Tierschutz: MAST kann während der Lammzeit nicht eingreifen Skip to content
Photo: Steinunn Árnardóttir.

Tierschutz: MAST kann während der Lammzeit nicht eingreifen

Die Nachrichten vom schlechten Zustand einer Schafherde im westisländischen Borgarfjörður beunruhigt nach Angaben des Bürgermeisters Bewohner und die Behörden des Borgarbyggð gleichermassen.  Es sei jedoch nicht die Aufgabe der Gemeinde, hier Maßnahmen zu ergreifen.

Die vernachlässigten Schafe des Hofes Höfði im Borgarfjörður sind mehr als einmal in den Nachrichten aufgetaucht. Steinunn Árnardóttir, eine Organistin und Tierschützerin aus Borgarnes, hat seit langem ein Auge auf die Zustände. Höfðis rund 1000 Schafe sind in der Region bekannt dafür, wild umherzustreifen, nicht geschoren zu werden und alljährlich ihre Lämmer unbeaufsichtigt unter freiem Himmel zu gebären. So auch in diesem Jahr. Zum Gesamtbild gehören über den Wiesen kreisende Rabenschwärme, verwaiste Lämmer und rottende Kadaver. Der isländische Tierschutzbund forderte in einem Brief einmal mehr sofortige Massnahmen.

Schafe sind Behördensache
Bürgermeister Stefán Broddi Guðjónsson sorgt sich wegen der Angelegenheit, aber man müsse da auch auf die Behörde vertrauen, der Islands Tierwohl obliege.  „Weder die Gemeinde noch ihre Bewohner nehmen solche Nachrichten von vernachlässigten Tieren auf die leichte Schulter. Das Borgarbyggð ist eine der grössten landwirtschaftlichen Gemeinden des Landes, hier haben viele Höfe starke Interessen und grossen Ehrgeiz, vorbildliche Landwirtschaft zu betreiben, und sowas kommt selten vor. Natürlich berührt uns so eine Sache.“
Aber es sei nicht an der Gemeinde, Massnahmen zu ergreifen. Die Angelegenheit liege bei der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST), die den betreffenden Hof in den vergangenen Jahren oft kontrolliert hat.  Wenn MAST zuwenig Befugnisse habe, um einzugreifen, dann müsse man eben Gesetze und Verordnungen ändern, fordert Stefán Broddi.

Kein Eingriff während der Lammzeit möglich
Die Direktorin der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, Hrönn Ólina Jörundsdóttir, sagt RÚV gegenüber, man sei sich der Zustände bewusst, Massnahmen seien auch in Vorbereitung, die Tierhaltung des Hofes werde kontrolliert, und die Landwirte erhielten Unterstützung. Es sei jedoch schwierig, mitten in der Lammsaison Massnahmen zu ergreifen. Der nächste Schritt werde entschieden, sobald die Lammzeit beendet sei.

Im Mai vergangenen Jahres hatte Vísir sich mit Steinunn Árnardóttir unterhalten. Der Anlass war der gleiche, schlecht gefütterte Schafe, die nicht geschoren werden, die halbwild den ganzen Winter über und auch zur Lammzeit draussen unterwegs sind, und ihre Lämmer in Gesellschaft von hungrigen Raben und Hunden gebaren, dazu Tierkadaver. Niemand hatte eingegriffen.  Damals hatte Steinunn angegeben, diese Zustände seien schon seit vielen Jahren so, und obwohl der Inspektor von MAST regelmässig vorbeischaue, habe er gegen diese spezielle Schafhaltung nichts einzuwenden.

In einem Artikel der Tageszeitung Vísir aus dem Jahr 2004 steht zu lesen, dass die Höfði-Bauern schon damals regelmässig Besuch vom Bezirkstierarzt hatten, der den Zustand der über 2000 halbwild lebenden Schafe monierte.  Da hatte der Bauer auf Höfði die Nachbarländereien beschuldigt, sich nicht am Schaftrieb zu beteiligen, weswegen er seine Schafe nicht einsammeln und nicht zur Schlachtung bringen könne. Ausserem habe er gar nicht genug Stallplatz für die vielen Tiere. Der Hof hatte damals einen behördlichen Betreuer erhalten, der sich um das Tierwohl kümmern sollte.

Gesetz schreibt Kümmern und Einfangen vor
Das Tierschutzgesetz schreibt konkret vor, dass sich um hilflose oder verletzte Tiere sachgerecht gekümmert werden muss, dass Tiere ausserhalb der Weidesaison mindestens einmal am Tag mit Futter und Wasser versorgt werden müssen. Dazu gehört auch, sie vor Schaden, Krankheiten und anderen Gefahren zu bewahren und sie so zu halten, dass sie jederzeit versorgt werden können.
Die Gemeinde ist gesetzlich verpflichtet, entkommene Tiere einzufangen und aufzustallen, bis der Besitzer sie abholt. Hat der Besitzer sich nach zwei Wochen nicht gemeldet, darf die Gemeinde über den Verbleib der Tiere entscheiden. Zum Ende des Herbstes müssen dem Gesetz nach sämtliche Schafe zusammengetrieben und aufgestallt oder in sichere Einzäunungen verbracht werden. Islands Schafe dürfen nur den Sommer über in bestimmten Regionen frei umherstreifen.

Kommune der Tierschutzfälle
Borgarbyggð hat in den vergangenen Jahren einige der schlimmsten Tierschutzfälle der letzten Jahrzehnte erlebt. Im Oktober 2022 hatten im Einzugsbereich des auch für Höfði zuständigen Tierschutzinspektors von MAST 13 halbverhungerte Pferde euthanasiert werden müssen. Die Veterinäraufsichtsbehörde war seinerzeit erst eingeschritten, als isländische Nachrichtenmagazine und der Tierschutzverein (SDÍ) mit den katastrophalen Zuständen an die Öffentlichkeit getreten waren. Auf Hinweise aus der Bevölkerung war nicht reagiert worden.
Der letzte Tierschutzfall im Land stammt vom 19.4,2024, als im Nordwesten in einem Kuhstall 29 verendete Kühe aufgefunden wurden, 21 mussten vor Ort euthanasiert werden, weitere wurden ins Schlachthaus transportiert. Nicht klar ist, wie und wann zuletzt dieser betreffende Hof von MAST kontrolliert worden ist.

Der Pferdequälerfall von Borgarnes hatte seinerzeit dazu geführt, dass der nationale Rechnungshof eine Initiativprüfung der Tierschutzüberwachung bei MAST einleitete. Anlass für die Überprüfung war nach Angaben von Rechnungshofleiter Guðmundur Björgvin Helgason die Tatsache, dass die Tierschutzüberwachung der Behörde immer wieder in die öffentliche Kritik geraten sei.
Im November letzten Jahres erschien dann der Bericht, der MAST in Bezug auf die Tierwohlkontrolle ein vernichtendes Urteil beschied. Icelandreview hatte ausführlich berichtet.

 

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