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Mýrdalssandur
Photo: Mýrdalssandur sand plain, the location of the mine.

Mýrdalssandur: Ein Gutachten und ein Tycoon mit russischem Hintergrund

Die isländische Planungsbehörde hat den Sandtransport vom Mýrdalssandur in ihrem gerade erschienen Gutachten als “sehr negativ” beurteilt. Die Besitzverhältnisse des Antragstellers und seine Verbindungen zu Russland, sowie sein Ruf als Umweltverschmutzer sind im Gemeinderat des Mýrdalshreppur jedoch nicht zur Sprache gekommen, berichtet Vísir.
In der vergangenen Woche war das Gutachten veröffentlicht worden. Bislang, so Bürgermeister Einar Freyr Elínarsson, sei von dem Unternehmen noch keine Betriebserlaubnis beantragt worden. „Einwände und Gutachten der Planungsbehörde werden behandelt, wenn die Angelegenheit wieder auf dem Tisch des Gemeindesrates liegt.“ Ob das noch in diesem Sommer passiere, wisse man nicht.

Deutsches Unternehmen ist eigentlich tschechisch
Das Gutachten vom 6. Juni gesellt sich zur grossen Anzahl ausgesprochen negativer Einwände zu dem Projekt, dass das Unternehmen EP Power Minerals an der Hafalda im Mýrdalssandur plant. Dort soll eine gigantische Menge vulkanischen Sandes abgebaut und im Viertelstundentakt ganzjährig durch sieben Gemeinden nach Þorlákshöfn im Westen der Insel zur Verschiffung transportiert werden. Der Sand wird zur Zementherstellung exportiert.

Zu den Gegnern, die sich per offiziellen Einwand zu Wort gemeldet hatten, gehören die sieben betroffenen Gemeinden im Südland, die Umweltbehörde und die Strassenverwaltung. Unter anderem wurde darauf hingewiesen, dass der Sandabbau seine negativen Auswirkungen über 100 bis 200 Jahre nach sich ziehen werde. Nicht nur führe er zu massiver Luftverschmutzung, auch die Kosten der durch den Schwertransport zerstörten Strassen würden auf den Schultern Islands landen.  “Bei einer Umsetzung der Planungen werden viele Menschen über Generationen hinweg mit diesem Betrieb leben“, heißt es in der Stellungnahme der Planungsbehörde. „In Anbetracht der Größe des Einflussbereichs des Projekts, der Anzahl der betroffenen Personen und der Dauer der Auswirkungen geht die Planungsbehörde davon aus, dass die Gesamtwirkung des Projekts erheblich negativ sein wird.“
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Möchten Hafen am Mýrdalssandur
Der Gemeinderat des Mýrdalshreppur hat sich nicht gegen den Sandabbau selbst ausgesprochen, hält aber die Auswirkungen des Schwerlastverkehrs nach Þorlákshöfn für schlecht. Man stehe jedoch sofort für Gespräche um den Bau einer Hafenanlage südlich des Mýrdalssandur bereit. Indem man den Sand auf kürzestem Wege durch Tunnel unter der Ringstrasse transportiere, könne die negative Auswirkung auf den Verkehr, auf Lärmübertragung und den Tourismus verhindert werden, heisst es in einem Protokoll des Gemeinderats. Damit stelle man auch sicher, dass in der Gemeinde ein Arbeitsmarkt aufgebaut werde, sowie Wertschöpfung im Grubengebiet entstehe. Und das ganze Projekt wäre gleich noch viel umweltfreundlicher.

Energie-Tycoon mit Verbindungen nach Russland
Neuigkeiten zu den Besitzverhältnissen des potentiellen Sandgräbers gibt es allerdings auch. Im letzten Sommer hatte es gehiessen, die EP Power Minerals sei ein deutsches Unternehmen. Das ist zwar richtig, aber das Unternehmen befindet sich im Besitz des tschechischen Konzerns EPH, der international tätig ist und zu 94% dem tschechischen Milliardär und Energie-Tycoon Daniel Kretinsky gehört. Kretinsky war vor allem über den Handel mit russischem Gas reich geworden, und damit will er auch nicht aufhören.  Unter anderem ist er in Deutschland Hauptaktionär der Metro, die auch nach dem Angriff auf die Ukraine ihren Handel mit Russland nicht einstellen will.

Vor allem aber ist Kretinsky bekannt als internationaler Umweltverschmutzer: sein Konzern EPH entlässt die europaweit grösste Menge an klimaschädlichen Gasen in die Atmosphäre. Der Konzern des „Kohlebarons“ ist das einzige Unternehmen in Deutschland, das auch nach dem Jahr 2030 noch Kohle verbrennen will. Auch Kretinskys Müllkonzern AVE CZ ist für Umweltskandale berüchtigt.

„Mir ist nicht bekannt, wer Daniel Kretinsky ist, oder wie seine Besitzverhältnisse aussehen,“ kommentierte Bürgermeister Einar Freyr die Frage, ob Kretinskis Eignerschaft, sein Ruf als Umweltverschmutzer und seine Verbindungen zu Russland irgendeinen Einfluss auf die Entwicklung von Mýrdalssandur hätten.

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