Reykjanes: Vulkanausbruch Nr. 8 hat begonnen Skip to content
Photo: Screenshot RÚV.

Reykjanes: Vulkanausbruch Nr. 8 hat begonnen

Ein neuer Vulkanausbruch hat sich an der Kraterreihe Sundhnúksgigaröð östlich des Berges Sylingarfell auf der Halbinsel Reykjanes ereignet. Um viertel vor eins heute Mittag öffnete sich auf einer Länge von zunächst einem Kilometer die Erde, und Lavafontänen von bis zu 50 Metern schossen in die Höhe, berichtet RÚV. Berechnungen zufolge hatten sich in der Magmakammer unter Svartsengi mehr als 20 Kubikkilometer Magma angesammelt, mehr als je zuvor in dieser Ausbruchsserie, ein fulminantes Ereignis konnte also erwartet werden. Auf den Ausbruch selbst hätten die Experten aber lange warten müssen, sagte die Vulkanologin beim Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir.

Evakuierungen nach Sirenenwarnung
Die Blaue Lagune, das Kraftwerk Svartsengi und der Küstenort Grindavík wurden umgehend evakuiert. In Grindavík weigerten sich die letzten drei Bewohner, den Ort zu verlassen, am Ende konnten sie aber doch überzeugt werden. Einer von ihnen war noch damit beschäftigt, seine Schafe in Sicherheit zu bringen.
Im Frühjahr waren in der Stadt wie auch in der Lagune Sirenen installiert worden, die ihren Nutzen inzwischen schon mehrfach unter Beweis gestellt haben.
Der Ort ist jetzt menschenleer, und das keine Stunde zu früh, denn gegen Abend war die schnellfliessende Lava über Zufahrtsstrassen im Westen und Norden geströmt, und die Behörden befürchten, dass auch der nach Osten führende Suðurstrandavegur überrollt werden könnte. Grindavík wäre dann nur vom Meer aus erreichbar, bis es möglich ist, einen Weg über die noch heisse Lava zu legen.
Die Lavaföntänen waren deutlich von der Reykjanesbraut zu sehen. Zeitweise zogen dunkle Rauchschwaden über die Halbinsel, nach Angaben der Expertin für Naturkatastrophen, Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir, ein Hinweis auf Aschebeimischung, die hatte es bei den sieben vorherigen Ausbrüchen nicht gegeben. Später wurde bekannt, dass die Lava in Kontakt mit Grundwasser gekommen war. Wegen günstiger Winde besteht keine Gefahr für den Flugverkehr, hiess es bei den Fluglinien Icelandair und Play.

Screenshot mbl

Zweimal stärkerer Ausbruch
Am Abend bezeichnete Zivilschutzleiter Víðir Reynisson die Lage als nicht gut, nicht nur weil Lava über die Strassen fliesst, sondern auch weil die Schutzwälle bedroht sind, ausserdem Telekommunikationsmasten, darunter Masten, die sich im Besitz der amerikanischen Marine befinden. Einige Strommasten waren bereits umgekippt und brannten.
Der Professor für Geophysik, Magnús Tumi Guðmundsson, sagte in einem Interview am Abend, der Ausbruch sei bis zu zweimal stärker als alle vorherigen gewesen, und auch wenn die Kraft bereits merklich zurückgehe, sei dies immer noch der grösste Ausbruch in dieser Serie. Die Lava sei sehr heiss, sehr dünnflüssig und dadurch sehr schnell unterwegs. Sie tendiere allerdings dazu, an den Schutzwällen entlang zu fliessen, die damit wieder einmal ihren Nutzen bewiesen. Auch Víðir betonte in einem Interview, dass Grindavík ohne die Schutzwälle nicht mehr existieren würde. Die neuverlegten Wasser- und Stromleitungen seien zwar alle von Lava bedeckt, aber aufgrund ihrer speziellen Isolierung noch intakt.

Schutzwälle ohne Lücken
Ari Guðmundsson, ein Ingenieur bei Verkís, der in den vergangenen Monaten die Errichtung der Schutzwälle geleitet hatte, zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen. Die vorletzte für Durchfahrten genutzte Lücke im Wall sei heute in aller Eile geschlossen worden, nun gebe es nur noch eine Lücke in der Nähe eines Telekommunikationsmastes, durch die jetzt Lava hinter den Wall fliesse. Der Mast habe bei den heutigen Arbeiten aber keine Priorität gehabt, und man bringe niemanden dafür in Gefahr.
Magnus Tumi sagte in den Abendnachrichten, die Spalte habe sich von ursprünglich vier Kilometern auf 2,4 Kilometer verkürzt, und auch die Fulminanz des Ausbruchs lasse merklich nach. Die Aktivität im Magmatunnel verebbe im Süden und verlagere sich derzeit nach Norden. Möglicherweise kommt Grindavík mit dem Schrecken davon.

Auf den östlich von Grindavík gelegenen Hauptstadtbereich kommt jedoch wegen westlicher Winde in der Nacht eine nicht unerhebliche Gasverschmutzung zu. Es wird empfohlen, die Fenster zu schliessen und Säuglinge nicht im Kinderwagen draussen schlafen zu lassen.

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