Scrapie: 100 Schafe mit schützendem Gengut bleiben am Leben Skip to content

Scrapie: 100 Schafe mit schützendem Gengut bleiben am Leben

By Dagmar Trodler

Photo: Dagmar Trodler.

Auf dem Hof Stórhóll in der Vestur-Húnavatnssýsla war im Oktober bei einem zweijährigen Schaf die tödliche Krankheit Scrapie gefunden worden. Der Diagnose folgte wochenlanges Bangen, ob wie bisher üblich der gesamte Schafbestand gekeult werden muss, oder ob die Schafe, bei denen gegen Scrapie schützende Genotypen gefunden worden waren, am Leben bleiben dürfen. Nun wurde bekanntgegeben, dass 100 Schafe von der Keulung ausgenommen werden, berichtet RÚV.

Den alten Bestimmungen nach hätten alle 600 Schafe des Bestandes gekeult werden müssen. Zwei Höfe im Nordwesten, die das gleiche Schicksal im September ereilte, hatten noch den gesamten Bestand vernichten müssen, obwohl sich nachweislich Dutzende von Jungeschafen mit schützendem Erbgut im Bestand befanden. Die Vorgehensweise der Veterinäraufsichtsbehörde war seinerzeit scharf kritisiert worden. In der Folge hatte Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir die Regelung dahingehend geändert, dass Schafe mit nachgewiesenen schützenden Genotypen von der Keulung ausgenommen werden.

100 Schafe als Neubeginn
Bei einer Reihenuntersuchung auf Stórhóll stellte sich heraus, dass um die 100 Schafe in der Herde mit mehr oder weniger schützendem Genotyp ausgestattet waren. Diese 100 Schafe sind die ersten in Island, die nach der neuen Bestimmung trotz einer Scrapie-Infektion im Zuchtbetrieb am Leben bleiben dürfen. Sie stellen die Grundlage für einen neuen Bestand, der mit einem Schutz gegen die Krankheit ausgestattet ist.

Für die 100 jungen Auen gelten allerdings scharfe Bestimmungen. Unter anderem ist der gesamte Bestand für sieben Jahre in Isolation zu halten. Nur reinerbige ARR-Schafe dürfen nach zwei Jahren auf die Sommerweide ins Hochland. Es besteht ausserdem die Verpflichtung, sich züchterisch ausschliesslich auf den Scrapieschutz zu konzentrieren.

Erster Schritt zu scrapiefreiem Bestand
Stórhóll ist damit der erste Schafzuchtbetrieb in Island, für den es nach der Scrapie-Diagnose weitergeht.
Bislang waren Keulung, Desinfektion und Brachliegen die einzigen Waffen gegen die ansteckende Nervenerkrankung gewesen, gegen die es kein Mittel gibt. Über Jahrzehnte waren der Scrapie abertausende von Schafen – erkrankte wie gesunde, zum Opfer gefallen, ein hilfloser Versuch, die Seuche auszurotten. Doch der Prion hielt sich hartnäckig und tauchte in bestimmten Gebieten immer wieder auf.
Im vergangenen Jahr hatte dann auf Initiative der Schafzüchterin Karólína Elísabetardóttir und des isländischen Zuchtbüros eine grossangelegte Diagnostikaktion begonnen, um vor Scrapie schützende Genvarianten zu finden, die bei ausländischen Schafrassen durchaus vorhanden sind. Dazu wurden auf allen Höfen des Landes Zuchtlämmern Hautstanzen aus dem Ohr entnommen und genetisch untersucht. Auf dem Hof Þernunes wurde man schliesslich fündig, dort gab es einen alten Bestand mit der schützenden ARR-Variante. Inzwischen konnten mehr Höfe mit solchen Beständen und weitere Genvarianten ausgemacht werden, die ähnlich bis gleichwertig vor der Krankheit schützen.
Mit der neuen Bestimmung, nach der Jungschafe mit schützendem Erbgut von der Keulung ausgenommen sind, kann nun das Projekt in Angriff genommen werden, in Island einen scrapiefreien Schafbestand aufzubauen.

 

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