild, welches vor der Verunreinigung warnte, berichtet RÚV.
Vor allem der Küstenstreifen Ægissíða ist betroffen, und Anwohner, die den Strandabschnitt als Naherholungsgebiet nutzen, etwa Meeresschwimmen, zeigen sich verärgert.
Guðrún Tinna Thorlacius geht oft in Nauthólsvík im Meer schwimmen. “Ich war heute Mittag dort, und es gab keine Informationen darüber, was eigentlich los ist, oder dass sie da soviel Abwasser ins Meer einleiten, so dicht bei Nauthólsvík. Das ist nicht gut, davon nichts zu wissen,” klagt Guðrún.

Kläranlage in die Jahre gekommen
Der Wasserversorger Veitur gab an, man erneuere Teile der Anlage am Faxaskjól, weil das Abwassersystem schon 30 Jahre alt sei. Im August seien über 30 Stunden lang um die 700 Liter pro Sekunde ungeklärtes Abwasser eingeleitet worden, im September waren es 150 Stunden. Das Schmutzwasser stammt aus den Stadtteilen Vesturbær, Breiðholt, Árbær, Norðlingaholt, Garðabær und Kópavogur. Nach Angaben von Presssprecherin Ólöf Snæhólm Baldursdóttir sei dies der einzige Weg, der dem Unternehmen offenstehe: den Betrieb der Kläranlage anzuhalten, weil das Abwasser sonst durch die Rohre wieder hochsteige. Am Donnerstag sollen die Reparaturarbeiten abeschlossen sein. Veitur zufolge habe man die Bürger informiert.
Ein Schild am Strand hätte eigentlich auch dazugehört. Doch die Bakterien im Abwasser lebten ohnehin nur wenige Stunden. Der Müll aus den Toiletten sei schlimmer, weil der im Meer verbleibe.
Das heute genutzte System erlaube nur, ungereinigtes Abwasser ins Meer zu leiten.
“Ein neues System auf zubauen ist eine grosse Sache, die viele Jahre dauert und Milliarden kostet. Dafür braucht es politischen Konsens und Geld, und das ist nicht diskutiert worden.” sagt Ólöf.

Keine Messungen an der Ægissíða
Die beiden Meeresschwimmerinnen Guðrun Tinna und Margrét sind mit den Erklärungen nicht zufrieden und kritisieren einen Informationsmangel, sowie das Fehlen von Wasserproben. Der Strandabschnitt werde von vielen zum Baden, Kayak fahren, Surfen oder auch nur zum Hundespaziergang genutzt. “Das ist nicht appetitlich und gesundheitsgefährdend. Jetzt sind die Rohre einige Tage offen gewesen und es gab keine Messungen hier am Strand, nach denen man weiss, ob die Bakterien wirklich absterben und ob wir ins Wasser können. Das muss geändert werden.” Es sei auch niemandem zuzmuten, Hygieneartikel aus dem Wasser zu fischen.
Islands Abwassersystem befindet sich in keinem guten Zustand, in vielen Städten wird nur eine Grobreinigung des Abwassers vorgenommen und der Rest ungeklärt in Flüsse oder ins Meer eingeleitet.

 

Grosse Mengen an Beruhigungsmittel im Abwasser gefunden

Eine grosse Menge eines ungewöhnlichen Beruhigungsmittels ist in der isländischem Kanalisation gefunden worden, berichtet RÚV. Die Suche nach Medikamenten war Teil einer Forschungsarbeit der Universität Islands in Zusammenarbeit mit einer australischen Forschungsanstalt. An jedem einzelnen Probentag, so RÚV, sei die Chemikalie Etizolam in hoher Konzentration gefunden worden, und zwar weitaus höher als in anderen Ländern. Für die Studie waren um den Jahreswechsel 14 Länder, die meisten davon in Europa, und 35 Kläranlagen ausgewählt und beprobt worden.

Etizolam ist ein Benzodiazepin-Analogon und ähnelt dem gegen Angstzustände und Schlafstörungen eingesetzten Alprazolam. In Deutschland ist der Wirkstoff verschreibungspflichtig und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Etizolam hat eine bis zu zehnfach stärkere Wirkung als Valium. Andes als Alprazolam wird Etizolam in einigen Ländern jedoch als Forschungschemikalie vertrieben, die an der Verschreibungspflicht vorbei den Weg in die illegale Herstellung von zB Xanax-Riegeln gefunden hat und auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird.

