Reykjanes: Eldvörp als möglicher Eruptionsort rückt in den Fokus Skip to content
Grindavík - Þorbjörn

Reykjanes: Eldvörp als möglicher Eruptionsort rückt in den Fokus

Auf der Halbinsel Reykjanes halten Bewohner und Einsatzkräfte immer noch den Atem an und fragen sich ob, wann und wo Lava an die Erdoberfläche gelangt. Die starke Bebentätigkeit am Berg Þorbjörn hat sich in Richtung Eldvörp verlagert, nachdem sich gestern morgen ein Beben der Stärke 5 ereignete, gefolgt von starken Nachbeben. Weiterhin hebt sich jedoch das Land am Þorbjörn.

Experten sehen Lage ernst
Der Geologe Ari Trausti Guðmundsson sagte in einem Radiointerview am Morgen, die Lage sehe nicht gut aus. „Jetzt ist ein anderes Vulkansystem aktiviert worden als das, was zuvor aktiv war.“ erklärte Ari. „Jetzt haben wir eine Magmasammlung in wenigen Kilometern Tiefe und das ist kein Spass. Ich sehe das so, dass die Lage ernst ist. Das kann so oder so ausgehen.“
Es gehe jetzt nicht mehr darum, ob die Erdbebenserie auslaufe. Bei den drei vorangegangenen Ausbrüchen am Fagradalsfjall sei jeweils eine Art von “Finger” aus dem Boden geschossen, doch nun sei das anders: „Diesmal strömt Magma aus sehr grosser Tiefe und breitet sich aus. Damit entsteht eine Art waagrechte Intrusion, die sich über ein grosses Gebiet ausdehnt, wenn man das von oben sehen könnte. Diese Masse bricht sich Bahn, und sie verursacht die induzierten Beben auf beiden Seiten.”

Eldvörp rückt in den Fokus
Je näher an der Erdoberfläche die Magma sich befinde, desto wahrscheinlicher sei es, dass sie einen Weg durch die Oberfläche finde. Einen solchen Weg gebe es: die 10 Kilometer lange Spaltenreihe Eldvörp, die der Magma schon einmal, Mitte des 13. Jahrhunderts, als Ausgang gedient hat.
Ari erklärt, heute sehe die Lage anders aus als vor 700 Jahren, aber auch wieder ähnlich. In jedem Fall gehöre die Eldvörp zu einem anderen System als die vorherigen Eruptionen, die auf Spannungsunterschiede und Plattenverschiebungen zurückzuführen seien.
Kann der sogenannte Tremor von den Messinstrumenten festgestellt werden, muss es schnell gehen, und erst dann könne man sehen, wie sich der Ausbruch verhält. Ihn erinnere die Lage auf der Halbinsel an die Kraflafeuer, mit dem Unterschied, dass der Vulkan Krafla ordentlich Lärm verursacht habe.

Illahraun entstammt anderem System
Die Vulkangruppe Südisland weist in einem Facebookbeitrag darauf hin, dass aus dem vorgenannten System drei Lavafelder entstanden seien: die Stampahraun, Illahraun und Arnarseturshraun, allesamt westlich und nördlich des Þjorbjörn. Dabei zieht sich das Spaltensystem auf einer Länge von etwa 30 Kilometer quer über die Halbinsel. Die beiden Tuffberge Þorbjörn und Sýlingafell sind bei subglazialen Ausbrüchen während der letzten Eiszeit aus diesem Spaltensystem entstanden.
Das Spaltensystem befindet sich unweit des Erdwärmekraftwerks Svartsengi und der Blauen Lagune. Oberhalb von Grindavík gibt es eine Kraterreihe, aus der vor 2400 Jahren Lava hervorquoll. Ein grosser Teil des Ortes steht auf diesem Lavafeld.

Der isländische Zivilschutz hat heute einen Evakuierungsplan für den Ort Grindavík in drei Sprachen veröffentlicht, die Karte findet man in diesem Link. Drei Fluchtwege, sowie Auffanglager und Sammellager sind dort vermerkt. Erste Vorkehrungen wurden auch getroffen für den Fall dass das Kraftwerk Svartsengi ausfällt und die Bewohner der Halbinsel ohne Heisswasser und Strom da sitzen. Am Mittwochabend findet ausserdem eine Bewohnerversammlung in dem Küstenort statt.

Hitzefelder im Drohnenbild sichtbar
Am Abend berichtet mbl.is, dass ein Drohnenpilot bei einem Überflug mit einem Thermomessgerät Hitzefelder entlang der Illahraun festgestellt hat. Der Vulkanologe Þorvaldur Þórðarsson bezeichnete den Fund als bemerkenswert, der unbedingt näher untersucht gehöre, wenn sich da tägliche Veränderungen fänden. Gestern hatte auch er sich mbl.is gegenüber besorgt geäussert, dass die Lage ernst sei. Die chemische Zusammensetzung der Magma lasse darauf schliessen dass sie sehr dünnflüssig sei und bei Hervorbrechen ausgesprochen schnell unterwegs sei. Er sorge sich dass man nicht gut genug vorbereitet sei.

Blaue Lagune: Badegäste schlecht informiert
Die Blaue Lagune, die sich wie das Erdwärmekraftwerk ebenfalls am Nordrand der Illahraun und damit etwa einen Kilomter vom möglichen Eruptionsort entfernt befindet, ist weiterhin geöffnet. Von dort hatte es gehiessen, man sei gut vorbereitet und rechne mit einer Evakuierungszeit von etwa zwei Stunden, um das Gelände vollständig zu räumen. Gestern hatten Reporter frischgebadete Touristen an der Lagune gefragt, ob sie über die ernste Lage aufgeklärt seien oder Erklärungen im Badehaus erhalten hätten. Die meisten hatten sich ahnungslos gezeigt.
Lagunen-Betriebsleiterin Helga Árnardóttir gab Vísir heute gegenüber an, man habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt und die Gäste informiert. Sie sei sehr überrascht, dass die befragten Gäste von nichts gewusst hätten, und selbstverständlich sei der Informationsfluss verbessert worden. Die Lagune bleibe geöffnet.  Wenn der Zivilschutz die Warnstufe erhöhe und die Polizei von Suðurnes das Gebiet möglicherweise evakuiere, dann werde man selbstverständlich reagieren.

 

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