Krankenschwestern stimmten für Generalstreik ab dem 22. Juni Skip to content
Emergency room
Photo: Staff in emergency attend to a patient..

Krankenschwestern stimmten für Generalstreik ab dem 22. Juni

Bis heute Mittag hatten sie ihre Stimmen abgeben können, nun hat die Auszählung ergeben, dass die 2600 stimmberechtigten Krankenschwestern in Islands öffentlichen Kliniken und medizinischen Einrichtungen sich für einen Generalstreik entschieden haben. In zwei Wochen geht es los, nachdem sie 15 Monate lang ohne gültigen Tarifvertrag gearbeitet hatten. Die Aussichten für die medizinische Versorgung im Land sieht schlecht aus, der Verhandler auf staatlicher Seite zeigte sich enttäuscht.

Der Streik war mit 85 Prozent aller abgegebenen Stimmen beschlossen worden, 13 Prozent sprachen sich dagegen aus, ein Prozent enthielt sich der Stimme. Die Teilnahme lag bei 82 Prozent. Im Vorfeld hatte es grosse Unterstützung für die Streikmassnahme gegeben.

“Das war das meiste was wir je erlebt haben, fast 100 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren,” kommentierte die Verbandsvorsitzende Guðbjörg Pálsdóttir.
Wenn es nicht gelingt, vor dem 22. Juni zu einem Ergebnis zu kommen, beginnt der Streik am Montag in zwei Wochen um acht Uhr Morgens. “Das betrifft zwei Drittel aller beschäftigten Krankenschwestern, oder 2600 Mitarbeiter im ganzen Land.” erklärte Guðbjörg.

„Das Ergebnis kommt nicht unerwartet, wenn man die Gespräche der letzten Tage betrachtet, aber wir sind sehr enttäuscht”, kommentierte Sverrir Jónsson, der für den Staat verhandelt hatte.
„Das sind sehr ernste Nachrichten, dass der Streik organisiert wird,” sagt auch Páll Matthíasson, der Leiter der Uniklinik in Reykjavík.

Für den Notdienst und die Ambulanzen soll eine Ausnahmeliste den Betrieb sicherstellen. Páll sagt, man müsse noch prüfen, ob man Abteilungen im Streikfall schliessen müsse. Nicht lebensnotwendige Operationen würden in den Sommermonaten ohnehin nicht durchgeführt.

“Akutpatienten werden mit Streikausnahmen versorgt, wenn das nötig ist, aber sehr viel wird warten müssen, und das wird unseren Betrieb stören. Alles was warten kann, wird warten müssen.”

Die Verhandlungen waren über etwa einen Monat geführt worden, nachdem die Krankenschwestern einen Tarifvorschlag im April abgelehnt hatten. In einer Umfrage des Verbandes hatte die Mehrheit angegeben, der Grund- und Tagdienstlohn sei der Grund für die Ablehnung. Den Krankenschwestern gehe es, so erklärt Guðbjörg, um einen höheren Grundlohn, da seien sie sehr entschlossen.

„Nun haben wir den Lohn diskutiert, und wir haben uns da weit aus dem Fenster gelehnt, oder innerhalb des Rahmens, den die Gesellschaft als akzeptabel betrachtet. Wir werden die Gespräche in den kommenden Tagen fortsetzen und versuchen, eine Grundlage zu finden, aber wir haben uns soweit gedehnt wie wir nur konnten,” erklärt Sverrir. Die verlangte Summe der Gegenseite liege ausserhalb des Rahmens, den man für andere Berufsgruppen verhandelt habe.

Guðbjörg bezeichnet es sehr schwierig, für einen Arbeitgeber tätig zu sein, der eigentlich über Jahre nicht bereit ist, einem höheren Gehalt zuzustimmen. Das haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Personalsituation, und ob Leute überhaupt für das isländische Gesundheitswesen arbeiten wollen.

Am Montag will man sich wieder am Verhandlungstisch treffen.

Share article

Facebook
Twitter

Recommended Posts