Neue Regel sieht vor, dass jeder Walfang filmisch dokumentiert werden muss Skip to content
Photo: Hybridwal. (Foto: Hard to Port).

Neue Regel sieht vor, dass jeder Walfang filmisch dokumentiert werden muss

Islands Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hat vorgestern eine Anpassung der Walfangbestimmungen vorgelegt, welche sicherstellen soll, dass die Wale beim Töten nicht unnötig leiden. Demnach muss der gesamte Prozess von Tötung bis Anlandung filmisch dokumentiert werden. Der Ratgeber des Internationalen Tierschutzbundes und des Verbands der Walbeobachter glaubt, diese Anpassung könnte der Anfang vom Ende des Walfangs sein.

Wale seien nicht nur die grössten Tiere auf Erden, sondern hätten auch ein hochentwickeltes Nervensystem und könnten daher spüren und leiden, erklärte die Ministerin gestern in einem Radiointerview. „Es ist sehr wichtig, dass das Töten von Walen ähnlich erfolgt wie bei anderen Tieren, die Leiden verspüren können. Dem Gesetz nach dürfen wir bei den Walen keine anderen Bedingungen stellen als bei anderen Tieren. Deshalb werden ich zwei Dinge tun, ohne ein Gesetz ändern zu müssen, und ohne durch das Parlament zu müssen, mit allem was dazugehört.“

Svandís’ Regelanpassung sieht vor, dass zukünftig verpflichtend auf jedem Walfangschiff ein Besatzungsmitglied als Tierschutzbeauftragter ernannt werden muss, der bei einem Kursus bei der Veterinäraufsichtsbehörde lernt, welche Punkte beim Töten eines Wals beachtet werden müssen. Dieser Tierschutzbeauftragte an Bord muss dann das gesamte Prozedere jeder einzelnen Waljagd vom Harpunieren bis zur Anlandung in der westisländischen Zerteilstation filmisch dokumentieren. Die Videos werden anschliessend von einem Amtstierarzt bei MAST ausgewertet.

Gleiche Bedingungen für Schlachthaus und Walfänger
„Damit erhalten wir einen besseren Überblick darüber, wie das eigentlich abläuft und ob das Tierschutzgesetz greift.“ erklärte Svandís. „Ab kommenden Sommer will ich noch einen Schritt weiter gehen und einen Amtstierarzt an Bord haben, der das Prozedere mitverfolgt. Damit werden für den Walfang die gleichen Ansprüche erfüllt wie für die Schlachtung von Rindern oder Schafen – dass ihr Todestag so kurz und schmerzlos wie nur irgend möglich ausfällt.“
Zusätzlich zu diesen Massnahmen prüfe man die wirtschaftlichen Faktoren, um herauszufinden, ob sich die Waljagd volkswirtschaftlich lohnt, und ob es zu rechtfertigen sei, die oben genannte Regeländerung auch nach Ende 2023 aufrecht zu erhalten. Die derzeitige Jagdlizenz für das Unternehmen Hvalur eh. ist bis 2023 gültig. Sie habe die Regeländerung nicht im Kabinett besprochen, gab Svandís im Interview mit RÚV an, weil es sich einfach nur um die praktische Anwendung einer bereits vorhandenen Bestimmung handle, die über ihren Schreibtisch als Ministerin für Fischerei gehe.

Könnte der Anfang vom Ende sein
Sigursteinn Másson, der Ratgeber des internationalen Tierschutzbundes und des Verbandes der Walbeobachter in Island begrüsst die Initiative der Ministerin. Seiner Ansicht nach wird dies dazu führen, dass die Jagd auf Grosswale bald der Vergangenheit angehören wird. Noch besser wäre allerdings gewesen, wenn der Amtstierarzt schon jetzt an Bord der Walfänger gehen müsse.
“Aber das ist ganz klar ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist sehr wichtig, dass dort die ganze Zeit gefilmt werden muss, während der Jagd und bis der Wal in der Zerteilstation an Land gezogen wird.” Ein Seemann aus der Mannschaft sei nur mit den Videoaufnahmen befasst. Die Veterinäraufsichtsbehörde müsse sich darum kümmere, dass dies mit soviel Anstand wie möglich passiere.

Neue Regelung liefert handfeste Beweise
Sigursteinn kritisierte das Festhalten an der Jagd auf Finnwale, die er für unwirtschaftlich hält und weist auf Untersuchungen auf Norwegen hin, wonach der Todeskampf eines Finnwals bis zu 25 Minuten dauern kann, nachdem die Harpune mit vier Kilogramm Sprengstoff im Wal gelandet ist. “Das ist natürlich absolut unbefriedigend.”
Im Jahr 2014 hatte die Fischereibehörde eine Studie zur Länge des Todeskampfes von Finnwalen für das Ministerium für Fischerei angefertigt. Nach dieser Studie dauerte der Todeskampf von acht (aus 50) Walen zwischen sechs und 15 Minuten, weil nachgeschossen werden musste. Die Ergebnisse der Studie hatten damals keine Konsequenz gehabt.
Die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Sigurborg Daðadóttir, sagte RÚV gegenüber, es gebe keine Hinweise darauf, dass in Island beim Walfang das Tierschutzgesetz nicht befolgt werde. Allerdings sei es bislang schwierig gewesen, einen Beweis abzuliefern, dass man sich an das Gesetz halte. Die neuen Regeln schafften genau da Abhilfe.

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