Bislang nur nach Rauschgift im Abwasser gesucht
Bei älteren Messungen habe man von Etizolam eher wenig gesehen, man habe jedoch begonnen, auffällige Proben zu markieren, erklärt Kristín Ólafsdóttir, Pharmakologin und Leiterin der Forschungsanstalt an der Universität. Als man zum Jahreswechsel im Rahmen der Studie Proben entnahm, lag die Konzentration des Medikaments um vieles höher, was recht überraschend kam.
Seit dem Jahr 2016 habe man im Abwasser nur nach Rauschgiften wie Cannabis und Amphetamin gesucht.
„Aber dieses neue, künstliche Medikament haben wir bislang nicht gefunden und auch nicht damit gerechet, dass es in messbarer Menge auftaucht, weil es so wenig genutzt wird, sodass wir gar nicht versucht haben, es zu messen.“
Der Fund schlug dann gleich ein wie der Blitz, denn nicht nur fand man grosse Mengen an Etizolam, sondern mit die höchsten Mengen in der gesamten Studie. Endergebnisse liegen noch nicht vor.

In Grossbritannien hatten sich die Behörden besorgt darüber gezeigt, wie häufig Etizolam eingenommen wird und auch davor gewarnt. Nicht zuletzt, weil es oft in illegalen Labors hergestellt wird. Für Schottland, so Kristín, gebe es Zahlen, nach denen Etizolam an 59 Prozent der Todesfälle beteiligt war, also in Wechselwirkung mit anderen Medikamenten seine Wirkung als Gift entfaltet.
„Wir machen uns Sorgen, dass die Leute nicht wissen, was sie da einnehmen, das ist natürlich in hoher Dosis giftig und macht bei Langzeiteinnahme auch süchtig.“ erklärt Kristín.

Ungeklärtes Abwasserproblem
Isländische Kläranlagen hatten erst kürzlich im Fokus gestanden, als sich herausstellte, dass der Anteil ungeklärten Abwassers in Island mit der höchste in allen OECD-Staaten ist. Einer aktuellen Studie der Umweltagentur ist zu entnehmen dass im Jahr 2020 die Abwässer von mindestens 49.000 Einwohnern ungeklärt in Meer und Flüsse eingeleitet werden, darunter in Orten wie Ísafjörður, Sauðárkrókur, Húsavík, auf den Westmännerinseln, Selfoss, Grindavík und Keflavík.
In Reykjavík, Akureyri, Akranes, Borganes und Njarðvik findet eine grobe Reinigung statt, eine zweistufige Klärung wurde vor zwei Jahren in keinem Ort der Insel betrieben. Trotz Absichtserklärungen habe sich, so die Studie, seit 2014 in Sachen Kläranlagen nicht viel getan.

 

Reykjavíks Strände wegen defektem Abwasserrohr verschmutzt

In den kommenden drei Wochen wird Klärwasser von tausenden Haushalten im Hauptstadtgebiet ungeklärt oder möglicherweise nur grob gefiltert in die Bucht Faxaflói eingeleitet, weil ein grosses Abflussrohr erneuert werden muss, berichtet RÚV.
Die Bevölkerung sollte daher den Stränden und Badestätten im nördlichen Bezirk fernbleiben, weil dort Colibakterien lauern. Bislang ist nicht bekannt, ob sich die Wasserverschmutzung ausbreiten wird.

Schuld an der Misere ist ein zehn Meter langes Rohr, welches 1,5 Tonnen Gewicht auf die Waage bringt und in Verbindung mit einem zweiten Rohr normalerweise vier Kilometer in den Faxaflói hineinreicht, wo das geklärte Abwasser dann ausgeleitet wird. Doch nun hat das Verbindungsrohr ein Leck und muss von grundauf erneuert werden.

“Das bedeutet, dass Klärwasser ungereinigt oder nur grobgefiltert ins Meer läuft,” erklärte Ólöf Snæhólm Baldursdóttir, die Pressesprecherin des Reykjavíker Wasserverbandes Veitur. “Damit kommen Colibakterien und Verschmutzung.”
An der Einleitstelle fliessen pro Sekunde 1500 Liter Klärwasser ins Meer, das sind die Abwässer aus 40.000 Haushalten in Garðarbær, Seltjarnarnes, Kópavogur und dem Westteil von Reykjavík. Ólöf zufolge wird die bakterielle Belastung während des Ausnahmezustands regelmässig kontrolliert und auch die Strände sollen abgegangen werden.

Die Lebenszeit von Colibakterien fällt je nach Jahreszeit unterschiedlich aus. Zur Zeit beträgt sie acht bis neun Stunden nach Eintritt ins Meer. Man wisse nicht, ob sie es innerhalb der Zeit mit der Strömung an andere Strände schafften. Man sei sich bewusst, dass man da eine grosse Verschmutzung am Nordweststrand von Reykjavík verursache, sagt Ólöf, wie es anderswo aussehe, das könne man jedoch nicht sagen, weil das von Wetter und Strömung und anderen Faktoren abhänge. Die Leuten sollten die Strände einfach meiden.

Für den beliebten Badestrand Nauthólsvík, wo viele Isländer Meeresschwimmen betreiben, halte man eine Verschmutzung für eher unwahrscheinlich, weil die Lebensspanne der Colibakterien nicht ausreiche. Doch ausschliessen könne man nicht, dass auch der Badestrand betroffen werde.