Nigerianische Asylbewerber abgeschoben Skip to content
Útlendingastofnun directorate of immigration iceland

Nigerianische Asylbewerber abgeschoben

Vier nigerianische Asylbewerber sind gestern von Island aus über Deutschland nach Nigeria abgeschoben worden. Drei der Deportierten waren weibliche Opfer von Menschenhandel, die bereits seit einigen Jahren in Island gelebt hatten, berichtet RÚV.

Trotz Tumor ausgeflogen
Eine der Nigerianerinnen, Blessing Uzoma Newton, hatte im Jahr 2018 aus humanitären Gründen eine Aufenthaltserlaubnis beantragt, die jedoch abgelehnt wurde. Nachdem die Ausländergesetze in Island verschärft worden waren, verloren die Frauen auch alle Rechte auf Unterbringung, medizinische Versorgung und finanzielle Unterstützung und hatten sich fast ein Jahr alleine durchgeschlagen. Blessing war am Freitag den 10. Mai zusammen mit den beiden anderen Frauen verhaftet und in das Gefängnis Hólmsheiði gebracht worden.
Bei ihrer Inhaftierung legte ihr behandelnder Arzt ein Attest vor, wonach die Deportation Blessings Leben in akute Gefahr bringen kann, weil sie an einem bösartigen Tumor in der Bauchhöhle leidet. Blessings Anwalt Helgi Silva Þorsteinsson versuchte, gegen die Deportation aus medizinischen Gründen Einspruch einzulegen. Der Einspruch hätte nur für Blessing gegolten, nicht für die anderen nigerianischen Frauen.
In der vergangenen Nacht sind die Frauen vom Flughafen Keflavík aus ausser Landes geflogen worden. Vor Ort hatte die Flüchtlingsorganisation No Borders Iceland gegen die Abschiebung demonstriert.

Nach Behördeninformation sind die vier Nigerianer mit einem von der europäischen Grenzbehörde Frontex gecharterten Flugzeug transportiert worden. Sie wurden erst nach Frankfurt gebracht und von dort aus heute nach Nigeria geflogen. RÚV berichtet, die Gruppe sei bis Frankfurt von einem für die Polizei tätigen Mediziner sowie dreizehn Mitarbeitern der Polizei begleitet worden. An Bord der Maschine nach Nigeria befanden sich zahlreiche abgewiesene Nigerianer aus Deutschland, Zypern und Österreich.

Stígamót kritisiert Ausweisung von Opfern
Eine Sprecherin von Stígamót, der isländischen Organisation für weibliche Opfer von Gewalt, sagte Visir gegenüber, der isländische Staat breche mit seiner Deportation von Opfern von Menschenhandel internationale Abkommen und gewährleiste nicht ihre Sicherheit am Ankunftsort.
Die vier Abgeschobenen haben Island ohne Geld verlassen, weil sie unter Zwang ausser Landes gebracht wurden. Wer sich freiwillig dazu entscheiden, Island zu verlassen, erhält eine Geldsumme ausgehändigt.

„Wir sind da an einem neuen Punkt in Island angekommen, wenn wir Opfer von Menschenhandel ausweisen, die seit Jahren hier gelebt haben. Sie wurden am Freitag verhaftet, durften keine Besucher empfangen, weder einen Psychologen noch einen Priester sehen.“ kritisiert Stígamót-Sprecherin Drífa Snædal. Die Ausländerbehörde habe auch das ärztliche Attest der krebskranken Frau nicht berücksichtigt. Ihr Arzt hatte ihr eine Transportunfähigkeit bescheinigt.
Drífa befürchtet, dass die Frauen bei ihrer Ankunft in Nigeria gleich wieder Opfer von Menschenhandel werden. Ihre Organisation unternimmt derzeit Versuche, mit Hilfsorganisationen in Nigeria Kontakt aufzunehmen, um den Frauen bei ihrer Ankunft weiterzuhelfen.

Ehemann ohne Abschied abgeschoben
Der der Asylantrag des vierten, männlichen Abgeschobenen war im Januar abgelehnt worden. Er ist mit einer Isländerin verheiratet und hatte einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Der Nigerianer war im Jahr 2021 aus der Ukraine nach Island gekommen, in der Ukraine war er als Fussballspieler verpflichtet worden, aber vor dem drohenden Krieg geflüchtet. Da er noch keine ukrainische Staatsbürgerschaft hatte, erhielt er nicht die Sonderstellung, die allen ukrainischen Kriegsflüchtlingen in Island zuteil wurde.  Seine Frau gab Heimildin gegenüber an, die Verhaftung am Freitag sei aus heiterem Himmel gekommen. Die Polizei habe ihm das Smartphone weggenommen, sie habe sich weder von ihm verabschieden können, noch könne sie Kontakt zu ihm aufnehmen. Die Ausländerbehörde, so sagt sie, habe ihr in Aussicht gestellt, im Sommer Antwort auf ihre Fragen zu erhalten.

 

Sign up for our weekly newsletter

Get news from Iceland, photos, and in-depth stories delivered to your inbox every week!

* indicates required

Subscribe to Iceland Review

In-depth stories and high-quality photography showcasing life in Iceland!

Share article

Facebook
Twitter