Sjón zieht Teilnahme an Literaturfestival zurück, weil Islands PM teilnimmt Skip to content
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Sjón zieht Teilnahme an Literaturfestival zurück, weil Islands PM teilnimmt

Der isländische Dichter Sjón hat seine Teilnahme am diesjährigen Iceland Noir Festival zurückgezogen, weil Islands Premierministerin Katrín Jakobsdóttir teilnimmt. Auf Twitter nannte Sjón gestern „die grausame Behandlung von Asylsuchenden“ durch Katrín Jakobsdóttirs Regierung als Grund für seine Absage.

Iceland Noir ist ein Literaturfestival in Reykjavík, welches “Dunkelheit in all ihren Formen” feiert. Das Festival fand zum ersten Mal im Jahr 2013 auf Initiative der Krimiautoren Ragnar Jónasson und Yrsa Sigurðardóttir statt und ist inzwischen auf Autoren ausserhalb des Genre und ein umfangreiches Veranstalungsprogramm angewachsen. Das diesjährige Festival findet vom 16. bis 19. November statt, und neben internationalen Autoren nimmt auch Premierministerin Katrín Jakobsdóttir als Autorin teil. Und der Dichter und Schriftsteller Sjón – bis gestern.
Auf Twitter kündigte er an, nicht zu erscheinen, weil sich die Premierministerin unter den Teilnehmern befinde.

Abschiebung eines Körperbehinderten
Mit seiner Entscheidung bezieht Sjón sich auf die Abschiebung von 15 Asylbewerbern gestern am frühen Morgen, darunter ein körperbehinderter Iraker mit seine Mutter und Schwestern. Die Anwältin der Familie hatte angegeben, die fünf hätten am 18. November vor Gericht erscheinen sollen, um ihr Asylgesuch persönlich darzulegen. Ihr als Anwältin der Familie sei verwehrt worden, mit ihren Mandanten zu sprechen. Der körperbehinderte Mann habe auch nicht mit der offiziellen Interessensvertreterin für behinderte Menschen sprechen dürfen.
Die Anwältin hat noch in der vergangenen Nacht Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht.

Die Behandlung des Mannes provozierte gestern einen öffentlichen Aufschrei, und um 17.00 Uhr hatten sich viele Menschen vor dem Parlament versammelt, um ihrem Unmut über die Aktion Luft zu machen. Organisiert worden war die Demostration von den Gruppen No Borders Iceland und Solaris (eine Hilfsorganisation, die Asylbewerber und Flüchtlinge in Island unterstützt)

Vorfall werde geprüft, sagt PM
Als Reaktion auf die öffentliche Empörung sagte Premierministerin Katrín Jakobsdóttir Vísir gegenüber, es sei “nur natürlich, dass die Leute sich aufregen” sobald Gewalt wie in Fällen wie diesem angewendet würde:
“Aber was wir prüfen müssen, ganz besonders – und ich denke dass ich da für alle spreche – ist die Behandlung der behinderten Person, die sich unter diesen Asylbewerbern befand, die abgeschoben wurden. Es ist extrem wichtig, dass wir grosse Anstrengungen unternehmen, wenn es um verletztliche Gruppen von Leuten geht, und dass wir sicherstellen, dass seine Rechte vollständig respektiert wurden.”

Die Flughafengesellschaft Isavia, die gestern Journalisten daran gehindert hatte, Fotos und Filmaufnahmen zu machen, hat sich inzwischen für ihr Verhalten entschuldigt.

 

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