Strassenbau in den Westfjorden: aus Asphaltbrösel wird wieder Schotterpiste Skip to content
Photo: Screenshot RÚV.

Strassenbau in den Westfjorden: aus Asphaltbrösel wird wieder Schotterpiste

Der Vestfjarðavegur Nr. 60, die Strasse die durch die Dalir und die Region Reykhólarsveit führt, ist in einem so schlechten Zustand, dass die isländische Strassenverwaltung entschieden hat, den Asphalt streckenweise abzutragen und eine Schotterpiste zu glätten. Der Gebietsleiter der Behörde sagte RÚV, im Frühling bestehe für zahlreiche weitere Strassen die Gefahr, dass sie unbefahrbar würden.

Asphalt zerbröselt mit dem Tauwetter
Die alten Strassen können den steigenden Schwerlastverkehr von und in die Westfjorde nicht bewältigen. Pálmi Þór Sævarsson meint, für eine solche Massnahme müsse die Strasse schon wirklich schlecht aussehen. „Das ist natürlich eine absolute Notlösung. Der Zustand hat sich so verschlechtert, dass dort tiefe Löcher entstanden und der Asphalt zerbröselt ist. Dann lösen sich grosse Brocken, die für den Verkehr sehr gefährlich sind.“ Diese Strassenschäden seien in kurzer Zeit entstanden. „Es hatte dort lange Frost geherrscht, und dann gab es ein paar Mal plötzliches Tauwetter. Da hat sich das völlig zerlegt.“
Eine Asphaltdecke kann nicht vor dem Sommer verlegt werden. Derzeit schaut sich die Behörde den Strassenzustand von der Brattabrekka zur Brücke über den Þorskafjörður an. „Das bereitet uns grosse Sorgen, wie es dort weitergeht. Das sind ja nicht die einzigen Abschnitte, die so schlecht aussehen.“ Bis zum Sommer vergehe noch einige Zeit, in der es abwechselnd gefriere und taue, das stelle für viele Strassen in den Westfjorden ein Problem dar.

16 LKW-Transporte mit Lachs pro Tag
Das Strassennetz in Islands äusserstem Nordwesten ist durch die verstreuten Einzelhöfe riesig, aber für den Individualverkehr früherer Zeiten konzipiert, ganz anders als sich die heutige Verkehrssituation darstellt. „Das sind alte Strassen, die da in grossem Stil Schwerlastverkehr bewältigen müssen. Wir schaffen das gar nicht, die so instandzuhalten, wie wir müssten,“ sagt Pálmi. Die Kosten für die Auffüllung der Schlaglöcher hätten sich in den letzten Jahren verfünffacht, zusammen mit der erhöhten Arbeitsbelastung.

Auch das Geld vom Staat reiche bei weitem nicht aus, wenn durch die Schwerlasstschäden gleich soviele Strassenabschnitte auf einmal zerstört würden. „Als ich hier vor acht Jahren bei der Strassenverwaltung angefangen habe,“ erzählt Pálmi, „da fuhren hier nur ganz wenige Autos. Jetzt sind das rund 16 LKW pro Tag, wenn zum Beispiel die Lachse geschlachtet werden.“

Kaputter Asphalt auf Snæfellsnes
Als klar wurde, wie der Strassenzustand aussieht, setzte die Behörde eine Maximalbelastung von 10 Tonnen fest. Damit können die Transporteure nun weniger Ladung aufnehmen. In den Dalir wurde die Achslast auf sieben Tonnen verringert, damit kam der Weg für kaum noch einen Transport in Frage. Die Transporteure wichen auf andere Strassen aus, wie durchs Djúpið, oder den Innstrandavegur, oder sie nahmen die Fähre Baldur über den Breiðafjörður nach Stykkishólmur.
Für den Schwerlastverkehr wurden dazu die Fährenabfahrten erhöht. Aber rund um Stykkishólmur sieht es auf den Strassen auch nicht besser aus, sagt Pálmi. „Die ersten Kilometer aus Stykkishólmur heraus sind kaputt. Auf Snæfellsnes in Richtung Borgarnes ist die Strasse in schlechtem Zustand und müsste ausgebessert werden.“

Lachsfabriken brauchen Islands Strassen
Die Lebensmittelhersteller in den Westfjorden, allen voran die grossen Lachszuchtfabriken, benötigen das Strassennetz, um ihre Waren zum Verbraucher bringen zu können. Aber natürlich müssen auch Lebensmittel wie Milchprodukte, Obst und Gemüse, sowie Waren des täglichen Bedarfs von Reykjavík aus in die Westfjorde transportiert werden, weil das isländische Warenversorgungsnetz im Hauptstadtbereich zentralisiert ist. So reisen etwa Milchprodukte der Molkerei Arna aus Bolungarvík nach Reykjavík und von dort aus zurück in die Supermärkte von Ísafjörður und Bolungarvík.
Linda Gunnlaugsdóttir vom Fischzuchtunternehmen Arnarlax in den Westfjorden kritisiert, der Strassenzustand verursache Zusatzkosten, zusätzliche Reparaturen und Unfallgefahren.
Pálmi findet es schlimm, die nötige Dienstleistung nicht für die erbringen zu können, die die Strassen benutzen müssten. „Es ist wirklich traurig, dass wir bei diesem Aufbau, der im ganzen Land stattfindet, sowohl in den Westfjorden als auch in Snæfellsnes, nicht mithalten können.“

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