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Photo: Hard to Port. Fin whale calf removed from mother whale at whaling station in Iceland..

Niemand in Island hält derzeit Lizenz zum Walfang

Zur Zeit hält niemand in Island eine Lizenz für den Walfang, berichtet Heimildin. Der Walfang war in isländischen Gewässern mit Unterbrechungen seit dem 17. Jh. praktiziert worden. Wer Wale jagen und töten will, benötigt dafür eine spezielle Erlaubnis des Ministeriums für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel.
Bislang ist kein Antrag auf eine solche Lizenz eingegangen, liess das Ministerium auf eine Anfrage von Heimildin wissen. Im Jahr 2019 hatte das Walfangunternehmen Hvalur hf. eine Jagdlizenz des Ministeriums erhalten, dem damals Kristján Þór Júlíusson von der Unabhängigkeitspartei als Minister vorstand. Die Lizenz galt fünf Jahre und war zum Jahresende 2023 ausgelaufen. Da keine Erneuerung beantragt worden ist, gibt es derzeit niemanden auf der Insel, der Wale jagen darf.

Streit über Verhältnismässigkeit
Die Jagdsaison beginnt üblicherweise im Juni und dauert bis Mitte oder Ende September. Im vergangenen Jahr hatte Ministerin Svandís Svavarsdóttir den Jagdbeginn einen Tag vor Auslaufen der Flotte gestoppt, nachdem der Fachrat für Tierschutz die Jagd für nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar gehalten hatte. Der Fachrat hatte sein Urteil auf Videodokumentationen der Veterinäraufsichtsbehörde aus dem Jahr 2022 gestützt, in der stundenlange Todeskämpfe von angeschossenen Walen zu sehen gewesen waren.
Der Walfang war dann ab dem 1. September wieder gestattet, aber unter neuem Reglement mit verschärften Bedingungen. Die Saison endete am 30. September, in dem Monat erlegten die Waljäger 24 Finnwale.

Vor dem Wochenende hatte der parlamentarische Ombudsmann seine Einschätzung zu der Angelegenheit veröffentlicht. Demnach habe die Ministerin keine Verhältnismässigkeit walten lassen, und für das Aussetzen der Lizenz habe es an einer ausreichend klaren gesetzliche Grundlage gefehlt.
Ob das Ministerium einen Antrag auf Ausstellung der Jagdlizenz stattgeben würde, falls ein solcher eingehen sollte, ist ungewiss. Die Ministerin hatte im Gespräch mit Heimildin gesagt, das uralte Walfanggesetz müsse modernisiert werden und in Harmonie mit Gesellschaft und Tierschutz gestaltet werden.

Walfangverbot in der Mache
Andernorts wird an einem endgültigen Verbot gearbeitet. Auf Initiative des Abgeordneten der Piraten, Andrés Ingi Jónsson, und anderen Parlamentariern war ein Gesetzentwurf zum Verbot des Walfangs entstanden. Der Entwurf war Ende September an den parlamentarichen Wirtschaftsausschuss gesendet worden, wo er sich immer noch in Bearbeitung befindet.
Auf die Frage, ob sie diesen Gesetzentwurf unterstütze, antwortete die Ministerin, sie müsse ihn erst mal studieren.

Seinerzeit waren um die 3500 Kommentare zu dem Entwurf eingelangen, der grösste Teil kam aus dem Ausland. Ob der Entwurf jedoch zum Gesetz wird, ist fraglich. Denn auch wenn Abgeordnete aus vier Parteien (Piraten, Sozialdemokraten, Reformpartei und Volkspartei, sowie einige wenige Linksgrüne) möglicherweise dafür stimmen könnten, würde dem Entwurf eine Stimme aus den Parteien fehlen, die den Walfang schon immer unterstützen: Unabhängigkeitspartei, Fortschrittspartei oder Zentrumspartei.
Ohne ein endgültiges Verbot könnte ein williger Walfänger bei der amtierenden Ministerin oder einem nächsten Amtskollegen um eine Lizenz zum Walfang ersuchen.

 

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