Tourismusverband fordert mehr Kontrolle bei ausländischen Busunternehmen Skip to content

Tourismusverband fordert mehr Kontrolle bei ausländischen Busunternehmen

Der isländische Tourismusverband (SAF) glaubt, dass das tschechische Reiseunternehmen Adventura sich nicht an die Gesetze hält, wenn es für bestimmte Zeiträume Reisebusse in Island betreibt. Ein solcher im Ausland registrierter Bus war vor dem Wochenende auf der Öxnadalsheiði von der Strasse gerutscht und hatte eine Ölpest im Wasserschutzgebiet verursacht.
Verbandsvorsitzender Jóhannes Þór Skúlason sieht es an der Zeit, die Kontrolle illegaler Gruppenreisen in Island strenger zu fassen. Bei dem schweren Unfall mit einem Spezialbus für Hochlandfahrten hatten 10 Personen ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen, zwei von ihnen liegen immer noch auf der Intensivstation. Die Bergstrasse hatte zum Auftakt des langen Wochenendes die ganze Nacht über gesperrt müssen, die Reinigungsarbeiten hatten mit erheblichem Aufwand stattgefunden.

Gefährlicher Schrott im Hochland
Das tschechische Unternehmen Adventure betreibt den sogenannten Tatrabus, mit dem Gruppenreisen in die isländische „Wildnis“ veranstaltet werden. Tatra ist ein tschechischer Automobilhersteller, der Trucks für Industrie, Armee, Feuerwehr und andere Institutionen baut. Ein solches Fahrzeug war von Adventura in einen Bus für 20 Fahrgäste umgebaut worden. Der Werbung zufolge garantiere dieses Fahrzeug Bequemlichkeit und Reisefreiheit im isländischen Hochland.

Jóhannes kritisiert dass die Kontrolle mit solchen Fahrzeugen allzu lax gehandhabt wird. „Wir hatten hier in den letzten Jahren schon uralte Reisebusse etwa aus Osteuropa, wo nicht klar war, wie da die jährliche Inspektion gehandhabt und kontrolliert wird. Dann kann der Versicherungsstatus dieser Fahrzeuge in Bezug auf die Anforderungen in Island unzureichend sein. Und das kann damit enden, dass die Fahrgäste keinen Versicherungsschutz haben, wenn sie mit diesem Bus verunglücken,“ erklärt Jóhannes.
Schon im Jahr 2019 hatte sein Verband neun Verbesserungsvorschläge für mehr Kontrolle solcher Fahrzeuge vorgelegt.

10-Tage-Regel ausgeweitet
Seit dem Jahr 2021 gilt eine neue Regel, nach der Reiseveranstalter aus den EU-Mitgliedsstaaten Reisebusse während eines Zeitraums von 30 Tagen nur noch 10 Tage in Island fahren dürfen. Diese Fahrzeuge dürfen aber 12 Monate im Land bleiben und könnten demnach 12 Fahrten zu jeweils 10 Tagen anbieten. An diese Regel hält sich Jóhannes zufolge das tschechische Unternehmen Adventure jedenfalls nicht.
„Bei diesem Fahrzeug wird schon bei einem Blick auf die Buchungsseite klar, dass hier gesetzwidrig gehandelt wird.“ Die Islandreise mit dem Tatrabus dauert nämlich 15 Tage.

Doch obwohl der Tatrabus auch schon mal im Nationalpark Vatnajökull in einem See versunken war, scheinen die Kontrollinstanzen nur wenig Interesse daran zu haben, dem Unternehmen auf die Finger zu schauen. Das hat durchaus Gründe. Die Kontrolle ausländischer Tourismusunternehmen auf isländischem Boden gestaltet sich nämlich kompliziert und ist ein Gemeinschaftswerk gleich mehrerer Institutionen: Zoll, Steuerbehörde, Polizei und Arbeitsamt. Hier fehle es gerne mal an Kommunikation zwischen den Behörden.

Lohndumping aus dem Ausland
Dabei schädigt der Betrieb ausländischer Busunternehmen auch den Inlandsmarkt, unter anderem weil die Löhne der ausländischen Mitarbeiter viel niedriger liegen als in Island.
„Die Busfahrer und Reiseleiter verdienen viel weniger als was auf dem isländischen Arbeitsmarkt vorgeschrieben ist.“ Und so mancher erhalte zwar den in Island üblichen Lohn, müsse dafür aber den Reiseabschnitt im Ausland bis zur Fähre für Gotteslohn fahren.
Damit könnten die ausländischen Agenturen Löhne bieten, die bis zu 40% unter den isländischen Gehältern liegen.

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