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Photo: Screenshot from Björn Steinbekk video.

Reykjanes: Kein Ende der vulkanischen Aktivität in Sicht

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Die derzeitige vulkanische Aktivität auf der Halbinsel Reykjanes ähnelt in vielen Aspekten den Vulkanausbrüchen an der Krafla, nur auf einer anderen Zeitschiene, meint der Geophysiker Magnús Turi Guðmundsson. In einem Interview mit dem Regionalmagazin Víkurfréttir sagt er, bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass der unterirdische Magmazustrom sich verringere. Solange dies der Fall sei, habe man nichts in den Händen, um über eine Dauer des Ausbruchs zu spekulieren.

100 Mio Kubikmeter Magma vorhanden
Am 10. November waren beim ersten Ausbruch dieser Serie rund 100 Millionen Kubikmeter Magma in den Intrusionsgang geflossen, der sich durch die tektonischen Erdbeben in den Wochen zuvor gebildet hatte. Seitdem sei es fünfmal in der alten Kraterreihe Sundhnúkaröð zu einem Lavaausbruch gekommen, sagt Magnús Tumi. Die Gesamtmenge aus diesen fünf Ausbrüchen wird auf 70 bis 80 Millionen Kubikmeter Lava geschätzt, wobei mit jedem Ausbruch mehr Lava geflossen sei. Das sei so wie bei den Kraflafeuern, nur in kürzerer Zeit.
„Dieser Ausbruch verhält sich ähnlich wie der letzte, fulminant zu Beginn, dann verebbt er schnell, danach verringert sich der Lavafluss. Deswegen fliesst die Lava eine kürzere Strecke von den Kratern als zu Beginn. Die Lava baut sich nicht weit von den Kratern entfernt auf. Man kann damit rechnen, dass diese Entwicklung so weiter anhält,“ erklärt Magnús. Eine Dauer des Ausbruchs sei davon allerdings nicht abzulesen, auch der veränderte Wechsel von Landhebung und Senkung im Magmakammergebiet Svartsengi biete da keinen brauchbaren Hinweis.
Solange weiter Magma in die Kammer fliesse, gebe es nichts, was auf ein mögliches Ende der Aktivität hindeute.

Mittelalterausbrüche zum Vergleich
„Wir wissen dass es im 13. Jahrhundert mindestens drei Vulkanausbrüche gegeben hat, in der Illahraun, in der Eldvörp und Arnarsetur, jeweils im Abstand von etwa 15 Jahren. Die jetzt aufgestiegene Magmamenge ist immer noch viel geringer als die der drei Ausbrüche.“ Man müsse daher damit rechnen, dass es noch eine Weile weitergehen könne. Es könne auch sein, dass die Aktivität am Fagradalsfjall muteingerechnet werden muss, dann komme man immerhin auf die halbe Magmamenge, die im 13. Jahrhundert geflossen ist.
„Die derzeitige vulkanische Aktivität könnte im Sommer aufhören, aber sie könnte auch noch ein Jahr lang andauern. Wir haben einfach nichts in den Händen, um ein Ende dieser Ereignisse vorauszusagen.

Kein explosiver Ausbruch
Für die Tatsache dass die Ausbrüche von Mal zu Mal stärker werden, hat Magnús Tumi jedoch eine Erklärung. Jeder Ausbruch sei von einem kleinen Auseinandergleiten der Erdschichten begleitet, daher müsse jetzt mehr Druck als zu Beginn aufgebaut werden, und die Ausbrüche werden stärker. Die Explosivität, die zuletzt beobachtet worden war, sei auf die Kontakt der Lava mit dem Grundwasser zurückzuführen. Ein explosiver Ausbruch sei nur zu erwarten, wenn Lava im Meer emporsteige, davon sei derzeit aber nicht auszugehen.

Schutzwälle und neue Strassenführung
Magnús ist der Ansicht dass die Schutzwälle, die den Lavafluss aufhalten und umleiten sollen, ihren Nutzen unter Beweis gestellt haben. Weitere heftige Ausbrüche mit grosser Lavamenge könnten zwar dazu führen, dass sich Lava auftürme und die Wälle überfliesse, aber dann müsse man den Kampf weiterführen, um grössere Schäden zu vermeiden. Wie in den letzten Tagen bereits von anderen laut überlegt, sieht auch er eine Möglichkeit darin, die Zufahrtsstrasse nach Grindavík etwa auf die andere Seite des Berges Þorbjörn zu verlegen, nicht zuletzt weil die neue Lava Naturschutz geniesst, aber auch, um eine dauerhaft sichere Verbindung zu dem Küstenort zu halten.
Grindavík ist zwar evakuiert und gilt als nicht sicher für einen. dauerhaften Aufenthalt, und ein Grossteil der Bevölkerung hat seine Häuser bereits an den Staat veräussert, aber immer noch wird von Grindavík aus Hochseefischerei betrieben und die Fischfabriken wie zahlreiche damit verbundene Unternehmen versuchen, ihren Betrieb trotz der Gefahren aufrecht zu erhalten.

Andere Ortschaften oder Infrastrukturen auf der Halbinsel Reykjanes sind durch die vulkanische Aktivität nicht bedroht, und auch der Luftverkehr ist in keiner Weise betroffen. Lediglich die vulkanische Luftverschmutzung kann empfindlichen Personen Probleme bereiten, über Belastung und Verbreitung der Gase informiert die Webseite loftgaedi.is.

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