Zuchtlachs: 2023 brachte Invasion in isländische Flüsse, Wildbestand gefährdet Skip to content
Biologist Jóhannes Sturlaugsson inspects the salmon.
Photo: Eldislax lax.

Zuchtlachs: 2023 brachte Invasion in isländische Flüsse, Wildbestand gefährdet

Noch nie zuvor hat das isländische Marineforschungsinstitut soviele Zuchtlachse aus isländischen Flüssen zur genetischen Überprüfung erhalten wie im letzten Jahr, berichtet RÚV. Ein Sprecher des isländischen Sportangelverbandes sagt, die Frage dränge sich auf, ob man zukünftig nicht alle gefangenen Wildlachse wieder in die Flüsse entlässt, um eine Gegenwehr zu den Zuchtlachsen aufzubauen.
Leo Alexander Guðmundsson, ein Meeresbiologe beim Marineforschungsinstitut, erklärte bei einer Sitzung zum Thema Süsswasserfische am Morgen, dass es im vergangenen Jahr zu einer erhebliche Mutation durch die entkommenen Zuchtlachse gekommen sei.

416 Zuchtlachse in 59 Flüssen
Im vergangenen Jahr sind dem Institut 442 Lachse überbracht worden, bei denen der Verdacht bestand, dass es sich um Zuchtexemplare handeln könnte. Sie waren in insgesamt 59 isländischen Flüssen gefangen worden. Bei der genetischen Überprüfung dieser Fische stellte sich heraus, das 416 von ihnen tatsächlich Zuchtlachse aus Fischzuchtanlagen im Meer waren. Der grösste Teil von ihnen war geschlechtsreif. Vor dem Jahr 2023 hatte das Institut maximal bis zu 64 Zuchtfische pro Jahr genetisch identifiziert. Auf dem Foto ist der Biologe Jóhannes Sturlaugsson zu sehen, der im letzten Jahr nächtelang Zuchtlachse aus Flüssen in den Westfjorden gezogen hat, wie in der Dokumentation Laxaþjóð zu sehen ist.

Widerstand gegen Fischinvasion aufbauen
Der Landesverband der Sportangler zeigt sich über diese Nachricht äusserst besorgt. Der Verbandsvorsitzende Jón Helgi Björnsson gab an, wenn auch weiterhin damit gerechnet werden müsse dass man derart viele Zuchtlachse aus den Flüssen ziehe, dränge sich die Frage auf, ob man nicht vielleicht sämtliche gefangenen Wildlachse, die im Land gefangen werden, wieder in die Flüsse zurückwirft.
„Man dürfte den Wildlachs einfach nicht töten, um seine Widerstandsfähigkeit gegenüber dieser Invasion von Zuchtlachsen zu erhöhen,“ meint Jón.

Gegrillter Wildlachs bald Vergangenheit?
Die sogenannte Catch&Release Angelmethode, bei der der Fisch nach dem Fang gleich wieder ins Wasser zurückgesetzt wird, ist bei vielen Sportanglern üblich und in manchen Flüssen sogar Pflicht. In Island wird der grösste Teil der Wildlachse wieder freigelassen. Damit ist es gelungen, die Angelbelastung der Flüsse zu verringern. Jón Helgi sagt, C&R werde zukünftig noch wichtiger als zuvor.
„Das was für uns bislang völlig normal war, dass man sich bei starken Beständen auch ein bischen was zum Essen fischt, das könnte wohl bald der Vergangenheit angehören. Einfach weil wenn wir auch weiterhin mit derart grossen ungewollten Lachsfluchten rechnen müssen, dann braucht der wilde Lachs jeden einzigen Fisch seines Bestandes.“

Immer noch liegt der neue Rahmengesetzentwurf zur kommerziellen Fischzucht dem Parlament zur Debatte vor. Nach dem Amtswechsel im Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft war auch der Passus zu Strafen bei Fischflucht aus Meereszuchtanlagen geändert worden. Ursprünglich hatte der Gesetzentwurf einen Verlust der Zuchtquote vorgesehen, an seine Stelle sind nun Geldstrafen getreten, die Rede ist von je nach Region bis zu einer Million ISK (6650 EUR) pro entkommenem Zuchtfisch. Icelandreview hatte berichtet.
Anfang Mai waren junge Zuchtfische aus einer landgestützen Zuchtanlage ins Meer entkommen. Hier lesen Sie auch mehr über unfruchtbare, sogenannte triploide Zuchtlachse.

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